Crowdfunding

Mit Crowdfunding (auf Deutsch manchmal als „Schwarmfinanzierung“ bezeichnet) lassen sich Projekte realisieren, ohne namhafte Investoren ins Boot holen zu müssen. Stattdessen finanzieren eine Vielzahl von Interessenten bzw. Fans direkt Ihr Projekt, z. B. über Spenden und Leihgaben. Crowdfunding ist ein verhältnismäßig junges Konzept, das 2008 mit Gründung von Indiegogo und ein Jahr später mit der Inbetriebnahme von Kickstarter.com seinen Anfang nahm. Seitdem konnten sich viele namhafte Projekte über Crowdfunding realisieren, dazu gehören Kryptowährungen, Musikalben, Software-Projekte, Videospiele und innovative Gebrauchsgegenstände.

2015 wurde in Deutschland eine neue Version des Kleinanlegerschutzgesetzes verabschiedet, die Crowdfunding auch hierzulande erheblich vereinfachte. Dadurch entwickelte sich Crowdfunding für Business-Start-ups und Privatpersonen zu einer effektiven Methode, interessante Projekte zu verwirklichen, ohne sich an Großinvestoren zu „verkaufen“.

Definition

Crowdfunding (engl. crowd = „Menschenmenge“, funding = „Finanzierung“) bezeichnet eine spendenbasierte Projektfinanzierung, bei der hauptsächlich Privatpersonen mit eigens gewählten Geldbeträgen ein Projekt unterstützen. Dabei wird meist ein Finanzierungsziel vorgegeben und der Spender je nach Höhe der geleisteten Spende belohnt. Wesentlich für das Crowdfunding ist die Transparenz des Projekts.

Was ist und wie funktioniert Crowdfunding?

Crowdfunding setzt auf eine attraktive und effektive Vermarktung, um Privatinvestoren zu gewinnen. Weil diese Form der Finanzierung auf Vertrauensbasis fußt, darf das Versprechen an die potenziellen Spender nicht zu unrealistisch ausfallen, muss aber gleichzeitig so einladend sein, dass Spender bereit sind, in ein noch nicht realisiertes Projekt zu investieren. Daher ist die Transparenz bei Crowdfunding entscheidend. Indem Sie Ihre Spender kontinuierlich auf dem neuesten Stand der Entwicklung Ihres Projekts halten, stärken Sie auf der einen Seite das Vertrauensverhältnis zu Ihrer Spenderbasis und gewinnen auf der anderen Seite neue Spender dazu. Schließlich sehen andere Interessenten, dass Sie tatsächlich vielversprechende Arbeit leisten, und sind dann eher gewillt, ebenfalls zu spenden.

Crowdfunding hat somit oft einen Schneeballeffekt – die erfolgreichsten Projekte gehen u. a. in sozialen Netzwerken viral. Daraus entstehen manchmal sogar Hypes, und diese führen mitunter zu beeindruckenden finanziellen Mitteln für ein Projekt. Die Regel ist dies aber nicht. Dennoch locken Schwarmfinanzierungsprojekte oftmals erstaunlich viele freiwillige Spender an. Die meisten Crowdfunding-Plattformen zeigen dabei den bereits eingenommenen Geldbetrag an. Indem Projektleiter ein finanzielles Ziel definieren, kann die Spenderbasis den Erfolg der Crowdfunding-Kampagne stets mitverfolgen. Es lassen sich auch sogenannte Meilensteine festlegen: Je mehr Geld eingenommen wird, umso mehr Versprechen zum Endprodukt sind möglich. Diese Meilensteine liegen dann oft über dem Finanzierungsziel, sodass das Projekt bei ihnen einen größeren Rahmen erreicht als ursprünglich geplant.

Darüber hinaus können Sie als Projektleiter Ihre Spender je nach Höhe der geleisteten Spende belohnen. So ist es üblich, großzügigeren Spendern gewisse Versprechen zu machen, z. B. ein Gratisexemplar des Endprodukts, eine Premiumvariante, ein Eintrag in die „Credits“, besonderes Merchandise, die Aufnahme in einen speziellen „VIP-Club“ u. v. m. So erhalten Spender oft schon einen gewissen Gegenwert für ihre Spende, bevor das Projekt vollständig realisiert wird.

