Google Light­house ist ein Tool, das die Be­nut­zer­freund­lich­keit und die Per­for­mance von pro­gres­si­ven Web-Apps testet. Zu­sätz­lich zu Web-Apps können Anwender mit dem Tool auch her­kömm­li­che Webseiten hin­sicht­lich Per­for­mance und Op­ti­mie­rungs­po­ten­zi­al un­ter­su­chen. Das neue Tool aus dem Hause Google bietet anders als viele andere Ana­ly­se­werk­zeu­ge die Mög­lich­keit, Test­be­din­gun­gen an­zu­pas­sen und zu filtern, um eine möglichst rea­li­täts­na­he Aus­wer­tung der tat­säch­li­chen Website-Leis­tungs­pa­ra­me­ter zu erhalten.

Ein­füh­rung in Google Light­house

Pro­gres­si­ve Web Apps sind Webseiten, die mobilen Apps in Aussehen, Funktion und An­wend­bar­keit na­he­kom­men. Web-Apps bieten dy­na­mi­sche Inhalte und erfreuen sich mitt­ler­wei­le großer Be­liebt­heit. Beispiele für Pro­gres­si­ve Web Apps sind Websites wie booking.com oder Twitter, die in ihrer je­wei­li­gen Browser-Version er­staun­lich viele Ei­gen­schaf­ten von nativen Apps aufweisen.

Damit diese Pro­gres­si­ve Web Apps, auch PWAs genannt, Anwendern das Gefühl geben, native Apps zu bedienen, müssen PWAs bestimmte Leis­tungs­pa­ra­me­ter und Ei­gen­schaf­ten erfüllen. Mit dem Google-Light­house-Test lassen sich solche Per­for­man­ce­punk­te messen und op­ti­mie­ren. Light­house ist eine Open-Source-Software und wird meist über eine Chrome-Extension genutzt. Die Nutzung ist dabei denkbar einfach: Nach der In­stal­la­ti­on der Extension können Sie jede beliebige Website aufrufen und diese per Mausklick auf das Extension-Icon auf ihre Per­for­mance testen. Die Aus­wer­tung erfolgt in Form von de­tail­lier­ten Mess­wert­ta­bel­len und gra­fi­schen Dar­stel­lun­gen.

Google Light­house ana­ly­siert und ver­gleicht die folgenden Bereiche: PWA, Per­for­mance, Ac­ces­si­bi­li­ty, Best Practices und SEO. Aufrufbar sind De­tail­in­for­ma­tio­nen zu jedem der genannten Ana­ly­se­be­rei­che. Das Tool stellt nach einer Analyse zu­sätz­lich Ver­bes­se­rungs­tipps zur Verfügung.

Light­house ist enorm flexibel und bietet Ihnen eine Vielzahl an wert­vol­len Analyse- und Ver­gleichs­ein­bli­cken, die Sie zur Op­ti­mie­rung Ihrer Website nutzen können. Dank der freien Kon­fi­gu­rier­bar­keit lässt sich jedes er­denk­li­che Szenario zur Analyse abbilden. Das Tool ist sowohl für Ein­stei­ger als auch für Fort­ge­schrit­te­ne und Profis ein­setz­bar. Profis und Ent­wick­ler verwenden Light­house meist nicht mit der Chrome-Extension, sondern über das Kom­man­do­zei­len-Tool, das we­sent­lich de­tail­lier­ter kon­fi­gu­rier­bar ist. Für die Kom­man­do­zei­le ist jedoch die Vor­ab­in­stal­la­ti­on von node.js auf dem Webserver er­for­der­lich.

Was kann Google Light­house im Detail?

Light­house überprüft die Website in fünf ver­schie­de­nen Ka­te­go­rien.

Pro­gres­si­ve Web Apps

Die Analyse von Pro­gres­si­ve Web Apps ist die Kern­funk­ti­on von Google Light­house und seit Release verfügbar. Die Software ana­ly­siert, ob die Website wie vor­ge­se­hen funk­tio­niert. Im Detail prüft Light­house dabei, ob alle Elemente und dy­na­mi­schen Inhalte korrekt dar­ge­stellt werden, die Website einen Service Worker anmeldet oder die Off­line­funk­ti­on verfügbar ist. Ein Service Worker ist ein Skript, das aus­ge­führt wird, um In­for­ma­tio­nen der Website auch offline zu­gäng­lich zu machen. Hierzu wird in der Regel eine Proxy-Schnitt­stel­le zwischen Website und Nutzer her­ge­stellt.

