Für Dedicated Server und Bare Metal Server mit netboot.xyz-Image

In dieser Anleitung erfahren Sie, wie Sie Ihren Dedicated Server oder Bare Metal Server in das Rescue-System booten und dort mithilfe der Kommandozeilen-Tools storcli bzw. perccli ein Hardware-RAID (RAID 1, 5 oder 6) konfigurieren. Dies ist notwendig, um die Hardware-Konfiguration vor der Betriebssysteminstallation manuell anzupassen.

Wenn Sie einen individuell konfigurierbaren Dedicated Server oder Bare Metal Server mit Hardware-RAID 1 und Hardware-RAID 5 bestellen und auf diesem ein netboot.xyz-Image installieren, müssen Sie mithilfe der Kommandozeilen-Tools storcli bzw. perccli auf dem primären Datenspeicher ein RAID 1 und auf dem zusätzlichen Datenspeicher des Typs HDD oder SSD ein RAID 5 oder ein RAID 6 konfigurieren. 

Hinweise

  • Die Erstellung eines Hardware-RAID setzt sehr gute Kenntnisse der Serveradministration mit Linux voraus.
  • Die Erstellung und Konfiguration eines Hardware-RAID ist nicht im Supportumfang enthalten. Eine Übersicht über die enthaltenen Leistungen finden Sie auf der folgenden Seite: Allgemeine Informationen über den Supportumfang für Serverprodukte

Vorsicht

  • Bei der Erstellung eines neuen RAIDs werden alle vorhandenen Daten auf den Ziel-Festplatten gelöscht.
  • Erstellen Sie ein Backup, bevor Sie Änderungen an einem existierenden RAID vornehmen. 

Server in das Rescue-System booten

Bevor Sie Änderungen am RAID-Controller vornehmen können, muss der Server in einer neutralen Umgebung gestartet werden.

  • Melden Sie sich in Ihrem IONOS Konto an.
  • Klicken Sie in der Titelleiste auf Menü > Server & Cloud.
    Optional: Wählen Sie den gewünschten Server & Cloud-Vertrag aus.

  • Klicken Sie im Bereich Infrastruktur > Server auf den gewünschten Server.
  • Klicken Sie auf Aktionen > Neu starten. Das Fenster Server neu starten öffnet sich.
  • Aktivieren Sie die Methode Rescue System.
  • Wenn Sie das netboot.xyz-Image installiert haben, wählen Sie das Rescue-System Netboot.xyz latest aus. Wenn Sie ein anderes Image installiert haben, wählen Sie das Rescue-System Rescue-System (Linux) aus.
  • Klicken Sie auf Ja. Der Server wird in das Linux-Rescue-System gebootet.
  • Um sich auf Ihrem Server in das Linux-Rescue-System einzuloggen, stellen Sie mithilfe der angezeigten Zugangsdaten per SSH eine verschlüsselte Netzwerkverbindung zu Ihrem Server her.

Hardware-Controller und Laufwerke identifizieren

Nachdem Sie sich per SSH mit dem Rescue-System verbunden haben, müssen Sie feststellen, welcher Controller und welche Tools zur Verfügung stehen.

Prüfen Sie, welches Tool auf Ihrem System vorhanden ist. Geben Sie dazu nacheinander folgende Befehle ein, um die Version abzufragen:

  • storcli64 -v (für gängige Broadcom/LSI Controller)
  • storcli2 -v (für die neueste Generation der Tri-Mode Controller (NVMe/SAS/SATA)
  • perccli64 -v (für Dell PowerEdge RAID Controller älterer Generationen)
  • perccli2 -v (für die neueste Dell-Generation wie z. B. GraniteRapids/Blackwell-Systeme)
Controller ID und Status der vorhandenen physischen Laufwerke anzeigen

Hinweis

In dieser Anleitung verwenden wir beispielhaft storcli64. Ersetzen Sie diesen Befehl je nach Ihrem System durch storcli2, perccli64 oder perccli2.

  • Lassen Sie sich die installierten Controller anzeigen:

    storcli64 /call show

  • Notieren Sie sich die Controller-ID (meist 0).
  • Prüfen Sie den Status der vorhandenen physischen Laufwerke (Physical Drives - PD):

    storcli64 /c0/eALL/sALL show all

  • Achten Sie auf den Status der Laufwerke. Damit ein RAID erstellt werden kann, müssen die Laufwerke im Status Unconfigured Good (UGood) sein.
  • Notieren Sie die Enclosure ID (z. B. 16 oder 252), die Slot-Nummer der Festplatte und die Seriennummer.

Hinweis

Vergleichen Sie die Seriennummer bei einem Austausch immer mit den Angaben des IONOS Kundenservice.

Hardware-RAID erstellen

Wählen Sie je nach Anforderung das passende RAID-Level. Die Syntax lautet allgemein: 

storcli64 /cx add vd type=raidX drives=EnclosureID:SlotID,SlotID…

RAID 1 für das Betriebssystem erstellen

Ein RAID 1 benötigt mindestens 2 Festplatten. Es bietet vollständige Redundanz. Die Speicherkapazität des Verbunds ist maximal so groß wie die Kapazität des kleinsten Datenspeichers.

Um ein RAID 1 zu erstellen, führen Sie folgenden Befehl aus:

storcli64 /c0 add vd r1 drives=ENCLOSURE:SLOT1,ENCLOSURE:SLOT2

In diesem Beispiel wird ein RAID 1 aus zwei Festplatten erstellt, die sich in Slot 4 und 6 im Enclosure 16 befinden:

storcli64 /c0 add vd r1 drives=16:4,16:6

RAID 5 erstellen

RAID 5 benötigt mindestens 3 Festplatten und verwendet Striping mit verteilter Parität. Es bietet durch Parität erhöhte Ausfallsicherheit für den Ausfall eines Laufwerks. Insgesamt bietet RAID 5 ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis in puncto Redundanz und Speicheroptimierung.

