Windows Rescue-System auf einem Dedicated Server Windows nutzen

Für Dedicated Server, die nach dem 28.10.2018 erworben wurden.

Hier erfahren Sie, wie und wofür Sie das Windows Rescue-System auf Ihrem Dedicated Server Windows nutzen können.

Das Windows Rescue-System ermöglicht Ihnen den Zugang zu Ihrem Server, auch wenn dieser nicht mehr über die Remotedesktopverbindung erreichbar ist. 

Mit Hilfe des Rescue Systems können Sie unter anderem:

  • die Registry des Betriebssystems analysieren, bearbeiten und reparieren

  • das Passwort der lokalen Microsoft Windows-Benutzerkonten zurücksetzen

  • Dienste aktivieren/deaktivieren

  • eine vorhandene Personal Firewall deaktivieren

  • Dateien löschen/kopieren/editieren

  • eine Kommandozeile starten

  • den Server nach einem Absturz Debuggen (Bluescreens Debuggen)

  • Systemdateien mit dem SFC Scan Tool prüfen und reparieren

  • CheckDisk beaufsichtigt starten (um ein korruptes FileSystem zu reparieren)

  • Festplattenpartitionen, –volumes, Master Boot Records (MBR) und Partitionstabellen wiederherstellen

  • mit File Restore Dateien wiederherstellen

  • Daten sichern und z.B. per FTP auf Ihren Backupserver kopieren

  • TCP/IP manuell konfigurieren

Anmerkung

Um eine Verbindung zum Windows Rescue-System herstellen zu können, müssen ausgehende Verbindungen über Port 5900 in der Firewall des Servers erlaubt sein.

Microsoft Diagnostics and Recovery Toolset öffnen

So öffnen Sie das Microsoft Diagnostics and Recovery Toolset:

  • Loggen Sie sich in das Cloud Panel ein.

  • Aktivieren Sie im Bereich Infrastruktur > Server den gewünschten Server.

  • Klicken Sie auf Aktionen > Neu starten.

  • Aktivieren Sie die Methode Rescue System und wählen Sie das gewünschte Rescue-System aus. Die Bit-Bezeichnung des Rescue-Systems (32- oder 64-Bit) muss hierbei mit der Bit-Bezeichnung des Betriebssystems übereinstimmen, das auf dem Server installiert ist.

  • Klicken Sie auf Ja.
    Der Server wird in das Rescue-System gebootet. 

  • Um sich auf Ihrem Server in das Rescue-System einzuloggen, klicken Sie auf den Link VNC-Konsole starten.
    Das Fenster VNC-Konsole öffnet sich.

  • Wählen Sie das gewünschte Tastaturlayout.

  • Um die Tools zur Problemdiagnose aufzurufen, klicken Sie auf Troubleshoot > Microsoft ® Diagnostics and Recovery Toolset.

  • Wählen Sie das gewünschte Betriebssystem.

Das Diagnostics and Recovery Toolset öffnet sich.

Weitere wichtige Programme

Im Windows Rescue-System finden Sie im Ordner X:\Apps eine Reihe von weiteren nützlichen Programmen und Toolsammlungen. Um auf diese Programme zuzugreifen, öffnen Sie im Fenster Diagnostics and Recovery Toolset den Explorer. 

Dienste mit dem Registry Editor aktivieren/deaktivieren.

Dienste können nicht über ein MMC SnapIn aktiviert/deaktiviert werden, sondern müssen über die Registry editiert werden.

Das folgende Beispiel erklärt dies anhand des Lokalen Sicherheitsrichtlinien-Dienstes.

  • Öffnen Sie den Registry Editor.

  • Wählen Sie File > Load Hive.

  • Wählen Sie im Ordner  C:\Windows\system32\config die Datei System aus und klicken Sie auf Open.

  • Geben Sie einen temporären Namen an, z. B. RegTemp.

  • Um die Datei zu laden, klicken Sie auf OK.
    Der Teilbaum der Registry wird unter HKEY_LOCAL_MACHINE\RegTemp angezeigt.

  • Öffnen Sie HKEY_LOCAL_MACHINE\RegTemp\ControlSet001\Services\PolicyAgent.

  • Setzen Sie den Registry Key 'Start' auf 3 (manuell):

  • Klicken Sie auf RegTemp.

  • Klicken Sie im File-Menü auf Unload Hive.

  • Um die Registry zu schließen, klicken Sie auf Yes.