Crowdfunding-Modelle und Beispiele

Die vier wesentlichen Modelle des Crowdfunding unterscheiden sich danach, was die Geldgeber als eventuelle Gegenleistung für ihre Spenden bekommen. Auch die Art des Geldflusses spielt dabei eine Rolle. Bei den Bezeichnungen der Modelle gibt es noch keine fest definierten Begrifflichkeiten, weil sich diese Arten des Crowdfunding in den letzten Jahren auf praktische Weise herauskristallisiert haben. Oftmals sind die Grenzen zwischen den Modellen fließend: So kann im Verlauf einer Kampagne das reine Spenden-Crowdfunding in das klassische, belohnungsbasierte Modell übergehen.

Crowdfunding / Reward-Based Crowdfunding

Das klassische Crowdfunding sammelt Spendengelder und verspricht als Gegenleistung die Fertigstellung eines Endprodukts. Im Crowdfunding haben sich außerdem kleine Belohnungen für Spender etabliert, weswegen häufig der Begriff „Reward-Based Crowdfunding“ angewendet wird. Diese Rewards können ideelle Belohnungen (Credits-Eintrag, Betazugang, Priorisierung bei Vorbestellung etc.) oder materielle Sachleistungen (Merchandise, Prototypen etc.) sein. Dabei werden Spender oft der Höhe der geleisteten Spende entsprechend belohnt.

Beispiel: Ein kleines Entwicklerteam arbeitet an einem Konzept für ein neues, innovatives Videospiel. Weil das Team keine geeigneten Geschäftspartner bzw. Investoren findet, entscheidet es sich für Crowdfunding. Mit dem Versprechen, das Spiel spätestens in einem Jahr fertiggestellt zu haben, bitten die Entwickler um eine Unterstützung in Höhe von 50.000 Euro. Alle Spender werden im Gegenzug mit einer Erwähnung in den Credits im Abspann des Spiels belohnt. Ab einer Spende von 50 Euro bekommt jeder Spender ein T-Shirt. Ab 100 Euro Spende wird ihm zusätzlich der Zugang zur Beta-Testphase des Spiels versprochen. Um besonders großzügige Investoren zu locken, widmen die Entwickler ab einer Spende von 500 Euro dem Geldgeber eine individuell angepasste Figur, die irgendwo im Spiel vorkommt.

Crowdinvesting / Equity-Based Crowdfunding

Crowdinvesting wird auch oft als „Equity-Based Crowdfunding“ bezeichnet. Bei dieser Methode bekommen die Investoren eine Beteiligung am späteren Gewinn. Diese Form des Crowdfundings findet sich vor allem in der Start-up- bzw. Gründerszene. Entscheidend für das erfolgreiche Crowdinvesting ist das kommerzielle Erfolgspotenzial der vorgestellten Idee. Ist dieses hoch genug, lässt sich mittels Crowdinvesting nicht nur die finanzielle Grundlage des Projekts, sondern auch die kommerzielle Reichweite verbessern. Durch die virale Natur des Crowdfundings erhöht sich zudem der Bekanntheitsgrad der eigenen Marke, sodass neue Märkte erschlossen werden.

Beispiel: Ein junges Start-up-Unternehmen vertreibt bereits lokal ein umweltschonendes Erfrischungsgetränk, das sich besonders unter jungen Kunden großer Beliebtheit erfreut. Das Unternehmen will sich deutschlandweit ausbreiten und das Getränk kommerzialisieren. Dazu startet es eine Crowdfunding-Kampagne und verspricht den Investoren einen Anteil am späteren Gewinn, abhängig vom geleisteten Investment. Ab einer gewissen Summe wird dem Investor außerdem ein monatliches Getränke-Abonnement versprochen.

Spenden-Crowdfunding / Donation-Based Crowdfunding

Im Englischen als „Donation-Based Crowdfunding“ bekannt, ist dieses Modell das einfachste von allen: Es werden schlicht Spenden gesammelt, ohne eine individuelle Gegenleistung zu versprechen. Früher wurde dieses Konzept einfach als „Spendenaktion“ oder „Sammlung zum wohltätigen Zweck“ bezeichnet, im Zuge der Digitalisierung gelten aber viele dieser Aktionen heute schon als Crowdfunding. Dazu reicht es, dieses reine Spendensammeln über eine Internetplattform zu organisieren.

