Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty (kurz CSR) ist der in­ter­na­tio­nal genutzte Begriff für Un­ter­neh­mens­ver­ant­wor­tung – er ist al­ler­dings nur unscharf definiert. Im Kern meint CSR die mo­ra­li­sche und ethische Ver­pflich­tung von Un­ter­neh­men im Umgang mit Mit­ar­bei­tern, Umwelt, Wett­be­wer­bern, der Wirt­schaft und vielen anderen Bereichen des Lebens, in das ein Un­ter­neh­men eindringt.

CSR wird häufig als frei­wil­li­ge Ver­pflich­tung zu be­stimm­ten Un­ter­neh­mens­re­geln ver­stan­den – also abseits von staat­li­chen Gesetzen und Normen. Dadurch können Un­ter­neh­men, die ver­ant­wor­tungs­voll wirt­schaf­ten und moralisch handeln, ihre CSR aber oft auch für PR-Zwecke nutzen. Denn wird bekannt, dass sich ein Un­ter­neh­men frei­wil­lig einer guten Sache ver­pflich­tet, ver­bes­sert dies das öf­fent­li­che Ansehen des Un­ter­neh­mens.

Aus diesem Grund gerät das Konzept der CSR aber auch immer wieder in Kritik: Bei vielen Un­ter­neh­men sei sie nicht echtem Al­tru­is­mus ent­sprun­gen, sondern diene lediglich dazu, das eigene Image auf­zu­po­lie­ren. In unserem Rat­ge­ber­ar­ti­kel erklären wir im Detail, was CSR genau ist, wie sie sich ent­wi­ckelt hat und wie CSR heute in einigen Konzernen gelebt wird.

De­fi­ni­ti­on

Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty (CSR) be­zeich­net die selbst­auf­er­leg­te Ver­ant­wor­tung von Un­ter­neh­men gegenüber der Ge­sell­schaft – sie berührt die Bereiche Umwelt, Wirt­schaft, Mit­ar­bei­ter­be­zie­hung und Wett­be­werbs­ethik. Viele Un­ter­neh­men nutzen interne Re­ge­lun­gen zur CSR als eine Art mo­ra­li­schen Kompass, um die ethische Ent­wick­lung des Un­ter­neh­mens positiv zu be­ein­flus­sen. Eine positiv gelebte CSR bietet darüber hinaus sogar viele wirt­schaft­li­che Vorteile.

Ent­wick­lung und aus­führ­li­che De­fi­ni­ti­on von Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty

Das Konzept der Un­ter­neh­mens­ver­ant­wor­tung ist nicht neu, hat aber durch den Begriff Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty (CSR) einen modernen Anstrich bekommen. Doch schon in der Antike be­schäf­tig­ten sich Menschen mit der Frage, ob gutes Wirt­schaf­ten der Ge­sell­schaft im Ganzen nicht nützen sollte, anstatt die Taschen weniger zu füllen. Im Mit­tel­al­ter entstand das Konzept des „ehrbaren Kaufmanns“ – damit verbunden war ein Wer­te­ko­dex, der dazu beitragen sollte, dass ein­fluss­rei­che Händler durch die Ein­hal­tung be­stimm­ter Ver­hal­tens­re­geln der gesamten Ge­sell­schaft Vorteile bescheren.

Für größere Betriebe gewann die Un­ter­neh­mens­ver­ant­wor­tung spä­tes­tens in der In­dus­tria­li­sie­rung an Bedeutung, als einige Firmen für ihre Mit­ar­bei­ter Wohn­häu­ser bauten und die harten Ar­beits­be­din­gun­gen all­mäh­lich zu einem Umdenken führten: Auch Un­ter­neh­men wurden sich langsam der sozialen Ver­ant­wor­tung gegenüber Mit­ar­bei­tern und ihren Familien bewusst (auch wenn ent­schei­den­de Ver­bes­se­run­gen oft erst durch staat­li­che Ge­setz­ge­bung flä­chen­de­ckend durch­ge­setzt wurden). Eine Art Um­welt­ethik exis­tier­te damals in den meisten Betrieben schlicht noch nicht.

