Elek­tro­ni­sche Post wird über Mail-Server trans­por­tiert und kann mithilfe von E-Mail-Pro­gram­men, auch E-Mail-Clients genannt, empfangen werden. Diese Clients, z. B. Mozilla Thun­der­bird oder Windows Live Mail, greifen ih­rer­seits auf Pro­to­kol­le zurück, um die E-Mails an­zu­zei­gen. Je nach ver­wen­de­tem Protokoll ist die Vor­ge­hens­wei­se dabei eine andere: Das Netz­werk­pro­to­koll IMAP öffnet die Nach­rich­ten direkt auf dem Server, während das Über­tra­gungs­pro­to­koll POP3 dafür sorgt, dass selbige zunächst her­un­ter­ge­la­den und im Anschluss lokal geöffnet werden.

IMAP: Das steckt hinter dem Netz­werk­pro­to­koll

Das Internet Message Access Protocol – kurz IMAP – ist ein text­ba­sier­tes Netz­werk­pro­to­koll, das den Zugriff auf E-Mails er­mög­licht, die sich auf einem Mail­ser­ver befinden. Richten Sie Ihr Konto mit IMAP ein, stellt Ihr E-Mail-Client bei jedem Login eine Ver­bin­dung zum Server her, die während der gesamten Sitzung bestehen bleibt. Sie können in dieser Zeit auf einzelne Ordner und E-Mails zugreifen, deren Inhalte auf Anfrage angezeigt werden. Dabei bleiben alle Nach­rich­ten und an­ge­leg­ten Ord­ner­struk­tu­ren auf dem Server ge­spei­chert, bis sie gelöscht werden. Dadurch können Sie von überall aus und mit mehreren Clients auf den Mail­ser­ver zugreifen und finden immer den gleichen, aktuellen Da­ten­be­stand vor.

Die Ver­bin­dung zwischen Server und IMAP-Client wird über TCP/IP auf Port 143 (bei ge­si­cher­ter Ver­bin­dung Port 993) her­ge­stellt. Über Text­mel­dun­gen kom­mu­ni­ziert der Client an­schlie­ßend mit dem Mail­ser­ver, benötigt jedoch keine direkten Antworten auf aus­ge­sand­te Kommandos. Damit er die Rück­mel­dung des Servers im späteren Verlauf re­gis­trie­ren kann, legt der Client seinen Befehlen eine Kennung bei, die der Mail­ser­ver den Antworten hinzufügt. Die Ant­wort­zei­len beginnen mit einem Sternchen, wenn ihr Inhalt In­for­ma­tio­nen enthält. Ist dem Ant­wort­schrei­ben ein Plus­zei­chen vor­an­ge­stellt, erwartet der Server weitere In­for­ma­tio­nen zu dem er­hal­te­nen Befehl. Zu­sätz­lich in­for­miert die Rück­mel­dung über den Erfolg (OK) und Miss­erfolg (NO) sowie Syntax-Fehler (BAD) des je­wei­li­gen IMAP-Client-Kommandos.

So funk­tio­niert das Über­tra­gungs­pro­to­koll POP3

Das Post Office Protocol (POP3) er­mög­licht das Abrufen von E-Mails mithilfe eines Clients. Zu diesem Zweck stellt der Client eine Ver­bin­dung zu einem Post­ein­gangs­ser­ver her, auf dem die not­wen­di­ge POP3-Server-Software in­stal­liert sein muss. Die dort liegenden E-Mails werden her­un­ter­ge­la­den und auf dem Rechner des Clients ge­spei­chert. An­schlie­ßend werden die elek­tro­ni­schen Nach­rich­ten vom Mail­ser­ver gelöscht und die Ver­bin­dung getrennt. Den Inhalt der E-Mails können Sie nun lokal öffnen und be­ar­bei­ten, ohne dass Client und Server verbunden sind. Je nach Größe der Mail-Inhalte bzw. -Anhänge variiert die Dauer des Ab­ho­lungs­pro­zes­ses. Jede Nachricht kann nur von einem POP3-Client her­un­ter­ge­la­den werden.

Beim Ver­bin­dungs­pro­zess zum Mail­ser­ver über TCP/IP greifen POP3-Clients auf Port 110 zurück. Ist die Ver­bin­dung ver­schlüs­selt, wird Port 995 genutzt. Sind Server und Client verbunden, kom­mu­ni­zie­ren sie über Kommandos. POP3-Kommandos bestehen aus drei bis vier Zeichen und einem oder mehreren Pa­ra­me­tern. Der Server be­ant­wor­tet jedes Kommando direkt mit einer positiven (+OK) oder negativen (-ERR) Sta­tus­mel­dung und op­tio­na­len In­for­ma­tio­nen. Jede POP3-Sitzung ist in drei Stufen un­ter­teilt: Der erste Schritt ist die Be­nut­zer­an­mel­dung, bei welcher sich der Client mit Be­nut­zer­na­men und Passwort gegenüber dem Mail­ser­ver iden­ti­fi­ziert. Danach folgt der ei­gent­li­che Prozess des Nach­rich­ten-Abrufs. Wurden alle Mails her­un­ter­ge­la­den und der Client er­folg­reich getrennt, werden selbige in einem letzten Schritt vom Server gelöscht. Kommt es beim Abrufen zu einem Ver­bin­dungs­ab­bruch, bleiben alle elek­tro­ni­schen Nach­rich­ten erhalten, sodass der POP3-Client sie nach noch­ma­li­gem Ver­bin­dungs­auf­bau erneut down­loa­den kann.

