In diesem Artikel wird erklärt, wie Sie eine Ethernet-Schnittstelle eines Dedicated Servers oder eines  Bare Metal Servers mit Ubuntu 24.04, Ubuntu 26.04, Debian 12 oder Debian 13 als IEEE 802.1Q VLAN-Schnittstelle konfigurieren, um ein privates Netzwerk einzurichten. Die Konfiguration erfolgt über die klassische Schnittstellenverwaltung (ifupdown) mit der Datei /etc/network/interfaces und dem Befehl ifup – nicht über Netplan. 

Mit einem privaten Netzwerk können Sie Ihr bestehendes Netzwerk in mehrere logische Netzwerke unterteilen. Hierbei kommunizieren die Server über lokale IP-Adressen, die nicht im Internet geroutet werden.

Die Verwendung von privaten Netzwerken bietet Ihnen folgende Vorteile:

  • Sie können Ihre Netzwerke nach organisatorischen Gesichtspunkten strukturieren.
  • Sie können Ihre Server leicht hinzufügen oder entfernen.
  • Sie können die Latenzzeiten und die Netzwerklast verringern.
  • Sie können den Traffic durch Priorisierung der Datenpakete optimieren.
  • Jeder Server kann nur mit Servern kommunizieren, die sich im gleichen privaten Netzwerk befinden.

Der Einsatz eines privaten Netzwerks kann z. B. in den folgenden Fällen sinnvoll sein:

  • Einrichtung eines privaten Netzwerks für Abteilungen oder Projekt-Teams
  • Einrichtung eines privaten Netzwerks, das an einen Load Balancer angeschlossen ist
  • Einrichtung eines privaten Netzwerks für einen Webserver und einen Datenbankserver

Ein privates Netzwerk, das aus Dedicated Servern oder Bare Metal Servern besteht, können Sie durch die Konfiguration von tagged VLANs erstellen. VLANs sind virtuelle lokale Netzwerke. Diese sind in IEEE 802.1Q zu einem Standard zusammengefasst. Mit VLANs können Sie ein bestehendes physisches Netzwerk in mehrere logische Netzwerke mit unterschiedlichen Subnetzen unterteilen. Der Datenverkehr wird hierbei gekapselt, sodass Daten von einem oder mehreren VLANs unabhängig voneinander übertragen werden können.

Bei tagged VLANs besteht keine feste Zuordnung zwischen dem virtuellen Netzwerk und einem Port. Die Zuordnung erfolgt hierbei durch die Markierung der Datenpakete. Die Datenpakete werden mit Tags versehen, in denen die VLAN-ID hinterlegt ist. Dies geschieht nach IEEE 802.1Q durch das jeweilige Endgerät. In diesem Fall handelt es sich um die Server, die dem privaten Netzwerk zugewiesen sind. Mithilfe der VLAN-ID kann ein Switch erkennen, zu welchem VLAN das Datenpaket gehört. Auf diese Weise können mehrere VLANs über einen einzelnen Switch-Port genutzt werden.

Achtung

  • Dieser Artikel setzt grundlegende Kenntnisse der Serveradministration mit Linux voraus.
  • Wenn Sie den Server nicht korrekt konfigurieren, ist dieser unter Umständen nicht mehr erreichbar.
  • Um das private Netzwerk für Dedicated Server zu nutzen, müssen Sie alle Server konfigurieren, die dem Netzwerk zugewiesen sind.
     

Voraussetzungen

  • Sie haben mindestens zwei Server erstellt.
  • Die Server wurden demselben privaten Netzwerk zugewiesen.
  • Die Server befinden sich in der gleichen Availability Zone.
  • Sie haben administrativen Zugriff auf die Server.

VLAN-ID ermitteln

So ermitteln Sie die VLAN-ID: 

  • Melden Sie sich in Ihrem IONOS Konto an.
  • Klicken Sie in der Titelleiste auf Menü > Server & Cloud.
    Optional: Wählen Sie den gewünschten Server & Cloud-Vertrag aus.

  • Wählen Sie im Bereich Infrastruktur > Server den gewünschten Server aus.
  • Prüfen Sie im Bereich Funktionen im Abschnitt Rechenzentrumsregionen, welche Availability Zone eingetragen ist und notieren Sie diese.
  • Prüfen Sie die Availability Zone für jeden Server, der sich im privaten Netzwerk befinden soll.
  • Wählen Sie im Bereich Netzwerk > Privates Netzwerk das gewünschte private Netzwerk aus.
  • Prüfen Sie, welche VLAN-ID für die Server angegeben ist, die dem privaten Netzwerk zugewiesen sind. Notieren Sie diese anschließend.