Das moderne Konzept der Un­ter­neh­mens­ver­ant­wor­tung, wie wir es heute kennen, entstand wohl in den 1950er-Jahren in den USA, als dort vielfach öf­fent­li­che Dis­kus­sio­nen über un­ter­neh­me­ri­sche Ver­ant­wor­tung geführt und erste wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se dazu publik wurden. So be­zeich­ne­te Howard R. Bowen in seinem Artikel „Social Re­spon­si­bi­li­ties of the Busi­ness­man“ Un­ter­neh­mens­ver­ant­wor­tung als logische Kon­se­quenz der sozialen Ver­ant­wor­tung des In­di­vi­du­ums gegenüber der Ge­sell­schaft. Demnach müssten sich Un­ter­neh­men an zwi­schen­mensch­li­chen Werten und Normen ori­en­tie­ren und stünden in der Pflicht, diese um­zu­set­zen. Die meisten Un­ter­neh­men fühlten sich damals al­ler­dings noch nicht in der „Pflicht“, bewusst und aktiv für eine mo­ra­li­sche Be­triebs­aus­rich­tung zu arbeiten. Noch bestimmte allein die Maxime des wirt­schaft­li­chen Wachstums den Ar­beits­all­tag.

Ab den 1970ern erkannte man in Un­ter­neh­men al­ler­dings auch zunehmend sozial aktive In­sti­tu­tio­nen, die einen positiven Einfluss auf die mo­ra­li­sche Aus­rich­tung der Ge­sell­schaft haben konnten und auch sollten. Ge­sell­schaft und Un­ter­neh­men stünden in kon­stan­ter Wech­sel­wir­kung – dies sollte im Idealfall zu einer Festigung sozialer Normen inmitten der ka­pi­ta­lis­ti­schen Wirt­schaft beitragen. Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty (CSR) exis­tier­te vor der Jahr­tau­send­wen­de jedoch über­wie­gend– wenn überhaupt – als frommer Wunsch und weniger als ver­hal­tens­be­stim­men­des Ideal.

Durch den stärker werdenden Fokus auf Um­welt­schutz und ethische Fragen inmitten einer glo­ba­li­sier­ten Welt gewann CSR dann immer mehr an Bedeutung. Zudem hatte der Siegeszug des Internets auch zur Folge, dass un­ver­ant­wort­lich handelnde Un­ter­neh­men schneller Image­schä­den da­von­tru­gen, wenn be­triebs­be­ding­te Skandale, Miss­brauchs­fäl­le und Miss­stän­de in den sozialen Netz­wer­ken bekannt wurden. Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty (CSR) wurde somit von einer rein ideellen Über­le­gung zu einem wichtigen Ar­beits­be­reich jedes größeren Un­ter­neh­mens.

Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty ist aber noch längst kein Begriff, der vollends in der Ge­sell­schaft an­ge­kom­men ist (siehe Statistik). Al­ler­dings kann das auch schlicht damit zu­sam­men­hän­gen, dass sich der englische Begriff hier­zu­lan­de nicht durch­ge­setzt hat. Im Deutschen findet man neben den ge­läu­fi­gen Begriffen „Un­ter­neh­mens­ver­ant­wor­tung“ und „Un­ter­neh­mens­ethik“ auch saloppere For­mu­lie­run­gen wie „saubere Firmen“. Auch die Schlag­wor­te „Um­welt­be­wusst­sein“ und „Nach­hal­tig­keit“ tauchen hier­zu­lan­de häufig in Dis­kus­sio­nen zur Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty auf, decken aber nur einen Teil­be­reich dieses Begriffs ab.

Und auch in­ter­na­tio­nal werden Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty (CSR) und „Corporate Ci­ti­zen­ship“ oft synonym verwendet. Diese Be­griffs­ver­wir­rung zeigt ei­ner­seits, dass CSR ein breites Feld ist und sehr viele Teil­be­rei­che abdeckt, und an­de­rer­seits, dass der Begriff an sich ir­re­füh­rend ist. Denn „Re­spon­si­bi­li­ty“ (Ver­ant­wor­tung) im­pli­ziert einen von außen auf­er­leg­ten Grundsatz und betont weniger die frei­wil­li­ge und ap­pel­lie­ren­de Natur von CSR.

