Da­tei­sys­te­me gibt es bereits seit Jahr­zehn­ten, schon Loch­kar­ten und Ma­gnet­bän­der nutzten sie. Al­ler­dings ließen diese nur einen linearen Zugriff zu, bei dem z. B. durch Spul­vor­gän­ge eines Ma­gnet­bands der genaue Spei­cher­ort zeit­auf­wen­dig auf­ge­spürt werden musste. Heute gewähren Da­tei­sys­te­me wahl­frei­en Zugriff, so ist ein deutlich schnel­le­rer Abruf be­lie­bi­ger Daten möglich. Doch was ist ein Da­tei­sys­tem ei­gent­lich genau? Und welche Systeme gibt es?

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Was ist ein Da­tei­sys­tem?

Ein Da­tei­sys­tem ist ein Ab­la­ge­sys­tem auf einem Spei­cher­me­di­um, das das Schreiben, Suchen, Lesen, Speichern, Verändern und Löschen von Dateien auf eine spe­zi­fi­sche Weise struk­tu­riert und or­ga­ni­siert. Wichtig ist dabei, dass Dateien infolge der Struk­tu­rie­rung möglichst feh­ler­frei zu iden­ti­fi­zie­ren sind und Anwender schnellst­mög­li­chen Zugriff auf ihre Dateien bekommen. Außerdem de­fi­nie­ren Da­tei­sys­te­me bei­spiels­wei­se folgende Ei­gen­schaf­ten:

  • Da­tei­na­men-Kon­ven­tio­nen
  • Da­tei­at­tri­bu­te
  • Zu­griffs­kon­trol­le(n)

Da­tei­sys­te­me sind zudem eine wichtige operative Kom­po­nen­te, die als Schnitt­stel­le zwischen dem Be­triebs­sys­tem und allen an­ge­schlos­se­nen Lauf­wer­ken (intern und extern, z. B. über einen USB-Anschluss) fungiert.

Da­tei­sys­te­me gelangen durch eine For­ma­tie­rung auf einen Da­ten­trä­ger, wobei gekaufte Spei­cher­me­di­en heute bereits for­ma­tiert aus­ge­lie­fert werden. Früher war es üblich, dass neue Da­ten­trä­ger von Anwendern noch für die Da­tei­ab­la­ge und -ver­wal­tung vor­be­rei­tet werden mussten.

Die wich­tigs­ten Da­tei­sys­te­me im Überblick

Für Windows, macOS, Linux, Unix & Co. gibt es un­ter­schied­li­che Standard-Da­tei­sys­te­me. In den letzten Jahren hat die Aus­dif­fe­ren­zie­rung durch den tech­ni­schen Fort­schritt noch zu­ge­nom­men, da z. B. maß­ge­schnei­der­te File-Systeme für die immer beliebter werdenden Flash-Spei­cher­me­di­en (USB-Sticks, SSD-Drives) ent­wi­ckelt wurden. Alle Da­tei­sys­te­me verbindet die Ei­gen­schaft, dass sie zur Or­ga­ni­sa­ti­on eine Art Baum­struk­tur verwenden, an­ge­fan­gen beim Wur­zel­ver­zeich­nis. Von dort aus ver­zwei­gen sich Ordner bzw. Ver­zeich­nis­se und Un­ter­ord­ner.

Hinweis

Trotz gewisser Ähn­lich­kei­ten sind Da­tei­sys­te­me grund­sätz­lich un­ter­ein­an­der nicht kom­pa­ti­bel. Wer z. B. eine mobile Fest­plat­te mit APFS (Apple File System von 2017) an einen Windows-Computer an­schließt, wird keinen Erfolg haben. Auch die unter Linux ver­wen­de­ten Da­tei­sys­te­me werden durch andere Be­triebs­sys­te­me nicht direkt un­ter­stützt. In der Regel gibt es aber Lösungen, bei denen etwa eine spezielle Software von Dritt­an­bie­tern den Schreib- und Le­se­zu­griff auf einen Da­ten­trä­ger er­mög­licht.

