Sinus-Milieus werden von dem Markt- und So­zi­al­for­schungs­in­sti­tut Sinus bestimmt. Anhand der beiden Faktoren „soziale Lage“ und „Grund­ori­en­tie­rung“ lassen sich 10 ver­schie­de­ne Gruppen de­fi­nie­ren und ausmachen, die al­ler­dings nicht trenn­scharf von­ein­an­der ab­zu­gren­zen sind. Sinus-Milieus und ihre Be­schrei­bun­gen können sehr hilfreich bei der Analyse von Ziel­grup­pen sein. Der Begriff ist eine ein­ge­tra­ge­ne Marke.

Auf welcher Grundlage geschieht die Ein­ord­nung in Sinus-Milieus?

Die Ein­tei­lung in Sinus-Milieus basiert auf zwei Achsen: der sozialen Lage und den Grund­ori­en­tie­run­gen der Menschen. Diese Kriterien er­mög­li­chen eine de­tail­lier­te Analyse ge­sell­schaft­li­cher Gruppen, ihrer Werte und Le­bens­sti­le. Be­trach­tet man zunächst die soziale Lage, in der sich die Personen befinden, so stellen sich folgende Fragen: In welchem sozialen Umfeld leben sie? Was ist ihr Hin­ter­grund? Hierbei spielen zum Beispiel das Einkommen und der Bil­dungs­stand eine Rolle. Sie lassen sich in drei soziale Schichten einordnen:

  • Untere Mit­tel­schicht / Un­ter­schicht
  • Mittlere Mit­tel­schicht
  • Ober­schicht / Obere Mit­tel­schicht

Be­trach­tet man nun die so­ge­nann­te Grund­ori­en­tie­rung, wird ana­ly­siert, an welchen Werten sich die Menschen ori­en­tie­ren. Dabei un­ter­schei­det das Sinus-Institut bei den einzelnen Punkten noch je zwischen zwei Rich­tun­gen:

  • Tradition: Man un­ter­schei­det, ob Personen die Tradition ohne Ver­än­de­rung fest­hal­ten möchten (Fest­hal­ten) oder bereit sind, tra­di­tio­nel­le Werte an moderne Ideen an­zu­pas­sen (Bewahren).
  • Mo­der­ni­sie­rung / In­di­vi­dua­li­sie­rung: Das Spektrum innerhalb der Mo­der­ni­sie­rung reicht von Menschen, denen Status und Besitz sehr wichtig sind (Haben & Genießen), bis zu Personen, die Erfolg eher in Selbst­ver­wirk­li­chung und Au­then­ti­zi­tät sehen (Sein & Verändern).
  • Neu­ori­en­tie­rung: Menschen innerhalb dieser Gruppe un­ter­schei­den sich teilweise dadurch, dass sie entweder sehr prag­ma­tisch denken und schnell­le­big sind (Machen & Erleben) oder einen stärkeren Fokus darauf legen, neue Dinge ken­nen­zu­ler­nen (Grenzen über­win­den).

Auf diese Weise lassen sich Gruppen von Menschen als Cluster im Ko­or­di­na­ten­sys­tem iden­ti­fi­zie­ren. Dabei handelt es sich selbst­ver­ständ­lich um sta­tis­ti­sche Er­he­bun­gen, die nur eine An­nä­he­rung dar­stel­len können. Das System der Sinus-Milieus be­rück­sich­tigt diesen Umstand, indem man von Über­schnei­dun­gen der ver­schie­de­nen Milieus ausgeht und dies in bild­li­chen Prä­sen­ta­tio­nen auch so darstellt.

Methodik und Ak­tua­li­tät des Sinus-Milieus-Modells

Das Sinus-Institut gibt jedes Jahr neue Werte heraus: Re­gel­mä­ßig befragen die For­schen­den des Instituts tausende Ver­suchs­teil­neh­men­de zu ihrem Lifestyle. Dabei müssen sich die Probanden und Pro­ban­din­nen einem mehr­stün­di­gen Interview stellen (qua­li­ta­ti­ve Un­ter­su­chung) und einen aus­führ­li­chen Fra­ge­bo­gen ausfüllen (quan­ti­ta­ti­ve Un­ter­su­chung). So kann das Institut jährlich neue Werte für die Zu­sam­men­stel­lung der Ge­sell­schaft her­aus­ge­ben. Zu jedem Sinus-Milieu gibt das Institut an, wie hoch dessen Anteil in der Ge­sell­schaft ist. Außerdem werden die Milieus stetig hin­ter­fragt: Während man zum Beispiel noch bis vor kurzer Zeit ein Milieu mit DDR-Nost­al­gi­schen hatte, ist dieses in­zwi­schen aus dem System her­aus­ge­nom­men worden.