Sollten Sie einmal die lokalen Sicherheitsrichtlinien falsch konfiguriert haben, können Sie somit sicherstellen, dass nach erneutem Booten des Servers der Dienst Lokale Sicherheitsrichtlinien nicht gestartet wird.

Anmerkung

Stellen Sie sich sicher, dass der Bootmodus anschließend wieder auf lokal gestellt wird.

Das oben genannte Beispiel kann im Prinzip auf jeden Dienst Ihres Windows-Servers angewendet werden. Sie müssen lediglich den Dienstnamen in der Registry kennen.

Dateien löschen/kopieren/editieren

Der Explorer bietet Ihnen die Möglichkeit, Dateien zu löschen, zu kopieren und zu editieren. Mit dem integrierten Notepad ist auch ein Text-Editor enthalten.

Backup-Dateien sichern

Um im Windows Rescue-System Dateien zu sichern und per FTP auf Ihren Backup-Server zu laden, gehen Sie wie folgt vor:

  • Öffnen Sie im Fenster Diagnostics und Recovery Toolset den Explorer.

  • Öffnen Sie das Verzeichnis X:\Apps\7-Zip.

  • Doppelklicken Sie auf 7zFM.exe.

  • Wählen Sie die Dateien und Ordner, die Sie sichern möchten.

  • Klicken Sie auf Add.

  • Wählen Sie im Feld Archive: das Laufwerk und den Order aus, in dem die Zip-Datei gespeichert werden soll. 

  • Klicken Sie auf Open und anschließend auf OK.

  • Öffnen Sie das Verzeichnis X:\Apps\FileZilla.

  • Doppelklicken Sie auf filezilla.exe.
    Das Fenster Welcome to FileZilla öffnet sich.

  • Klicken Sie auf OK.

  • Stellen Sie eine Verbindung zum gewünschten Backup-Server her.

  • Wählen Sie die zu sichernden Datei bzw. Dateien aus und übertragen Sie diese mittels Drag & Drop auf Ihren Server.

Anmerkung

Bei sehr großen Dateien (>1GB) empfehlen wir, die zu sichernde Datei vor dem Übertragen mit FTP mit 7-Zip in kleinere Dateien aufzuteilen (z.B. 200MB). Die aufgeteilten Dateien können Sie auf dem Backup-Server wieder mit 7-Zip zusammensetzen.

Debuggen- Bluescreen auswerten

Treiberfehler, defekter Arbeitsspeicher oder Konfigurationsprobleme führen häufig zu einem sogenannten Bluescreen. Bei einem Bluescreen wird immer ein Abbild des zuletzt benutzten Speichers gesichert. Dieses sogenannte Memory Dump File (Speicherabbilddatei) befindet sich unter C:\Windows\MEMORY.DMP. 

Das Windows Rescue-System beinhaltet den Crash Analyzer, um MEMORY.DMP Files zu analysieren. Der Crash Analyzer ist ein Bestandteil des Microsoft Diagnostics and Recovery Toolsets. 

Um das Memory Dump File zu analysieren, starten Sie den Crash Analyzer. Klicken Sie anschließend auf Next und wählen Sie die Datei C:\Windows\MEMORY.DMP. Folgen Sie anschließend dem Menü.

Wenn ein Treiberdefekt als Ursache des Bluescreens identifiziert wird, zeigt Ihnen die Analyse, welcher Treiber für den Bluescreen und somit für den Absturz des Betriebssystems verantwortlich ist. Falls Ihnen diese Auswertung nicht weiterhelfen sollte, wenden Sie sich bitte mit dem Ergebnis der Auswertung zur weiteren Analyse an den Microsoft Support.

Systemdateien des Betriebssystems mit SFC Scan prüfen

Mit SFC Scan können Sie Systemdateien des Microsoft Windows-Betriebssystems prüfen und reparieren. Das Programm verwendet zu diesem Zweck einen Reparaturassistenten. Dieser Reparaturassistent kann Systemdateien, die beschädigt sind oder fehlen, automatisch reparieren. Alternativ kann er Sie fragen, welche Dateien repariert werden sollen. So reparieren Sie das Dateisystem Ihres Servers mit SFC Scan:

  • Klicken Sie im Fenster Diagnostics und Recovery Toolset auf SFC Scan.
    Der System File Repair Wizard öffnet sich.

  • Klicken Sie auf Next.

  • Wählen Sie die Option Scan and prompt before doing an repairs.
    Das Dateisysstem wird anschließend geprüft.

