Für Menschen, die blind oder stark seh­be­hin­dert sind, stellt die Arbeit am Computer eine besondere Her­aus­for­de­run­gen dar. Screen­rea­der helfen dabei, die Bild­schirm­in­hal­te entweder über eine syn­the­ti­sche Sprach­aus­ga­be (Text-to-Speech) oder über eine tastbare Braille-Zeile zu­gäng­lich zu machen.

Zu­sam­men­fas­sung

Screen­rea­der machen digitale Inhalte über syn­the­ti­sche Sprach­aus­ga­be oder Braille-Zeilen un­ab­hän­gig von visueller Wahr­neh­mung nutzbar.

  • Sie sind ent­schei­dend für die Ein­hal­tung der WCAG 2.2 und des Bar­rie­re­frei­heits­stär­kungs­ge­set­zes (BFSG).
  • Typische Hürden beim Auslesen sind fehlende Al­ter­na­tiv­tex­te bei Grafiken sowie un­struk­tu­rier­te Tabellen und Formulare.
  • Das Spektrum reicht von in­te­grier­ten Lösungen wie VoiceOver über Open-Source-Software wie NVDA bis zu kom­mer­zi­el­len Pro­gram­men wie JAWS.

Was ist ein Screen­rea­der?

Der Zweck von Screen­rea­dern besteht darin, digitale Inhalte un­ab­hän­gig von visueller Wahr­neh­mung nutzbar zu machen. Dabei be­schränkt sich ihr Einsatz längst nicht mehr auf klas­si­sche Desktop-Computer: Auch auf Smart­phones und Tablets sind Screen­rea­der heute fest in die Be­triebs­sys­te­me in­te­griert und er­mög­li­chen eine bar­rie­re­freie Bedienung mobiler An­wen­dun­gen.

Grund­sätz­lich lässt sich zwischen externen Screen­rea­der-Pro­gram­men und sys­tem­sei­tig in­te­grier­ten Lösungen un­ter­schei­den. Umfang, Funk­ti­ons­viel­falt und Kosten variieren dabei erheblich. Neben kos­ten­lo­sen Open-Source-Lösungen exis­tie­ren kom­mer­zi­el­le Programme mit pro­fes­sio­nel­lem Funk­ti­ons­um­fang, deren Li­zenz­kos­ten im vier­stel­li­gen Bereich liegen können. Un­ter­schie­de ergeben sich unter anderem durch den Einsatz leis­tungs­fä­hi­ger Sprach­syn­the­se-Tech­no­lo­gien und spe­zia­li­sier­ter An­pas­sungs­op­tio­nen.

Die Qualität der Sprach­aus­ga­be hängt heute weniger von der Sprache selbst als vielmehr von der ein­ge­setz­ten Text-to-Speech-Engine ab. Moderne neuronale Sprach­syn­the­sen un­ter­stüt­zen zahl­rei­che Sprachen, darunter auch Deutsch, und liefern eine deutlich na­tür­li­che­re Aus­spra­che als frühere Systeme. Un­ter­schie­de bestehen weiterhin bei Prosodie, Betonung komplexer Satz­struk­tu­ren sowie der Aus­spra­che von Fremd- und Fach­be­grif­fen.

Die Ent­wick­lung syn­the­ti­scher Sprache ist ein zentrales For­schungs­feld der Com­pu­ter­lin­gu­is­tik. Moderne Sprach­syn­the­si­zer basieren auf Deep-Learning-Verfahren und werden mit großen Mengen realer Sprach­da­ten trainiert. Dadurch können sie Satz­me­lo­dien, Be­to­nun­gen und Pausen rea­lis­tisch wie­der­ge­ben. Ein­schrän­kun­gen bestehen weiterhin bei emo­tio­na­ler Nu­an­cie­rung, Ironie oder stark kon­text­ab­hän­gi­ger Betonung. Für die Nutzung von Screen­rea­dern stellt die heutige Sprach­syn­the­se jedoch einen er­heb­li­chen Qua­li­täts­ge­winn gegenüber früheren, stark ma­schi­nell klin­gen­den Ausgaben dar.