Hinweis

Das Sinus-Institut bringt re­gel­mä­ßig eine ak­tua­li­sier­te Version ihrer so­ge­nann­ten Kar­tof­fel­gra­fik heraus. Innerhalb des Ko­or­di­na­ten­sys­tems aus sozialer Lage und Grund­ori­en­tie­rung zeigt die Grafik die ge­sell­schaft­li­che Ver­tei­lung der un­ter­schied­li­chen Sinus-Milieus. Die daraus re­sul­tie­ren­den un­för­mi­gen Gebilde erinnern an Kar­tof­feln. Auf der Website des Sinus-Instituts finden Sie die aktuelle Grafik.

Die ver­schie­de­nen Sinus-Milieus – mit Bei­spie­len

Insgesamt zehn ver­schie­de­ne Gruppen wurden als Sinus-Milieus aus­ge­macht. Diese Milieus sind praktisch Gruppen von Gleich­ge­sinn­ten: Sie teilen mehr oder weniger den gleichen sozialen Status und/oder haben ähnliche Wert­vor­stel­lun­gen. Auf Fragen zu ihren Über­zeu­gun­gen geben die Menschen einer Gruppe ver­gleich­ba­re Antworten und sie äußern sich auch zu Themen wie Alltag, Arbeit, Familie, Freizeit und Konsum ähnlich.

Hinweis

Selbst­ver­ständ­lich sind die Menschen innerhalb der Sinus-Milieus nicht alle gleich. Die Ei­gen­schaf­ten ergeben sich aus sta­tis­ti­schen Werten, weshalb auch die typischen Beispiele eher Ste­reo­ty­pen als rea­lis­ti­sche Be­schrei­bun­gen sind.

Kon­ser­va­tiv-Gehobenes Milieu

Bei dieser Gruppe handelt es sich um das klas­si­sche Es­tab­lish­ment. Ab­ge­schot­tet von anderen Milieus sieht man sich selbst als Füh­rungs­eli­te. Man legt Wert auf Etikette und Ordnung. Dieses Milieu zeichnet sich durch hohes Einkommen be­zie­hungs­wei­se durch Besitz aus. Menschen dieser Gruppe sind meist Teil der Ober­schicht – einige aber auch der mittleren Mit­tel­schicht. Sie ori­en­tie­ren sich an tra­di­tio­nel­len Werten, sind trotzdem bereit zur Mo­der­ni­sie­rung, legen dabei aber Wert auf Le­bens­stan­dard und Status. Ihr Streben nach Ordnung und Balance prägt ihre Le­bens­wei­se maß­geb­lich.

Ein bei­spiel­haf­ter Le­bens­lauf einer Person im kon­ser­va­tiv-gehobenen Milieu: geboren in eine wohl­ha­ben­de Familie, Besuch einer Pri­vat­schu­le und an­schlie­ßend folgt ein Studium an einer an­ge­se­he­nen Uni­ver­si­tät – schließ­lich eine An­stel­lung im Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men.

Post­ma­te­ri­el­les Milieu

Personen des post­ma­te­ri­el­len Milieus sehen sich selbst als Bil­dungs­eli­te mit kri­ti­scher Weltsicht und liberalen Wurzeln. Reichtum und Status spielen eine un­ter­ge­ord­ne­te Rolle, obgleich Mit­glie­der dieses Sinus-Milieus zur Ober­schicht zählen und über ein hohes Einkommen verfügen. Statt­des­sen hat Selbst­ver­wirk­li­chung einen großen Stel­len­wert. Außerdem zeichnen sich Post­ma­te­ri­el­le durch ein hohes Interesse an Kunst und Kultur aus.