Kurz­über­sicht: die wich­tigs­ten Da­tei­sys­te­me

Name Ein­satz­ge­biet Be­triebs­sys­tem (Un­ter­stüt­zung) Be­son­der­hei­ten
FAT32 mobile Da­ten­trä­ger - Windows - Mac OS X/macOS - Linux (ggf. Treiber in­stal­lie­ren) - hohe Komp­ta­bi­li­tät - breite Hardware-Un­ter­stüt­zung - keine Ver­schlüs­se­lungs- und Kom­pri­mie­rungs-funk­tio­nen - Da­ten­si­cher­heit nicht besonders im Fokus - ideal für kleinere Par­ti­tio­nen - maximale Da­tei­grö­ße: 4 GB
exFAT mobile Da­ten­trä­ger - Windows - Mac OS X/macOS (Kom­pa­ti­bi­li­tät ab 10.6.4) - Linux (ggf. Treiber in­stal­lie­ren) - noch kein all­ge­mei­ner Standard - keine Rech­te­ver­wal­tung - keine Da­ten­kom­pri­mie­rung - ideal für kleinere Flash-Speicher ab 32 GB (USB-Sticks, SD-Karten) - un­ein­ge­schränk­te Größen und Par­ti­tio­nen (nach der­zei­ti­gem Stand der Technik) - maximale Da­tei­grö­ße: 512 Terabyte
NTFS interne, externe Fest­plat­ten - Windows - Mac OS X/macOS (um­fas­sen­de Un­ter­stüt­zung nur mit Zusatz-Tool) - Linux (nach Trei­ber­instal­la­ti­on) - Recht­ver­wal­tung - ver­bes­ser­te Da­ten­si­cher­heit: Schutz vor Da­ten­ver­lust und -än­de­run­gen, Da­ten­ver­schlüs­se­lung möglich - Da­ten­kom­pri­mie­rung möglich hohe Per­for­mance bei großen Da­ten­trä­gern - spe­zia­li­siert auf große Dateien und große Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten - nicht für kleine Laufwerke und Par­ti­tio­nen unter 400 MB geeignet (zu hoher Ver­wal­tungs­auf­wand) - maximale Da­tei­grö­ße: 256 TB
APFS SSD-Drives - macOS (Standard ab Version 10.13, High Sierra) - Zusatz-Software für Nutzung bei älteren Mac OS und Windows - optimiert für Solid-State-Laufwerke (SSDs) und andere All-Flash-Spei­cher­ge­rä­te - funk­tio­niert auch auf me­cha­ni­schen und hybriden Lauf­wer­ken - Da­ten­ver­schlüs­se­lung möglich - op­ti­mier­te Spei­cher­platz­ver­wal­tung (Space-Sharing-Funktion) - Crash-Pro­tec­tion-Funktion schützt vor Schäden am Da­tei­sys­tem (z. B. bei Sys­tem­ab­sturz) - Fusion-Drive-Un­ter­stüt­zung ab macOS 10.14 Mojave - maximale Da­tei­grö­ße: 8 Exbibyte
HFS+ interne und externe Fest­plat­ten Mac OS X/macOS - aus­ge­reif­tes und bewährtes Da­tei­sys­tem - besonders geeignet für me­cha­ni­sche Laufwerke - nicht für moderne Spei­cher­tech­ni­ken (SSD, Flash) optimiert - bessere Ab­wärts­kom­pa­ti­bi­li­tät als APFS - begrenzte Le­bens­dau­er, wird von Apple auf Dauer wahr­schein­lich nicht mehr un­ter­stützt - wird durch die teils au­to­ma­ti­sier­te „Zwangs­kon­ver­tie­rung“ in APFS zunehmend an Bedeutung verlieren - maximale Da­tei­grö­ße: 8 Exbibyte
ext4 Linux - Linux - Windows (nur mit Zusatz-Tool) - Mac OS X/macOS (nur mit Zusatz-Tool) Im Vergleich zu früheren Ext-Versionen: - ver­bes­ser­te Per­for­mance - ver­bes­ser­te Da­ten­si­cher­heit - in­te­grier­te Ver­schlüs­se­lung (ab Linux Kernel 4.1) - neues Extents-Feature bietet Ge­schwin­dig­keits­vor­tei­le bei der Ver­wal­tung großer Dateien und beugt der Frag­men­tie­rung vor - Rech­te­ver­wal­tung möglich - maximale Da­tei­grö­ße: 16 TB

Es gibt zwar mitt­ler­wei­le recht viele Da­tei­sys­te­me, aber nicht alle sind weit ver­brei­tet. Die aktuell gän­gigs­ten Systeme sind FAT16, FAT32, exFAT und NTFS (Windows) sowie HFS+ und APFS (macOS/Mac OS X). Linux nutzt derzeit u. a. ext4 (Nach­fol­ger von ext3 und ext2). Die genannten Da­tei­sys­te­me werden im Folgenden kurz vor­ge­stellt.

