Privates Netzwerk für Dedicated Server oder Bare Metal Server einrichten (AlmaLinux 9, AlmaLinux 10, Rocky Linux 9 und Rocky Linux 10)
Bitte verwenden sie die "Drucken" Funktion am Seitenende, um ein PDF zu erstellen.
Für Dedicated Server und Bare Metal Server, die im Cloud Panel verwaltet werden
In diesem Artikel wird erklärt, wie Sie eine Ethernet-Schnittstelle eines Dedicated Servers oder Bare Metal Servers mit AlmaLinux 9, AlmaLinux 10, Rocky Linux 9 oder Rocky Linux 10 als IEEE 802.1Q VLAN-Trunk konfigurieren, um ein privates Netzwerk einzurichten. Führen Sie die beschriebenen Schritte auf jedem Server aus, der dem privaten Netzwerk zugewiesen ist.
Mit einem privaten Netzwerk können Sie Ihr bestehendes Netzwerk in mehrere logische Netzwerke unterteilen. Hierbei kommunizieren die Server über lokale IPs, die nicht im Internet geroutet werden.
Die Verwendung von privaten Netzwerken bietet Ihnen folgende Vorteile:
- Sie können Ihre Netzwerke nach organisatorischen Gesichtspunkten organisieren.
- Sie können Ihre Server leicht hinzufügen oder entfernen.
- Sie können die Latenzzeiten und die Netzwerklast verringern.
- Sie können den Traffic durch Priorisierung der Datenpakete optimieren.
- Die Server sind voneinander isoliert. Die Kommunikation ist nur innerhalb desselben privaten Netzwerks möglich.
Der Einsatz eines privaten Netzwerks kann z. B. in den folgenden Fällen sinnvoll sein:
- Einrichtung eines privaten Netzwerks für Abteilungen oder Projekt-Teams
- Einrichtung eines privaten Netzwerks, das an einen Load Balancer angeschlossen ist
- Einrichtung eines privaten Netzwerks für einen Webserver und einen Datenbankserver
Ein privates Netzwerk, das aus Dedicated Servern oder Bare Metal Servern besteht, können Sie durch die Konfiguration von Tagged VLANs erstellen. VLANs sind virtuelle, lokale Netzwerke und im Standard IEEE 802.1Q spezifiziert. Mit VLANs können Sie ein bestehendes, physisches Netzwerk in mehrere logische Netzwerke mit unterschiedlichen Subnetzen unterteilen. Der Datenverkehr wird hierbei gekapselt, sodass Daten von einem oder mehreren VLANs unabhängig voneinander übertragen werden können.
Bei Tagged VLANs besteht keine feste Zuordnung zwischen dem virtuellen Netzwerk und einem Port. Die Zuordnung erfolgt hierbei durch die Markierung der Datenpakete. Die Datenpakete werden mit Tags versehen, in denen die VLAN-ID hinterlegt ist. Dies geschieht nach IEEE 802.1Q durch das jeweilige Endgerät. In diesem Fall handelt es sich um die Server, die dem privaten Netzwerk zugewiesen sind. Mithilfe der VLAN-ID kann ein Switch erkennen, zu welchem VLAN das Datenpaket gehört. Auf diese Weise können mehrere VLANs über einen einzelnen Switch-Port genutzt werden.
Vorsicht
- Dieser Artikel setzt grundlegende Kenntnisse der Serveradministration mit Linux voraus.
- Wenn Sie den Server nicht korrekt konfigurieren, ist dieser unter Umständen nicht mehr erreichbar.
- Um das private Netzwerk für Dedicated Server oder Bare Metal Server zu nutzen, müssen Sie alle Server konfigurieren, die dem Netzwerk zugewiesen sind.
Voraussetzungen
- Sie haben mindestens zwei Dedicated Server oder Bare Metal Server erstellt.
- Sie haben die Dedicated Server oder Bare Metal Server einem privaten Netzwerk zugewiesen.