In­zwi­schen können es sich große Un­ter­neh­men kaum leisten, sich nicht ernsthaft mit CSR zu be­schäf­ti­gen. Einige setzen dafür CSR-Spe­zia­lis­ten ein, die den mo­ra­li­schen Kodex des Un­ter­neh­mens schrift­lich for­mu­lie­ren und zudem seine Umsetzung über­wa­chen. Das hat zudem häufig einen wirt­schaft­lich för­dern­den Aspekt, wenn man das daraus reulstie­ren­de positive Fir­men­image für Marketing und PR zu nutzen weiß. Von gut um­ge­setz­ter CSR pro­fi­tie­ren schließ­lich alle Be­tei­lig­ten.

Einige Stimmen werfen Un­ter­neh­men dabei vor, dass nur selten mo­ra­li­sche Motive der An­triebs­mo­tor für CSR seien. Vielmehr erhofften sich Un­ter­neh­men dadurch einen Wer­be­ef­fekt, was nicht zuletzt auch zu Um­satz­stei­ge­run­gen führen solle. Kritiker be­zeich­nen CSR daher oft auch schlicht als Teil­be­reich des Mar­ke­tings. Auf der anderen Seite steht die weit ver­brei­te­te Meinung, dass die tat­säch­li­che Intention hinter CSR nicht so wichtig sei, solange seine Wirkung letztlich den Menschen zu­gu­te­kä­me.

Die drei Ver­ant­wor­tungs­be­rei­che von Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty

Da Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty an sich ein sehr un­schar­fer Begriff ist, gibt es mehrere Ansätze, um das da­hin­ter­lie­gen­de Konzept zu struk­tu­rie­ren: Ein relativ populäres Modell ist das Ver­ant­wor­tungs­be­reich­mo­dell nach Stefanie Hiß. Sie un­ter­teilt CSR in drei Bereiche, die jeweils nach der Art ihres öf­fent­li­chen Wirkens benannt werden:

  • Der innere Ver­ant­wor­tungs­be­reich umfasst alle internen Stra­te­gien und Vorgänge, die die Öf­fent­lich­keit zwar nicht erreichen, aber we­sent­lich die ethische Aus­rich­tung des Un­ter­neh­mens vorgeben.
     
  • Zum mittleren Ver­ant­wor­tungs­be­reich gehören all jene Felder, die öf­fent­lich wirksam sind und einen direkten Effekt auf Umwelt, Mensch und Ge­sell­schaft haben, aber weiterhin Teil des normalen Ar­beits­pro­zes­ses sind.
     
  • Zum äußeren Ver­ant­wor­tungs­be­reich gehören alle ak­tio­nis­ti­schen Felder, d.h., dass ein Un­ter­neh­men hier wohltätig aktiv (meist fi­nan­zi­ell) wird und dafür ge­ge­be­nen­falls den Ar­beits­all­tag un­ter­bricht oder anpasst. Hiß‘ Modell eignet sich gut, um die un­ter­schied­li­chen Auf­ga­ben­be­rei­che der CSR dar­zu­stel­len.

Innerer Ver­ant­wor­tungs­be­reich

Zum inneren Ver­ant­wor­tungs­be­reich zählen alle internen Vorgänge, die die Un­ter­neh­mens­stra­te­gie an sich betreffen. Der innere Ver­ant­wor­tungs­be­reich ist meist Sache der Chefetage und be­ein­flusst wichtige Ent­schei­dun­gen, z. B., welche Busi­ness­part­ner hin­zu­ge­won­nen werden, die eigene Ver­ant­wor­tung auf dem Markt hin­sicht­lich möglicher Kar­tell­bil­dun­gen und Mo­no­pol­stel­lun­gen, eine faire und rea­lis­tisch an­ge­setz­te Wachs­tums­pla­nung und gesunde Wirt­schaft­lich­keit.

Im Idealfall spielt der mo­ra­li­sche Kompass des Un­ter­neh­mens bei der Ent­schei­dungs­fin­dung eine wichtige Rolle: Al­ler­dings lässt sich von außen meist nur schwer be­ur­tei­len, inwieweit ein Un­ter­neh­men den inneren Ver­ant­wor­tungs­be­reich ernst nimmt. Ein nach außen sicht­ba­res CSR-Ma­nage­ment ist aber zumindest ein Indiz dafür, dass auch die interne Strategie mo­ra­li­sche Grund­sät­ze mit­be­rück­sich­tigt.