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Aus­wahl­kri­te­ri­en für einen Screen­rea­der

Bei der Auswahl eines ge­eig­ne­ten Screen­rea­ders ist die Kom­pa­ti­bi­li­tät mit den am Ar­beits­platz ein­ge­setz­ten Geräten ent­schei­dend. Wird bei­spiels­wei­se eine Braille-Zeile verwendet, muss diese vom Screen­rea­der un­ter­stützt werden. Gleiches gilt für das Be­triebs­sys­tem sowie für re­gel­mä­ßig genutzte An­wen­dun­gen.

Wichtige Aus­wahl­kri­te­ri­en sind unter anderem:

  • Wird der Screen­rea­der haupt­säch­lich zum Lesen oder auch zum Schreiben ein­ge­setzt?
  • Mit welchen Inhalten und An­wen­dun­gen wird ge­ar­bei­tet?
  • Welches Budget steht für die Aus­stat­tung des Ar­beits­plat­zes zur Verfügung?

Je nach An­for­de­rungs­pro­fil kann eine kos­ten­lo­se Lösung aus­rei­chend sein oder der Einsatz pro­fes­sio­nel­ler Software sinnvoll werden. Neben tech­ni­schen Aspekten spielen auch Erfahrung, Schu­lungs­be­darf und die Zu­sam­men­ar­beit mit Kol­le­gin­nen und Kollegen eine Rolle. Eine struk­tu­rier­te Analyse des Ar­beits­plat­zes ist daher in jedem Fall emp­feh­lens­wert. Die genannten Kriterien gelten nicht nur für den be­ruf­li­chen Einsatz, sondern ebenso für private An­wen­dungs­be­rei­che.

Vor der An­schaf­fung eines kos­ten­pflich­ti­gen Screen­rea­ders kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob staat­li­che Leis­tun­gen oder Zuschüsse durch Kran­ken­kas­sen oder In­te­gra­ti­ons­äm­ter in Anspruch genommen werden können. Auch wenn viele moderne Screen­rea­der kostenlos verfügbar sind, kann eine Förderung im Ein­zel­fall weiterhin relevant sein.

Weitere Ein­satz­ge­bie­te von Screen­rea­dern

Die Ein­satz­ge­bie­te von Screen­rea­dern be­schrän­ken sich längst nicht mehr auf den klas­si­schen Blin­den­ar­beits­platz. Zwar sind Screen­rea­der in erster Linie Hilfs­mit­tel für Menschen mit Seh­be­ein­träch­ti­gun­gen, sie können jedoch auch für viele andere Nutzende einen prak­ti­schen Mehrwert bieten. Grund­sätz­lich eignen sich Screen­rea­der immer dann, wenn Inhalte nicht gelesen, sondern gehört werden sollen oder müssen.

Typische An­wen­dungs­bei­spie­le sind unter anderem:

  • Au­dio­wie­der­ga­be von Texten unterwegs: Screen­rea­der er­mög­li­chen es, Texte über Smart­phone oder Tablet vorlesen zu lassen, etwa während eines Spa­zier­gangs oder bei der Nutzung öf­fent­li­cher Ver­kehrs­mit­tel. Das kann kom­for­ta­bler sein, als längere Inhalte auf kleinen Displays zu lesen.
  • Un­ter­stüt­zung bei par­al­le­len Tä­tig­kei­ten: Wenn Tä­tig­kei­ten keine voll­stän­di­ge visuelle Auf­merk­sam­keit erfordern, können Screen­rea­der Texte, An­lei­tun­gen oder In­for­ma­tio­nen vorlesen und so das Arbeiten er­leich­tern.
  • Al­ter­na­ti­ve In­for­ma­ti­ons­auf­nah­me: Screen­rea­der können Inhalte ähnlich wie Podcasts oder Hörbücher wie­der­ge­ben und bieten damit eine zu­sätz­li­che Mög­lich­keit, In­for­ma­tio­nen auf­zu­neh­men, ohne aktiv lesen zu müssen.
  • Ent­las­tung der Augen: Längeres Lesen am Bild­schirm kann ermüdend sein. Die akus­ti­sche Wie­der­ga­be von Texten er­mög­licht es, die Augen zu entlasten und Inhalte dennoch weiter auf­zu­neh­men.