VLAN-ID ermitteln
Die VLAN-ID wird für die Konfiguration der Netzwerkkarte benötigt. So ermitteln Sie die VLAN-ID:
- Melden Sie sich in Ihrem IONOS Konto an.
Klicken Sie in der Titelleiste auf Menü > Server & Cloud.
Optional: Wählen Sie den gewünschten Server & Cloud-Vertrag aus.
- Wählen Sie im Bereich Infrastruktur > Server den gewünschten Server.
- Scrollen Sie zum Menüpunkt Private Netzwerke.
- Notieren Sie sich die VLAN-ID. Beispiel: VLAN: 3509
Netzwerkinterface konfigurieren
Um das Netzwerkinterface zu konfigurieren, gehen Sie wie folgt vor:
- Loggen Sie sich auf dem Server als root ein.
Erstellen Sie mit vi die Konfigurationsdatei (Keyfile) für das Netzwerkinterface im Verzeichnis /etc/NetworkManager/system-connections.
[root@localhost ~]# vi /etc/NetworkManager/system-connections/NAME_DER_PHYSIKALISCHEN_SCHNITTSTELLE.VLAN-ID.nmconnection
Beispiel:
[root@localhost ~]# vi /etc/NetworkManager/system-connections/eth0.3509.nmconnection
Hinweise
- Der Editor vi verfügt über einen Einfügemodus und einen Befehls- oder Kommandomodus. Den Einfügemodus können Sie mit der Taste i aufrufen. In diesem Modus werden die eingegebenen Zeichen sofort in den Text eingefügt. Um den Befehlsmodus aufzurufen, drücken Sie anschließend die ESC-Taste. Wenn Sie den Befehlsmodus nutzen, werden Ihre Tastatureingaben als Befehl interpretiert.
- Der Name der Verbindung (id und interface-name) muss der Namenskonvention für VLAN-Interfaces entsprechen (physische Schnittstelle.VLAN-ID, z. B. eth0.3509). Der Dateiname muss auf .nmconnection enden.
Fügen Sie die erforderlichen Informationen in der folgenden Form ein:
[connection]
id=NAME_DER_PHYSISCHEN_SCHNITTSTELLE .VLAN-ID
type=vlan
interface-name=NAME_DER_PHYSISCHEN_SCHNITTSTELLE.VLAN-ID
autoconnect=true
[vlan]
parent=NAME_DER_PHYSISCHEN_SCHNITTSTELLE
id=VLAN-ID
flags=1
[ipv4]
method=manual
address1=IP-ADRESSE/PRÄFIX
[ipv6]
method=disabledBeispiel:
[connection]
id=eth0.3509
type=vlan
interface-name=eth0.3509
autoconnect=true
[vlan]
parent=eth0
id=3509
flags=1
[ipv4]
method=manual
address1=192.168.4.3/24
[ipv6]
method=disabledUm vi zu beenden und die Datei zu speichern, geben Sie den untenstehenden Befehl ein und drücken Sie anschließend Enter:
:wq
Setzen Sie die Dateiberechtigungen auf 600, laden Sie die Verbindungsprofile neu und aktivieren Sie das Netzwerkinterface für das private Netzwerk mit den folgenden Befehlen:
root@localhost ~]# chmod 600 /etc/NetworkManager/system-connections/NAME_DER_PHYSIKALISCHEN_SCHNITTSTELLE.VLAN-ID.nmconnection
[root@localhost ~]# nmcli connection reload
[root@localhost ~]# nmcli connection up NAME_DER_PHYSIKALISCHEN_SCHNITTSTELLE.VLAN-IDBeispiel:
[root@localhost ~]# chmod 600 /etc/NetworkManager/system-connections/eth0.3509.nmconnection
[root@localhost ~]# nmcli connection reload
[root@localhost ~]# nmcli connection up eth0.3509
Hinweis
Alternativ können Sie die Verbindung mit einem einzigen Befehl anlegen. nmcli erstellt das Keyfile automatisch im Verzeichnis /etc/NetworkManager/system-connections mit den korrekten Berechtigungen:
[root@localhost ~]# nmcli connection add type vlan con-name eth0.3509 dev eth0 id 3509 ip4 192.168.4.3/24 gw4 192.168.4.1
Netzwerkkonfiguration testen
Um zu prüfen, ob das Netzwerkinterface für das private Netzwerk korrekt konfiguriert wurde, senden Sie einen Ping an die IP-Adresse eines anderen Servers, der dem privaten Netzwerk zugewiesen ist. Voraussetzung ist, dass dieser Zielserver bereits analog konfiguriert ist (im Beispiel 192.168.4.2/24). Beispiel:
Beispiel:
[root@localhost ~]# ping -c 1 192.168.4.2
PING 192.168.4.2 (192.168.4.2) 56(84) bytes of data.