Per­for­mance

Im Bereich Per­for­mance ana­ly­siert Light­house die Schnel­lig­keit der Website bzw. Web-App und überprüft die korrekte Dar­stel­lung der geladenen Elemente für den Nutzer. Die Analyse besteht aus den folgenden sechs Un­ter­ka­te­go­rien:

  • First Con­tentful Paint – gibt an, wie lange es dauert, bis das erste Bild oder der erste Text voll­stän­dig auf der Website dar­ge­stellt wird.
  • First Meaningful Paint – gibt an, wann die Haupt­in­hal­te der Website voll­stän­dig sichtbar sind.
  • Speed Index – zeigt an, wie schnell die Web­sei­ten­in­hal­te sichtbar dar­ge­stellt werden.
  • Time To In­ter­ac­ti­ve – gibt an, wann die Seite voll­stän­dig in­ter­ak­ti­ons­fä­hig geladen ist.
  • First CPU Idle – gibt den Zeitpunkt an, an dem die Haupt-Thread-Aktivität der Webseite das erste Mal gering genug ist, um Eingaben des Nutzers zu ver­ar­bei­ten.
  • Estimated Input Latency – gibt eine Schätzung an, wie viele Mil­li­se­kun­den die Seite oder Web-App benötigt, um während des Fünf-Sekunden-Fensters mit der stärksten Aus­las­tung beim Aufbau der Seite auf Eingaben des Nutzers zu reagieren. Liegt die Latenz über 50 Mil­li­se­kun­den, empfinden Nutzer die Seite oder App oftmals als langsam.

Neben der Analyse der genannten Faktoren bietet Light­house auch Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge an. Diese Vor­schlä­ge geben viel­sei­ti­ge Op­ti­mie­rungs­op­tio­nen, um La­de­zei­ten zu verkürzen. Dazu gehört zum Beispiel die Kom­pri­mie­rung von Bildern, Ja­va­Script oder das Auflösen von Res­sour­cen, die das Webseiten-Rendering blo­ckie­ren könnten. Alle weiteren Analysen im Bereich Per­for­mance be­inhal­ten außerdem Emp­feh­lun­gen zu den folgenden Punkten:

  • Bild­da­tei­en in spei­cher­platz­spa­ren­den Formaten vorhalten und in korrekten Di­men­sio­nie­run­gen ausgeben
  • Texte und Ja­va­Script möglichst in kom­pri­mier­ter Form be­reit­stel­len
  • Cache-Op­ti­mie­rung zur ver­bes­ser­ten Dar­stel­lung von sta­ti­schen Inhalten
  • Redirects vermeiden und die wich­tigs­ten Anfragen im Vorfeld laden, um niedrige Server-Ant­wort­zei­ten zu er­mög­li­chen
  • Animierte Inhalte möglichst in platz­spa­ren­den, modernen Vi­deo­for­ma­ten be­reit­stel­len
  • Da­ten­vo­lu­men der Website so gering wie möglich halten
  • Mar­kie­run­gen und Tags sinnvoll setzen, um Er­geb­nis­se von Messungen und Tracking zu ver­bes­sern

Ac­ces­si­bi­li­ty

Im Bereich Ac­ces­si­bi­li­ty prüft Google Light­house, wie gut die Website oder Pro­gres­si­ve Web App von kör­per­lich ein­ge­schränk­ten Menschen genutzt werden kann. Explizit wird dabei geprüft, ob wichtige Elemente wie Buttons oder Links hin­rei­chend be­schrie­ben sind oder Bilder und Grafiken über eine „Voice over“-Funktion verfügen, die es auch blinden Menschen er­mög­licht, die Inhalte per Sprach­aus­ga­be zu erfassen.

Best Practices

Im Bereich Best Practices ana­ly­siert Light­house vor allem die Si­cher­heits­aspek­te von Website oder PWAs. Hier überprüft das Tool, ob Ver­schlüs­se­lungs­tech­no­lo­gien wie TLS genutzt werden, ein­ge­bun­de­ne Res­sour­cen der Website aus sicheren Quellen stammen oder Ja­va­Script-Bi­blio­the­ken als sicher ein­zu­stu­fen sind. Light­house ana­ly­siert ebenfalls, ob eventuell an­ge­bun­de­ne Da­ten­ban­ken sicher sind, und weist hierbei auf unsichere Befehle oder die Ver­wen­dung älterer APIs hin.