Ein typisches Mitglied dieses Milieus hat studiert, ver­mut­lich ein geistes- oder so­zi­al­wis­sen­schaft­li­ches Fach, und arbeitet entweder im aka­de­mi­schen Bereich oder in der Kul­tur­wirt­schaft.

Milieu der Performer

Das Sinus-Milieu der Performer findet Erfüllung durch au­ßer­ge­wöhn­li­che Leis­tun­gen. Besonders im Beruf sehen sich diese Menschen in einem grund­sätz­li­chen Wettkampf mit ihrer Kol­leg­schaft. Erfolge erreichen Performer auch durch ihre guten Fä­hig­kei­ten beim Net­wor­king: Sie bauen ein Netz von Menschen um sich herum auf, die ihnen beim Erklimmen der Kar­rie­re­lei­ter helfen. Performer führen ein schnelles Leben, doch die An­stren­gung zahlt sich aus: Ihr hohes Einkommen er­mög­licht Per­for­mern ein aus­ufern­des Kon­sum­ver­hal­ten. Generell in­ter­es­sie­ren sie sich sehr für neue Technik sowie moderne Designs.

Eine typische Person aus dem Milieu der Performer arbeitet im Fi­nanz­sek­tor oder hat eine Ma­nage­ment-Position. Außerdem hat sie wenig Zeit für die Familie bzw. die Fa­mi­li­en­grün­dung und verbringt die Freizeit gern mit neuen Technik-Gadgets.

Ex­pe­di­ti­ves Milieu

Ex­pe­di­ti­ve lassen sich sowohl in der oberen als auch der mittleren Mit­tel­schicht finden. Sie sind sehr daran in­ter­es­siert, Grenzen zu über­schrei­ten und tra­di­tio­nel­le Systeme zu ändern. Dabei setzen sie vermehrt auf das Internet, um sich global zu vernetzen. Krea­ti­vi­tät und In­di­vi­dua­lis­mus spielen für Ex­pe­di­ti­ve eine ebenso große Rolle wie das Reisen und andere Mög­lich­kei­ten, neue Er­fah­run­gen zu machen. Vor allem junge Menschen lassen sich diesem Sinus-Milieu zurechnen.

Eine typische Person in diesem Milieu arbeitet in der New Economy und lebt ihre Krea­ti­vi­tät zudem in Form eines eigenen Blogs oder Podcasts aus. Ty­pi­scher­wei­se hat die Person bereits min­des­tens zwei Wohn­ort­wech­sel hinter sich – von der Hei­mat­stadt in die Uni­ver­si­täts­stadt und schließ­lich aus be­ruf­li­chen Gründen in eine Großstadt. Auch Aus­lands­auf­ent­hal­te sind nicht selten, weshalb sich auch viele digitale Nomaden und No­ma­din­nen diesem Milieu zuordnen lassen.

Adaptiv-Prag­ma­ti­sche Mitte

Das Pendant zum ex­pe­di­ti­ven Milieu in der mittleren Mit­tel­schicht ist die adaptiv-prag­ma­ti­sche Mitte. Beide lassen sich den schnell wach­sen­den Zu­kunfts­mi­lieus zuordnen. Ge­mein­sam­kei­ten beider Gruppen sind das geringe Alter und die modernen Sicht­wei­sen. Im Gegensatz zum hippen Ex­pe­di­ti­ven ist man als adaptiv-prag­ma­ti­sche Person al­ler­dings sehr viel mehr in der Heimat ver­wur­zelt und einem passiven Prag­ma­tis­mus ver­pflich­tet: Statt Grenzen auf­zu­bre­chen und neue Wege zu finden, passt man sich ge­än­der­ten An­for­de­run­gen gerne an. Generell legt man Wert auf kon­ven­tio­nel­le Si­cher­hei­ten.

Der Prototyp dieses Milieus ist in einer stabilen Familie zu Hause und hat womöglich ein Eigenheim gebaut. Trotz der Be­geis­te­rung für Nütz­li­ches spielt die Frei­zeit­ge­stal­tung eine große Rolle, weshalb eine adaptiv-prag­ma­ti­sche Person mit hoher Wahr­schein­lich­keit in einem Sport­ver­ein ist oder einen engen Freun­des­kreis für die Frei­zeit­ge­stal­tung hat.

