Ver­span­nun­gen und Schmerzen in Schultern, Rücken usw. können Sie ent­ge­gen­wir­ken, indem Sie mit re­gel­mä­ßi­gem Sport den Be­we­gungs­ap­pa­rat und bestimmte Mus­kel­grup­pen stärken. Auch wenn die Zeit für ein aus­gie­bi­ges Sport­pro­gramm im Fei­er­abend fehlt, können kurze Phasen mit Ent­span­nungs­übun­gen oft schnelle Linderung für an­ge­spann­te Muskeln bewirken. Wir geben nützliche An­lei­tun­gen.

Die Arbeit am Schreib­tisch vor dem PC führt bei vielen Menschen zu Ver­span­nun­gen und Schmerzen in Nacken-, Schulter- und Rü­cken­mus­keln. Ursache für diese kurz­fris­ti­gen Folgen sind mangelnde Bewegung und schlechte Ergonomie am Ar­beits­platz, was schon mit der Höhe des Bild­schirms beginnt. Wenn Mus­kel­grup­pen nur einseitig belastet werden, entstehen oft lang­fris­ti­ge Folgen wie Rü­cken­pro­ble­me, Band­schei­ben­vor­fäl­le und Hal­tungs­schä­den, die sich mit der Zeit häufen können.

Die Lösungen sind meist bekannt: mehr Bewegung, re­gel­mä­ßi­ge Bild­schirm­pau­sen, Übungen zur Stärkung der Mus­ku­la­tur. Wir stellen Ihnen Übungen vor, die Sie auch am Schreib­tisch oder in der Freizeit ohne Fit­ness­stu­dio und Geräte ausführen können.

Ent­span­nungs­übun­gen im Job

Bei Ent­span­nungs­übun­gen im Job ist es besonders wichtig, dass sich diese in den Ar­beits­all­tag einfügen und bei­spiels­wei­se zwischen zwei Meetings oder auf dem Weg in die Kaf­fee­kü­che innerhalb kurzer Zeit­in­ter­val­le umsetzen lassen. Die Bewegung am Ar­beits­platz sorgt dabei auch zu­sätz­lich für kurze Phasen der Auszeit und Erholung. Planen Sie die Übungen gezielt mit ein, wenn Sie für Ihren Ar­beits­all­tag die Prio­ri­tä­ten setzen.

Den ganzen Körper strecken

Diese Ent­span­nungs­übung ist mit einem hö­hen­ver­stell­ba­ren Schreib­tisch besonders einfach um­zu­set­zen. Das Ziel ist, den kom­plet­ten Körper zu strecken und be­an­spruch­te Muskeln dabei zu lockern.

Anleitung: Für die Übung aufrecht hin­stel­len, die Arme über dem Kopf weit nach oben aus­stre­cken und in Richtung der Decke greifen. Dabei darauf achten, dass auch die Beine inklusive Waden und Füße Teil der Kör­per­stre­ckung sind. Der gesamte Körper sollte sich hierbei in einer ge­samt­heit­li­chen, gefühlten Streck­be­we­gung befinden. Während der Übung zu gähnen, lockert zudem Muskeln in der Ge­sichts­par­tie. Ein paar Sekunden den Zustand der Streckung halten und bei Bedarf mehrmals wie­der­ho­len.

Tipp

Die vielen vir­tu­el­len Meetings im heutigen Ar­beits­all­tag stellen für einen großen Teil der Ar­bei­ten­den eine besondere Belastung dar. Die Folgen sind Er­mü­dungs­er­schei­nun­gen, die sich mitunter als Kopf- und Rü­cken­schmer­zen bemerkbar machen. Doch dieser so­ge­nann­ten Zoom-Fatigue kann auch mit Ent­span­nungs­übun­gen vor­ge­beugt werden.

Atem­übun­gen: Tief in den Bauch atmen

Den Atem gezielt zu trai­nie­ren, hilft besonders in Stress­si­tua­tio­nen, da die Atmung dann oft schneller und flacher wird. Die Folge: Die Stress­wir­kung wird zu­sätz­lich zu anderen Faktoren verstärkt. Eine gute Übung, um den Atem gezielt zu trai­nie­ren, ist die kon­trol­lier­te Bauch­at­mung.

Anleitung: Aufrecht sitzen und eine Hand auf den Bauch legen, um den Atem besser zu kon­trol­lie­ren. Dann fünf Sekunden lang durch die Nase einatmen und fünf Sekunden lang ganz bewusst durch den Mund ausatmen.