Beispiel: Der örtliche Park soll einen neuen Bolzplatz bekommen, allerdings lehnt die Stadt die Finanzierung des Projekts ab. Ein kleines Elternteam nutzt eine Crowdfunding-Website, um Spenden der örtlichen Anwohner zu sammeln. Dafür teilen sie auch ihre Spendenseite in vielen sozialen Netzwerken. Weil die Seite für jeden öffentlich zugänglich ist und Spenden deutschlandweit angenommen werden können, wird das Team überrascht: Ein bekannter Fußballspieler wird auf die Aktion aufmerksam und spendet eine beträchtliche Summe.

Crowdlending

Dieses Modell wird auch häufig als „Lending-Based Crowdfunding“ bezeichnet. Diese Art des Crowdfunding funktioniert im Prinzip über viele kleine Kredite. Mit den Investoren wird eine gewisse Verzinsung vereinbart, deren Einhaltung meist über ein seriöses Institut abgehandelt wird. Im Gegensatz zum Crowdinvesting wird beim Crowdlending nach Erfolg des Projekts der geleistete Kredit mitsamt Zinsen an den jeweiligen „Spender“ zurückgezahlt. Weil Crowdfunding nicht über eine Bank läuft, kann ein Unternehmen das so eingenommene Geld als Eigenkapital verbuchen und versteuern. Das wiederum kann hilfreich sein, um bestimmte Konditionen für Bankkredite zu erfüllen.

Beispiel: Ein Start-up möchte in ein neues Projekt investieren, wofür allerdings die Mittel fehlen. Die Bank lehnt einen Kredit ab mit Verweis auf eine geforderte Eigenkapitalquote von mindestens 30 %. Das Start-up startet eine Crowdfunding-Kampagne und verspricht den Investoren die Rückzahlung des Kreditbetrags mit einem Zinssatz von 5 % nach spätestens zwei Jahren. Innerhalb von wenigen Monaten wird das nötige Kapital erreicht, damit auch die Bank einsteigt. Die Arbeiten am Projekt können beginnen.

Faktoren einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne

Mit Crowdfunding wurden schon beeindruckende Projekte realisiert, auf der anderen Seite hat es aber auch zahlreiche Enttäuschungen gegeben, die teilweise großen Schaden angerichtet haben. Crowdfunding ist eben kein Wundermittel für Projektfinanzierung und bedarf viel Arbeit und auch Raffinesse der Projektentwickler. Erfolgreiches Crowdfunding basiert auf dem Zusammenwirken vieler Faktoren. Das sollten Sie tun:

  • Realistisch bleiben. Sowohl die (zeitliche) Projektplanung als auch das Finanzierungsziel müssen realistisch definiert sein, was von vielen Faktoren abhängt. So sollten Sie keinesfalls mehr Geld verlangen, als in Ihrer Branche üblich und der Größe Ihres Projekts angemessen ist. Eine umfassende Finanzierungsplanung ist unumgänglich, um ein möglichst realistisches Ziel vorzugeben. Nur wenn Sie wissen, welche Kosten mit dem Projekt auf Sie zukommen werden, können Sie Ihren potenziellen Spendern ein glaubhaftes Finanzierungsziel vermitteln. Auch die Projektbeschreibung an sich darf nicht zu ausufernd ausfallen: Versprechen Sie das Blaue vom Himmel, laufen Sie Gefahr, nicht ernst genommen zu werden. Die Crowdfunding-Spender sind in den letzten Jahren aufgrund großer Enttäuschungen skeptischer geworden. Achten Sie also darauf, den Skeptikern möglichst wenig Nährboden zu bieten.

  • Transparent bleiben. Die Kommunikation mit Ihrer Spenderbasis ist wichtig, damit das Vertrauen in Ihr Projekt erhalten bleibt. Im Idealfall signalisieren Sie durch regelmäßige Updates, dass es tatsächlich vorangeht. Dadurch erhöht sich auch die Chance, dass Ihr Projekt mehr Aufmerksamkeit erregt und mehr Spender gewinnt. Schließlich motiviert es die Spenderbasis, wenn die geleisteten Spenden einen Effekt haben. Schon gewonnene Spender sind dann möglicherweise bereit, weitere Unterstützung zu leisten. Halten Sie die Kommunikation zwischen Ihnen bzw. Ihrem Team und den Spendern aufrecht und ehrlich, tragen Sie aktiv dazu bei, das Finanzierungsziel für Ihr Projekt zu erreichen.

