Pro­to­kol­le sind für den­je­ni­gen, der sie anfertigt, oft ein Übel – für viele Un­ter­neh­men aber ein not­wen­di­ges. Schließ­lich können gut for­mu­lier­te Nie­der­schrif­ten zu Sitzungen und Kon­fe­ren­zen dabei helfen, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zes­se und den In­for­ma­ti­ons­fluss im Betrieb nach­hal­tig zu ver­bes­sern. Doch nicht jedes kleine Meeting verlangt nach einer Wort-für-Wort-Do­ku­men­ta­ti­on. Erfahren Sie im Folgenden, welche Pro­to­kol­lar­ten es gibt und wann Sie zum Einsatz kommen.

Was ist ein Protokoll?

Ein Protokoll wird auch „Nie­der­schrift“ genannt, da man darin den Verlauf eines Gesprächs oder eines Meetings nie­der­schreibt und auf diese Weise do­ku­men­tiert.

Es kann die un­ter­schied­lichs­ten Zwecke erfüllen: zum Beispiel dem Chef die Ent­schei­dungs­fin­dung, er­leich­tern, einen ver­bind­li­chen Nachweis für ge­trof­fe­ne Be­schlüs­se bilden, den Ge­sprächs­teil­neh­mern als Er­in­ne­rungs­hil­fe dienen oder Dritten, die nicht bei einer Sitzung anwesend waren, eine über­sicht­li­che Zu­sam­men­fas­sung aller be­spro­che­nen Inhalte bieten. Das Protokoll ist somit ein nütz­li­ches Werkzeug für die Or­ga­ni­sa­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on im Betrieb und er­leich­tert zugleich die Steuerung von Prozessen und Projekten – was erklärt, warum die Pro­to­kol­lie­rung in vielen Un­ter­neh­men längst zum Ar­beits­all­tag gehört.

Jeder Art von Protokoll ist dabei gemein, dass es zeitnah zum pro­to­kol­lier­ten Ereignis verfasst wird, idea­ler­wei­se noch während eine Be­spre­chung oder Tagung im vollen Gange ist (also in Echtzeit). Bei der Schil­de­rung sämt­li­cher Ge­sprächs­in­hal­te und Er­eig­nis­se ist Ob­jek­ti­vi­tät stets das höchste Gebot. Als Zeitform wird üb­li­cher­wei­se das Präsens verwendet.

Im Gegensatz dazu wird der so­ge­nann­te Bericht immer erst im Nach­hin­ein ge­schrie­ben und im Prä­ter­itum for­mu­liert – in ihm darf man auch sub­jek­ti­ve Eindrücke mit­ein­brin­gen. Das so­ge­nann­te Ge­dächt­nis­pro­to­koll, das in einigen Bereichen eher einem Bericht ähnelt, kann bei einer sehr strengen Auslegung daher nicht zu den Pro­to­kol­lar­ten gezählt werden. Ähnliches gilt für das so­ge­nann­te A-priori-Protokoll, das zur Planung zu­künf­ti­ger Projekte und Konzepte dient.

Tipp

Unser Startup Guide erklärt Ihnen auch, wie Sie ein Protokoll auf korrekte Weise verfassen.

Die gän­gigs­ten Pro­to­kol­lar­ten: Eine Übersicht

Die ver­schie­de­nen Pro­to­kol­lar­ten un­ter­schei­det man vorrangig nach ihrem Inhalt, aber einige Pro­to­koll­for­men werden auch anhand des Ent­ste­hungs­zeit­punkts oder der Art der Auf­zeich­nung klas­si­fi­ziert:

Ka­te­go­ri­sie­rung nach Inhalt

Die Ka­te­go­ri­sie­rung von Pro­to­kol­lar­ten nach Inhalt be­rück­sich­tigt vor allem, nach welchem Prinzip die Nie­der­schrift geordnet ist (chro­no­lo­gisch, the­ma­tisch etc.) und wie Ge­sprächs­in­hal­te wie­der­ge­ge­ben werden (wort­wört­lich, in­halt­lich zu­sam­men­ge­fasst):

Beim besonders aus­führ­li­chen Wort­pro­to­koll geht es darum, alles Gesagte der un­ter­schied­li­chen Redner wort­ge­treu sowie alle anderen Er­eig­nis­se in einer Sitzung (zum Beispiel Zwi­schen­ru­fe oder Wort­mel­dun­gen) chro­no­lo­gisch zu do­ku­men­tie­ren. Man be­zeich­net es daher auch oft als Voll­pro­to­koll. Aufgrund des er­heb­li­chen Aufwands bei der Er­stel­lung kommt diese Pro­to­kol­lart in der Regel nur noch dann zum Einsatz, wenn der Inhalt eines Gesprächs eine ju­ris­ti­sche oder po­li­ti­sche Relevanz hat und deswegen de­tail­ge­treu fest­ge­hal­ten werden soll. Ihr üblicher Ein­satz­be­reich ist somit vor allem die Politik: bei­spiels­wei­se bei Po­di­ums­dis­kus­sio­nen oder Par­tei­sit­zun­gen, deren Ab­stim­mun­gen und Be­schlüs­se heut­zu­ta­ge oft von Com­pu­ter­ste­no­gra­fen pro­to­kol­liert werden. In Un­ter­neh­men wird die wörtliche Nie­der­schrift wegen des damit ver­bun­de­nen Aufwandes hingegen nur noch selten erstellt. Al­len­falls bei wichtigen Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen und Bei­rats­sit­zun­gen ist sie üblich.