Mittlerer Ver­ant­wor­tungs­be­reich

Zum mittleren Ver­ant­wor­tungs­be­reich gehören alle jene Aktionen eines Un­ter­neh­mens, deren Effekte auf Umwelt und Ge­sell­schaft mehr oder weniger direkt messbar sind. CO2-Emis­sio­nen und Luft­ver­schmut­zung zählen ebenso dazu wie Ar­beits­be­din­gun­gen der Mit­ar­bei­ter. Dazu gehört auch ein ver­ant­wor­tungs­vol­les Lie­fer­ket­ten­ma­nage­ment, denn durch die Zu­sam­men­ar­beit mit moralisch frag­wür­di­gen Un­ter­neh­men un­ter­stützt man schließ­lich deren Fir­men­po­li­tik.

Die Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty (CSR) im mittleren Ver­ant­wor­tungs­be­reich ist für viele große Konzerne am schwie­rigs­ten zu ko­or­di­nie­ren, hat aber erheblich an Bedeutung gewonnen – gerade weil in diesem Bereich der meiste Schaden entstehen kann. Das betrifft nicht nur die Umwelt und Ge­sell­schaft, sondern auch die eigenen Mit­ar­bei­ter, Stake­hol­der und den Ruf des Un­ter­neh­mens.

Stichwort Stake­hol­der: Stefanie Hiß schlägt vor, dass der mittlere Ver­ant­wor­tungs­be­reich sich haupt­säch­lich auf jene Stake­hol­der bezieht. Stake­hol­der sind, allgemein gesagt, Personen, die ein ge­stei­ger­tes Interesse an Prozessen, Ar­beits­be­din­gun­gen und meist auch dem Erfolg des Un­ter­neh­mens haben. Folgende Per­so­nen­grup­pen bilden wichtige Stake­hol­der:

Ar­beit­neh­mer

Un­ter­neh­men stehen ihren Mit­ar­bei­tern gegenüber in der Pflicht, für ein an­ge­neh­mes Ar­beits­um­feld zu sorgen und darüber hinaus In­for­ma­tio­nen zu Auf­stiegs­chan­cen und Hier­ar­chien aus­rei­chend trans­pa­rent zu gestalten. Dazu gehören auch das Thema der fairen Bezahlung bzw. Ge­winn­be­tei­li­gung sowie die Be­fris­tung von Verträgen.

Elementar für ein gesundes CSR in diesem Bereich ist außerdem der kon­struk­ti­ve Umgang mit Ge­werk­schaf­ten, sofern Ge­werk­schafts­mit­glie­der im Un­ter­neh­men arbeiten. Denn an­dern­falls kommt es im Ex­trem­fall zu Streiks, wenn Un­ter­neh­men die soziale Ver­ant­wor­tung gegenüber ihren Mit­ar­bei­tern nicht ernst nehmen. Un­zu­mut­ba­re Ar­beits­be­din­gun­gen rufen bisweilen sogar Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen oder staat­li­che In­sti­tu­tio­nen auf den Plan. Häufig machen Mit­ar­bei­ter auch anonym Miss­stän­de in diesem Bereich publik – diese Neu­ig­kei­ten können sich wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien ver­brei­ten und er­heb­li­che Image­schä­den ver­ur­sa­chen.

Eigen- und Fremd­ka­pi­tal­ge­ber

In­ves­to­ren haben ein nach­voll­zieh­ba­res Interesse nicht nur am Erfolg des Un­ter­neh­mens, sondern auch an einer fairen Zu­sam­men­ar­beit. Vor allem bör­sen­no­tier­ten Un­ter­neh­men droht ein er­heb­li­cher Schaden, wenn der Umgang mit den Ge­schäfts­part­nern und In­ves­to­ren moralisch frag­wür­dig oder gar unehrlich verläuft.

