Was ist Environmental Social Governance (ESG)?

Wer nach nachhaltigen Alternativen am Aktienmarkt sucht, kann schnell überfordert sein, denn nicht alle augenscheinlich ökologischen Aktien versprechen, was sie halten. Abhilfe schafft Environmental Social Governance (ESG). Verschiedene ESG-Kriterien garantieren, dass das betreffende Unternehmen eine Reihe von wichtigen Nachhaltigkeitsaspekten berücksichtigt.

Bei ESG handelt es sich um einen Standard, an dem man im Bereich Investment kaum mehr vorbeikommt. Sowohl institutionelle als auch private Anleger legen immer mehr Wert auf nachhaltige und moralisch vertretbare Investitionen. Seit 2006 können Unternehmen sich im Zuge der Initiative Principles of Responsible Investments (PRI) freiwillig dazu verpflichten, die verschiedenen ESG-Kriterien einzuhalten. Über 3.000 Unternehmen weltweit haben sich mit dem Unterzeichnen der PRI-Initiative dazu verpflichtet, die für Environmental Social Governance relevanten Punkte in ihre Unternehmensstruktur zu integrieren.

Die ESG-Kriterien im Überblick

Die verschiedenen Kriterien beziehen sich auf die unterschiedlichen Bestandteile von Environmental Social Governance: Umwelt, Sozialverantwortung und nachhaltige Unternehmensführung.

Environment – Umwelt

Die erste Kategorie an ESG-Kriterien fokussiert sich auf ökologische Nachhaltigkeit. Mithilfe dieser Kriterien soll u. a. sichergestellt werden, dass im betreffenden Unternehmen Ansätze wie Klimaschutz oder die Nutzung von erneuerbaren Energien verfolgt werden. Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Umweltkriterien. Die wichtigsten haben wir für Sie tabellarisch zusammengefasst:

Kriterium

Erklärung

Erhaltung der Artenvielfalt

Das Unternehmen muss sicherstellen, die Artenvielfalt nicht zu gefährden. Beispielsweise sollen übermäßiges Abholzen von Regenwäldern oder Überfischung vermieden werden.

Schonen von Ressourcen

Ressourcenschonendes Arbeiten muss verfolgt werden. Hierzu zählen beispielsweise Recyclingprogramme.

Klimaschutz / geringe Emissionen

Das Unternehmen soll sich für den Klimaschutz einsetzen. Hierzu können CO2-Emissionen gesenkt werden, indem beispielsweise Lieferketten verkürzt werden.

Investition in erneuerbare Energien

Das Unternehmen bezieht seinen Strom aus grünen Energiequellen, hierzu wird z. B. Green Hosting eingesetzt.

Social – Sozialverantwortung

Environmental Social Governance erstreckt sich nicht nur auf ökologische Themenbereiche. Auch in anderen Aspekten der Unternehmenskultur soll auf ethisch vertretbares und verantwortungsbewusstes Handeln gesetzt werden. Ein wichtiger Bereich der ESG-Kriterien ist daher die Sozialverantwortung der Unternehmen:

Kriterium

Erklärung

Chancengleichheit

Das Unternehmen soll Chancengleichheit umsetzen, indem Frauen und Männer gleich bezahlt und auch Menschen mit Einschränkungen eingestellt werden.

Menschenrechte

Menschenrechte müssen geachtet werden. Der Bezug von Waren, die unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wurden, ist zu vermeiden.

Mitarbeiterschutz und Arbeitsrechte

Für die eigenen Mitarbeiter muss das geltende Arbeitsrecht eingehalten werden. Darüber hinaus soll der Gesundheitsschutz von Mitarbeitern bedacht werden, beispielsweise indem ergonomische Büromöbel zur Verfügung gestellt werden.

Versammlungs- und Gewerkschaftsfreiheit

Die Versammlungs- und Gewerkschaftsfreiheit der Mitarbeiter ist vom Unternehmen zu fördern.

Corporate Social Responsibility (CSR)

Im Allgemeinen sollen Aspekte der CSR eingehalten werden.

Nachhaltigkeitsstandards auch bei Zulieferern

Unternehmen sollen dafür sorgen, dass die ESG-Kriterien auch bei Zulieferern umgesetzt werden.