Das Ge­sprächs­pro­to­koll (auch: Ver­hand­lungs- oder Ver­laufs­pro­to­koll) bildet das Mittelmaß, was Textmenge und De­tail­grad anbelangt. Haupt­ver­samm­lun­gen und Kon­fe­ren­zen werden in Pro­to­kol­len dieser Art knapp und sachlich zu­sam­men­ge­fasst. Dabei wird aber nicht der genaue Wortlaut der Gespräche fest­ge­hal­ten. Statt­des­sen kon­zen­triert sich das Ge­dächt­nis­pro­to­koll auf die we­sent­lichs­ten Schritte im Ent­schei­dungs­fin­dungs­pro­zess, inklusive aller re­le­van­ten Argumente und Meinungen sowie die Er­geb­nis­se einer Sitzung. Diese werden in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge sowie in­halt­lich korrekt wi­der­ge­ge­ben, um den roten Faden der Ver­hand­lun­gen zu ver­deut­li­chen.

Zuletzt gibt es da noch das Beschluss- bzw. Er­geb­nis­pro­to­koll, die kürzeste unter den Pro­to­kol­lar­ten (daher auch Kurz­pro­to­koll genannt). Diese Pro­to­koll­form be­schränkt sich lediglich auf die Er­geb­nis­se, die in einem Meeting erzielt wurden. Da diese in der Regel kurz und präzise und ohne Nennung von Namen auf­ge­zeich­net werden, gilt das Er­geb­nis­pro­to­koll als die zeit- und kos­ten­güns­tigs­te Form der Nie­der­schrift.

Tipp

Mit seinen Pro­gram­men er­leich­tert Microsoft 365 den Ar­beits­all­tag - erstellen Sie sich jetzt bei IONOS ein Paket für Ihre Be­dürf­nis­se!

Ka­te­go­ri­sie­rung nach Zeitpunkt

Pro­to­kol­le auch nach dem Zeitpunkt ihrer Nie­der­le­gung un­ter­schei­den. Gemäß dieser Ka­te­go­ri­sie­rung sind die we­sent­li­chen Arten:

  • Das A-priori- oder auch Voraus-Protokoll, das angelegt wird, um den Ablauf eines zu­künf­ti­gen Projektes aus­zu­ge­stal­ten
  • Das Jetzt-Protokoll, das zum Zeitpunkt der Sitzung, also in Echtzeit, for­mu­liert wird;

Das A-pos­te­rio­ri- bzw. Ge­dächt­nis­pro­to­koll, das nach­träg­lich aus dem Ge­dächt­nis verfasst und somit faktisch eher einem Bericht ähnelt.

Ka­te­go­ri­sie­rung nach Pro­to­kol­lie­rungs­form

Und schließ­lich kann man die ver­schie­de­nen Pro­to­kol­lar­ten auch nach der Art ihrer Nie­der­le­gung ka­te­go­ri­sie­ren.

Dazu zählen ei­ner­seits die manuellen Pro­to­kol­lie­rungs­for­men:

An­de­rer­seits können sich Pro­to­kol­lan­ten ver­schie­de­ner tech­ni­scher Hilfs­mit­tel bedienen, um ihre Arbeit zu er­leich­tern. Dazu gehören:

  • Die Aufnahme auf einem Tonträger
  • Vi­deo­auf­zeich­nun­gen
  • (Log-)Dateien
  • Au­to­ma­ti­sche Auf­zeich­nungs­tech­no­lo­gien

Fazit: Die richtige Pro­to­kol­lart in der richtigen Situation

Ob und in welcher Art Sie ein Protokoll an­fer­ti­gen sollten, hängt von der je­wei­li­gen Ge­sprächs­si­tua­ti­on und von den Be­dürf­nis­sen Ihres Un­ter­neh­mens ab. Als Pro­to­kol­lant sollten Sie deshalb im Vorfeld einer Sitzung immer abklären, welchem Zweck Ihre Nie­der­schrift dient, was der konkrete Anlass des Treffens ist und wer die Teil­neh­mer sind. Mitunter kann es auch sinnvoll sein, auf eine Mischform aus mehreren Pro­to­kol­lar­ten zu­rück­zu­grei­fen. Doch wenn Sie sich mit den gängigen Formen der Nie­der­schrift auskennen, sind Sie ga­ran­tiert für jedes Meeting gut vor­be­rei­tet.

Reviewer

Zum Hauptmenü