Die Welt wird immer da­ten­in­ten­si­ver: mobile Endgeräte, Streaming, Arbeiten in der Cloud und auf Servern. Der Da­ten­ver­brauch pro Haushalt soll schon bald bei einem Terabyte pro Monat liegen. Wie kann diese gren­zen­lo­se Nachfrage nach größerer Spei­cher­ka­pa­zi­tät gelöst werden? Die Antwort darauf könnte SMR lauten. Aber was verbirgt sich hinter Shingled Magnetic Recording, wie funk­tio­niert diese neue Tech­no­lo­gie und wie viel Spei­cher­ka­pa­zi­tät bringt sie?

Auf der Spur von Shingled Magnetic Recording (SMR)

Es schien lange so, dass Fest­plat­ten bei vier Terabyte erstmal am Limit sind. Größere Sprünge gab es ab da nicht mehr. Doch dann kam Shingled Magnetic Recording (oder kurz SMR), das sogar acht Terabyte-Fest­plat­ten er­mög­licht – und bezahlbar macht. Das er­staun­lichs­te an SMR-Fest­plat­ten ist ihre neue Flä­chen­dich­te, wodurch sie über 25 Prozent mehr Spei­cher­vo­lu­men bei gleicher phy­si­scher Größe bieten können.

Hinweis

Um SMR zu verstehen, muss man die Geometrie einer Fest­plat­te kennen. Eine Fest­plat­te ist in Zylinder, Spuren und Sektoren auf­ge­teilt. Ihre Daten werden in kleine Ab­schnit­te, den Sektoren un­ter­teilt. Physisch be­trach­tet sind das Scheiben, mit einer Vorder- und Rückseite, die jeweils einen Schreib- und Lesekopf haben. Die Ober­flä­che wird wiederum in kreis­för­mi­ge Spuren un­ter­teilt, die auf der Scheibe gestapelt werden und zusammen den Zylinder bilden.

Also, was ist SMR? Ver­ein­facht aus­ge­drückt handelt es sich bei Shingled Magnetic Recording um eine Fest­plat­ten­tech­no­lo­gie, bei der die Abstände zwischen den Spuren noch weiter ver­klei­nert werden. Der englische Begriff Shingle bedeutet Schindel und gibt damit einen guten Eindruck davon, wie das Verfahren funk­tio­niert. Denn die Spuren der SMR-Fest­plat­te werden wie Dach­schin­del auf einem Haus über­ein­an­der ge­schich­tet. Dadurch können mehr Daten auf demselben Raum ge­schrie­ben werden. Die Leseköpfe sind bei SMR we­sent­lich kleiner als die Schreib­ein­hei­ten, wodurch sie auch bei Über­lap­pung der Spuren alle Daten lesen können.

Die Tech­no­lo­gie ist noch neu, aber viel­ver­spre­chend, und könnte schon bald den aktuellen Standard, das Per­pen­di­cu­lar Magnetic Recording (PMR), ablösen. Bei diesem wird ein par­al­le­les Spur­lay­out verwendet, bei dem die Pole der ma­gne­ti­schen Elemente (die Datenbits dar­stel­len) senkrecht zur Ober­flä­che der Platte aus­ge­rich­tet werden. Ma­gne­ti­sche Spuren werden ohne Über­lap­pung ne­ben­ein­an­der ge­schrie­ben. Wer hier mehr Kapazität will, muss mehr Zoll in Kauf nehmen. Das un­ter­streicht nochmal das enorme Potenzial von Shingled Magnetic Recording. SMR ist eine Er­wei­te­rung von PMR und bietet eine ver­bes­ser­te Flä­chen­dich­te. Das End­pro­dukt sieht physisch genauso aus wie eine übliche PMR-Fest­plat­te, hat aber eine viel höhere Kapazität im Innern. Die Änderung der Ar­chi­tek­tur bedeutet aber auch, dass die Be­nut­zer­er­fah­rung mit einer SMR-Fest­plat­te eine ganz andere ist.

SMR-Fest­plat­ten: Funk­tio­nen

SMR-Fest­plat­ten haben einen neuen Ansatz, um die phy­si­schen Grenzen einer ge­wöhn­li­chen Platte zu über­win­den. Das fängt beim Lese- und Schreib­kopf an, der relativ breit ist, sogar we­sent­lich breiter als die Spuren selbst. Seine Da­ten­spu­ren schreibt er kon­se­quent in se­quen­ti­el­ler Form. Dabei werden Teile der Spuren über­schrie­ben und weil diese über­lap­pen, müssen auch jedes Mal die da­ne­ben­lie­gen­den Spuren über­schrie­ben werden. Das hätte nor­ma­ler­wei­se zur Folge, dass die Änderung eines einzelnen Bytes, das Über­schrei­ben der gesamten SMR-Fest­plat­te erzwingen würde. Da­ten­pro­zes­se würden so langsam werden, dass Shingled Magnetic Recording völlig un­brauch­bar wäre.