Kunden

Un­ter­neh­men, die Produkte liefern, sollten ihre Kunden nicht täuschen. Besonders bei Kon­sum­gü­tern wie Le­bens­mit­tel hat ein Un­ter­neh­men die Ver­ant­wor­tung, hin­sicht­lich der Zu­be­rei­tung und Zu­sam­men­stel­lung des Produkts den Kunden korrekt zu in­for­mie­ren. Ebenso ist vielen Kunden die Herkunft des Produktes bzw. der ver­wen­de­ten Bau- und Rohstoffe wichtig. Prä­sen­tiert sich ein Un­ter­neh­men nach außen als um­welt­freund­lich, verwendet bei der Her­stel­lung eines Produkts al­ler­dings Eier aus Kä­fig­hal­tung oder Bauteile von um­welt­schä­di­gend pro­du­zie­ren­den Betrieben, kann das zum Verlust be­trächt­li­cher Kun­den­stäm­me führen.

Für viele Un­ter­neh­men ist der Kunde der mit Abstand wich­tigs­te Stake­hol­der. Nimmt ein Un­ter­neh­men die soziale Ver­ant­wor­tung des Un­ter­neh­mens gegenüber dem Kunden nicht ernst, ist das häufig auf schlech­tes CSR-Ma­nage­ment zu­rück­zu­füh­ren (sofern es ein solches überhaupt gibt).

Anwohner

Un­ter­neh­men, deren Standort in Städten oder zumindest direkter Nähe von Sied­lun­gen liegt, haben auch gegenüber den Anwohnern eine Ver­ant­wor­tung. Der Betrieb sollte sich nicht negativ auf die Le­bens­qua­li­tät der Anwohner aus­zu­wir­ken. Das betrifft bei­spiels­wei­se die Bereiche Lärm­be­läs­ti­gung und Um­welt­ver­schmut­zung. In vielen Ländern leiden Menschen immer noch unter den harten Le­bens­be­din­gun­gen, da große Fabriken ihre soziale Ver­ant­wor­tung igno­rie­ren.

Im schlimms­ten Fall ver­ur­sa­chen Un­ter­neh­men Trink­was­ser­ver­schmut­zung, un­zu­mut­ba­rem Lärm, Luft­ver­pes­tung und Schäden an um­lie­gen­der Flora und Fauna. Werden solche Un­ge­rech­tig­kei­ten publik, drohen dem Un­ter­neh­men nicht nur Image­schä­den, sondern mög­li­cher­wei­se auch Probleme mit Gesetz und Um­welt­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen.

Re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen

Un­ter­neh­men müssen die Gesetze des je­wei­li­gen Landes einhalten. Dazu zählt auch die rei­bungs­lo­se und ehrliche Ko­ope­ra­ti­on mit Re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen wie bspw. in Deutsch­land dem Bundesamt für Ar­beits­schutz (BauA) und dem Ge­sund­heits­amt. In Pro­duk­ti­ons­stät­ten gilt es, die vom Ge­setz­ge­ber vor­ge­ge­be­nen Qua­li­täts­stan­dards und Re­gu­la­ri­en zu beachten und bei ent­spre­chen­den Kon­trol­len nicht zu betrügen.

Medien

Die Auf­klä­rungs­ver­ant­wor­tung der „vierten Gewalt“ be­inhal­tet auch die möglichst lü­cken­lo­se Be­richt­erstat­tung über Miss­stän­de in Un­ter­neh­men. Das Ver­hält­nis zwischen Jour­na­lis­ten und Funk­tio­nä­ren ist daher oft am­bi­va­lent: Auf der einen Seite möchte sich ein Un­ter­neh­men möglichst gut prä­sen­tie­ren, damit die Medien durch ihre Berichte zu einem positiven Image beitragen. Auf der anderen Seite droht Betrieben, die Ihrer Un­ter­neh­mens­ver­ant­wor­tung nicht gerecht werden, schnell ein Image­scha­den, wenn Jour­na­lis­ten davon erfahren. Auf einigen Fir­men­ge­län­den werden Me­di­en­ver­tre­ter daher alles andere als gerne gesehen.

