Wenn der Markt hart umkämpft ist, haben Un­ter­neh­men wenig Spielraum, um sich über den Pro­dukt­preis oder die Pro­dukt­qua­li­tät von der Kon­kur­renz ab­zu­set­zen. Ihre Pro­fi­ta­bi­li­tät können sie dann nur durch eine höhere Effizienz in der Wert­schöp­fungs­ket­te ver­bes­sern.

Die Just-in-time-Pro­duk­ti­on bzw. Just-in-time-Be­lie­fe­rung wurde in Japan ent­wi­ckelt und hat sich als schlankes Be­schaf­fungs- und Pro­duk­ti­ons­sys­tem weltweit bewährt. Es wird vor allem in großen Konzernen mit komplexen Produkten ein­ge­setzt und eignet sich ins­be­son­de­re für kleine Märkte, in denen Un­ter­neh­men nur wenig von Ska­len­ef­fek­ten pro­fi­tie­ren können.

Was versteht man unter Just-in-time-Pro­duk­ti­on?

Die Just-in-time-Pro­duk­ti­on wird auch JIT-Pro­duk­ti­on oder be­darfs­syn­chro­ne bzw. fer­ti­gungs­syn­chro­ne Pro­duk­ti­on genannt. Sie zielt darauf ab, den gesamten Ma­te­ri­al­fluss auf die Pro­duk­ti­on ab­zu­stim­men, um die Wert­schöp­fungs­ket­te zu ver­schlan­ken und die Effizienz zu erhöhen.

Indem Material erst dann geliefert wird, wenn es in der Pro­duk­ti­on tat­säch­lich benötigt wird, spart das Un­ter­neh­men Kosten in der La­ger­hal­tung und muss vorab weniger Kapital binden. Im Lager werden nur kleine Si­cher­heits­puf­fer an Material vor­ge­hal­ten, um geringe Lie­fer­ver­zö­ge­run­gen abfedern zu können. Gleich­zei­tig kann die Pro­duk­ti­on flexibler auf Markt­ver­än­de­run­gen reagieren.

Fakt

„Just in time“ ist ein Or­ga­ni­sa­ti­ons­prin­zip in der Pro­duk­ti­on und Ma­te­ri­al­wirt­schaft, bei dem Rohstoffe oder Bauteile genau in der be­nö­tig­ten Menge geliefert werden, wenn sie im Pro­duk­ti­ons­pro­zess gebraucht werden.

Just-in-time-Pro­duk­ti­on ist das Gegenteil von Just-in-case-Stra­te­gien, bei denen Un­ter­neh­men einen um­fang­rei­chen La­ger­be­stand vorhalten, um maximale Markt­nach­fra­ge schnell be­frie­di­gen zu können.

Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te

Just in time wird teilweise als Toyota-Pro­duk­ti­ons­mo­dell be­zeich­net, da es von Taichii Ono, einem ehe­ma­li­gen Chef­inge­ni­uer von Toyota ent­wi­ckelt wurde.

Der Toyota-Gründer Kiichiro Toyoda wollte nach 1945, dass sein Un­ter­neh­men schnell zu den ame­ri­ka­ni­schen Au­to­mo­bil­kon­zer­nen auf­schloss. Doch der ja­pa­ni­sche Markt war nicht groß genug, um die Au­to­mo­bil­pro­duk­ti­on über Ska­len­er­trä­ge wirt­schaft­li­cher zu machen. Statt mehr zu pro­du­zie­ren als der Markt benötigte, beschloss Toyoda so viel Ver­schwen­dung wie möglich aus dem Wert­schöp­fungs­pro­zess zu eli­mi­nie­ren.

Daraufhin ent­wi­ckel­te Taiichi Ono das um­fas­sen­de JIT-Prinzip, das nicht nur für die Pro­duk­ti­on, sondern auch für die Lieferung und Dis­tri­bu­ti­on an­ge­wen­det wurde. Damit der Just-in-time-Ansatz funk­tio­niert, werden ver­schie­de­ne andere Methoden kom­bi­niert. Um den Überblick über den Material- und In­for­ma­ti­ons­fluss zu behalten, kommen auf Werk­statt­ebe­ne zum Beispiel Kanban Boards zum Einsatz. Diese agile Vor­ge­hens­wei­se wird mitt­ler­wei­le auch un­ab­hän­gig von der Pro­duk­ti­on in vielen Branchen im Pro­jekt­ma­nage­ment ein­ge­setzt.