SEO

Google Light­house ana­ly­siert anhand ver­schie­de­ner Tests, wie gut die App oder die Website von ver­schie­de­nen Such­ma­schi­nen erfasst wird. Al­ler­dings sind diese Tests von Light­house sehr ein­ge­schränkt. Die Ana­ly­se­er­geb­nis­se gibt Light­house in einer Skala von 0 bis 100 Punkten aus. Wenn das Ergebnis nicht die volle Punktzahl erhält, sollte der Betreiber der Website auf jeden Fall handeln, da Op­ti­mie­rungs­be­darf besteht.

Das besondere Augenmerk durch Light­house liegt hierbei auf der Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung im Bereich Mobile. Es wird ins­be­son­de­re die Mo­bil­freund­lich­keit der Website oder Pro­gres­si­ve Web App ana­ly­siert und getestet, ob Tags und Meta-Daten optimiert sind.

Wie nutzt man Google Light­house?

Seit einigen Jahren lässt sich Google Light­house direkt als Chrome-Extension in­stal­lie­ren. Generell kann man Light­house auf viele ver­schie­de­ne Arten nutzen. Alle haben jedoch eines gemein: Auf jedem Computer, mit dem Light­house verwendet werden soll, muss zwingend der haus­ei­ge­ne Google-Browser Chrome in­stal­liert sein.

Der ein­fachs­te Weg, Light­house zu nutzen, führt über die Google DevTools. Light­house steht hier unter dem Audit-Tab zur Verfügung. Eine andere Variante ist die Nutzung über das bereits benannte Chrome-Plugin. Der Vorteil der Light­house-Chrome-Variante ist, dass immer die ak­tu­ells­te Version des Tools zur Verfügung steht. Auch die Kom­man­do­zei­le steht Usern für Light­house zur Verfügung. Der Vorteil hierbei ist, dass man auch Build-Tools verwenden kann. Hierzu kann man ein Node-Modul her­un­ter­la­den.

Welche Aussagen kann man mit Light­house treffen?

Google Light­house stellt mit In­for­ma­tio­nen wie „First Con­tentful Paint“ oder „First Input Delay“ wichtige Kenn­zah­len im Bereich der User Ex­pe­ri­ence bereit – und das denkbar einfach. Um Szenarien so punkt­ge­nau wie möglich zu ana­ly­sie­ren, simuliert das Tool reale Be­din­gun­gen, ins­be­son­de­re auf Mo­bil­ge­rä­ten in Form von An­pas­sun­gen der CPU-Leistung und weiteren Faktoren, die für Nutzer im Alltag herrschen.

Nach der Analyse gibt Light­house Scores im Bereich von 0 bis 100 aus, wobei 100 der beste Messwert ist. Anhand dieser Scores können Sie sich ori­en­tie­ren, um po­ten­zi­el­le Fehler zu be­sei­ti­gen oder Op­ti­mie­run­gen vor­zu­neh­men. Bei der Per­for­mance-Analyse zu La­de­zei­ten der Website werden die Er­geb­nis­se der Scores in drei Ka­te­go­rien un­ter­teilt. Scores von 0 bis 49 (Farbskala rot) sind als langsam aus­ge­wie­sen, 50 bis 89 (Farbskala orange) als durch­schnitt­lich und 90 bis 100 (Farbskala grün) als schnell.

Anhand dieser Er­geb­nis­se können Sie nun, sofern er­for­der­lich, die not­wen­di­gen Ein­stel­lun­gen und Op­ti­mie­run­gen vornehmen, um die Ladezeit der Website zu be­schleu­ni­gen. Diese Ausgabe der Ana­ly­se­er­geb­nis­se gilt für alle messbaren Er­eig­nis­se, also neben Per­for­mance für PWAs, Ac­ces­si­bi­li­ty und Best Practices auch für SEO.

Betreiber von Webseiten oder Pro­gres­si­ve Web Apps können also mithilfe des Light­house-Tests viel­sei­ti­ge In­for­ma­tio­nen und Analysen erhalten, anhand derer sie Op­ti­mie­run­gen vornehmen können. Dank der farb­li­chen Skalen und be­reit­ge­stell­ten Hinweise ist es auch für Laien möglich, erste Schritte zur Op­ti­mie­rung ei­gen­stän­dig durch­zu­füh­ren.

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