Da die soziale Ver­ant­wor­tung von Un­ter­neh­men kaum staat­li­chen Kon­trol­len un­ter­liegt, sehen sich die Medien oftmals in der Pflicht, die Öf­fent­lich­keit über Ver­feh­lun­gen von Firmen zu in­for­mie­ren. Gutes CSR-Ma­nage­ment be­inhal­tet al­ler­dings prin­zi­pi­ell den offenen und ehrlichen Dialog mit den Medien – wer sich nichts zu Schulden kommen lässt, braucht auch negative Presse nicht so sehr zu fürchten. Al­ler­dings berichten die meisten Jour­na­lis­ten kaum über die positiven Leis­tun­gen von Un­ter­neh­men, sondern kon­zen­trie­ren sich vermehrt auf die Ver­feh­lun­gen – schlicht, weil sich negative Presse besser verkauft.

Äußerer Ver­ant­wor­tungs­be­reich

Im Rahmen ihrer Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty (CSR) kon­zen­trie­ren sich viele Un­ter­neh­men nicht nur auf interne Prozesse, sondern über­neh­men soziale Ver­ant­wor­tung auch außerhalb des eigenen Betriebes. Hier einige Beispiele, was alles zu diesem äußeren Ver­ant­wor­tungs­be­reich gehören kann (der oft mit dem Begriff „Corporate Ci­ti­zen­ship“ gleich­ge­setzt wird):

Spenden

Spenden von Un­ter­neh­men für wohl­tä­ti­ge Zwecke („Corporate Giving“) bilden das po­pu­lärs­te Mittel aktiv gelebter Un­ter­neh­mens­ver­ant­wor­tung. Häufig werden diese Spenden aber auch mit dem Wa­ren­ver­kauf verknüpft und sollen so zu höheren Ab­satz­zah­len beitragen: bei­spiels­wei­se durch das Ver­spre­chen, pro ver­kauf­tem Produkt einen Teil des Gewinns einem guten Zweck zu spenden. Viele Un­ter­neh­men be­tei­li­gen sich auch an Events wie Ma­ra­thon­läu­fen und Spen­den­ga­las, bei denen sie Mit­ar­bei­ter teil­neh­men lassen. All das bringt den Firmen natürlich auch gute Publicity, doch das schmälert nicht den all­ge­mei­nen Nutzen dieser Aktionen. Solche Wohl­tä­tig­keits­ver­an­stal­tun­gen sind also letzten Endes ge­winn­brin­gend für alle Be­tei­lig­ten.

Spon­so­ring

Un­ter­neh­men kommen ihrer sozialen Ver­ant­wor­tung oft auch nach, indem sie selbst spezielle In­itia­ti­ven sponsern oder Vereine un­ter­stüt­zen, die wohl­tä­ti­ge Ziele verfolgen. Im Gegenzug werden die Un­ter­neh­men von diesen In­sti­tu­tio­nen positiv erwähnt und pro­fi­tie­ren davon, mit ihnen as­so­zi­iert zu werden. Häufig können Un­ter­neh­men auf diese Art auch ihr Ansehen bei den Anwohnern ver­bes­sern – bei­spiels­wei­se, indem sie Stadt­pro­jek­te und regionale Events sponsern.

Soziale Ak­ti­vi­tä­ten

Un­ter­neh­men sind oft auch bereit, Mit­ar­bei­ter frei­zu­stel­len, wenn diese sozialen Tä­tig­kei­ten nach­kom­men wollen. In­zwi­schen wird dies meist sogar in Ar­beits­ver­trä­gen geregelt (und Mit­ar­bei­tern dafür bei­spiels­wei­se ein halber Ar­beits­tag pro Quartal zu­ge­stan­den). Viele Un­ter­neh­men sind also bereit, soziale Ak­ti­vi­tä­ten ihrer Mit­ar­bei­ter zu un­ter­stüt­zen und sogar zu entlohnen (indem sie diese Ak­ti­vi­tä­ten als Ar­beits­zeit verbuchen).

Beispiele für die positive Umsetzung von Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty (CSR)

Gut um­ge­setz­te CSR lässt sich meist an in­sti­tu­tio­nel­len Ein­rich­tun­gen erkennen. Wenn Un­ter­neh­men Stif­tun­gen gründen, soziale Projekte fördern und sich an Spen­den­ga­las be­tei­li­gen, wird CSR gelebt. Al­ler­dings muss man CSR auch abhängig von der Größe und dem Wir­kungs­be­reich eines Un­ter­neh­mens bewerten. Un­ter­neh­men, die weltweit agieren, aber ihren Haupt­stand­ort in einem reichen Land haben, sollten auch soziales En­ga­ge­ment auf ärmere Länder ausdehnen, in denen sie pro­du­zie­ren.