Die Un­ter­schie­de zwischen IMAP und POP3

Ein Vergleich der beiden Pro­to­kol­le zeigt, dass es einige ele­men­ta­re Un­ter­schie­de zwischen IMAP und POP3 gibt: Während Clients mit IMAP eine dau­er­haf­te Ver­bin­dung zum Mail­ser­ver her­stel­len, besteht die Ver­bin­dung von POP3-Client und POP3-Server nur, während die Nach­rich­ten abgerufen werden. Eng damit verbunden ist auch der un­ter­schied­li­che Umgang mit ab­ge­ru­fe­nen E-Mails. Mit POP3 her­un­ter­ge­la­de­ne Mails werden im Anschluss vom Mail­ser­ver gelöscht. Wenn Sie hingegen auf die Dienste des Netz­werk­pro­to­kolls IMAP zu­rück­grei­fen, bleiben sämtliche Nach­rich­ten solange auf dem Server, bis sie manuell gelöscht werden. Das ist auch der Grund, warum bei der Ver­wen­dung von IMAP mehrere Clients zur selben Zeit Zugriff auf den gleichen Da­ten­be­stand haben können. Mit POP3 ist der Zugriff auf einen einzelnen Client be­schränkt, da immer alle er­hal­te­nen Mails auf den lokalen Rechner her­un­ter­ge­la­den werden. Die folgende Tabelle stellt die Un­ter­schie­de von IMAP und POP3 gegenüber:

IMAPPOP3
Ver­bin­dung auf Port 143 (993)Ver­bin­dung auf Port 110 (995)
dau­er­haf­te Ver­bin­dungVer­bin­dung nur zum E-Mail-Abruf
Antwort auf Kommandos wird nicht ab­ge­war­tetKommandos benötigen sofortige Antwort
E-Mails bleiben auf dem Server, bis sie gelöscht werdenE-Mails werden nach er­folg­rei­chem Abrufen vom Mail­ser­ver gelöscht
Abruf der Nach­rich­ten von mehreren Clients möglichAbruf der Nach­rich­ten nur von einem einzigen Client möglich
nur ge­wünsch­te Mails werden abgerufenalle er­hal­te­nen Mails werden abgerufen

IMAP für mehrere Clients, POP3 für den einzelnen

Aus den genannten Un­ter­schie­den von IMAP und POP3 re­sul­tie­ren auch un­ter­schied­li­che Ein­satz­mög­lich­kei­ten der beiden Pro­to­kol­le: Da POP3 nur auf einen Client be­schränkt ist und immer alle E-Mails komplett abgerufen werden, lohnt sich der Einsatz des Über­tra­gungs­pro­to­kolls besonders dann, wenn Sie Ihr E-Mail-Konto von einem lokalen Rechner aus abrufen möchten. Sind die elek­tro­ni­schen Nach­rich­ten einmal her­un­ter­ge­la­den, benötigen Sie keine weitere Ver­bin­dung zum Mail­ser­ver und können Ihre Mails daher auch ohne be­stehen­de In­ter­net­ver­bin­dung lesen und be­ar­bei­ten.

Möchten Sie hingegen mit Smart­phone oder Tablet bzw. mit mehreren Clients auf denselben Mail-Bestand zugreifen, ist IMAP die bessere Wahl. Ins­be­son­de­re, wenn Sie unterwegs nur auf die mobile Da­ten­ver­bin­dung zu­rück­grei­fen können, ist es von Vorteil, dass IMAP nur die ge­wünsch­ten Mails abruft – so können Sie Nach­rich­ten mit großen Inhalten statt­des­sen zu Hause am PC öffnen. Da keine lokale Version der Mails her­un­ter­ge­la­den wird, benötigen Sie jedoch in jedem Fall eine be­stehen­de In­ter­net­ver­bin­dung. Über die Funktion des E-Mail-Abrufs hinaus ist es mit dem Netz­werk­pro­to­koll IMAP auch möglich, Ord­ner­struk­tu­ren anzulegen und zu verwalten, den Be­ar­bei­tungs­sta­tus der Mails zu kenn­zeich­nen und ver­sen­de­te Nach­rich­ten zu ar­chi­vie­ren. Durch diese zu­sätz­li­chen Funk­tio­nen und die Tatsache, dass die E-Mails bis zur Löschung auf dem Server ge­spei­chert sind, führt IMAP zu einer deutlich stärkeren Aus­las­tung des Mail­ser­vers als POP3.

Ob man sich für IMAP oder POP3 ent­schei­det, sollte also sowohl von der geplanten Nutzung als auch von den zur Verfügung stehenden Res­sour­cen abhängig sein.

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