Das ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men konnte die ame­ri­ka­ni­sche Kon­kur­renz zwar in den Fol­ge­jah­ren nicht einholen, doch der wirt­schaft­li­che Erfolg, der sich ein­stell­te, sorgte in­ter­na­tio­nal für Auf­merk­sam­keit und führte dazu, dass sich das Modell der Just-in-time-Be­lie­fe­rung weltweit ver­brei­te­te und bis heute ein­ge­setzt wird.

Was sind An­wen­dungs­be­rei­che für die Just-in-time-Be­lie­fe­rung?

In der Praxis wird die JIT-Pro­duk­ti­on vor allem im Automobil- und Flug­zeug­bau angewandt, da bei diesen re­gel­mä­ßig so viele un­ter­schied­li­che Bauteile verwendet werden, dass es praktisch nicht möglich ist, sie alle direkt an der Mon­ta­ge­li­nie zu lagern. Die Zu­lie­fer­be­trie­be sind häufig in un­mit­tel­ba­rer Nähe des Ab­neh­mer­be­triebs an­ge­sie­delt, sodass lange Trans­port­we­ge und damit zu­sam­men­hän­gen­de Risiken (Stau, Unfälle etc.) entfallen. Die Pro­duk­ti­ons­zei­ten in der Au­to­mo­bil­in­dus­trie konnten damit drastisch gesenkt werden. Im Fall des Smart fortwo zum Beispiel benötigt die End­mon­ta­ge nur noch drei Stunden.

Grund­sätz­lich ist die Strategie für alle Betriebe vor­teil­haft, deren Pro­duk­ti­on hoch­prei­si­ge und große Bauteile umfasst und die ihre Wert­schöp­fungs­ket­te op­ti­mie­ren wollen.

Vor­aus­set­zun­gen für Just-in-time-Be­lie­fe­rung

Vor­aus­set­zung für eine er­folg­rei­che Just-in-time-Be­lie­fe­rung ist eine gute Trans­port­pla­nung sowie eine enge Ab­stim­mung zwischen Lie­fe­ran­ten und Abnehmer. Letzterer muss die optimale Lie­fer­grö­ße bestimmen und die korrekten Zy­klus­län­gen berechnen, damit Be­stel­lun­gen recht­zei­tig erfolgen und an­ge­lie­fer­te Produkte nahtlos verbaut werden, statt in der Nähe der End­mon­ta­ge gelagert werden zu müssen. Teilweise lassen sich kurze War­te­zei­ten nicht vermeiden. Eine klas­si­sche La­ger­hal­tung erfolgt bei der JIT-Pro­duk­ti­on jedoch nicht.

Die Just-in-time-Pro­duk­ti­on ist ent­wi­ckelt worden für Produkte, für die eine relativ gleich­blei­ben­de Nachfrage besteht. Außerdem wird davon aus­ge­gan­gen, dass die Be­triebs­mit­tel leicht verfügbar sind. Un­ter­neh­men benötigen eine gute In­fra­struk­tur. Um die Risiken der engen Bindung an den oder die Lie­fe­ran­ten ab­zu­fe­dern, ist es emp­feh­lens­wert, dass die Zu­lie­fe­rer in un­mit­tel­ba­rer Nähe zur Pro­duk­ti­ons­stät­te an­ge­sie­delt sind.

In der Praxis ist das Modell mit Lie­fe­ran­ten nur umsetzbar, wenn diese selbst flexibel or­ga­ni­siert sind und (Rahmen-)Verträge erhalten, die ihnen große Be­stell­men­gen sichern, da für sie das wirt­schaft­li­che Risiko einer Just-in-time-Be­lie­fe­rung sonst zu hoch ist.

Die JIT-Pro­duk­ti­on macht eine pro­zess­be­glei­ten­de Qua­li­täts­si­che­rung unbedingt er­for­der­lich. Eine feh­ler­freie Qualität aller Bauteile ist bei JIT besonders wichtig, da bei einem Austausch feh­ler­haf­ter Teile diese erst nach­be­stellt werden müssen und die Pro­duk­ti­on dann un­ter­bro­chen wird.

Welche Vor- und Nachteile hat die Methode?

Die Just-in-time-Pro­duk­ti­on hat diverse Vorteile. Sie kann die Wirt­schaft­lich­keit eines Un­ter­neh­mens deutlich ver­bes­sern. Al­ler­dings birgt sie auch einige Risiken und Nachteile, derer sich Un­ter­neh­men bewusst sein sollten, wenn sie eine Ein­füh­rung der Methode planen.