VLAN-Paket installieren

Die VLAN-Unterstützung wird vom Linux-Kernel bereitgestellt. Bei aktuellen Distributionen (Ubuntu 24.04/26.04, Debian 12/13) ist kein separates Kernel-Paket mehr erforderlich; das Modul 8021q ist im Kernel enthalten. Für die VLAN-Konfiguration über /etc/network/interfaces werden lediglich die Pakete ifupdown und vlan benötigt. 

  • Loggen Sie sich auf dem Server als root bzw. mit einem Benutzer mit sudo-Rechten ein.
  • Stellen Sie sicher, dass das VLAN-Paket installiert ist. Um das VLAN-Paket zu installieren, geben Sie die folgenden Befehle ein:

    root@server:~# apt update
    root@server:~# apt upgrade
    root@server:~# apt install ifupdown vlan

  • Laden Sie das Kernel-Modul 8021q und aktivieren Sie es dauerhaft:

    root@server:~# modprobe 8021q 
    root@server:~# echo "8021q" >> /etc/modules 

Netzwerkinterface ermitteln

Ermitteln Sie den Namen des Netzwerkinterfaces. Geben Sie hierzu den folgenden Befehl ein:

root@server:~# ip addr

Verwenden Sie in der Konfiguration das Interface, über das auch Ihr öffentliches Netzwerk läuft. 

Netzwerkinterface konfigurieren

In diesem Schritt müssen Sie für das VLAN bzw. das private Netzwerk das Netzwerkinterface konfigurieren. Im unten stehenden Beispiel gehen wir davon aus, dass ein Host Zugriff auf ein VLAN benötigt, das mit dem Netzwerkinterface eth0 verbunden ist. Die zugewiesene IP-Adresse für den Host ist 192.168.2.1/24 für VLAN 3509. Bei weiteren VLANs verläuft die Einrichtung analog.

Hinweis

Der Name des Netzwerkinterfaces folgt der Namenskonvention ethX.Y. Dabei ist ethX der Name der physischen Schnittstelle und Y die VLAN-ID (z. B. eth0.3509). Aus diesem Namen leitet ifupdown die VLAN-ID automatisch ab. 

  • Öffnen Sie mit vi die Datei /etc/network/interfaces.

    root@server:~# vi /etc/network/interfaces

Hinweis

Der Editor vi verfügt über einen Einfügemodus und einen Befehls- oder Kommandomodus. Den Einfügemodus können Sie mit der Taste [i] aufrufen. In diesem Modus werden die eingegebenen Zeichen sofort in den Text eingefügt. Um den Befehlsmodus aufzurufen, drücken Sie anschließend die ESC-Taste. Wenn Sie den Befehlsmodus nutzen, werden Ihre Tastatureingaben als Befehl interpretiert.

  • Definieren Sie das Netzwerkinterface. Geben Sie hierzu die erforderlichen Informationen in der folgenden Form ein:

    auto [PHYSISCHE_SCHNITTSTELLE].[VLAN-ID]
    iface [PHYSISCHE_SCHNITTSTELLE].[VLAN-ID] inet static
     address [IP-ADRESSE_DES_SERVERS_IM_PRIVATEN_NETZWERK]
     netmask [NETZMASKE]

    Beispiel:

    auto eth0.3509
    iface eth0.3509 inet static
     address 192.168.2.1
     netmask 255.255.255.0

  • Um vi zu beenden und die Datei zu speichern, geben Sie den unten stehenden Befehl ein und drücken Sie anschließend Enter:

    :wq

  • Um das Netzwerkinterface für das private Netzwerk neu zu starten, geben Sie den folgenden Befehl ein:

    root@server:~# ifup [PHYSISCHE_SCHNITTSTELLE].[VLAN-ID]

    Beispiel:

    root@server:~# ifup eth0.3509

Netzwerkkonfiguration testen

Prüfen Sie die Konfiguration des VLAN-Interfaces mit dem folgenden Befehl: 

root@server:~# ip addr show [PHYSISCHE_SCHNITTSTELLE].[VLAN-ID]

Beispiel:

ip addr show eth0.3509

Wenn das Netzwerkinterface erfolgreich konfiguriert wurde, wird z. B. die folgende Meldung angezeigt:

4: eth0.3509@eth0: <BROADCAST,MULTICAST,UP,LOWER_UP> mtu 1500 qdisc noqueue state UP group default qlen 1000
   link/ether 3c:ec:ef:aa:bb:cc brd ff:ff:ff:ff:ff:ff
   inet 192.168.2.1/24 brd 192.168.2.255 scope global eth0.3509
      valid_lft forever preferred_lft forever

Um zu prüfen, ob das Interface korrekt als 802.1Q-VLAN mit der erwarteten VLAN-ID eingerichtet ist, geben Sie zusätzlich den folgenden Befehl ein:

root@server:~# ip -d link show eth0.3509
4: eth0.3509@eth0: <BROADCAST,MULTICAST,UP,LOWER_UP> mtu 1500 ...
   link/ether 3c:ec:ef:aa:bb:cc brd ff:ff:ff:ff:ff:ff
   vlan protocol 802.1Q id 3509 <REORDER_HDR>