Nost­al­gisch-Bür­ger­li­ches Milieu

Den Main­stream findet man im nost­al­gisch-bür­ger­li­chen Milieu. Haupt­säch­lich in der mittleren Mit­tel­schicht an­ge­sie­delt und durch die Grund­ori­en­tie­rung „Mo­der­ni­sie­rung/In­di­vi­dua­li­sie­rung“ ge­kenn­zeich­net, legt man in diesem Sinus-Milieu sehr viel Wert auf Harmonie: Weder politisch noch privat sucht man Dis­kus­sio­nen. Statt­des­sen bemüht man sich um größt­mög­li­che Si­cher­heit, was auch die wach­sen­den Ab­stiegs­ängs­te erklärt: Im Zuge von neuen Tech­no­lo­gien und Ar­beits­be­rei­chen und dem daraus re­sul­tie­ren­den Wachstum der Zu­kunfts­mi­lieus drohen die meist älteren Menschen innerhalb der bür­ger­li­chen Mitte den Anschluss zu verlieren. Der gefühlte Verlust gelernter Regeln und Ge­wiss­hei­ten verstärkt ihre Sehnsucht nach den alten Zeiten, in denen sie sich sicherer und ge­bor­ge­ner fühlten.

Generell ist man aber mehr als bereit, auch an­stren­gen­de Leis­tun­gen zu erbringen, und ist stolz auf den Erfolg, den man sich er­ar­bei­tet hat. Eine typische Person des nost­al­gisch-bür­ger­li­chen Milieus hat sich einen gewissen Wohlstand er­ar­bei­tet, eine Familie gegründet und genießt das Leben – zum Beispiel im ge­pfleg­ten Garten.

Neo-Öko­lo­gi­sches Milieu

Ge­gen­spie­len­de zur bür­ger­li­chen Mitte finden sich im neo-öko­lo­gi­schen Milieu. Statt den Status quo bewahren zu wollen, äußert diese Gruppe über­wie­gend Kritik an der Ge­sell­schaft. Sowohl dem ge­dan­ken­ver­lo­re­nen Konsum als auch der Aus­beu­tung von Natur und anderen Menschen steht man skeptisch bis kritisch gegenüber. Man hat hohe ethische Werte, an denen man auch seine Mit­men­schen misst: Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, Political Cor­rect­ness, Diversity und Inklusion sehen So­zi­al­öko­lo­gi­sche als einzig ak­zep­ta­ble Haltung an.

Viele So­zi­al­öko­lo­gi­sche verfügen über einen hohen Bil­dungs­stand, doch eine An­stel­lung, die ihrer Mo­ral­vor­stel­lung ent­ge­gen­steht, ist für So­zi­al­öko­lo­gi­sche nicht denkbar. Sie en­ga­gie­ren sich häufig in sozialen und öko­lo­gi­schen Projekten und sind in der Nach­bar­schafts­hil­fe aktiv.

Tra­di­tio­nel­les Milieu

Das tra­di­tio­nel­le Milieu ist bestimmt vom Kon­ser­va­tis­mus. Vor allem durch die Nach­kriegs­zeit geprägt, setzen sich Mit­glie­der dieser Gruppe für Tradition und Ordnung ein. Man lebt im Klein­bür­ger­tum und ist Teil der klas­si­schen Ar­bei­ter­kul­tur – bo­den­stän­dig und sparsam. Ähnlich wie Personen des nost­al­gisch-bür­ger­li­chen Milieus verhalten sich Tra­di­tio­nel­le eher kon­for­mis­tisch: Man sieht keinen Grund darin, die Ge­sell­schaft zu verändern, statt­des­sen passt man sich (mal mehr, mal weniger) neuen An­for­de­run­gen an. Das tra­di­tio­nel­le Milieu ist dabei al­ler­dings nicht so homogen, wie man denken mag: Sowohl in der mittleren als auch in der unteren Mit­tel­schicht finden sich Mit­glie­der dieser Gruppe. Außerdem bewegt man sich bei der Grund­ori­en­tie­rung in einem Spektrum von einer starken Ver­wur­ze­lung in der Tradition bis zur Be­reit­schaft zur Mo­der­ni­sie­rung.