FAT (File Al­lo­ca­ti­on Table)

Das Da­tei­sys­tem gibt es bereits seit 1980. Die seither ver­öf­fent­lich­ten Varianten sind unter den Namen „FAT12“, „FAT16“ und „FAT32“ bekannt. Eine FAT-For­ma­tie­rung ist ideal für die Ver­wal­tung und den Austausch kleinerer Da­ten­men­gen. Das FAT-Da­tei­sys­tem ist aus heutiger Sicht ei­gent­lich veraltet, denn selbst in der ak­tu­ells­ten und leis­tungs­fä­higs­ten Variante (FAT32, ein­ge­führt 1997) können Dateien maximal eine Größe von 4 Gigabyte (GB) haben. Zudem ist bei FAT32 die maximale Par­ti­ti­ons­grö­ße auf 8 Terabyte (TB) be­schränkt.

Trotz dieser Ein­schrän­kun­gen sind FAT-For­ma­tie­run­gen nach wie vor stark ver­brei­tet. Sie kommen bei mobilen Wech­sel­da­ten­trä­gern (externe Fest­plat­ten, USB-Sticks) und spe­zi­el­ler Hardware (Di­gi­tal­ka­me­ras, Smart­phones, Router, Fernseher, Au­to­ra­di­os etc.) zum Einsatz. Besonders im mobilen Bereich stehen sie für best­mög­li­che Kom­pa­ti­bi­li­tät.

exFAT (Extended File Al­lo­ca­ti­on Table)

Das Format aus dem Jahr 2006 ist eine Wei­ter­ent­wick­lung der klas­si­schen FAT-For­ma­tie­rung. exFAT wurde ur­sprüng­lich für Wech­sel­da­ten­trä­ger kon­zi­piert und eignet sich daher ins­be­son­de­re für USB-Sticks, Spei­cher­kar­ten und externe Fest­plat­ten wie Solid State Drives (SSDs) mit in­di­vi­du­el­len Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten. exFAT arbeitet besonders effizient mit eher kleineren Da­ten­spei­chern zusammen. Dennoch kann es auch große Dateien ver­ar­bei­ten und die FAT32-Grenze von 4 GB weit über­schrei­ten. Seit Windows 7 wird exFAT nativ un­ter­stützt (ist dort also Standard ab Werk, ohne weitere Trei­ber­instal­la­tio­nen oder spezielle Service Packs).

NTFS (New Tech­no­lo­gy File System)

Das Da­tei­sys­tem NTFS wurde bereits 1993 mit dem Be­triebs­sys­tem Windows NT ein­ge­führt. Seit Windows Vista ist es das stan­dard­mä­ßi­ge File-System für Windows-PCs. Es bietet gegenüber FAT einige Vorteile, etwa die Mög­lich­keit der Da­ten­trä­ger­kom­pri­mie­rung und erhöhte Da­ten­si­cher­heit (z. B. durch Ver­schlüs­se­lung). Eine Be­son­der­heit von NTFS ist, dass Zu­griffs­rech­te und Freigaben für Dateien und Ordner de­tail­liert und umfassend definiert werden können. Dabei können Anwender Rechte für lokale und für Remote-Zugriffe per Netzwerk vergeben.

