GAIA-X: Das europäische Digitalprojekt

Ein großer Teil der digitalen Infrastruktur, Webdienste, Software-Entwicklungen, Internetstandards werden aus dem Silicon Valley – oder zumindest aus den USA – gesteuert. Amazon und Google beispielsweise bestimmen zu einem großen Teil, wie die globale Kommunikation über digitale Kanäle laufen soll. Europa hat bisher kaum eine Rolle auf diesem Gebiet gespielt. Mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat man einen – durchaus umstrittenen – Vorstoß gewagt, dass Internet nach seinen eigenen Vorstellungen mitzugestalten. Nun folgt mit GAIA-X ein weiteres Projekt: eine Dateninfrastruktur, die mehr Wert auf Sicherheit, Transparenz und Datenschutz legt. Angeschoben wird die Idee derzeit von der Bundesregierung und Vertretern der deutschen Wirtschaft.

Die Ziele von GAIA-X

Derzeit befindet man sich noch ganz am Anfang der Überlegungen, weshalb das Projekt GAIA-X auch noch eher unscharf definiert ist. So wird beispielsweise immer wieder der Begriff der Dateninfrastruktur verwendet. Gemeint ist damit das Zusammenspiel von Diensten, technischen Gegebenheiten und Know-how. Es geht also – das schon mal vorweg – nicht um eine einzelne konkrete Maßnahme, wenn auch Cloud Computing im Fokus der Überlegungen steht.

Vielmehr möchte man die europäische Digitalwirtschaft stärken. Die Unabhängigkeit von digitalen Infrastrukturen anderer Global Player wie den USA oder auch China ist daher eines der Ziele von GAIA-X. Europäische Unternehmen sind im Zuge der Digitalisierung stark von einigen wenigen großen Unternehmen abhängig, die wiederum vielfach nicht europäischen Vorstellungen von Datenschutz und Transparenz entsprechen.

Die Unabhängigkeit von den großen Internetkonzernen wie Google, Amazon, Facebook, Alibaba oder Uber durch eine europäische Alternative ist gleichbedeutend mit Wirtschaftsförderung. Denn um mit diesen großen Unternehmen konkurrieren zu können, sollen und müssen europäische Unternehmen gestärkt werden. Dafür möchten die Akteure rund um GAIA-X auf der einen Seite Regulierungen weniger restriktiv gestalten und Finanzierungen erleichtern. Das soll Innovationen befördern und die Investitionsbereitschaft steigern. Auf der anderen Seite möchte man einheitlichere Regeln schaffen, damit auch Unternehmen abseits der EU beispielsweise den Verbraucherschutz mehr berücksichtigen müssen. Dadurch soll mehr Chancengleichheit entstehen.

Zwar ist GAIA-X in erster Linie ein Projekt zur Wirtschaftsförderung, quasi sekundär soll aber auch die Nutzererfahrung durch die Entwicklungen verbessert werden. Da im Sinne von B2B auch Unternehmen zu den Nutznießern der digitalen Wirtschaft gehören, kann man die europäische Wirtschaft sogar gleich doppelt unterstützen. Aber eben auch Verbraucher im Sinne von B2C können durch GAIA-X profitieren. Dafür sollen Transparenz, Datenschutz und Sicherheit zu den wichtigsten Merkmalen der neuen Dateninfrastruktur gehören.

Außerdem möchte man mit GAIA-X die Kooperation von verschiedenen Akteuren unterstützen. Daten sollen so frei wie möglich zugänglich sein, damit sowohl Wirtschaft, Wissenschaft als auch Gesellschaft davon profitieren können. Ein dezentraler Ansatz soll für Stabilität und Sicherheit sorgen.

Zusammengefasst möchte man mit GAIA-X folgende Punkte verbessern:

  • Wirtschaftsförderung
  • Datenschutz
  • Innovationsfreude
  • Internet-Security
  • Open Data
  • Transparenz
  • Unabhängigkeit
  • Kooperationsmöglichkeiten

Die Akteure hinter GAIA-X

Hinter GAIA-X steht ein breiter Zusammenschluss aus Politik, Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft. Federführend für das Projekt ist das deutsche Wirtschaftsministerium. Daneben haben sich die Ministerien für Gesundheit und Bildung sowie das Innenministerium dem Projekt verschrieben. Vor allem ist aber die digitale Wirtschaft selbst als Teilnehmer an dem Projekt vertreten. Insbesondere große Industrieunternehmen wie Siemens, Bosch, Festo, SAP oder die Telekom stützen das Projekt. Mit dem Digitalverband Bitkom, der IG Metall oder dem Bundesverband der Deutschen Industrie sind auch deutsche Interessenverbände involviert. Inzwischen hat (als einer der wenigen nichtdeutschen Konzerne und nach anfänglicher Skepsis) Microsoft sein Interesse an GAIA-X bekundet.

