Schon die erste Version des Terminal-Be­triebs­sys­tems Windows NT rüstete Microsoft mit einer zentralen, hier­ar­chisch auf­ge­bau­ten Re­gis­trie­rungs­da­ten­bank aus, die bis heute unter dem Namen Windows Registry oder einfach nur als Registry bekannt ist. Ihr Symbol ist ein Würfel, der sich aus vielen kleinen Würfeln zu­sam­men­setzt, wobei drei frei­schwe­ben­de Teile zu erkennen sind. Während in früheren Sys­tem­ver­sio­nen ins­be­son­de­re Da­tei­er­wei­te­run­gen in dieser Datenbank ge­spei­chert wurden, ver­sam­melt Windows dort mitt­ler­wei­le nicht nur sämtliche Ein­stel­lun­gen für die Ad­mi­nis­tra­ti­on des Systems, sondern auch für die Ver­wal­tung aller in­te­grier­ten Sys­tem­diens­te und -prozesse. Zu­sätz­lich speichern einige An­wen­dungs­pro­gram­me ihre Ein­stel­lun­gen in der Re­gis­trie­rungs­da­ten­bank. Mit Regedit bzw. regedit.exe hat die Windows Registry sogar ihren eigenen Editor. Wir erklären, wie er funk­tio­niert und wofür man ihn einsetzt.

Wofür benötigt man einen Editor für die Windows Registry?

Die Re­gis­trie­rungs­da­ten­bank von Windows speichert diverse wichtige Ein­stel­lun­gen des Be­triebs­sys­tems. So enthält sie bei­spiels­wei­se Einträge mit In­for­ma­tio­nen darüber, was bei einem Dop­pel­klick auf einen be­stimm­ten Dateityp passieren soll oder welche Breite die Task­leis­te haben soll. Auch ein­ge­bau­te und ein­ge­steck­te Hardware speichert bei der Trei­ber­instal­la­ti­on In­for­ma­tio­nen in der Registry, die bei jedem Sys­tem­start von Neuem abgerufen werden. Dadurch weiß die Gra­fik­kar­te etwa, welche Auflösung sie auf den Bild­schirm bringen soll oder welche Farbtiefe gewünscht ist. Schließ­lich nutzen ver­schie­de­ne Dritt­pro­gram­me die Windows Registry auch heute noch als Ge­dächt­nis­stüt­ze, um z. B. Nut­zer­ein­stel­lun­gen zu speichern oder einen au­to­ma­ti­schen Start während des Boot­pro­zes­ses fest­zu­le­gen.

Hinweis

Ein Eintrag (Entry) in der Windows Registry ist immer ein Name/Wert-Paar, wobei der Wert un­ter­schied­li­che Da­ten­ty­pen wie etwa Binärcode, Zahlen oder Text aufweisen kann (Ma­xi­mal­grö­ße: 1.024 KB). Einige Einträge in der Re­gis­trie­rungs­da­ten­bank können al­ler­dings unbenannt sein – in diesem Fall handelt es sich um Stan­dard­wer­te. Damit die einzelnen Einträge in der Registry nicht will­kür­lich an­ge­ord­net sind, sind sie so­ge­nann­ten Schlüs­seln (Keys) un­ter­ge­ord­net, die einem Ordner auf Da­tei­ebe­ne ähneln. Zu­sätz­lich zu einer Reihe von Haupt­schlüs­seln exis­tie­ren diverse Un­ter­schlüs­sel, was der Windows Registry eine hier­ar­chisch auf­ge­bau­te Baum­struk­tur verleiht.

Die Spei­che­rung und Ver­wal­tung von System- und Pro­gram­mein­stel­lun­gen in der zentralen Sys­tem­da­ten­bank ist prin­zi­pi­ell eine prak­ti­sche An­ge­le­gen­heit, erweist sich jedoch spä­tes­tens dann als pro­ble­ma­tisch, wenn Einträge oder Schlüssel feh­ler­haft sind oder Kon­fi­gu­ra­tio­nen de­fi­nie­ren, die nicht den Wünschen des Nutzers ent­spre­chen (etwa bei au­to­ma­ti­schen Pro­gramm­starts). An eben dieser Stelle kommt der Registry-Editor Regedit ins Spiel, mit dem sich die Windows Registry öffnen bzw. anzeigen und darüber hinaus auch be­ar­bei­ten lässt. Denn anders als ge­wöhn­li­che Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­tei­en können Sie die Re­gis­trie­rungs­da­ten­bank nicht mit han­dels­üb­li­chen Text­edi­to­ren öffnen.

Tipp

Bevor Sie Än­de­run­gen an der Windows Registry vornehmen, sollten Sie immer ein Back-up der Re­gis­trie­rungs­da­ten­bank machen. Mit der „Ex­por­tie­ren“-Funktion hat Regedit hierfür die passende Lösung parat.

Was steckt genau hinter Regedit (regedit.exe)?

