2012 war es soweit. Der Such­ma­schi­nen-Gigant Google führte in Deutsch­land den Knowledge Graph ein. Dabei handelt es sich um eine Er­wei­te­rung der Such­ergeb­nis­se, die in Form eines Widgets als separate Infobox dar­ge­stellt wird. Die Infobox umfasst ein­füh­ren­de Fakten, De­fi­ni­tio­nen des Such­be­griffs oder wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­tio­nen.

Das Google Widget fungiert als Wis­sens­da­ten­bank und dient dem Zweck, Nutzern alle für Sie re­le­van­ten In­for­ma­tio­nen zu dem an­ge­frag­ten Thema über­sicht­lich und auf einen Blick zu bieten. Sobald Google eine se­man­ti­sche Entität – also einen In­for­ma­ti­ons­kno­ten­punkt, der über direkte Ver­bin­dun­gen zu sinn­ver­wand­ten Themen verfügt – erkennt, werden relevante In­for­ma­tio­nen im Widget angezeigt. Se­man­tisch verwandte Inhalte einer Such­an­fra­ge des Google Knowledge Graph können folgende In­for­ma­tio­nen sein:

  • In­for­ma­tio­nen zu be­stimm­ten Orten, Personen und Un­ter­neh­men
  • Bilder
  • Text­aus­schnit­te
  • Daten mit wei­ter­füh­ren­den Details
  • Hinweis auf ähnliche Such­an­fra­gen

Der Google Knowledge Graph wird Desktop-Nutzern bei etwa acht Prozent der Such­an­fra­gen als Infobox auf der Er­geb­nis­sei­te angezeigt. Meist dann, wenn die Such­an­fra­gen eher all­ge­mei­ner Natur sind und Google viele in­halt­lich und se­man­tisch verwandte Quer­ver­bin­dun­gen zur ei­gent­li­chen Such­an­fra­ge iden­ti­fi­ziert, wird Nutzern das Widget des Google Knowledge Graph aus­ge­ge­ben. Ein großes se­man­ti­sches Umfeld bedeutet für Google viele mögliche An­knüp­fungs­punk­te. Orte oder Se­hens­wür­dig­kei­ten sind bei­spiels­wei­se ideale Such­ergeb­nis­se für Google, um wei­ter­füh­ren­de oder relevante Zu­satz­in­for­ma­tio­nen auf der Er­geb­nis­sei­te zu prä­sen­tie­ren. Wer nach dem Stichwort „Frank­reich“ googelt, wird Rei­se­tipps, Flug- und Ho­tel­prei­se, Se­hens­wür­dig­kei­ten, Wiki-Daten und Vor­schlä­ge zu ähnlichen Such­an­fra­gen erhalten. All diese Zu­satz­in­fos hat Google über den Knowledge Graph iden­ti­fi­ziert.

Wie ist der Google Knowledge Graph ent­stan­den?

Seit 2012 existiert der Knowledge Graph bereits und stärkte die Position von Google als größter Lieferant nut­zer­re­le­van­ter In­for­ma­tio­nen im Internet. Google wollte damit dem Nutzer die Suche noch an­ge­neh­mer gestalten und ihn noch über­sicht­li­cher In­for­ma­tio­nen liefern. 2013 wurden die Funk­tio­nen des Knowledge Graph nochmal im Zuge des Google-Updates „Hum­ming­bird“ erweitert. Das Update er­mög­licht es, Antworten auf konkrete Fragen durch den Hum­ming­bird-Al­go­rith­mus zu erhalten, die dann sowohl bei der Desktop-Suche als auch bei der Mobile-Suche angezeigt werden. Alle anderen Grund­funk­tio­nen blieben hingegen erhalten.

Der Aufbau des Google Knowledge Graph

Der Knowledge Graph zeigt je nach Anfrage meist eines oder mehrere der folgenden drei Elemente an:

  • Ant­wort­bo­xen
  • Knowledge Panel
  • Karussell

Direkte Fragen werden durch diese Elemente unterhalb des Such­fens­ters in einer Ant­wort­box be­ant­wor­tet. Ein klas­si­sches Beispiel dafür ist die Frage „Wie hoch ist der Eif­fel­turm?“

Diese Ant­wort­box wird noch oberhalb der normalen Such­ergeb­nis­sei­ten (abgekürzt SERPs, vom Eng­li­schen Search Engine Result Pages) aus­ge­spielt. Die ent­spre­chen­den Antworten kann Google jedoch nur in der Ant­wort­box liefern, wenn In­for­ma­tio­nen bekannt sind, die exakt die gestellte Frage be­ant­wor­ten und nicht lediglich grob mit dem Thema zu tun haben. In­for­ma­tio­nen zu Un­ter­neh­men oder Personen werden hingegen aus­schließ­lich in dem Knowledge Panel angezeigt, das sich rechts neben den Such­ergeb­nis­sen befindet. Dieses Panel ist gleichsam das Herzstück des Google Knowledge Graph. Dort findet man alle In­for­ma­tio­nen zur Such­an­fra­ge kompakt und über­sicht­lich zu­sam­men­ge­fasst.

Als Teil des Knowledge Graph ist das Karussell meist über einen Klick auf einen der Links unterhalb der Ant­wort­box er­reich­bar, die mit der Über­schrift „Wird auch oft gesucht“ betitelt sind. Dort tauchen Bil­der­rei­hen ver­wand­ter Themen auf. Damit stellt Google noch weitere In­for­ma­tio­nen zur Verfügung – für den Fall, dass die Antwort nicht zum ge­wünsch­ten Ziel geführt hat.

