Ein Backhaul bindet Netz­werk­kom­po­nen­ten in einem hier­ar­chi­schen Netz am äußeren Rand des Netzwerks an das innere Netzwerk an. Er findet ins­be­son­de­re im Mobilfunk Anwendung, wo er die Ba­sis­sta­tio­nen an das zentrale System anbindet.

Backhaul: De­fi­ni­ti­on

Ein hier­ar­chisch auf­ge­bau­tes Netzwerk ist in bestimmte Bereiche un­ter­teilt. Es besteht bei­spiels­wei­se aus dem Kern­netz­werk und dem Zu­gangs­netz­werk. Ein Backhaul verbindet die Zu­gangs­netz­wer­ke mit dem Kern­netz­werk bzw. mit dem zentralen Netz­kno­ten. Der Begriff be­schränkt sich dabei auf die Funktion der Anbindung, definiert aber nicht, wie diese technisch rea­li­siert wird. Die Über­tra­gungs­tech­no­lo­gie kann damit je nach Einsatz gewählt werden. Eine Ver­bin­dung ist sowohl drahtlos als auch ka­bel­ge­bun­den her­stell­bar.

An­wen­dungs­fäl­le und Beispiele für einen Backhaul

Ein Backhaul hat mehrere An­wen­dungs­fäl­le in der In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie. Einige Beispiele sind in der folgenden Liste auf­ge­führt:

  • Über­tra­gungs­wa­gen bei Radio und Fernsehen: Der Backhaul verbindet Reporter-Teams vor Ort mit dem Studio, aus dem der Sender sendet.
  • Ba­sis­sta­tio­nen im Mo­bil­funk­netz: Der Backhaul stellt eine Ver­bin­dung zum über­ge­ord­ne­ten Base Station Con­trol­ler des Mo­bil­funk­net­zes her.
  • Wireless Access Points: Ein ka­bel­lo­ser Backhaul verbindet eine Vielzahl lokaler Netze mit dem Internet.
Hinweis

Mo­bil­funk­net­ze sind der häufigste Netz­werk­typ, in dem ein Backhaul zum Einsatz kommt und im­ple­men­tiert ist. Man spricht in diesem Fall auch von einem Mobile Backhaul. Konkret be­zeich­net man dabei die Über­tra­gungs­stre­cke zwischen Ba­sis­sta­ti­on und Kern des Netzwerks als Backhaul.

Über­tra­gungs­tech­ni­ken von Backhauls

Da ein Backhaul als solcher nicht die Über­tra­gungs­tech­nik definiert, sondern lediglich als eine Klas­si­fi­zie­rung zu verstehen ist, greift man hierbei auf un­ter­schied­li­che Ver­bin­dungs- und Über­tra­gungs­tech­no­lo­gien zurück.

Die zum Einsatz kommenden Über­tra­gungs­tech­ni­ken haben sich mit der Zeit verändert. Zu Beginn des Mo­bil­funks wurde die Ver­bin­dung mittels Stand­lei­tung her­ge­stellt. Diese hatte je nach Typ Über­tra­gungs­ra­ten zwischen 2 und 34 Megabits per Second. Heute greift man aufgrund der höheren Mo­bil­funk­stan­dards eher auf Ver­bin­dun­gen mittels Glasfaser zurück und erreicht damit höhere Über­tra­gungs­ge­schwin­dig­kei­ten.

Folgende Über­tra­gungs­tech­ni­ken sind für einen Backhaul in Betracht zu ziehen:

  • Kup­fer­ka­bel
  • Glas­fa­ser­ka­bel
  • Ethernet-Technik
  • Richt­funk­ver­bin­dung
  • Sa­tel­li­ten­ver­bin­dung
  • Passive optische Netze (PON)
  • Mi­kro­wel­len­tech­nik
  • xDSL-Technik

Auch die Topologie des Netzwerks, in der ein Backhaul im­ple­men­tiert ist, ist flexibel. Die beiden Methoden, die man haupt­säch­lich für mobile Backhaul-Im­ple­men­tie­run­gen nutzt, sind der fa­ser­ge­stütz­te Backhaul und der drahtlose Punkt-zu-Punkt-Backhaul. Außerdem sind Ring­struk­tu­ren und Mesh-Struk­tu­ren denkbare Netz­werk­ty­po­lo­gien. In der Realität greift der Mobilfunk-Provider auf eine Mischung dieser Tech­no­lo­gien zurück.

An­for­de­run­gen an einen Backhaul und Her­aus­for­de­run­gen

Mit der Ent­wick­lung neuer und leis­tungs­star­ker Standards im Mobilfunk sind auch die An­for­de­run­gen an den Backhaul gestiegen. Es sind immer mehr Daten bei hohen Über­tra­gungs­ra­ten mit niedrigen La­tenz­zei­ten zu über­tra­gen.

Provider sind gezwungen, eine Vielzahl an Backhaul-Ver­bin­dun­gen be­reit­zu­stel­len. Der Trend geht – aufgrund des immer weiter stei­gen­den Bedarfs – in Richtung vieler kleiner Funk­zel­len, um die Ka­pa­zi­tä­ten zu erhöhen. Eine Backhaul-Ver­bin­dung ist ein massiver Kos­ten­trei­ber beim Aufbau und Betrieb eines Mo­bil­funk­net­zes. Zu­sätz­lich ist eine sehr zu­ver­läs­si­ge Ver­bin­dung notwendig, um die Sta­bi­li­tät des Netzes hoch und den Service-Bedarf gering zu halten.

Der ländliche Raum bringt bei der Be­reit­stel­lung schneller und zu­ver­läs­si­ger Mo­bil­funk­lö­sun­gen besondere Her­aus­for­de­run­gen mit sich: Die In­fra­struk­tur ist weniger stark ausgebaut als in städ­ti­schen Bal­lungs­zen­tren. Zu­sätz­lich sind teils große Ent­fer­nun­gen zu über­brü­cken. Die Backhaul-Ver­bin­dung stellt man in diesen Fällen häufig drahtlos her. Funk­ver­bin­dun­gen er­mög­li­chen Über­tra­gungs­ra­ten von bis zu 100 Megabits per Second. Das Netzwerk überträgt das Signal so lange über Funk, bis ein Über­ga­be­punkt erreicht ist, der bei­spiels­wei­se über Glasfaser an das Netz an­ge­bun­den ist.

Zum Hauptmenü