Wahr­schein­lich hatten Sie im Verlaufe Ihres Ar­beits­le­bens auch schon mal mit ihr Kontakt: der klas­si­schen Ex­cel­ta­bel­le für die Zeit­er­fas­sung. Sie ist kom­pli­ziert, feh­ler­an­fäl­lig und nicht unbedingt be­nut­zer­freund­lich. Moderne Lösungen erfassen die Zeit online – und bieten weit mehr als das bloße Time-Tracking. Einige dieser Tools sind auch speziell für kleine Un­ter­neh­men ausgelegt und ver­hält­nis­mä­ßig günstig. Und bei wach­sen­den Bedarf lassen sie sich oftmals erweitern.

Wofür benötigt man eine Online-Ar­beits­zeit­er­fas­sung?

Bei und direkt nach der Gründung eines Un­ter­neh­mens stehen oft andere Dinge im Fokus als die Auf­zeich­nung der Ar­beits­zei­ten. Häufig vertrauen Gründer darauf, dass Ar­beit­neh­mer selbst darauf achten, die im Ar­beits­ver­trag fest­ge­hal­te­nen Ar­beits­zei­ten ein­zu­hal­ten.

Vertrauen ist zwar gut, doch Kontrolle be­kannt­lich besser – für alle Be­tei­lig­ten. Wenn Sie die Ar­beits­zei­ten erfassen, erfahren Sie nicht nur, wenn sich jemand vor der Arbeit drückt, sondern Sie sehen auch, wenn Ihre Mit­ar­bei­ter zu viel arbeiten. Auch das kann pro­ble­ma­tisch sein. Denn zum einen sind Über­stun­den ar­beits­zei­ten­recht­lich re­gle­men­tiert, zum anderen kann die Mehr­ar­beit zu Lasten der Work-Life-Balance und sogar der Ge­sund­heit Ihrer Mit­ar­bei­ter gehen.

In diesem Zu­sam­men­hang hat die Zeit­er­fas­sung noch eine andere Funktion neben der bloßen Dar­stel­lung der ge­leis­te­ten Ar­beits­stun­den: Sie kann dabei helfen, zeitliche und per­so­nel­le Engpässe im Un­ter­neh­men auf­zu­de­cken. Arbeiten Ihre Mit­ar­bei­ter zu viel, bedeutet dies unter Umständen, dass Sie weiteres Personal benötigen oder dass Prozesse optimiert werden müssen.

Wie funk­tio­niert die Zeit­er­fas­sung?

Deutlich einfacher und bequemer als eine Ex­cel­ta­bel­le ist die Online-Stun­den­er­fas­sung. Für letztere gibt es drei ver­schie­de­ne Modelle:

  • Web­ba­sier­te Zeit­er­fas­sung
  • Erfassung via Desktop-App
  • Erfassung via mobiler App

Viele Tools er­mög­li­chen alle drei Varianten. Das hat den Vorteil, dass der Mit­ar­bei­ter seine Ar­beits­zei­ten eintragen kann, ganz un­ab­hän­gig davon, wo er sich gerade befindet. Mobile Apps erlauben oft auch, die Zeiten offline zu erfassen und später zu syn­chro­ni­sie­ren, sobald wieder eine In­ter­net­ver­bin­dung besteht. Die Daten werden dann in einer Cloud ge­spei­chert und au­to­ma­tisch über die ver­schie­de­nen Geräte hinweg syn­chro­ni­siert.

Ar­beits­zeit­be­zo­ge­ne versus pro­jekt­be­zo­ge­ne Ar­beits­zeit­er­fas­sung

Ar­beits­zei­ten lassen sich auf zwei Arten erfassen. Bei der ar­beits­zeit­be­zo­ge­nen Erfassung werden nur An- und An­kunfts­zei­ten sowie Pau­sen­zei­ten erfasst.

Beispiel für ar­beits­zeit­be­zo­ge­ne Stun­den­er­fas­sung:

Der Mit­ar­bei­ter startet um 9 Uhr mit seiner Arbeit. Mittags macht er eine Stunde Pause. Um 18:00 Uhr macht er Schluss.

Bei der pro­jekt­be­zo­ge­nen Ar­beits­zeit­er­fas­sung werden hingegen die einzelnen Tä­tig­kei­ten, Projekte oder Zeiten der Kun­den­be­treu­ung erfasst. Das ist zum Beispiel in vielen Agenturen wichtig oder in Fach­ab­tei­lun­gen, die anderen Ab­tei­lun­gen der Firma zu­ar­bei­ten. Dabei wird nicht nur die Ge­samt­ar­beits­zeit erfasst, sondern auch ermittelt, wie viel Zeit der Mit­ar­bei­ter für ein be­stimm­tes Projekt aufwendet.