Diese er­wei­ter­ten Ein­satz­mög­lich­kei­ten zeigen, dass Screen­rea­der nicht nur als Ausgleich für Seh­be­ein­träch­ti­gun­gen dienen, sondern auch als flexible Werkzeuge zur bar­rie­re­ar­men und si­tua­ti­ons­an­ge­pass­ten In­for­ma­ti­ons­nut­zung.

Screen­rea­der, WCAG 2.2 und Bar­rie­re­frei­heits­stär­kungs­ge­setz (BFSG)

So wie Rampen oder Aufzüge Menschen mit Mo­bi­li­täts­ein­schrän­kun­gen den Zugang zu Gebäuden er­mög­li­chen, sorgen bar­rie­re­freie Websites dafür, dass digitale Inhalte für möglichst viele Nutzende zu­gäng­lich sind. Damit Menschen mit Seh­be­ein­träch­ti­gun­gen das Internet mithilfe von Screen­rea­dern zu­ver­läs­sig nutzen können, müssen Websites be­stimm­ten tech­ni­schen und in­halt­li­chen An­for­de­run­gen ent­spre­chen.

In Deutsch­land bilden hierfür mehrere recht­li­che und normative Grund­la­gen den Rahmen. Für öf­fent­li­che Stellen gilt die Bar­rie­re­freie-In­for­ma­ti­ons­tech­nik-Ver­ord­nung (BITV 2.0) als Ergänzung des Be­hin­der­ten­gleich­stel­lungs­ge­set­zes (BGG). Darüber hinaus ver­pflich­tet das Bar­rie­re­frei­heits­stär­kungs­ge­setz (BFSG) ab dem 28. Juni 2025 auch zahl­rei­che private Un­ter­neh­men dazu, ihre digitalen Angebote bar­rie­re­frei zu gestalten. Technisch ori­en­tie­ren sich diese Vorgaben an den Web Content Ac­ces­si­bi­li­ty Gui­de­lines (WCAG) in der jeweils aktuellen Fassung, derzeit WCAG 2.2 auf Kon­for­mi­täts­stu­fe AA.

Der Begriff „bar­rie­re­frei­es Internet“ bezieht sich dabei nicht nur auf die Nutzung durch Menschen mit Be­hin­de­run­gen, sondern auf einen insgesamt leicht zu­gäng­li­chen, ver­ständ­li­chen und robusten Aufbau von Web­in­hal­ten. Dazu zählen unter anderem eine klare Struktur, eine ver­ständ­li­che Sprache sowie die Nutz­bar­keit über ver­schie­de­ne Endgeräte, Be­triebs­sys­te­me und assistive Tech­no­lo­gien hinweg. Im Idealfall sind Websites so gestaltet, dass sie von Menschen un­ter­schied­li­cher Al­ters­grup­pen, mit un­ter­schied­li­chen tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen und Sprach­kennt­nis­sen genutzt werden können.

Im Kontext des Bar­rie­re­frei­heits­stär­kungs­ge­set­zes (BFSG) kommt Screen­rea­dern eine besondere Bedeutung zu: Digitale Angebote müssen so umgesetzt sein, dass sie mit as­sis­ti­ven Tech­no­lo­gien zu­ver­läs­sig funk­tio­nie­ren. Dazu gehören unter anderem eine se­man­tisch korrekte Aus­zeich­nung von Inhalten, eine sinnvolle Le­se­rei­hen­fol­ge sowie die voll­stän­di­ge Be­dien­bar­keit in­ter­ak­ti­ver Elemente per Tastatur.

Screen­rea­der dienen damit nicht nur als Un­ter­stüt­zung für User, sondern auch als wichtiges Prüf­mit­tel, um Barrieren in Struktur, Na­vi­ga­ti­on und Inhalt früh­zei­tig zu erkennen und die ge­setz­lich ge­for­der­te Bar­rie­re­frei­heit si­cher­zu­stel­len, denn sie machen zugleich sichtbar, ob Websites die tech­ni­schen An­for­de­run­gen der WCAG 2.2 erfüllen.