  • Kompetent wirken, aber nahbar bleiben. Sämtliche Inhalte, die Sie teilen, sollten möglichst professionell wirken. Videos und Bilder sollten nicht amateurhaft aussehen, Texte sollten möglichst fehlerfrei sein. Gleichzeitig ist es jedoch wichtig, nicht zu abgehoben und von der Spenderbasis entfernt zu erscheinen. Das ist auch abhängig von der Zielgruppe: So können Sie bei einem Videospielprojekt einen lockereren Umgangston pflegen als z. B. bei einem Software-Projekt, das sich hauptsächlich an Unternehmen richtet. Die richtige Balance ist hier entscheidend, um sympathisch auf Spender zu wirken. Viele der ungeschriebenen Gesetze des Onlinemarketings greifen eben auch beim Crowdfunding.

  • Ihre Versprechen halten. Wenn Sie Spender ab gewissen Beträgen belohnen, sollten diese Belohnungen auch bei ihnen ankommen. Das stärkt das Vertrauensverhältnis und erhöht die Chance, dass diese Spender Werbung für Ihr Projekt betreiben. Im Idealfall definieren Sie Belohnungen und Versprechen, die Sie auch möglichst schnell liefern bzw. realisieren können. Eine beliebte Belohnung für Spender sind Merchandise-Artikel wie T-Shirts und Mützen, da diese relativ schnell produziert werden. Dazu gehört dann auch ein gutes Projektlogo, damit sich mit den Artikeln effektiv Werbung betreiben lässt. Halten Sie auch unbedingt Ihre Versprechen bezüglich Updates zu Ihrem Projekt. Wenn Sie z. B. einen wöchentlichen Blogpost zum Status Ihres Projekts ankündigen, sollten Sie diesen Text auch kontinuierlich liefern. Es kann auch nicht schaden, mit Tweets und Instagram-Posts zwischendurch kleine Fortschritte zu zeigen.

Vor- und Nachteile des Crowdfundings

Vorteile Nachteile
✔ Viel Freiheit bei der Projektplanung ohne ungewünschte Kompromisse ✘ Konstanter Leistungsdruck kann zu Frustration bzw. Misserfolg umschwenken, wenn man den eigenen Anforderungen nicht gerecht wird; Gegenhype gefährdet das Projekt.
✔ Projekt wird einem Markttest unterzogen: Ist die Idee schlecht oder schlecht präsentiert, wird sie nicht finanziert; gleichzeitig sammelt man Feedback. ✘ Offenlegung des Projektplans und ständige Transparenz des Fortschritts begünstigen Plagiate und Ideenklau durch Konkurrenz.
✔ Aufbau einer Crowd bzw. Community um das Projekt herum: Generierung von Hypes und virale Verbreitung in sozialen Netzwerken möglich ✘ Großer Konkurrenzdruck: Crowdfunding-Plattformen sind heute sehr überlaufen mit teilweise absurden Projekten; das eigene Projekt muss es sofort schaffen, sich vom Gros der Projekte abzusetzen und gegenüber der Konkurrenz aufzufallen.
✔ Direkte Spendenfinanzierung meist kosteneffizienter als der Weg über einen Zwischenhändler (z. B. Bankenkredit) ✘ Die Crowd besitzt alle Eigenschaften einer Onlinecommunity, also auch die toxischen: Sie müssen mit Trollen, unberechtigter und überzogener Kritik sowie persönlichen Angriffen umgehen können.
✔ Ständige Kommunikation mit der Crowd und Feedback wirkt motivierend und garantiert den ständigen Zufluss frischer Ideen. ✘ Das teilweise aufwendige Management der Crowd kann vom eigentlichen Projektfortschritt ablenken.
✔ Erfolg des Endprodukts lässt sich besser abschätzen, indem man die Crowd analysiert.  
✔ Zwang zur kompetenten Projektplanung und zu konstanten Updates führt zu effizienter und konzentrierter Arbeit am Projekt.  
TIPP

Crowdfunding-Kampagnen können Sie auf vielen verschiedenen Plattformen starten. In unserem Ratgeber stellen wir Ihnen die wichtigsten Crowdfunding-Websites vor.