Regedit bzw. regedit.exe ist eine Windows-Stan­dard­da­tei, die den haus­ei­ge­nen Registry-Editor öffnet. Dieser er­mög­licht die Anzeige und Be­ar­bei­tung der Schlüssel und Einträge in der Windows-Re­gis­trie­rungs­da­ten­bank. Die Datei liegt im Windows-Ver­zeich­nis (ty­pi­scher­wei­se C:\Windows), von wo sie sich auch per Dop­pel­klick starten lässt. Al­ter­na­tiv öffnet man den Registry-Editor durch die Eingabe von „regedit“ im Suchfeld des Start­me­nüs oder im „Ausführen“-Dialog, der sich über die Tas­ten­kom­bi­na­ti­on [Windows] + [R] aufrufen lässt.

Optisch gleicht der Re­gis­trie­rungs-Editor dem Windows Explorer und auch hin­sicht­lich der Bedienung gibt es kaum Un­ter­schie­de zum Da­tei­ma­na­ger von Microsoft. Im linken Sei­ten­fens­ter sind – analog zu den Ver­zeich­nis­sen und Ordnern im Explorer – die Schlüssel auf­ge­lis­tet. Über kleine Dreieck-Symbole an den ver­schie­de­nen Haupt­schlüs­seln lassen sich die je­wei­li­gen Un­ter­schlüs­sel aufrufen. Klickt man einen der Schlüssel an, er­schei­nen im rechten Fenster die da­zu­ge­hö­ri­gen Einträge.

Beispiele zur Nutzung von Regedit unter Windows 10

Die manuelle Anpassung der Windows-Re­gis­trie­rungs­da­ten­bank setzt in den meisten Fällen eine Menge Know-how in Sachen System und Sys­tem­kon­fi­gu­ra­ti­on voraus. Feh­ler­haf­te Schlüssel bzw. Einträge zu finden und zu re­pa­rie­ren sollte ebenso wenig auf der Ta­ges­ord­nung un­er­fah­re­ner Nutzer stehen wie das Löschen un­be­kann­ter Einträge. Wer sich al­ler­dings mit der genutzten Software auskennt und bei­spiels­wei­se bei der Neu­in­stal­la­ti­on eines Programms Probleme mit ver­al­te­ten Einträgen in der Windows Registry hat, kann (nach einem Si­cher­heits-Back-up) durchaus selbst zur Tat schreiten und den be­tref­fen­den Schlüssel aus der Datenbank entfernen. Auch kleinere kos­me­ti­sche An­pas­sun­gen der Desktop-Ober­flä­che sind dank ent­spre­chen­der An­lei­tun­gen innerhalb kürzester Zeit und ohne Risiko umgesetzt.

Regedit-Beispiel 1: Veraltete Schlüssel bzw. Einträge von Dritts­oft­ware löschen

Im ersten Beispiel, für das wir ex­em­pla­risch die Windows-10-Registry verwenden, erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie Registry-Einträge eines be­stimm­ten An­wen­dungs­pro­gramms am ein­fachs­ten finden und wie Sie veraltete In­for­ma­tio­nen bzw. Ein­stel­lun­gen aus der Re­gis­trie­rungs­da­ten­bank löschen.

Öffnen Sie hierfür zunächst die Windows-Registry, indem Sie „regedit“ in die Such­leis­te oder im Ausführen-Dialog ([Windows] + [R]) eingeben und an­schlie­ßend auf „OK“ drücken.

Sie landen im Hauptmenü des Registry-Editors, in dem zunächst die fünf Haupt­schlüs­sel auf­ge­lis­tet werden. Dem Schlüssel HKEY_LOCAL_MACHINE sind bei­spiels­wei­se alle Daten un­ter­ge­ord­net, die sys­tem­weit gelten, während sich unter HKEY_CURRENT_USER nur solche finden, die das aktuell ver­wen­de­te Be­nut­zer­kon­to betreffen. Um die Einträge zu einer be­stimm­ten Software zu finden, müssen Sie nicht alle Schlüssel der Reihe nach manuell durch­ge­hen – zu diesem Zweck verfügt Regedit über eine Such­funk­ti­on, die Sie über die Me­nü­punk­te „Be­ar­bei­ten“ -> „Suchen…“ öffnen:

Nun können Sie ganz gezielt nach Da­ten­bank­ein­trä­gen suchen, indem Sie einen passenden Such­be­griff wie den Namen der Software oder des Her­stel­lers eingeben und auf „Wei­ter­su­chen“ drücken. In den Such­op­tio­nen legen Sie darüber hinaus fest, ob Regedit einen Komplett-Scan machen oder den ge­wünsch­ten Begriff bei­spiels­wei­se nur in Schlüs­seln bzw. Daten oder Werten suchen soll. Hierfür setzen bzw. entfernen Sie einfach den Haken in dem ent­spre­chen­den Kästchen. Für ein besonders präzises Such­ergeb­nis können Sie außerdem die Option „Ganze Zei­chen­fol­ge ver­glei­chen“ auswählen. So werden nur Er­geb­nis­se aus­ge­spielt, deren Be­zeich­nung mit dem Begriff identisch ist. Bei­spiel­haft durch­su­chen wir in dieser Anleitung alle Schlüssel nach „VideoLAN“ (Ent­wick­ler von VLC Media Player):