  • Folgen Sie den Angaben im Menü. Wenn fehlerhafte Dateien gefunden werden, werden Sie von SFC Scan gefragt, ob diese repariert werden sollen.

  • Um den System File Repair Wizard zu schließen, klicken Sie auf Finish.

Hotfixes mit Hotfix Uninstall deinstallieren

Mit Hotfix Uninstall können Sie Hotfixes oder Service Packs deinstallieren.

Achtung

Die Deinstallation von Hotfixes erfolgt auf eigene Gefahr! 

Programme, die nach der Installation eines Hotfixes installiert oder aktualisiert wurden, funktionieren möglicherweise nicht mehr richtig, wenn Sie ein Hotfix deinstallieren. Stellen Sie daher sicher, dass vor der Verwendung des Hotfix Uninstalls ein Backup erstellt wird. 

So deinstallieren Sie ein Hotfix:

  • Klicken Sie im Fenster Diagnostics und Recovery Toolset auf Hotfix Uninstall.

  • Klicken Sie auf Next.

  • Deinstallieren Sie das gewünschte Hotfix.

  • Klicken Sie auf Finish.

Anmerkung

Bei Fragen zum Hotfix Uninstall wenden Sie sich bitte an den Microsoft Support.

Mit Disk Commander Festplattenpartitionen, -volumes, Master Boot Records (MBR) und Partitionstabellen wiederherstellen

Mit dem Disk Commander können Sie Festplattenpartitionen, -volumes, Master Boot Records (MBR) und Partitionstabellen wiederherstellen. Dies ist mittels der folgenden Verfahren möglich:

  • Wiederherstellung des Master Boot Records

  • Wiederherstellung von einem oder mehreren verlorenen Volumes.

  • Wiederherstellung von Partitionstabellen mit einem Disk Commander Backup

  • Partitionstabellen in Disk Commander Backup speichern

Um Festplattenpartitionen, -volumes, Master Boot Records (MBR) und Partitionstabellen wiederherzustellen, gehen Sie wie folgt vor:

  • Klicken Sie im Fenster Diagnostics und Recovery Toolset auf Disk Commander.

  • Klicken Sie auf Next.

  • Wählen Sie das gewünschte Verfahren aus.

  • Klicken Sie auf Next.

  • Folgen Sie den Anweisungen im Menü.

Mit Checkdisk ein beschädigtes Dateisystem reparieren

Bei einem beschädigten Dateisystem (Dirty Filesystem) wird das sogenannte Dirty Bit gesetzt. Einfach gesagt bedeutet dies, dass Ihr Dateisystem in einem inkonsistenten Zustand ist. Dies passiert immer dann, wenn z.B. noch Änderungen am Volume ausstehen und der Server rebootet wird, bevor diese Änderungen übernommen werden können. So fragen Sie ein DirtyBit  ab:

  • Klicken Sie auf das Fenster Administrator. X:\windows\system32\cmd.exe.

  • Geben Sie folgenden Befehl ein:
    C:\>chkntfs c:
    Wenn ein sogenanntes Dirty Bit gesetzt ist, erscheint die folgende Meldung:
    The type of the file system is NTFS.C: is dirty. You may use the /C option to schedule chkdsk for   this drive.
    C:\>

    Ein gesetztes Dirty Bit führt nach einem Reboot immer dazu, dass das Programm checkdisk ausgeführt wird. Checkdisk kann zwar ein beschädigtes Dateisystem reparieren, ein Checkdisk direkt nach einem Reboot kann jedoch von Ihnen nicht beaufsichtigt werden. Deshalb empfehlen wir Ihnen, durch folgenden Befehl den automatischen Start von Checkdisk nach dem nächsten Reboot zu unterbinden:
    C:\>chkntfs C: /X
    The type of the file system is NTFS.
    C:\>

    Booten Sie stattdessen Ihr System in das Windows Rescue-Sytem, um dort Checkdisk auszuführen. Bevor Sie Checkdisk starten, sollten Sie ein komplettes Backup Ihrer Daten vornehmen. So starten Sie Checkdisk:
    C:\>chkdsk C: /F
    Nach einem erfolgreich beendeten Checkdisk sollte die nächste Überprüfung des Filesystems folgendes ergeben:
    C:\>chkntfs C:
    The type of the file system is NTFS.
    C: is not dirty.
    C:\>

Ihr Dateisystem befindet sich nun wieder in einem konsistenten Zustand.