Beispiele erfolgreicher Crowdfunding-Kampagnen

Blockchain/Crypto-Currency-Technologien: Filecoin, Tezos, EOS

Unter den erfolgreichsten Crowdfunding-Kampagnen finden sich zahlreiche Projekte aus dem Bereich Blockchain/Kryptowährung. Filecoin von Protocol Labs ist eine Anwendung für dezentralisierte Datenspeicherung und ermöglicht digitale Bezahlvorgänge, basierend auf der Blockchain-Technologie. Mit ca. 257 Mio. US-Dollar ist Filecoin das bis dato finanziell erfolgreichste Crowdfunding-Projekt. Es folgen die ebenfalls mit Blockchain verwandten Projekte Tezos (232 Mio.) und EOS (185 Mio.).

Die Bezeichnung „Crowdfunding“ ist für viele dieser Kampagnen jedoch umstritten. Sie bewegen sich oftmals innerhalb der Spekulationsblase der Kryptowährungen und Beiträger bekommen als Gegenwert meist ‚nur‘ einen bestimmten Betrag der jeweiligen Kryptowährung zugesichert. Statt ein gewisses Eigeninteresse und Enthusiasmus für ein Projekt zu entwickeln, spekulieren Spender meist lediglich auf den Erfolg dieser Kampagnen, der sich somit aus dem allgemeinen Hype um Kryptowährungen speist. Deshalb gleichen Crowdfunding-Kampagnen im Bereich Blockchain und Kryptowährung eher Börsenspekulationen. Fakt ist: Das Crowdinvesting-Modell ist scheinbar der ideale Nährboden für Kryptowährungen.

Videospiele: Star Citizen und Undertale

Crowdfunding hat bis heute einen erheblichen Einfluss auf die Videospielindustrie und verhalf bereits vielen unabhängigen Entwicklern zur Realisierung ihrer Projekte. Hinter den drei genannten Blockchain-Projekten reiht sich das Mega-Videospielprojekt Star Citizen auf Rang 4 ein. Bis heute hat das Spiel ca. 180 Mio. US-Dollar gesammelt und setzt sich damit deutlich von der Konkurrenz ab. Star Citizen ist eine Art Weltraum-Sandboxspiel, das dem Spieler schier unbegrenzte Freiheiten verspricht und mehrere beliebte Videospielgenres miteinander vereint. Die Crowdfunding-Kampagne über Kickstarter verlief schon überaus erfolgreich und verhalf dem Projekt zu einem beeindruckenden Onlinehype.

Die meisten Einnahmen erzielte das Projekt allerdings durch den Verkauf individueller Inhalte für das kommende Spiel. So können Spender je nach Höhe des überwiesenen Betrags Raumschiffe, Gegenstände und Grundstücke im Spiel ‚vorbestellen‘. Die teilweise aberwitzigen Beträge verhalfen Star Citizen zu noch mehr Ruhm: Viele Fans leisteten schon Spenden in vier- oder gar fünfstelliger Höhe, um bei der Veröffentlichung des Spiels gewisse Vorteile zu genießen. Dadurch entstand auch ein entsprechendes Medienecho. Auf dem Projekt lastet somit viel Druck, die versprochene Qualität und den anvisierten Umfang zu liefern. Die Spender müssen bis dato viel Geduld beweisen: Angepeilte Veröffentlichungstermine und Meilensteine mussten seitens der Entwickler bereits öfter verschoben werden.

Im Gegensatz zu Star Citizen ist Minimalismus für das Kult-Rollenspiel Undertale von Toby Fox das Stichwort. Die Kickstarter-Kampagne war anfangs mit einem Finanzierungsziel von 10.000 US-Dollar klein angelegt. Der Entwickler schaffte es jedoch, mehr als 50.000 Dollar einzunehmen. Das Endprodukt übertraf schließlich alle Erwartungen und wurde zu einem Kulthit und einem der erfolgreichsten Indie-Videospiele aller Zeiten. Es fand sich auf vielen Jahresendlisten der besten Spiele zwischen Großbudget-Videospielen wieder, die in der Entwicklung um ein Vielfaches teurer und aufwendiger waren.