Findet der Registry-Editor einen Treffer, springt er an die ent­spre­chen­de Stelle in der Re­gis­trie­rungs­da­ten­bank. Handelt es sich dabei um den gesuchten Schlüssel bzw. Eintrag, löschen Sie diesen, indem Sie ihn per Rechts­klick anwählen und ab­schlie­ßend auf „Löschen“ drücken. Regedit fordert Sie dann auf, das Löschen des Schlüs­sels (inklusive vor­han­de­ner Un­ter­schlüs­sel) zu be­stä­ti­gen.

Gibt es mehrere Treffer für den aus­ge­wähl­ten Begriff in der Windows Registry, können Sie durch Drücken der [F3]-Taste direkt zum nächsten Such­ergeb­nis springen.

Regedit-Beispiel 2: Sym­bol­ab­stand der Desktop-Icons anpassen

Hin­sicht­lich der Ordnung auf dem Desktop gehen die Ge­schmä­cker der Nutzer weit aus­ein­an­der. Viele können bei­spiels­wei­se gar nicht genügend Icons auf der Be­nut­zer­ober­flä­che haben, sodass in manchen Fällen sogar der Platz für neue Ver­knüp­fun­gen fehlt. Windows er­mög­licht es stan­dard­mä­ßig zwar, die Sym­bol­grö­ße an­zu­pas­sen und so bei­spiels­wei­se durch kleinere Symbole mehr Platz zu ge­ne­rie­ren – doch eine Ver­än­de­rung des Abstands zwischen den einzelnen Icons ist über das normale Menü nicht möglich. Sie können die Stan­dard­wer­te für den ho­ri­zon­ta­len (waa­ge­rech­ten) und ver­ti­ka­len (senk­rech­ten) Abstand al­ler­dings trotzdem anpassen, indem Sie die ent­spre­chen­den Einträge in der Windows Registry ändern:

  1. Starten Sie Regedit.
  2. Suchen Sie mithilfe der Such­funk­ti­on nach dem Begriff „Win­dow­Me­trics“.
  3. Im rechten Fenster finden Sie nun die beiden Einträge Icon­Spa­cing (ho­ri­zon­ta­ler Icon-Abstand) und Icon­Ver­ti­cal­Spa­cing (ver­ti­ka­ler Icon-Abstand), deren Werte Sie nun nach Belieben anpassen können.
  4. Um die Än­de­run­gen zu über­neh­men, starten Sie an­schlie­ßend das System neu oder melden sich einmal von Ihrem Be­nut­zer­kon­to ab und wieder an.

Stan­dard­mä­ßig haben beide Einträge in neueren Sys­tem­ver­sio­nen – bei­spiels­wei­se in der Windows-10-Registry – den Wert -1125. Die ver­füg­ba­ren Grenz­wer­te lauten fol­gen­der­ma­ßen:

  • Mi­ni­mal­wert (kleinst­mög­li­cher Abstand): -480
  • Ma­xi­mal­wert (größt­mög­li­cher Abstand): -2730

Typische Probleme bei der Nutzung von Regedit

Die Schlüssel der Windows-Re­gis­trie­rungs­da­ten­bank sind, ähnlich wie Dateien und Ordner im Da­tei­sys­tem, mit Si­cher­heits­in­for­ma­tio­nen versehen. Diese bestimmen darüber, ob ein Benutzer nur die Rechte zum Be­trach­ten der Einträge hat oder ob er diese auch verändern oder löschen kann. Einfache Benutzer haben in Windows stan­dard­mä­ßig lediglich Schreib­zu­griff auf die Un­ter­schlüs­sel von HKEY_CURRENT_USER, also auf die Daten, die zu ihrem eigenen Be­nut­zer­pro­fil gehören. Sofern Sie also nicht als Ad­mi­nis­tra­tor auf die Windows-Registry zugreifen oder Ihnen die ent­spre­chen­den Rechte zu­ge­wie­sen worden sind, kann es der Fall sein, dass der Versuch, bestimmte Werte zu ändern oder zu löschen, scheitert. Regedit in­for­miert Sie darüber mit einer Feh­ler­mel­dung.

Hinweis

Auch Ad­mi­nis­tra­to­ren können nicht den kom­plet­ten Inhalt der Re­gis­trie­rungs­da­ten­bank einsehen bzw. be­ar­bei­ten. Die Un­ter­schlüs­sel von HKEY_LOCAL_MACHINE\SAM sind für sie ebenso wenig sichtbar wie für alle anderen User. Hin­ter­grund ist, dass an dieser Stelle u. a. die Passwort-Hashwerte aller Be­nut­zer­kon­ten ge­spei­chert sind.

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