HFS+ (Hier­ar­chi­cal File System)

Das Da­tei­sys­tem wurde 1998 als HFS-Wei­ter­ent­wick­lung von Apple ein­ge­führt. Um beide Standards eindeutig von­ein­an­der zu un­ter­schei­den, spricht man auch von Mac OS Extended (HFS+) und Mac OS Standard (HFS). Im Vergleich zu HFS arbeitet HFS+ schneller und ef­fi­zi­en­ter beim Verwalten, Lesen und Schreiben von Daten. Zudem kann es mehr Dateien verwalten, wobei bis zu 4 Mil­li­ar­den Blöcke mit Dateien oder Ordnern möglich sind. Linux kann Da­ten­trä­ger mit HFS+ teils direkt lesen und be­schrei­ben, u. U. müssen aber spezielle Pakete in­stal­liert werden (hfsutils, hfsplus, hfsprogs). Unter Windows wird für die um­fas­sen­de Un­ter­stüt­zung von HFS+ zu­sätz­li­che Software benötigt.

APFS (Apple File System)

APFS, das 2017 von Apple ein­ge­führt wurde, wird vor allem den An­for­de­run­gen moderner Solid State Drives gerecht. APFS ist als 64-Bit-System kon­zi­piert, die Ver­schlüs­se­lung von Daten und Dateien ist möglich. Befindet sich ein Be­triebs­sys­tem auf einer SSD, wird das Da­tei­sys­tem von HFS+ au­to­ma­tisch in APFS kon­ver­tiert. Ein­ge­führt wurde diese „Auto-For­ma­tie­rung“ mit dem Be­triebs­sys­tem „High Sierra“. Seit macOS 10.14 Mojave werden auch Fusion Drives (logische Laufwerke, die aus SSDs und me­cha­ni­schen Fest­plat­ten gebildet werden) au­to­ma­tisch auf APFS migriert. Beim Kon­ver­tie­ren von HFS+ zu APFS kann es ge­le­gent­lich zu Problemen kommen.

ext4

ext4 wurde 2008 als Nach­fol­ger von ext3 vor­ge­stellt. Das Da­tei­sys­tem ist derzeit Standard vieler Linux-Systeme (z. B. Ubuntu). Die weit­rei­chends­te Neuerung ist das Extents-Feature, das die Ver­wal­tung großer Dateien optimiert und einer Frag­men­tie­rung ef­fi­zi­en­ter vorbeugt als die Vorgänger. Unter ext4 lassen sich Par­ti­tio­nen beliebig ver­grö­ßern und ver­klei­nern, und zwar im laufenden Betrieb. Die maximale Da­tei­sys­tem­grö­ße war bei ext3 auf 32 TB begrenzt, bei ext4 beträgt sie um ein Viel­fa­ches mehr: 1 Exabyte (ca. 1 Million Terabyte).

Das Da­tei­sys­tem wechseln – ist das möglich?

Sehr wichtig bei der Wahl der For­ma­tie­rung ist die Kom­pa­ti­bi­li­tät – bei­spiels­wei­se wenn man eine externe Fest­plat­te nicht nur lokal am hei­mi­schen Rechner, sondern auch plattform- und ge­rä­te­über­grei­fend nutzen möchte. Für höchste Fle­xi­bi­li­tät beim Da­ten­trans­fer zwischen einem Apple- und einem Windows-Gerät empfiehlt sich z. B. eine For­ma­tie­rung mit dem Da­tei­sys­tem exFAT. Die richtige Wahl bei der For­ma­tie­rung eines Da­ten­trä­gers ist also weit­rei­chend und kann im Alltag Probleme und Ein­schrän­kun­gen beim Da­ten­aus­tausch vermeiden.

Sind die grund­sätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen erfüllt (z. B. aktuelle Hardware), kann man das System aber auch jederzeit wechseln – z. B. von einem älteren auf ein mo­der­ne­res Da­tei­sys­tem. Al­ler­dings ist unbedingt vorher zu klären, ob ein Wechsel ohne Verlust von Dateien möglich ist oder ob erst alle Daten per Backup gesichert und dann wieder auf den Da­ten­trä­ger zu­rück­ko­piert werden müssen. Es gibt für solche Transfers Freeware und kos­ten­pflich­ti­ge Programme, die die Um­stel­lung sicherer und kom­for­ta­bler gestalten. Es geht teils aber auch mit den Bord­mit­teln eines Be­triebs­sys­tems. In unserem Artikel „USB-Stick for­ma­tie­ren“ erfahren Sie bei­spiels­wei­se, wie Sie das Da­tei­sys­tem eines USB-Sticks direkt in Windows wechseln können.

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