Typische Tra­di­tio­nel­le sind bereits im Ren­ten­al­ter, haben Familie und leben wahr­schein­lich schon mehrere Jahr­zehn­te in der gleichen Wohnung oder im gleichen Haus. Gerne kümmern sich Tra­di­tio­nel­le darum, Ordnung auch in der Nach­bar­schaft durch­zu­set­zen.

Prekäres Milieu

Das prekäre Milieu befindet sich am unteren Rand des sozialen Spektrums: untere Mit­tel­schicht und Un­ter­schicht. Das erklärt auch die dort vor­herr­schen­den stetigen Zu­kunfts­ängs­te und das schwache Selbst­bild. Man ver­gleicht sich mit fi­nan­zi­ell Bes­ser­ge­stell­ten und ist bemüht, nicht den Anschluss zu verlieren. Das bestimmt auch das Kon­sum­ver­hal­ten: Mit­glie­der dieser Kategorie versuchen, anderen Milieus nach­zu­ei­fern. Soziale Aus­gren­zung und Be­nach­tei­li­gun­gen bestimmen den Alltag von Prekären, was zwangs­läu­fig zur Ver­bit­te­rung führt.

Pro­to­ty­pen dieses Sinus-Milieus haben nur einen geringen Bil­dungs­stand und sind seit längerer Zeit ar­beits­su­chend oder haben eine ge­ring­fü­gi­ge Be­schäf­ti­gung. Neben einer kleinen Wohnung können sich typische Prekäre wenig bis gar nichts leisten. Eventuell werden elek­tro­ni­sche Geräte an­ge­schafft, mit denen man dann die Freizeit verbringt.

Konsum-He­do­nis­ti­sches Milieu

Auch das konsum-he­do­nis­ti­sche Milieu be­inhal­tet viele Menschen mit geringem sozialen Status, wobei einige auch in der mittleren Mit­tel­schicht zu finden sind. Im All­ge­mei­nen handelt es sich bei den Konsum-He­do­nis­ten um jüngere Menschen: Schüler und Schü­le­rin­nen, Aus­zu­bil­den­de und Be­rufs­ein­stei­gen­de, die zwar nur ein geringes Einkommen haben, dieses aber gern für Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten ausgeben. Man denkt wenig über die Zukunft nach und genießt lieber die Gegenwart. Der Alltag von He­do­nis­ten mag re­strik­tiv sein, dafür wird in der Freizeit umso mehr aus­ge­bro­chen: aus­schwei­fen­de Partys und un­be­küm­mer­ter Konsum sind innerhalb dieses Sinus-Milieus selbst­ver­ständ­lich.

Typische He­do­nis­ten haben einen Haupt­schul­ab­schluss, befinden sich gerade in einer Aus­bil­dung und haben noch keine Familie gegründet. Eventuell leben sie mit einem Partner bzw. einer Partnerin zusammen oder aber allein in einer kleinen, aber gut aus­ge­stat­te­ten Wohnung. Am Wo­chen­en­de geht man gern mit Freunden und Freun­din­nen feiern (das auch ausufernd), bevor am Montag wieder der Alltag beginnt.

Noch mehr Sinus-Milieus

Außer zu den vor­ge­stell­ten Milieus gibt das Sinus-Institut noch zu weiteren Grup­pie­run­gen Studien heraus:

  • Sinus-Meta-Milieus: Während sich die normalen Sinus-Milieus nur auf Deutsch­land, Ös­ter­reich oder die Schweiz beziehen, sind die Meta-Milieus in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­tet – für mehr als 50 Länder.
  • Digitale Sinus-Milieus: Besonders für Online-Kampagnen sind die digitalen Sinus-Milieus gut geeignet. Mit den dort erfassten Merkmalen ist es möglich, Online-User in ein Milieu ein­zu­ord­nen.
  • Sinus-Ju­gend­mi­lieus: Speziell zur Erfassung ju­gend­li­cher Ziel­grup­pen im Alter von 14 bis 17 Jahren hat das Markt­for­schungs­in­sti­tut die Ju­gend­mi­lieus ent­wi­ckelt. Da junge Menschen in der Regel andere Ansprüche, Werte und Le­bens­sti­le haben als ältere Ge­ne­ra­tio­nen, ist es sinnvoll, für Ju­gend­li­che spezielle Milieus zu ent­wi­ckeln.
  • Sinus-Mi­gran­ten­mi­lieus: Seit 2007 un­ter­sucht das Sinus-Institut auch gezielt die Le­bens­wel­ten von Im­mi­gran­ten in Deutsch­land. Dabei wird unter anderem be­leuch­tet, wie sehr sich die befragten Migranten noch ihrem Her­kunfts­land zugehörig fühlen.