Vorteile

  1. Ver­bes­ser­te Pro­fi­ta­bi­li­tät: In Märkten mit starker Kon­kur­renz, in denen eine Ver­bes­se­rung der Wirt­schaft­lich­keit nicht über das Absenken von Preisen oder Qualität möglich ist, kann die Op­ti­mie­rung von Be­schaf­fung und Pro­duk­ti­on der beste Weg zu mehr Gewinn sein.
     
  2. Be­schleu­nig­ter Her­stel­lungs­pro­zess: In der deutschen Au­to­mo­bil­in­dus­trie konnten teilweise mehr als 50 Prozent der End­mon­ta­ge­zei­ten ein­ge­spart werden.
     
  3. Geringe Ka­pi­tal­bin­dung: Un­ter­neh­men müssen weniger La­ger­räu­me anmieten und weniger Bauteile vorrätig halten, sodass sie Res­sour­cen in einem si­gni­fi­kan­ten Maß einsparen.
     
  4. Re­du­zier­te Ar­beits­kos­ten: Die Be­schaf­fung ist bei JIT-Pro­duk­tio­nen deutlich kos­ten­güns­ti­ger, da weniger zeit­auf­wen­dig.

Nachteile

  1. De­tail­lier­te Planung: Just-in-time-Be­lie­fe­rung setzt eine de­tail­lier­te und rei­bungs­lo­se Planung des Pro­duk­ti­ons- und Be­schaf­fungs­pro­zes­ses voraus.
     
  2. Hoher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­auf­wand: Nur wenn Lie­fe­ran­ten und Abnehmer ihre Kom­mu­ni­ka­ti­on eng abstimmen und sich stetig über den aktuellen Pro­duk­ti­ons­stand aus­tau­schen, kann just in time gelingen.
     
  3. Steigende Ab­hän­gig­keit von Lie­fe­ran­ten: Sobald die Pro­duk­ti­on eines Lie­fe­ran­ten ins Stocken gerät, wirkt sich dies un­mit­tel­bar auf den Ge­samt­pro­zess aus. Einige Un­ter­neh­men verteilen ihre Zu­lie­fe­run­gen auf mehrere Lie­fe­ran­ten, doch ohne La­ger­hal­tung ist der positive Effekt begrenzt.
     
  4. Stärkere Aus­wir­kung von Trans­port­schwie­rig­kei­ten: Sobald sich der Transport verzögert, ist der Fortgang der Pro­duk­ti­on un­ter­bro­chen.
     
  5. La­ger­platz weiterhin notwendig: Je nachdem, wie strikt das JIT-Modell prak­ti­ziert wird, bleibt es weiterhin notwendig, zumindest etwas La­ger­platz an der Mon­ta­ge­li­nie vor­zu­hal­ten. Erst bei einer Just-in-sequence-Pro­duk­ti­on könnte dieser entfallen.

Wei­ter­ent­wick­lung: Just-in-sequence-Pro­duk­ti­on

Eine Wei­ter­ent­wick­lung der Just-in-time-Pro­duk­ti­on ist die Just-in-sequence-Pro­duk­ti­on. Hierbei wird das Material nicht nur in der passenden Menge zum richtigen Zeitpunkt geliefert, sondern alle für die End­mon­ta­ge not­wen­di­gen Ein­zel­tei­le werden in der für das jeweilige Produkt passenden Rei­hen­fol­ge bestellt und geliefert.

In der Au­to­mo­bil­in­dus­trie werden Fahrzeuge zum Beispiel immer in­di­vi­du­el­ler kon­fi­gu­riert. Bauteile und Bau­grup­pen un­ter­schei­den sich je nach Be­stel­lung. Eine Just-in-time-Be­lie­fe­rung reicht hier nicht mehr aus. Die Just-in-sequence-Pro­duk­ti­on sorgt dafür, dass die un­ter­schied­li­chen Teile auch in der Rei­hen­fol­ge ihrer Verbauung be­reit­ge­stellt werden.

Der gesamte Wert­schöp­fungs­pro­zess wird in diesem Modell jedoch noch stärker als bei der JIT-Pro­duk­ti­on zu einer Per­len­ket­te, die sofort reißt, sobald auch nur kleine externe Störungen eintreten.

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