Das in der Retro-Ästhetik an Spiele der 1990er-Jahre erinnernde Undertale war größtenteils das persönliche Projekt von Toby Fox. Das in seiner Story, seinem Humor und seinem Gameplay eher unkonventionelle Spiel erreichte beeindruckende Verkaufszahlen und wurde später auf PlayStation 4, PlayStation Vita und Nintendo Switch portiert. Eine inspirierende Erfolgsgeschichte, die durch ein verhältnismäßig kleines Crowdfunding ermöglicht wurde und Toby Fox mutmaßlich zum Millionär machte.

Lebensmittel: Flow Hive

Der Flow Hive ist ein innovativer Bienenstock, der es Imkern ermöglicht, automatisch Honig zu gewinnen, ohne die Bienenkolonie dabei zu stören. So wird die klassische Honigschleuder überflüssig gemacht. Das Projekt konnte ca. 13 Millionen US-Dollar sammeln und bis März 2018 konnten bereits ca. 50.000 Flow Hives ausgeliefert werden. Flow Hive ist damit das erfolgreichste Projekt, das über die Plattform Indiegogo finanziert wurde. Außerdem wurde der Flow Hive auf Kritik hin weiterentwickelt, sodass mittlerweile eine zweite Version zur Verfügung steht. Das erfolgreiche Projekt generierte viel Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken und Medien – und ihm wird der Effekt zugeschrieben, viele neue Hobbyimker aktiviert zu haben.

Software: FirstBlood

FirstBlood ermöglicht es Gamern aus aller Welt, gegeneinander auf einer dezentralisierten Plattform Wettkämpfe auszutragen. FirstBlood hat den Anspruch, das junge und noch größtenteils ineffiziente Feld des eSports zu revolutionieren. Innovativ ist dabei das eigene Belohnungssystem, das ähnlich wie eine Kryptowährung über die Blockchain-Technologie funktioniert. Darüber hinaus können Mitglieder mit dieser Währung in Spiele, Spieler und Teams investieren und gewisse Rollen in der Community einnehmen, z. B. als „Jurymitglied“ und „Zeuge“, was dann wiederum mit dem virtuellen Geld belohnt wird. Die Idee zündete: Innerhalb weniger Minuten wurden etwa 5 Millionen US-Dollar gesammelt, wobei die eigene Kryptowährung als Gegenleistung erbracht wurde, abhängig von der gespendeten Summe. Außerdem bekamen Investoren innerhalb der ersten Stunde der Kampagne 70 Prozent Rabatt auf die Währung.

Beispiele erfolgloser bzw. kontroverser Crowdfunding-Kampagnen

Crowdfunding ist über die Jahre sehr populär geworden, allein die Fülle an verfügbaren Plattformen spricht für sich. Allerdings finden sich neben den innovativen und interessanten Projekten auch zahlreiche kontroverse und umstrittene Kampagnen, die sich teilweise den Spott der Internetgemeinde zugezogen haben.

Eine der größten Kontroversen war das ‚Projekt‘ einer 23-jährigen Amerikanerin, die sich über die GoFundMe-Plattform eine Abtreibung finanzieren lassen wollte. Auch wenn sich die Dame endloser Kritik gegenüber sah, erreichte sie ihr Ziel von 2.500 US-Dollar relativ zügig. Die Plattform merkte an, dass es Sache der Projektleiter sei, wofür Geld gesammelt werde, allerdings löscht sie seit dem Vorfall häufig Spendenaufrufe dieser Art.

Ein noch harmloseres Beispiel findet sich bei Projektleiter Zack Danger Brown, der lediglich nach 10 Dollar fragte, um sich seinen ersten Kartoffelsalat zu machen. Vermutlich halfen ihm die ca. 55.000 eingenommenen Dollar dabei, dieses Projekt zum Erfolg zu führen. Hierbei sei erwähnt, dass Brown den Großteil des Geldes anschließend einer Hilfsorganisation spendete.