Hohe Standards bei Gesundheit und Sicherheit

Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter müssen hohe Priorität haben. 

Governance – Unternehmensführung

Die ESG-Kriterien umfassen nicht zuletzt auch bestimmte Punkte der Unternehmensführung. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass auch unternehmensintern bestimmte Werte vertreten werden. Die wichtigsten Kriterien im Überblick:

Kriterium

Erklärung

Allgemeine Unternehmensethik

Das Unternehmen soll sich moralischen Grundsätzen verpflichten und somit ethisch handeln.

Verhinderung von Korruption und Bestechung

Auf jeder Ebene des Unternehmens ist darauf zu achten, Korruption und Bestechung zu verhindern.

Vergütung

Eine angemessene Vergütung der Mitarbeiter ist sicherzustellen. Auch ist denkbar, dass die Vorstandsvergütung teilweise für die Umsetzung von weiteren Nachhaltigkeitszielen genutzt wird.

Corporate Governance

Durch allgemeine Grundsätze von Corporate Governance sollen u. a. Risikomanagement, Transparenz sowie die Gleichbehandlung von Interessen sichergestellt werden.

Wie funktionieren ESG-Kriterien?

Nachhaltiges Handeln ist nicht immer ein Selbstzweck. Für viele Unternehmen rentiert es sich langfristig, in ihre Nachhaltigkeitsstrategie zu investieren. Dies ist nicht zuletzt darin begründet, dass Nachhaltigkeit im gesamtgesellschaftlichen Bewusstsein in den letzten Jahren deutlich stärker in den Fokus gerückt ist.

Die Nachhaltigkeitsbewertung anhand von ESG-Kriterien funktioniert jedoch nicht für alle Unternehmen gleichermaßen. Eine entscheidende Rolle, vor allem in Bezug auf diejenigen Kriterien, die sich auf die Umwelt beziehen, spielt der jeweilige Unternehmenssektor. So ist auf den ersten Blick einleuchtend, dass CO2-Emissionen im Energiesektor stärker gewichtet werden als beispielsweise im Dienstleistungssektor. In letzterem sind vor allem die sozialen Kriterien von hoher Bedeutung.

Lediglich hinsichtlich der nachhaltigen Unternehmensführung werden die ESG-Kriterien auf nahezu alle Unternehmen in identischem Maße angewendet. Im Bereich Corporate Governance ist es im Allgemeinen wichtig, Aspekte wie die Unabhängigkeit des Vorstands oder die Etablierung einer vertretbaren Unternehmensethik zu fördern.

ESG-Ratings

Ratings bestimmen die Sicherheit einer Anlage. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen bankinternen und bankexternen Ratings. Letztere werden von eigens darauf spezialisierten Unternehmen, sogenannten Ratingagenturen, durchgeführt. Auf Grundlage der ESG-Kriterien haben sich eine ganze Reihe auf ESG-Ratings spezialisierte Agenturen am Markt etabliert. Auf Grundlage der Ratingergebnisse können Investoren feststellen, ob ihre Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllt werden oder nicht. Zu den wohl bekanntesten ESG-Agenturen zählen die amerikanische Agentur ISS ESG und das niederländische Unternehmen Sustainalytics. Doch auch klassische Ratingagenturen wie S&P bieten Ratings mit Bezug zu den ESG-Kriterien an.

Einhaltung der ESG-Kriterien

Ob die ESG-Kriterien eingehalten werden, wird im Auftrag von Investoren von den Ratingagenturen geprüft. Die Agenturen benutzen dabei unterschiedliche Punktesysteme, mit denen sie den ESG-Score eines Unternehmens beziffern. Aufgrund der unterschiedlichen Score-Systeme ist es schwierig, ESG-Ratings unterschiedlicher Agenturen miteinander zu vergleichen. Nichtsdestotrotz orientieren sich alle Messungen an den ESG-Kriterien. Materielle Faktoren wie CO2-Emissionen oder Vergütung werden u. a. anhand von Lageberichten der Unternehmen gerankt. Ungleich schwieriger gestaltet sich jedoch die Messung von immateriellen Werten wie der Mitarbeiterzufriedenheit.


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