Damit das nicht passiert, werden beim SMR Spuren in so­ge­nann­ten Bändern zu­sam­men­ge­fasst. Dadurch ist die Über­lap­pung der Spuren und damit ihr Über­schrei­ben auf eine bestimmte Anzahl begrenzt. Zu­sätz­lich hat jede Fest­plat­te eine interne Puf­fer­zo­ne zum Zwi­schen­spei­chern sowie einen Cache. Auf diesen beiden Zwi­schen­plät­zen werden die Daten zuerst ge­schrie­ben und erst später an der richtigen Stelle auf der Spur ein­ge­tra­gen. Deshalb hört man die SMR-Fest­plat­te häufig auch noch lange nach einem Schreib­vor­gang arbeiten.

Das System nutzt also ein sehr kräftiges Schreib­ele­ment, um sehr enge Spuren zu erzeugen, was zu der größeren Da­ten­dich­te führt. Damit eignet sich SMR optimal für das kon­ti­nu­ier­li­che Schreiben von Daten auf die Fest­plat­te in langen se­quen­ti­el­len Schreib­vor­gän­gen.

SMR im Vergleich zu anderen Spei­che­rungs­tech­ni­ken

Ein großer Nachteil von SMR ist, dass die noch sehr junge Technik nicht immer klar bei jeder Fest­plat­te ge­kenn­zeich­net wird. Deshalb kommt es oft vor, dass Fest­plat­ten, die für den Einsatz im NAS ge­kenn­zeich­net wurden, in Wahrheit Shingled-Magnetic-Recording-Modelle sind. Prin­zi­pi­ell kann eine SMR-Fest­plat­te auch in NAS verwendet werden, aber bei wech­sel­haf­ten Ar­beits­an­for­de­run­gen kommt die SMR aufgrund ihrer Kon­zep­ti­on schnell an ihre Grenzen.

Wer mehrere Fest­plat­ten­ty­pen nutzt, bei­spiels­wei­se um einen Server mit SSD auf­zu­sto­cken, sollte eine Kom­bi­na­ti­on aus PMR und SMR vermeiden – hier gab es bei ver­ein­zel­ten Her­stel­ler­mo­del­len Probleme mit der Per­for­mance.

Theo­re­tisch lässt sich SMR wie jede Fest­plat­te einsetzen. So kann sie auch in FAT32 for­ma­tiert werden und unter Windows laufen. Die Datenrate ist im direkten Vergleich mit einer her­kömm­li­chen PMR-Fest­plat­te aus den oben genannten Gründen stark schwan­kend. Zumindest, sobald die Schreib­zu­grif­fe un­re­gel­mä­ßig erfolgen. Wenn die Prozesse mit der SMR-Fest­plat­te linear ablaufen, besteht kein Ge­schwin­dig­keits­nach­teil. Beim Lesen sind sogar keinerlei Un­ter­schie­de spürbar. Auch wenn Shingled Magnetic Recording im Vergleich zu anderen Spei­che­rungs­tech­ni­ken besser als ihr Ruf ab­schnei­det, die Vor­herr­schaft von SSD-Fest­plat­ten als Spiele- oder Pro­gramm­lauf­wer­ke kann sie nicht beenden. Doch für dieses Ein­satz­ge­biet ist SMR auch nicht gedacht.

Wo kommt SMR zum Einsatz?

SMR ist dort optimal ein­ge­setzt, wo das System kon­ti­nu­ier­lich Daten auf die Fest­plat­te schreibt. Diese langen se­quen­ti­el­len Schreib­vor­gän­ge werden bei Ser­ver­an­wen­dun­gen, Backup- und Ar­chiv­da­ten benötigt. Wie zum Beispiel als Cloud-Archive oder für Object Storage Ar­chi­tek­tu­ren.

Für den privaten Gebrauch, etwa als große Fest­plat­te für den eigenen Rechner, sind sie aufgrund ihrer Hitze, ihrer Laut­stär­ke und ihres hohen Strom­ver­brauchs nicht zu empfehlen. Das liegt am bereits erwähnten Re­or­ga­ni­sa­ti­ons­mo­dus: Neue Daten werden zunächst auf einen leeren Bereich der Platte ge­schrie­ben, während auf der Ori­gi­nalspur die alten Daten vor­über­ge­hend erhalten bleiben. Wenn die SMR-Fest­plat­te inaktiv wird, werden die alten Datenbits durch die neue ersetzt. Dafür braucht Shingled Magnetic Recording zwi­schen­durch Leer­lauf­zei­ten. Die Fest­plat­te kann spürbar langsamer werden, wenn sie über längere Zeit un­un­ter­bro­chen Daten auf zufällig verteilte Adressen schreiben muss, das so­ge­nann­te Random Write.

Her­stel­ler von SMR-Fest­plat­ten wollen dem Problem mit einer Firmware ent­ge­gen­wir­ken. Trotzdem bleiben für den privaten, normalen Gebrauch SSD-Fest­plat­ten die bessere Wahl, besonders seitdem sie immer günstiger in der An­schaf­fung werden.

Wer aber ein Da­ten­ar­chiv auf seinem Server anlegen möchte, hat mit SMR eine (physisch) platz­spa­ren­de, kos­ten­güns­ti­ge und zu­ver­läs­si­ge Lösung dafür.

Zum Hauptmenü