Deshalb sind Sinus-Milieus für Un­ter­neh­men wichtig

Sinus-Milieus helfen, Menschen mit ähnlichen Wer­te­vor­stel­lun­gen und Kauf­ge­wohn­hei­ten zu finden. Deshalb ist das System so wichtig für die Ziel­grup­pen­for­schung. Man nimmt an, dass Menschen aus der gleichen ge­sell­schaft­li­chen Le­bens­si­tua­ti­on und mit ähnlichen Werten auch die gleichen Wünsche, Be­dürf­nis­se und Sorgen teilen. Sinus-Milieus kommen in ver­schie­de­nen Bereichen zum Einsatz:

  • Marketing: Un­ter­schied­li­che Milieus erfordern un­ter­schied­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gien. Das kon­ser­va­tiv-gehobene Milieu wird anders an­ge­spro­chen als die he­do­nis­ti­sche Gruppe, selbst wenn beide an demselben Produkt in­ter­es­siert sind. Die Sprache und Auf­ma­chung müssen dem Milieu angepasst sein. He­do­nis­ten legen Wert auf Trends, während Tra­di­tio­nel­le auf per­sön­li­chen Nutzen und Spar­sam­keit achten.
  • Me­di­en­for­schung: Die Analyse von Ein­schalt­quo­ten wird durch die Kom­bi­na­ti­on mit Sinus-Milieus präziser, da sie Auf­schluss über die Vorlieben ver­schie­de­ner sozialer Gruppen gibt. Durch die Ein­ord­nung der Me­di­en­nut­zung nach Milieus können Sender und Platt­for­men ihre Inhalte besser auf die Prä­fe­ren­zen ihrer Ziel­grup­pen abstimmen. Dies umfasst sowohl tra­di­tio­nel­le Medien wie Fernsehen und Radio als auch digitale Medien und soziale Netzwerke.
  • Pro­gram­ma­tic Ad­ver­ti­sing: In­zwi­schen lassen sich Sinus-Milieus auch für Pro­gram­ma­tic Ad­ver­ti­sing einsetzen. Hierbei werden die Milieus zum Beispiel mit Geo-Daten von Apps verknüpft und User so einer der Gruppen zu­ge­ord­net.
  • Pro­dukt­ent­wick­lung: Sinus-Milieus lassen sich sogar schon einen Schritt früher – in der Pro­dukt­ent­wick­lung – ge­winn­brin­gend einsetzen. Wenn man weiß, welche Werte die Ziel­grup­pe hat, dann lässt sich ein Objekt oder auch eine Dienst­leis­tung passender auf diese Gruppe zu­schnei­den. Un­ter­neh­men pro­fi­tie­ren also allgemein vom genaueren Einblick in die Ziel­grup­pe, den die Sinus-Milieus ihnen er­mög­li­chen.

Trotz des hohen Nutzens wird das Modell auch kri­ti­siert. Für viele Gründende bzw. Startups, die noch nicht so hohe Gewinne ge­ne­rie­ren, dürfte ins­be­son­de­re der Preis ein Problem sein. Die hier vor­ge­stell­ten Merkmale der ver­schie­de­nen Milieus sind nur ober­fläch­li­che Ein­sich­ten: Um den vollen Umfang der Sinus-Milieus für das eigene Un­ter­neh­men nutzen zu können, müssen Sie über 1000 Euro für das Basis-Paket ausgeben. Schwer­punkt-Analysen – zum Beispiel zur Me­di­en­nut­zung – sind ebenfalls kos­ten­pflich­tig. Wer aber bereit ist, diese In­ves­ti­ti­on zu tätigen, erhält wichtige In­for­ma­tio­nen zu der an­ge­peil­ten Ziel­grup­pe seines Un­ter­neh­mens.

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