So gewinnt der Google Knowledge Graph seine In­for­ma­tio­nen

Google nutzt seriöse, öf­fent­lich zu­gäng­li­che Daten und In­for­ma­tio­nen aus eigenen Da­ten­samm­lun­gen. Um für den Google Knowledge Graph auf­be­rei­tet werden zu können, müssen Daten ver­trau­ens­wür­dig und belastbar sein. Geprüfte In­for­ma­tio­nen können bei­spiels­wei­se Wikipedia oder Ver­öf­fent­li­chun­gen ver­trau­ens­wür­di­ger Re­gie­run­gen oder Or­ga­ni­sa­tio­nen entnommen worden sein. Zudem nutzt Google In­for­ma­tio­nen von Webseiten, die sich als ver­trau­ens­wür­di­ge Quellen erwiesen haben. Besonders häufig stellt der Knowledge Graph daher De­fi­ni­tio­nen dar, die von mehreren Websites geprüft wurden und die allgemein verwendet werden.

Hinweis

Google liefert dem Leser nur un­zu­rei­chend In­for­ma­tio­nen, woher die Daten genau stammen. Dadurch pro­fi­tie­ren die ent­spre­chen­den Seiten kaum von einem Re­pu­ta­ti­ons­an­stieg. Und die Nutzer müssen Google ein er­heb­li­ches Vertrauen ent­ge­gen­brin­gen, da die Quellen nicht immer direkt über­prüf­bar sind.

Die Bedeutung des Google Knowledge Graph für Un­ter­neh­men

Der Google Knowledge Graph lässt sich von Un­ter­neh­men vor allem als SEO- und Marketing-Tool nutzen. Un­ter­neh­men können versuchen, gezielt zu be­ein­flus­sen, welche In­for­ma­tio­nen zu ihren Marken und Produkten im Knowledge Graph auf­tau­chen, und damit die Nutzer aktiv auf ihre Website lotsen. Dadurch, dass Google für den Knowledge Graph In­for­ma­tio­nen aus Wikipedia und der Un­ter­neh­mens­sei­te nutzt, kann man die Inhalte, die im Google Knowledge Graphen er­schei­nen sollen, zu einem nicht un­er­heb­li­chen Teil selbst gestalten. Beide Quellen werden dabei gleich­wer­tig behandelt. So kann man das Element des Such­ma­schi­nen­gi­gan­ten gezielt nutzen, um Traffic auf seine Seite um­zu­lei­ten. Das funk­tio­niert jedoch nur, wenn die In­for­ma­tio­nen, welche der Knowledge Graph be­reit­stellt, an­spre­chend, sachlich und gut struk­tu­riert sind.

Al­ler­dings gibt es aus Un­ter­neh­mens­sicht auch einen er­heb­li­chen Nachteil des Features von Google: Wenn die In­for­ma­tio­nen in der Infobox dem Nutzer bereits aus­rei­chen, klickt er nicht mehr auf die ei­gent­li­che Website, was zu Einbußen beim Traffic führen kann. Aus demselben Grund ist auch die Wikipedia-Community eher un­glück­lich über die aktuelle Ent­wick­lung.

Die Op­ti­mie­rung des Google Knowledge Graph als Un­ter­neh­men

Eines vorab: Durch Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung hat man keinen direkten Einfluss auf die Inhalte des Knowledge Graph – jedoch mit einer Reihe anderer Optionen. Die wich­tigs­ten sind dabei die Pflege des Wikipedia-Eintrags und das Content-Ma­nage­ment der eigenen Website. Mit einer guten und struk­tu­rie­ren Dar­stel­lung we­sent­li­cher Inhalte über das Un­ter­neh­men, sowohl im Wikipedia-Eintrag als auch auf der eigenen Seite, ist schon ein Großteil der Arbeit getan, die Anzeige im Knowledge Graph zu op­ti­mie­ren. Dabei bringt es jedoch nichts, in einer Hauruck-Aktion sämtliche Inhalte zu über­ar­bei­ten und das Un­ter­neh­men in den schil­lernds­ten Farben an­zu­prei­sen. Eine zu­rück­hal­ten­de Op­ti­mie­rung mit der ob­jek­ti­ven Her­aus­stel­lung der Un­ter­neh­mens­stär­ken sowohl auf Wikipedia als auch auf der eigenen Seite ist die weitaus bessere Vor­ge­hens­wei­se.

Vor allem sollten Ver­ant­wort­li­che viel Wert auf eine sinnvolle Struktur der Daten legen, denn genau auf die ist der Google Knowledge Graph an­ge­wie­sen. Dafür verwendet man am besten die Markup-For­ma­tie­rung von Schema.org. Um bei der Auf­de­ckung von Op­ti­mie­rungs­po­ten­zia­len der eigenen Website und Un­ter­neh­mens­dar­stel­lung zu as­sis­tie­ren, hat der Big-Data-Gigant mit Google Light­house ein kos­ten­lo­ses Ana­ly­se­tool zur Verfügung gestellt.

Tipp

Unser Artikel "Google Discover – so lässt es sich für SEO nutzen" könnte Sie auch in­ter­es­sie­ren.

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