Das Atmen sollte dabei möglichst rhyth­misch und gleich­mä­ßig erfolgen, bis ein Gefühl der Ent­span­nung einsetzt. Diese Übung eignet sich bei­spiels­wei­se als Ent­span­nungs­rou­ti­ne perfekt vor einer Prä­sen­ta­ti­on.

Den Blick auf entfernte Dinge richten

Wer im Beruf (und Alltag) häufig vor einem Bild­schirm mit wenig Abstand zu den Augen blickt, dessen Augen brauchen hin und wieder Ent­span­nung. Das Zu­sam­men­spiel zwischen nah und fern eignet sich dabei auch als kurze Ent­span­nungs­übung am Rechner oder Laptop.

Anleitung: Einfach für einige Minuten den Blick auf weit entfernte Objekte richten, bei­spiels­wei­se den Horizont nach Vögeln, Wolken oder anderen Dingen absuchen. Der Wechsel der Per­spek­ti­ve entspannt die Augen und sorgt zudem für ein bisschen Ab­wechs­lung von Excel-Tabellen, E-Mails und Ter­min­plä­nen.

Ent­span­nungs­übun­gen in der Freizeit

Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, können auch längere Ent­span­nungs­übun­gen für den be­nö­tig­ten Ausgleich sorgen. Sämtliche Stör­fak­to­ren wie Smart­phones und andere Formen der Ablenkung sind dann tabu. Auch eine gesunde Work-Life-Balance hilft dabei, Stress schon im Vorfeld zu vermeiden. Bei kon­se­quen­ter Durch­füh­rung können kör­per­li­che Be­schwer­den seltener auftreten.

Me­di­ta­ti­on: Ab­schal­ten und den Kopf frei bekommen

Gerade in stres­si­gen Phasen lohnt es sich, vorher schon Me­di­ta­ti­on geübt zu haben, um gezielt eine Stress­be­wäl­ti­gung her­bei­zu­füh­ren. Beim Me­di­tie­ren liegt das Ziel darin, zu ent­span­nen und die Auf­merk­sam­keit ins Innere zu richten. Was sich einfach anhört, erfordert Zeit und benötigt oft etliche Durch­läu­fe.

Anleitung: Los geht es in einer ruhigen At­mo­sphä­re an einem bequemen Ort. Am besten erfolgen Ent­span­nungs­übun­gen durch Me­di­ta­ti­on immer zur gleichen Tageszeit, bei­spiels­wei­se nach dem Aufstehen. Die Me­di­ta­ti­on sollte sich dabei möglichst stress­frei in die All­tags­rou­ti­ne einfügen, um die best­mög­li­che Wirkung zu erzielen.

Die für die Ent­span­nungs­übun­gen not­wen­di­ge Sitz­po­si­ti­on sollte so bequem wie möglich sein – egal, ob auf dem Bett, einem Stuhl oder einer Yogamatte. Das Becken wird leicht nach vorn gekippt, während die Wir­bel­säu­le aufrecht bleibt. Die Augen können zur Un­ter­stüt­zung ge­schlos­sen und die Hände in den Schoß gelegt werden.

Bei der Me­di­ta­ti­ons­übung ganz bewusst atmen und in diese Atmung hin­ein­füh­len, bis eine Form von tiefer Ent­span­nung erreicht wird. Gedanken und Gefühle werden dabei bewusst wahr­ge­nom­men.

Yoga: Ent­span­nungs­übun­gen für jeden Muskel

Viele Menschen schwören in ihrer Freizeit auf Yoga, um Ver­span­nun­gen und Mus­kel­schmer­zen gezielt mit un­ter­schied­li­chen Po­si­tio­nen zu lindern.

Eine einfache Ent­span­nungs­übung im Yoga, die sich auch für An­fän­ge­rin­nen und Anfänger gut eignet, ist die Katze-Kuh-Bewegung. Diese Übung hilft, Blockaden in den Schultern und im Rü­cken­be­reich zu lockern.

Anleitung: Die Aus­gangs­po­si­ti­on ist der Vier­füß­ler­stand: Knie und Hände sind auf dem Boden. Die Hände befinden sich unter den Schultern, die Finger sind gespreizt, die Daumen zeigen nach innen. Al­ter­na­tiv stützen Sie sich auf Ihre Fäuste. Die Hüft­kno­chen sind direkt oberhalb der Knie, die Knie etwa schul­ter­weit aus­ein­an­der. Rücken gerade halten, Bauch anspannen, Kopf in Ver­län­ge­rung der Wir­bel­säu­le, die Augen blicken zum Boden.