Für hochgezogene Augenbrauen sorgte Rapper B.o.B., ein bekennender Flat Earther (jemand, der glaubt, die Erde sei eine Scheibe). Auf der Plattform GoFundMe wollte er zunächst 200.000 und später 1 Mio. US-Dollar sammeln, um einen Satelliten ins All zu schicken. Dieser sollte dann den „Rand der Welt“ fotografieren und beweisen, dass die Erde in Wahrheit eine Sphäre ist. Bis dato konnte B.o.B. nur etwa 7.000 US-Dollar sammeln, für reichlich Medienecho hatte er bis dahin allerdings gesorgt. Ohnehin ist die Frage angebracht, ob diese Art Crowdfunding-Projekte nicht eher mehr oder weniger klug aufgezogene PR-Kampagnen sind.

Auf Crowdfunding-Plattformen finden sich Unmengen an fragwürdigen Kampagnen, bei denen man sich oft fragt, ob sie ernst gemeint sind. Einige wollen sich ihre Hochzeit oder Flitterwochen, andere ein Tattoo finanzieren lassen. Wiederum andere nutzen die Plattform für politische Zwecke, die teilweise rassistische Untertöne offenbaren. Natürlich sind die Websites nicht vor Trollen geschützt, die sich dort nur zum Vergnügen austoben. Während zahlreiche Projekte unbeachtet und unfinanziert bleiben, erregen jedoch viele irrwitzige, unsinnige oder menschenverachtende Kampagnen immer wieder die Aufmerksamkeit der sozialen Medien. Auch deswegen sieht sich das Crowdfunding-Konzept immer wieder der Kritik ausgesetzt, zu oft in die Lächerlichkeit abzurutschen und vielen unsinnigen Projekten Aufmerksamkeit zu schenken. Dafür gelten witzig gestaltete Crowdfunding-Kampagnen mittlerweile als fester Bestandteil der Meme-Kultur.

Autoindustrie: Elio Motors

Elio Motors’ Konzept des umweltfreundlichen und günstigen Autos auf drei Reifen kam bei den Investoren gut an: Um die 6.000 individuelle Spender unterstützten das Projekt mit ca. 100 Millionen US-Dollar, was die eigenen Ziele weit übertraf. Somit war die Crowdfunding-Kampagne sehr erfolgreich – nur das Ergebnis derselben lässt noch auf sich warten. Ursprünglich wollte Elio Motors die erste Version seines innovativen Gefährts bereits 2012 auf den Markt bringen, hat dies aber bis heute nicht geschafft. Neuesten Angaben zufolge soll 2019 die Produktion beginnen. So oder so wurde hier das Lieferversprechen bisher nicht eingehalten und die Investoren müssen sich weiterhin gedulden. Trotzdem sind dank der effektiven Kampagne schon Unmengen an Geldern geflossen. Ungeklärt ist größtenteils, wo dieses Geld gelandet ist: Schon Ende 2016 beliefen sich die Schulden von Elio Motors angeblich auf über 100 Millionen US-Dollar.

Videospiele: Mighty No. 9

Das über Kickstarter finanzierte Videospiel Mighty No. 9 von Comcept bewarb sich vor allem bei Videospielnostalgikern, weil es eine enge Anlehnung zu den beliebten „Mega Man“-Klassikern versprach. Die mit namhaften Entwicklern bestückte Kampagne konnte fast 4 Millionen US-Dollar generieren, was Unterstützer und Fans des Projekts optimistisch stimmte. Die Veröffentlichung des Spiels musste allerdings mehrmals verschoben werden, bis es schließlich 2017 für mehrere Plattformen auf den Markt kam – und letzten Endes von Fans und Kritikern verrissen wurde. Das Spiel war qualitativ sehr durchschnittlich und entsprach nicht den hohen Erwartungen. Zu allem Ärger der Investoren wurden die hauptsächlich digitalen Belohnungen schlecht gemanagt: Defekte Bonuscodes und fehlerhaft verschickte Belohnungen waren die Folge. Zudem gab es Fälle, in denen Vorbesteller nicht einmal das Endprodukt erhielten.

Mighty No. 9 hat sicherlich dazu beigetragen, dass die anfängliche Euphorie um das Crowdfunding von Videospielen in eine allgemeine Skepsis gegenüber vollmundigen Versprechungen übergegangen ist. Allgemein lässt sich an diesem Projekt gut ablesen, wie Hype und Gegenhype im Crowdfunding funktionieren und wie empfindlich eine Community, die sich um ein Projekt bildet, auf Enttäuschungen reagieren kann.