Auch IONOS beteiligt sich an GAIA-X:

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Neben wirtschaftlichen Interessen ist das Projekt aber durch einen wissenschaftlichen Zugriff geprägt. Das Fraunhofer-Institut AISEC oder das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum beteiligen sich ebenso an dem Projekt wie der Gesundheitssektor in Form der Berliner Charité und des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg.

Hinweis

GAIA-X ist als europäisches Projekt angelegt, hat seinen Ursprung allerdings in Deutschland. Bisher konnte man es bis auf wenige Ausnahmen noch nicht schaffen, auch Teilnehmer aus anderen Ländern für GAIA-X zu begeistern.

Die Cloud im Zentrum

Zwar gibt es noch keine ganz konkreten Maßnahmen, doch hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in seiner Broschüre vor allem Cloud Computing in den Vordergrund der Bemühungen gestellt. Gerade die Bereitstellung von Speicherplatz und Rechenleistungen wird im Zuge der Digitalisierung immer wichtiger. Für kleine und mittlere Unternehmen ist es nicht sinnvoll (und auch nicht wirtschaftlich), ein eigenes Rechenzentrum aufzubauen. Stattdessen geben Sie Ihre Daten in die Hände von anderen – und genau das soll mit GAIA-X zukünftig sicherer und transparenter geschehen.

Die Digitalisierung der Wirtschaft und Industrie wird derzeit oftmals noch dadurch verhindert, dass Unternehmen ihre sensiblen Daten an einen einzelnen Anbieter geben müssen und damit abhängig von diesem werden. Sollte ein Cloud-Dienstleister seinen Dienst nicht mehr anbieten oder anbieten können (z. B. aufgrund von politischen Spannungen), muss man mit erheblichen Schäden und Ausfällen rechnen. Zudem ist besonders bei den großen Diensten aus dem nichteuropäischen Ausland die Frage nach dem Datenschutz nicht hinreichend geklärt.

Mit seinem dezentralen und transparenten Ansatz versucht GAIA-X das Problem der Abhängigkeit zu umgehen. Der Austausch der Daten zwischen verschiedenen Cloud-Anbietern soll stark vereinfacht werden. Offene Schnittstellen, Open-Source-Lösungen und internationale Standards sollen Interoperabilität möglich machen. Dabei möchte man allerdings kein Konkurrenzprodukt zu bestehenden Hyperscalern schaffen, die schon jetzt horizontale Skalierung im Bereich des Cloud Computings schaffen. Stattdessen soll eine Struktur aufgebaut werden, die auch den Austausch unter den Unternehmen vereinfacht und damit Synergie-Effekte schafft und nutzt.

Kritik an GAIA-X

Die bisher vorgestellten Pläne haben durchweg erstrebenswerte Ziele: Datenoffenheit, Datensicherheit, Zusammenarbeit, Open Source. Doch trotz der hohen Werte, die GAIA-X verfolgt, ist nicht jeder zufrieden mit dem Projekt. Die Kritikpunkte sind dabei unterschiedlich. Manchen besteht zum Start des Projekts – erst gegen Ende des Jahres 2020 sollen konkrete Pläne vorgestellt werden – noch zu wenig Klarheit. Weder ist zum Beginn des Jahres 2020 klar, wie man das Projekt genau umsetzen möchte, noch welche Art von Organisation sich um die Realisierung kümmern soll. Die Sorge besteht dabei auch, dass das Projekt aufgrund der hohen bürokratischen Hürden, die die EU mit sich bringt, die Planungsphase gar nicht verlassen wird.

Andere Kritiker stören sich allerdings an den Ideen des Projekts generell. GAIA-X wird vorgeworfen, eine regionale Lösung für ein Problem zu liefern, das auf globaler Ebene besteht. Zwar wird bereits bei der Vorstellung des Projekts angedeutet, dass man sich eine möglichst internationale Zusammenarbeit wünscht, doch steht Deutschland ganz klar im Mittelpunkt. Des Weiteren bringen Kritiker an, dass die derzeitigen Angebote von etablierten Anbietern wie Amazon bereits so weit entwickelt sind, dass dieser Vorsprung für GAIA-X kaum aufzuholen sein wird.

Fazit

Derzeit befindet sich GAIA-X noch in der Startphase. Im Laufe des Jahres 2020 sollen weitere Informationen und konkrete Maßnahmen bekanntgegeben werden.


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