Das Auslesen mit dem Screen­rea­der: Welche typischen Pro­blem­be­rei­che gibt es?

Beim Auslesen mit dem Screen­rea­der zeigen sich schnell Probleme, wenn Websites nicht bar­rie­re­frei umgesetzt sind. In solchen Fällen geben Screen­rea­der Inhalte häufig un­voll­stän­dig, in falscher Rei­hen­fol­ge oder nur schwer nach­voll­zieh­bar wieder. Selbst erfahrene Nutzende stoßen dann auf er­heb­li­che Schwie­rig­kei­ten bei der Ori­en­tie­rung und beim Ver­ständ­nis der Inhalte.

Am häu­figs­ten treten Schwie­rig­kei­ten mit dem Screen­rea­der beim Auslesen folgender Elemente auf:

Pro­blem­be­reich Aus­wir­kung auf Screen­rea­der Typische Ursache
Grafiken Inhalte werden über­sprun­gen fehlende oder nicht aus­sa­ge­kräf­ti­ge Al­ter­na­tiv­tex­te
Tabellen Un­ver­ständ­li­che Rei­hen­fol­ge fehlende Ta­bel­len­über­schrif­ten und Zuordnung (th/thead, scope)
Formulare Felder nicht nutzbar fehlende Be­schrif­tun­gen und Zuordnung (label/aria)
Ver­steck­te Inhalte falsche Le­se­rei­hen­fol­ge dy­na­mi­sche Inhalte ohne korrektes Ac­ces­si­bi­li­ty-Markup
  • Grafiken: Werden Grafiken ohne Al­ter­na­tiv­text ein­ge­bun­den, über­sprin­gen Screen­rea­der deren Inhalt voll­stän­dig. Ist eine Grafik jedoch für das Ver­ständ­nis des be­glei­ten­den Textes relevant oder wird im Text direkt auf sie Bezug genommen, können Nutzende von Screen­rea­dern den Zu­sam­men­hang kaum erfassen. Al­ter­na­tiv­tex­te lassen sich einfach im HTML-Code hin­ter­le­gen und werden von Screen­rea­dern vor­ge­le­sen, sodass auch Menschen mit Seh­be­ein­träch­ti­gun­gen die Bild­in­hal­te nach­voll­zie­hen können. Enthält eine Grafik zu­sätz­lich einen Link, sollte dieser ebenfalls im Al­ter­na­tiv­text eindeutig be­schrie­ben werden.
  • Tabellen: Sind Tabellen nicht logisch aufgebaut oder fehlen klare Zeilen- und Spal­ten­über­schrif­ten, kann das Vorlesen durch Screen­rea­der schnell un­über­sicht­lich und ver­wir­rend werden. Zwar un­ter­stüt­zen viele Screen­rea­der die Ori­en­tie­rung innerhalb von Tabellen, struk­tu­rel­le Mängel lassen sich jedoch nicht aus­glei­chen, wenn die Tabelle se­man­tisch falsch oder un­voll­stän­dig aus­ge­zeich­net ist.
  • Text­ge­stal­tung und Textcode: Werden For­ma­tie­run­gen wie Fettungen oder Kur­siv­schrei­bun­gen für den Sinn eines Textes verwendet, können diese nicht von allen Screen­rea­dern zu­ver­läs­sig in­ter­pre­tiert werden. Fehlende oder falsch ein­ge­setz­te Über­schrif­ten im Code er­schwe­ren zu­sätz­lich die Na­vi­ga­ti­on. Eine saubere Aus­zeich­nung mit HTML und CSS sowie eine klar struk­tu­rier­te Text­glie­de­rung er­leich­tern es Nutzenden von Screen­rea­dern, Inhalte zu erfassen und sich innerhalb einer Website zu ori­en­tie­ren.
  • Ver­steck­te Inhalte: Manche Websites blenden Inhalte erst nach einer Aktion ein, etwa durch Klicks oder andere In­ter­ak­tio­nen. Solche dy­na­mi­schen Inhalte können von Screen­rea­dern entweder gar nicht erkannt oder in einer falschen Rei­hen­fol­ge vor­ge­le­sen werden, ins­be­son­de­re wenn sie technisch ungünstig umgesetzt sind. Komplexe und ver­schach­tel­te Struk­tu­ren er­schwe­ren Screen­rea­dern generell die korrekte In­ter­pre­ta­ti­on von Inhalten.
  • Frames: Werden Frames ohne ein­deu­ti­ge Titel ein­ge­setzt, geben Screen­rea­der häufig nur den reinen Inhalt einzelner Bereiche wieder, etwa Na­vi­ga­ti­ons­leis­ten, ohne deren Funktion klar zu machen. Das erschwert die Ori­en­tie­rung erheblich. Zu­sam­men­hän­gen­de Inhalte sollten möglichst in einem durch­gän­gi­gen In­halts­be­reich stehen. Idea­ler­wei­se wird ganz auf Frames ver­zich­tet, da sie heute nur noch selten notwendig sind.
  • Formulare: For­mu­lar­ele­men­te müssen eindeutig be­schrif­tet sein, damit Screen­rea­der ihre Funktion korrekt wie­der­ge­ben können. Zu­sätz­lich ist es wichtig, dass alle Ein­ga­be­fel­der und Schalt­flä­chen voll­stän­dig per Tastatur bedienbar sind, um eine bar­rie­re­freie Nutzung für alle Menschen zu ge­währ­leis­ten.