Erreichbarkeit im privaten Netzwerk testen

Wenn sich beide Server im selben privaten Netzwerk befinden, können Sie die Erreichbarkeit mit dem Befehl ping testen. Senden Sie zu diesem Zweck einen Ping an die IP-Adresse des anderen Servers, der dem privaten Netzwerk zugewiesen ist. Beispiel:

root@server:~# ping -c 3 192.168.2.3
PING 192.168.2.3 (192.168.2.3) 56(84) bytes of data.
64 bytes from 192.168.2.3: icmp_seq=1 ttl=64 time=0.176 ms
64 bytes from 192.168.2.3: icmp_seq=2 ttl=64 time=0.151 ms
64 bytes from 192.168.2.3: icmp_seq=3 ttl=64 time=0.170 ms

--- 192.168.2.3 ping statistics ---
3 packets transmitted, 3 received, 0% packet loss, time 2050ms
rtt min/avg/max/mdev = 0.151/0.165/0.176/0.018 ms

Wenn die Datenpakete an den Server zugestellt werden, wurde das Netzwerkinterface für das private Netzwerk erfolgreich konfiguriert.

Hinweis

Sollte der Server aufgrund eines Konfigurationsfehlers nicht mehr erreichbar sein, können Sie sich mittels der VNC-Konsole auf dem Server einloggen und die Konfiguration korrigieren. Eine Anleitung hierzu finden Sie im folgenden Artikel:

VNC-Konsole für den Server-Zugriff nutzen (Dedicated Server und Bare Metal Server)

Hilfe im Problemfall

Das physische Netzwerkinterface wurde nicht gefunden

Wenn die physische Schnittstelle nicht existiert oder falsch benannt ist, schlägt das Aktivieren des VLAN-Interfaces z. B. mit folgender Meldung fehl: 

root@server:~# ifup eth0.3509 
Cannot find device "eth0" 
Failed to bring up eth0.3509. 

Prüfen Sie mit dem Befehl ip addr, ob die physische Netzwerkschnittstelle existiert. Öffnen Sie anschließend die Datei /etc/network/interfaces und prüfen Sie, ob der Name des Interfaces korrekt angegeben wurde.  

Das Kernel-Modul 8021q ist nicht geladen 

Ist das Modul 8021q nicht geladen, kann das VLAN-Interface nicht eingerichtet werden. Beim Aktivieren des Interfaces mit ifup wird in diesem Fall z. B. folgende Fehlermeldung ausgegeben: 

root@server:~# ifup eth0.1
WARNING:  Could not open /proc/net/vlan/config.  Maybe you need to load the 8021q module, or maybe you are not using PROCFS??
ERROR: trying to set name type for VLAN subsystem, error: Package not installed
WARNING:  Could not open /proc/net/vlan/config.  Maybe you need to load the 8021q module, or maybe you are not using PROCFS??
ERROR: trying to add VLAN #1 to IF -:eth0:-  error: Package not installed
SIOCSIFADDR: No such device
eth0.1: ERROR while getting interface flags: No such device
SIOCSIFNETMASK: No such device
eth0.1: ERROR while getting interface flags: No such device
Failed to bring up eth0.1.

Wenn Ihnen beim Testen der Netzwerkkonfiguration solch eine Fehlermeldung angezeigt wird, kann dies folgende Ursachen haben:

  • Das Kernelmodul 8021q wurde nicht gefunden.
  • Das Verzeichnis /proc wurde nicht gemountet.

Prüfen Sie zunächst, ob das Modul 8021q aktuell geladen ist:

root@server:~# lsmod | grep 8021q

Wenn das Modul 8021q nicht aufgelistet ist, ist es nicht geladen. Laden Sie es in diesem Fall mit dem folgenden Befehl:

root@server:~# modprobe 8021q

Prüfen Sie anschließend erneut mit lsmod | grep 8021q, ob das Modul nun geladen ist, und aktivieren Sie das VLAN-Interface erneut mit ifup.

Kernel aktualisieren

Um den Kernel zu aktualisieren, gehen Sie wie folgt vor:

  • Aktualisieren Sie alle Pakete. Geben Sie hierzu den folgenden Befehl ein:

    apt update && apt upgrade

  • Um die neuste Kernelversion zu installieren, geben Sie den folgenden Befehl ein:

    apt dist-upgrade

    Durch die Eingabe dieses Befehls führt das Betriebssystem eine intelligente Behandlung von Abhängigkeiten beim Kernelupdate durch.

  • Führen Sie einen Neustart durch. Geben Sie hierzu den folgenden Befehl ein:

    reboot

  • Um zu prüfen, ob die Installation erfolgreich war, geben Sie den folgenden Befehl ein:

    uname -r