Die Übung startet mit der Kuh-Position. Dazu mit der Einatmung den Kopf langsam nach oben heben, so dass der Blick nach vorn wandert. Der Rücken geht gleich­zei­tig in ein kon­trol­lier­tes Hohlkreuz über. Wichtig ist hierbei eine besonders bewusste Bewegung der je­wei­li­gen Kör­per­par­tien.

Mit der Ausatmung geht die Übung dann in die Katzen-Position über: Der Rücken wird möglichst rund gemacht, der Bereich zwischen den Schul­ter­blät­tern dadurch auf­ge­dehnt und der Kopf wandert wieder nach unten, der Blick geht in Richtung des Bauch­na­bels.

Die Übung wird nun mit einem Wechsel der beiden Po­si­tio­nen so lange wie­der­holt, bis sich der Ober­kör­per ent­spann­ter und mobiler anfühlt.

Es gibt neben Katze-Kuh noch eine ganze Reihe von Yoga-Grund­po­si­tio­nen, etwa den her­ab­schau­en­den Hund oder die Kobra, die ebenfalls den gesamten Rücken un­ter­stüt­zen und bei re­gel­mä­ßi­ger Durch­füh­rung Ver­span­nun­gen und Ner­ven­schmer­zen vorbeugen können. Kom­bi­niert werden diese häufig in kom­ple­xe­ren Grund­übun­gen wie dem Son­nen­gruß sowie in Übungs­fol­gen.

Pro­gres­si­ve Mus­kel­re­la­xa­ti­on: Ent­span­nung von Kopf bis Fuß

Die pro­gres­si­ve bzw. fort­schrei­ten­de Mus­kel­re­la­xa­ti­on be­schreibt eine Folge von Ent­span­nungs­übun­gen, bei denen gezielt Mus­kel­re­gio­nen an­ge­spannt werden, um diese dann in einen Zustand der Ent­span­nung zu über­füh­ren.

Anleitung: Diese Übung kann entweder im Sitzen oder Liegen durch­ge­führt werden. Aus­gangs­punkt ist eine möglichst bequeme Haltung, bei­spiels­wei­se indem im Sitzen die Hände auf die Ober­schen­kel gelegt werden und die Füße den Boden berühren.

Aus dieser Position heraus werden dann einzelne Kör­per­par­tien an­ge­spannt, z. B. die Arme. Dazu wird eine Faust gebildet und die Arme gleich­zei­tig ab­ge­win­kelt. Nun erfolgt eine An­span­nung der Arme, die für mehrere Sekunden auf­recht­erhal­ten wird. In der an­schlie­ßen­den Ent­span­nungs­pha­se sollten die Arm­mus­keln dann 20 bis 30 Sekunden bewusst gelockert werden.

Diese Ent­span­nungs­übung kann dann auf weitere Bereiche an­ge­wen­det werden. So lassen sich bei­spiels­wei­se im Gesicht un­ter­schied­li­che Partien wie Stirn, Au­gen­brau­en, Un­ter­kie­fer und Lippen anspannen und wieder ent­span­nen. Mit genug Zeit lässt sich so in einem Durchlauf jede ver­spann­te Mus­kel­par­tie kon­zen­triert lockern.

Fazit: Stress sinnvoll nutzen für Bewegung

Grund­sätz­lich gilt: Ein be­stehen­der Stress­pe­gel kann durch re­gel­mä­ßi­gen Sport bzw. re­gel­mä­ßi­ge kör­per­li­che Bewegung sinnvoll um­ge­wan­delt werden. Denn Stress hat in seiner ur­sprüng­li­chen Ver­an­la­gung das Ziel, uns zur Flucht zu verhelfen.

Diese Ei­gen­schaft kann sportlich genutzt werden, um eine Form der Ent­span­nung her­bei­zu­füh­ren. Dazu sind kurze, an­stren­gen­de In­ter­val­le geeignet, bei­spiels­wei­se Zir­kel­trai­ning. Das Ziel von sport­li­chen Übungen sollte immer sein, den Puls zu steigern und so den Stress kurz­fris­tig zu mo­bi­li­sie­ren. Dabei ist es wichtig, den Körper nicht durch zu lange In­ter­val­le zu­sätz­lich in Stress zu versetzen, da sonst ein ge­gen­tei­li­ger, be­las­ten­der Effekt einsetzt.

Für zwi­schen­durch können Ent­span­nungs­übun­gen wie die oben genannten helfen, Stress abzubauen. Auch hier werden häufig Phasen von kör­per­li­cher An­span­nung und Ent­span­nung kom­bi­niert, um den Kopf frei­zu­be­kom­men.

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