Um ein RAID 5 zu erstellen, führen Sie folgenden Befehl aus:

storcli64 /c0 add vd r5 drives=ENCLOSURE:SLOT_NUMMER1-SLOT_NUMMER3

Beispiel:

storcli64 /c0 add vd r5 drives=8:0-2

Alternativ können Sie den folgenden Befehl verwenden:

storcli64 /c0 add vd r5 drives=ENCLOSURE:SLOT_NUMMER1,SLOT_NUMMER2,SLOT_NUMMER3

Beispiel:

storcli64 /c0 add vd r5 drives=8:0,1,2

RAID 6 erstellen

RAID 6 benötigt mindestens 4 Festplatten. Es verwendet Block-Level Striping mit doppelter Parität.  Der große Vorteil gegenüber RAID 5 ist die erhöhte Ausfallsicherheit: Das System bleibt selbst dann betriebsbereit, wenn zwei Festplatten gleichzeitig ausfallen. 

Mit diesem Befehl erstellen Sie ein RAID 6 mit 8 Festplatten, die sich in zwei Enclosures befinden:

storcli64 /c0 add vd r6 drives=ENCLOSURE1:SLOT_START1-SLOT_END1,ENCLOSURE2:SLOT_START2-SLOT_END2

Beispiel:

storcli64 /c0 add vd r6 drives=17:0-3,33:0-3

Mit diesem Befehl erstellen Sie ein RAID 6 mit 12 Festplatten, die sich in zwei Enclosures befinden:

storcli64 /c0 add vd r6 drives=<ENCLOSURE1>:0-5,<ENCLOSURE2>:0-5

Beispiel:

storcli64 /c0 add vd r6 drives=17:0-5,33:0-5

Mit diesem Befehl erstellen Sie ein RAID 6 mit 12 Festplatten, die sich in mehr als zwei Enclosures befinden:

storcli64 /c0 add vd r6 drives=<ENCLOSURE1>:<SLOT_START1>-<SLOT_END1>,<ENCLOSURE2>:<SLOT_START2>-<SLOT_END2>,<ENCLOSURE3>:<SLOT_START3>-<SLOT_END3>

Beispiel:

storcli64 /c0 add vd r6 drives=6:0-3,8:0-3,16:0-3

Konfiguration überprüfen

Nach der Erstellung muss das neue virtuelle Laufwerk (Virtual Drive - VD) überprüft werden. Um Informationen zum neuen virtuellen Laufwerk anzuzeigen, geben Sie den folgenden Befehl ein:

storcli64 /c0/v0 show

Boot-Fähigkeit festlegen

Damit das BIOS/UEFI das primäre RAID 1 als Startlaufwerk erkennt, muss das entsprechende virtuelle Laufwerk (Virtual Drive) auf dem RAID-Controller als Boot-Laufwerk markiert werden. 

Wird auf dem Server sowohl ein RAID 1 für den primären Datenspeicher als auch ein RAID 6 für den sekundären Datenspeicher verwendet, muss sichergestellt werden, dass das RAID 1 als Boot-Laufwerk gesetzt wird.

Passen Sie zu diesem Zweck den folgenden Befehl an und geben Sie ihn anschließend ein:

storcli64 /c<CONTROLLER_ID>/v<VIRTUAL_DRIVE_ID> set bootdrive=on

Beispiel:

storcli64 /c0/v0 set bootdrive=on

In diesem Beispiel wird das virtuelle Laufwerk /c0/v0 als Boot-Laufwerk gesetzt.

Stellen Sie sicher, dass v0 tatsächlich das primäre RAID 1 für das Betriebssystem ist und nicht das sekundäre RAID 6.

Besonderheiten bei UEFI und BIOS

Moderne Bare Metal Server und Dedicated Server nutzen standardmäßig UEFI.

GPT-Partitionierung: Wenn Ihr erstelltes RAID größer als 2 TB ist, müssen Sie bei der anschließenden Betriebssysteminstallation zwingend eine GPT-Partitionstabelle verwenden, da BIOS/MBR diese Größe nicht unterstützt.

Betriebssystem über netboot.xyz installieren

Nachdem die Hardware-Ebene konfiguriert ist, folgt die Installation des Betriebssystems:

  • Wenn die Initialisierung abgeschlossen ist, können Sie das Rescue-System verlassen.
  • Gehen Sie zurück in das Cloud Panel.
  • Klicken Sie im Cloud Panel im Bereich Infrastruktur > Server auf den gewünschten Server.
  • Klicken Sie auf Aktionen > Image neu installieren.
  • Installieren Sie das netboot.xyz-Image.
  • Sobald die Installation abgeschlossen ist, klicken Sie auf die Schaltfläche Konsole. Um eine Verbindung mit der VNC-Konsole zu erstellen, wählen Sie die VNC-Konsole aus. Anschließend öffnet sich die VNC-Konsole in einem neuen Tab und die Verbindung zum Server wird hergestellt. Dies kann etwas dauern.
  • Wählen Sie die Option Continue with Self Installation Here. Das Menü wird geladen.
  • Wählen Sie im Bereich Distributions die Installationsmethode GNU/Linux aus.
  • Wählen Sie die gewünschte Linux-Distribution aus und folgen Sie den Anweisungen.