Die Di­men­sio­nen von CSR sind viel­schich­tig: So handelt ein kleines örtliches Un­ter­neh­men schon sozial ver­ant­wor­tungs­voll, wenn es sich am je­wei­li­gen Standort engagiert – etwa durch fi­nan­zi­el­le Hilfe für hu­ma­ni­tä­re Ein­rich­tun­gen. Auch eine kleine Fi­nanz­sprit­ze für den örtlichen Stadtpark kann bereits positiv gelebte CSR bedeuten. Nach­fol­gend finden Sie Beispiele für deutsche Un­ter­neh­men, die sich im Bereich Corporate Social Re­spon­si­bi­li­ty besonders her­vor­ge­tan haben.

Deutsche Post

Die Deutsche Post wurde 2005 vom manager magazin als „So­zi­als­tes Un­ter­neh­men“ aus­ge­zeich­net. Das hat mehrere Gründe:

  • Die Deutsche Post agiert besonders hilfs­be­reit bei Mit­ar­bei­tern, die aus Fa­mi­li­en­pau­sen zu­rück­keh­ren. Sie prä­sen­tiert sich als fa­mi­li­en­freund­li­ches Un­ter­neh­men, in dem sich Kin­der­wunsch und Karriere pro­blem­los ver­ein­ba­ren lassen.
     
  • Die Deutsche Post kümmert sich um die Inklusion be­hin­der­ter Menschen. Sie richtet nicht nur Ar­beits­plät­ze be­hin­der­ten­ge­recht ein, sondern unterhält auch För­der­pro­gram­me für Menschen mit kör­per­li­chen oder geistigen Handicaps.
     
  • Post wird, wenn möglich, zu Fuß oder mit dem Fahrrad aus­ge­tra­gen, Postwagen un­ter­lie­gen strengen Kon­trol­len und Gü­ter­trans­por­te werden bevorzugt auf den ver­gleichs­wei­se um­welt­freund­li­che­ren Schie­nen­ver­kehr ab­ge­wi­ckelt. So trägt die Deutsche Post auch ihren Teil zu um­welt­ge­rech­ter Arbeit bei.
     
  • Die Deutsche Post ist bekannt dafür, dass sie bei Ka­ta­stro­phen soziale Hilfe leistet, indem sie ihre Logistik für den Transport von Hilfs­gü­tern zur Verfügung stellt. Darüber ko­ope­riert die DP mit der UNO, um ein welt­wei­tes Netzwerk von Ka­ta­stro­phen­ein­satz­teams zu un­ter­hal­ten.
     
  • Die DP tritt auch an­der­wei­tig humanitär in Er­schei­nung: Bei­spiels­wei­se, indem sie beim Me­di­ka­men­ten­trans­port in Ent­wick­lungs­län­der hilft, die Bildung in der dritten Welt durch Spenden vor­an­treibt oder eng mit der Aktion Mensch zu­sam­men­ar­bei­tet.

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank ist ebenfalls sozial engagiert: So werden bei­spiels­wei­se immer wieder Mit­ar­bei­ter für wohl­tä­ti­ge Arbeiten frei­ge­stellt – so­ge­nann­te Social Days. Die Mit­ar­bei­ter können aus einer Vielzahl wohl­tä­ti­ger Projekte wählen, die sie un­ter­stüt­zen möchten. Viele An­ge­stell­te der Deutschen Bank arbeiten z. B. aktiv beim Wald­schutz mit, indem sie Bäume pflanzen.