Einige der be­lieb­tes­ten Screen­rea­der in der Übersicht

Im Folgenden stellen wir einige der be­kann­tes­ten Screen­rea­der vor, die sich in der Praxis etabliert haben und auf un­ter­schied­li­chen Be­triebs­sys­te­men zum Einsatz kommen. Die Übersicht zeigt sowohl kos­ten­lo­se als auch kos­ten­pflich­ti­ge Lösungen und ordnet deren Ein­satz­be­rei­che ein.

NVDA – kos­ten­lo­ser Screen­rea­der für Windows

NonVisual Desktop Access (kurz „NVDA“) ist ein kos­ten­lo­ser, Open-Source-basierter Screen­rea­der für Windows und zählt zu den am weitesten ver­brei­te­ten Lösungen weltweit. Das Programm zeichnet sich durch eine ver­gleichs­wei­se einfache In­be­trieb­nah­me aus und eignet sich sowohl für Ein­stei­ge­rin­nen und Ein­stei­ger als auch für erfahrene Nutzende. NVDA gibt Inhalte über eine syn­the­ti­sche Sprach­aus­ga­be aus oder überträgt sie an eine an­ge­schlos­se­ne Braille-Zeile.

NVDA wird spen­den­fi­nan­ziert ent­wi­ckelt und re­gel­mä­ßig ak­tua­li­siert. Der Screen­rea­der wird heute vor allem unter Windows 10 und Windows 11 ein­ge­setzt und un­ter­stützt eine Vielzahl gängiger An­wen­dun­gen.

Die wich­tigs­ten Funk­tio­nen von NVDA:

  • Un­ter­stüt­zung aller gängigen Web­brow­ser, E-Mail-Programme, Chat-Tools und Microsoft-Office-An­wen­dun­gen wie Word und Excel
  • Nutzung über eine einzelne aus­führ­ba­re Datei (.exe), auch von externen Da­ten­trä­gern wie USB-Sticks
  • Um­fang­rei­che Tas­ta­tur­be­feh­le zur Na­vi­ga­ti­on, Steuerung und Anpassung der Sprach­aus­ga­be
  • Un­ter­stüt­zung mehrerer Sprach­syn­the­si­zer, stan­dard­mä­ßig eSpeak sowie optional SAPI 4 und SAPI 5
  • Ausgabe in zahl­rei­chen Sprachen, abhängig vom ver­wen­de­ten Syn­the­si­zer
  • Un­ter­stüt­zung von Braille-Zeilen und grund­le­gen­den Maus­funk­tio­nen

JAWS – kos­ten­pflich­ti­ger Screen­rea­der für Windows

Job Access With Speech („JAWS“) ist ein kos­ten­pflich­ti­ger Screen­rea­der des Her­stel­lers Freedom Sci­en­ti­fic und wird vor allem im pro­fes­sio­nel­len Umfeld ein­ge­setzt. Das Programm gilt seit vielen Jahren als Markt­stan­dard für Screen­rea­der unter Windows und ist für Windows 10 und Windows 11 verfügbar.