Im Rahmen der Online-Zeit­er­fas­sung können Sie Budgets oder Stun­den­sät­ze für einzelne Tä­tig­kei­ten oder Projekte festlegen. Die Tools stellen die Zeiten, die die Mit­ar­bei­ter für bestimmte Projekte auf­ge­wandt haben, dann in an­schau­li­chen Dia­gram­men dar. Das hat den Vorteil, dass Sie den Fort­schritt des Projekts und seine Wirt­schaft­lich­keit im Blick behalten können. Steht für bestimmte Tä­tig­kei­ten nur ein be­grenz­tes Zeit- oder Geld­bud­get zur Verfügung, sehen Sie sofort, wann dieses erreicht oder gar über­schrit­ten wird.

Beispiel für pro­jekt­be­zo­ge­ne Ar­beits­zeit­er­fas­sung

9:00 Uhr bis 9:30 Uhr: E-Mails lesen und be­ant­wor­ten

9:30 bis 10:30 Uhr: Team­mee­ting

10:30 bis 12:30 Uhr: Arbeit für Kunde X

12:30 bis 13:30 Uhr: Mit­tags­pau­se

13:30 bis 14:30 Uhr: Arbeit für Kunde Y

14:30 bis 15:00 Uhr: Pro­jekt­mee­ting

15:00 bis 16:00 Uhr: Arbeit für Kunde Z

16:00 bis 18:00 Uhr: Arbeit für Kunde X

Vorteile der Online-Stun­den­er­fas­sung

Die Online-Ar­beits­zeit­er­fas­sung hat zahl­rei­che Vorteile gegenüber der Zeit­er­fas­sung via Ex­cel­ta­bel­le oder sta­tio­nä­rem Terminal und kann gerade für junge Un­ter­neh­men sinnvoll sein. Nach­fol­gend einige Beispiele, inwiefern bzw. in welchen Bereichen die Online-Zeit­er­fas­sung seine Stärken ausspielt.

Einfache Im­ple­men­tie­rung und Bedienung

Tools für die Online-Zeit­er­fas­sung lassen sich schnell und pro­blem­los ein­rich­ten. Nor­ma­ler­wei­se erhält jeder Mit­ar­bei­ter einen eigenen Zugang mit Login-Daten, die nur ihm bekannt sind. Weitere Hardware – zum Beispiel ein Terminal zur Zeit­er­fas­sung – ist nicht notwendig. Allein dadurch spart man bereits Geld, das vor allem in der frühen Grün­dungs­pha­se oft in anderen Bereichen besser in­ves­tiert ist.

Die Bedienung der meisten Zeit­er­fas­sungs­tools ist be­nut­zer­freund­lich und leicht zu erlernen. Die Auswahl ist mitt­ler­wei­le so groß, dass Sie und Ihre Mit­ar­bei­ter in Ruhe aus­pro­bie­ren können, welches Tool Ihnen und den An­for­de­run­gen in Ihrem Un­ter­neh­men am ehesten ent­spricht.

Die meisten Tools bieten eine der drei folgenden Mög­lich­kei­ten, die Ar­beits­zeit zu erfassen. Bei einigen Tools stehen Ihnen sämtliche dieser Optionen zur Verfügung:

  • manuelle Erfassung: Die Mit­ar­bei­ter tragen per Hand ein, wann sie gekommen oder gegangen sind, Pausen gemacht haben oder wie lange sie sich be­stimm­ten Projekten gewidmet haben.
  • Timer-Modus: Am Anfang des Ar­beits­ta­ges oder einer neuen Tätigkeit startet der Mit­ar­bei­ter die Zeit­er­fas­sung und beendet sie, wenn er fertig ist. Un­ter­des­sen zählt das Tool die Zeit au­to­ma­tisch mit. Vor­ge­fer­tig­te Einträge zu Projekten helfen dabei, die au­to­ma­ti­schen Einträge zu ka­te­go­ri­sie­ren.
  • au­to­ma­ti­sche Zeit­er­fas­sung: Das Tool nimmt über den Ar­beits­tag auf, welche An­wen­dun­gen die Mit­ar­bei­ter nutzen und wie lange. Es erstellt aus diesen Daten dann ein Ar­beits­zei­ten­pro­fil. Das funk­tio­niert natürlich nur, wenn die An­ge­stell­ten die meiste Zeit am Computer arbeiten. Am Ende des Tages können Sie die au­to­ma­tisch an­ge­leg­ten Einträge be­ar­bei­ten, bevor Sie sie endgültig eintragen.