Auch in den Bereichen Flücht­lings­hil­fe, In­te­gra­ti­on und Ka­ta­stro­phen­hil­fe ist die Deutsche Bank oft aktiv. Seit 2015 kon­zen­triert das Un­ter­neh­men ihr soziales En­ga­ge­ment vermehrt auf die In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen, indem es bei­spiels­wei­se In­te­gra­ti­ons­kur­se sponsert und öf­fent­li­che Events für die Begegnung zwischen Ein­hei­mi­schen und Flücht­lin­gen or­ga­ni­siert. In der Hochphase der Flücht­lings­kri­se halfen Mit­ar­bei­ter der Deutschen Bank lan­des­weit dabei, möglichst schnell Flücht­lings­un­ter­künf­te zu errichten. Darüber hinaus spendete das Un­ter­neh­men Hilfs­gü­ter wie Kleidung und Spielzeug. Zudem betont das Un­ter­neh­men, dass es Flücht­lin­gen auch bei den kom­pli­zier­ten Be­hör­den­gän­gen geholfen habe. Er­wäh­nens­wert ist auch das In­te­gra­ti­ons­pa­ten-Projekt, bei dem Mit­ar­bei­ter die Pa­ten­schaft für einen oder mehrere Flücht­lin­ge über­neh­men.

Die Deutsche Bank tritt zudem außen als mul­ti­kul­tu­rel­les und viel­fäl­ti­ges Un­ter­neh­men in Er­schei­nung. Zudem setzt es sich ins­be­son­de­re für die Rechte von Ho­mo­se­xu­el­len ein. So beteiligt sich das Un­ter­neh­men jedes Jahr mit einem eigenen Wagen am Chris­to­pher Street Day, um ei­ner­seits für die eigene viel­fäl­ti­ge Un­ter­neh­mens­kul­tur zu werben und an­de­rer­seits ein deut­li­ches Statement gegen Ho­mo­pho­bie zu setzen.

Bosch

Der Elek­tronik­her­stel­ler unterhält mehrere Stif­tun­gen für wohl­tä­ti­ge Zwecke. Die be­kann­tes­te darunter ist die Robert Bosch Stiftung, die in den The­men­be­rei­chen Ge­sund­heit, Wis­sen­schaft, Ge­sell­schaft, Bildung und Völ­ker­ver­stän­di­gung aktiv ist. Die Robert Bosch Stiftung kon­zen­triert sich dabei auf die Förderung von ge­mein­nüt­zi­gen Projekten, ent­wi­ckelt aber auch eigene In­itia­ti­ven. Die be­kann­tes­ten ge­mein­nüt­zi­gen Ein­rich­tun­gen der Stiftung liegen in Stuttgart: das Robert-Bosch-Kran­ken­haus, das Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für klinische Phar­ma­ko­lo­gie und das Institut für Ge­schich­te der Medizin.

Bosch betreibt al­ler­dings auch in­ter­na­tio­na­le Stif­tun­gen, die darauf abzielen, die Le­bens­qua­li­tät der un­mit­tel­ba­ren Anwohner der eigenen Pro­duk­ti­ons­stät­ten zu ver­bes­sern. Die Bosch India Foun­da­ti­on bemüht sich, die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung in den ärmeren Regionen Indiens zu ver­bes­sern – vor allem für kranke Kinder und schwan­ge­re Frauen. Das Instituto Robert Bosch in Brasilien betreibt mehrere Bil­dungs­ein­rich­tun­gen. Darüber hinaus beteiligt sich Bosch in Brasilien am Kampf gegen Armut und Dro­gen­miss­brauch. Auch für die zahl­rei­chen Pro­duk­ti­ons­stät­ten in China betreibt Bosch mehrere Stif­tun­gen mit dem Ziel, die Armut zu ver­rin­gern und bessere Bil­dungs­chan­cen zu schaffen. So un­ter­stützt Bosch bspw. Stu­di­en­an­fän­ger, indem das Un­ter­neh­men die Uni­ver­si­täts­ge­büh­ren im ersten Semester übernimmt. Neben den orts­ge­bun­de­nen Stif­tun­gen unterhält Bosch auch mehrere Stif­tun­gen, die sich in­ter­na­tio­nal den Bereichen Flücht­lings­hil­fe und Ka­ta­stro­phen­schutz widmen.

In Deutsch­land wird die Robert Bosch Stiftung vor allem im Bereich Bildung aktiv, so or­ga­ni­siert die Stiftung jährlich den deutschen Schul­preis. Darüber hinaus un­ter­stützt Bosch auch mehrere deutsche Bil­dungs­ein­rich­tun­gen an sozialen Brenn­punk­ten.

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