64 bytes from 192.168.4.2: icmp_seq=1 ttl=64 time=0.478 ms
--- 192.168.4.2 ping statistics ---
1 packets transmitted, 1 received, 0% packet loss, time 0ms
rtt min/avg/max/mdev = 0.478/0.478/0.478/0.000 ms
Wenn die Datenpakete an den Server zugestellt werden, wurde das Netzwerkinterface für das private Netzwerk konfiguriert. Zusätzlich können Sie die Verbindung mit den folgenden Befehlen prüfen:
[root@server ~]# nmcli -f GENERAL,IP4 connection show eth0.3509
[root@server ~]# ip -d link show eth0.3509
Hilfe im Problemfall
Die Verbindung wird nicht gefunden
Nach der Eingabe des Befehls nmcli connection up eth0.3509 wird eine Fehlermeldung angezeigt. Beispiel:
Error: unknown connection 'eth0.3509'.
Diese Meldung weist in der Regel darauf hin, dass die Berechtigungen der Keyfile-Datei nicht korrekt sind. NetworkManager ignoriert Keyfiles, deren Berechtigungen nicht auf 600 gesetzt sind. Prüfen Sie außerdem, ob die Datei auf .nmconnection endet und ob die Werte für parent und interface-name korrekt sind. Setzen Sie die Berechtigungen mit chmod 600, laden Sie die Verbindungsprofile mit nmcli connection reload neu und aktivieren Sie das Interface anschließend mit nmcli connection up eth0.3509.
Keine 802.1Q VLAN-Unterstützung im Kernel verfügbar
Wenn sich das VLAN-Interface nicht aktivieren lässt und im Journal (journalctl -u NetworkManager) ein Hinweis auf fehlende 802.1Q-Unterstützung erscheint, wurde das für die Bereitstellung der VLAN-Unterstützung erforderliche Kernelmodul nicht geladen.
802.1Q VLAN support is not available in the kernel.
Um zu prüfen, ob das Kernelmodul 802.1Q geladen ist, geben Sie den folgenden Befehl ein:
lsmod | grep 8021q
Wenn das Kernelmodul 802.1Q nicht aufgelistet ist, versuchen Sie, es manuell zu laden:
modprobe 8021q
Wird anschließend eine Fehlermeldung wie die folgende angezeigt, verwenden Sie wahrscheinlich einen anderen Kernel als den ursprünglich installierten und haben keinen passenden Satz an Kernel-Modulen geladen (die Kernelversion im Pfad hängt vom jeweiligen Betriebssystem ab):
FATAL: Could not open '/lib/modules/5.14.0-503.el9_5.x86_64/kernel/net/8021q/8021q.ko.xz': No such file or directory
Wenn dies zutrifft, existiert in /lib/modules kein Verzeichnis, das der laufenden Kernelversion entspricht. Installieren bzw. booten Sie in diesem Fall den passenden Kernel inklusive der zugehörigen kernel-modules und aktivieren Sie die Verbindung anschließend erneut mit nmcli connection up eth0.3509.
Weitere Ursachen für diesen Fehler sind:
- Die betreffende Datei wurde gelöscht.
- Sie verwenden einen Kernel, in dem das Kernelmodul 802.1Q nicht enthalten ist.