Schnelles Erstellen von Re­portings und Analysen

Die erfassten Ar­beits­zei­ten lassen sich durch die Tools zur Online-Stun­den­er­fas­sung schnell und einfach auswerten. Das reicht von einer einfachen Übersicht, ob ein Mit­ar­bei­ter Über­stun­den angehäuft hat, bis zu um­fas­sen­den Re­portings für Vor­ge­setz­te. Die genaue Erfassung der Ar­beits­zei­ten er­leich­tert auch die Lohn­buch­hal­tung. Die erfassten Zeiten lassen sich zumeist als Excel-Datei, CSV oder PDF ex­por­tie­ren. Oft gibt es auch Schnitt­stel­len zu Buch­hal­tungs­soft­ware, die dadurch direkt auf die Daten zur Ar­beits­zeit zugreifen kann.

Pre­mi­um­fea­tures und Schnitt­stel­len

Viele Tools zur Online-Zeit­er­fas­sung bieten Funk­tio­nen an, die weit über die einer Zeit­er­fas­sung her­aus­ge­hen. Einige Beispiele:

  • Rech­nungs­er­stel­lung
  • Pro­jekt­ma­nage­ment
  • in­te­grier­tes Fahr­ten­buch
  • Fehl­zei­ten­ma­nage­ment

Und auch wenn sie diese Funk­tio­nen nicht selbst bieten, lassen sich viele An­wen­dun­gen via Schnitt­stel­len mit anderen Pro­gram­men verbinden – bei­spiels­wei­se mit Buch­hal­tungs­an­wen­dun­gen oder Pro­jekt­ma­nage­ment-Apps wie Trello oder Asana.

Ge­staf­fel­tes Preis­sys­tem

Die meisten Tools zur Online-Zeit­er­fas­sung können Sie im Vorfeld auf Herz und Nieren testen, bevor Sie sich für eine kos­ten­pflich­ti­ge Nutzung ent­schei­den. Bei­spiels­wei­se im Rahmen einer 30-tägigen Testphase oder eines kos­ten­lo­sen Tarifs, bei dem Ihnen einige Premium-Funk­tio­nen nicht zur Verfügung stehen. Der Funk­ti­ons­um­fang der Basic-Variante ist also im Vergleich be­schränkt: Sie lässt sich unter Umständen lediglich von einer geringen Zahl an Nutzern verwenden oder erlaubt nur das Anlegen relativ weniger Projekte und Kunden.

Wenn Sie sich für einen um­fang­rei­che­ren, kos­ten­pflich­ti­gen Tarif ent­schei­den, bezahlen Sie diesen im mo­nat­li­chen oder jähr­li­chen Abo. Die Tarife sind häufig nach Un­ter­neh­mens­grö­ße ge­staf­felt – fallen mit stei­gen­der Mit­ar­bei­ter­zahl also höher aus. Für Start-ups ist einer der güns­ti­ge­ren Tarife meist völlig aus­rei­chend. Wächst das Un­ter­neh­men und steigen die Ansprüche, kann man später noch in einen anderen Tarif wechseln.

Nachteile von Online-Zeit­er­fas­sungs­sys­te­men

Wie für jedes Zeit­er­fas­sungs­sys­tem gilt: Das Tool ist nur so gut, wie die Leute, die es bedienen. Wenn Ihre Mit­ar­bei­ter es nicht oder un­ge­nü­gend nutzen, dann funk­tio­niert die Zeit­er­fas­sung nicht korrekt. Doch dies­be­züg­lich bieten viele An­wen­dun­gen Abhilfe und erinnern die Mit­ar­bei­ter re­gel­mä­ßig daran, ihre Ar­beits­zei­ten zu tracken.

Wi­der­stän­de gegen die Online-Ar­beits­zeit­er­fas­sung re­sul­tie­ren häufig daraus, dass sich die Mit­ar­bei­ter überwacht fühlen. Um dies zu ver­hin­dern, ist es wichtig, dass Sie die Gründe für die Ein­füh­rung der Zeit­er­fas­sung offen kom­mu­ni­zie­ren. Schaffen Sie Vertrauen und erklären Sie Ihren Mit­ar­bei­tern, dass auch sie selbst davon pro­fi­tie­ren, wenn die Ar­beits­zei­ten korrekt erfasst werden. Oft ist es sinnvoll sein, das Team in die Auswahl des Online-Zeit­er­fas­sungs­tools mit­ein­zu­be­zie­hen, um vor­han­de­ne Bedenken von Anfang an zu zer­streu­en.

Beachten Sie auch, dass ein Track­ing­tool zwar die Ar­beits­zei­ten erfasst, nicht aber die Qualität der Arbeit. Wenn ein Mit­ar­bei­ter für die gleiche Aufgabe mehr oder weniger Zeit benötigt als ein Kollege, sagt dies nichts über das Ergebnis ihrer Be­mü­hun­gen aus. Das sollten Sie gerade bei der Aus­wer­tung von Ar­beits­zei­ten im Hin­ter­kopf behalten.

Bitte beachten Sie den recht­li­chen Hinweis zu diesem Artikel.

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