JAWS zeichnet sich durch seine hohe Sta­bi­li­tät, eine sehr leis­tungs­fä­hi­ge Na­vi­ga­ti­on und um­fang­rei­che An­pas­sungs­mög­lich­kei­ten aus. Vor dem Kauf kann eine zeitlich begrenzte Test­ver­si­on genutzt werden. Die Li­zenz­kos­ten bewegen sich je nach Modell im vier­stel­li­gen Bereich. In vielen Fällen besteht die Mög­lich­keit einer Kos­ten­über­nah­me oder Be­zu­schus­sung durch Kran­ken­kas­sen oder staat­li­che Stellen.

Die wich­tigs­ten Funk­tio­nen von JAWS:

  • Leis­tungs­star­ke Sprach­syn­the­si­zer wie Eloquence sowie Un­ter­stüt­zung weiterer na­tür­li­cher Stimmen
  • Um­fang­rei­che Do­ku­men­ta­ti­on und Hil­fe­sys­te­me in Schrift- und Braille­form
  • Un­ter­stüt­zung von Text­do­ku­men­ten, PDFs sowie teilweise von Texten in Grafiken
  • Schnelle Na­vi­ga­ti­on über Tas­ten­kom­bi­na­tio­nen und struk­tu­rier­te Listen
  • Hohe Kom­pa­ti­bi­li­tät mit Windows-An­wen­dun­gen, Browsern und Office-Software
  • Un­ter­stüt­zung zahl­rei­cher Braille-Zeilen

Dolphin – kos­ten­pflich­ti­ger Screen­rea­der für Windows

Der Dolphin Screen­rea­der, früher unter dem Namen SuperNova bekannt, ist eine kom­mer­zi­el­le Lösung für Windows-Ar­beits­plät­ze. Die Software richtet sich an blinde und seh­be­hin­der­te Nutzende, die eine stark an­pass­ba­re Ar­beits­um­ge­bung benötigen. Eine Test­ver­si­on ist zeitlich begrenzt verfügbar, an­schlie­ßend ist der Erwerb einer Lizenz er­for­der­lich.

Dolphin kom­bi­niert Screen­rea­der-Funk­tio­nen mit zu­sätz­li­chen Hilfs­mit­teln zur Bild­schirm­ver­grö­ße­rung und Do­ku­men­ten­ana­ly­se und eignet sich ins­be­son­de­re für spe­zia­li­sier­te Ar­beits­platz­an­for­de­run­gen.

Die wich­tigs­ten Funk­tio­nen von Dolphin:

  • Leis­tungs­fä­hi­ger Sprach­syn­the­si­zer „Vocalizer Ex­pres­si­ve“ mit um­fang­rei­chen Ein­stell­mög­lich­kei­ten
  • Schnelle Na­vi­ga­ti­on per Tastatur und gezielte Such­funk­tio­nen innerhalb von Inhalten
  • Un­ter­stüt­zung von PDFs und struk­tu­rier­ten Do­ku­men­ten
  • „Dolphin Cursor“ zur Maus­steue­rung per Tastatur
  • Un­ter­stüt­zung zahl­rei­cher Braille-Zeilen
  • Ein­rich­tungs­as­sis­tent zur selbst­stän­di­gen In­stal­la­ti­on

Narrator – der interne Screen­rea­der von Windows

Narrator ist der in Windows in­te­grier­te Screen­rea­der und steht in Windows 10 und Windows 11 ohne zu­sätz­li­che In­stal­la­ti­on zur Verfügung. Er lässt sich über die Windows-Ein­stel­lun­gen oder per Tas­ten­kom­bi­na­ti­on ak­ti­vie­ren und bietet grund­le­gen­de Funk­tio­nen zur Text­aus­ga­be und Na­vi­ga­ti­on.

Der Screen­rea­der eignet sich vor allem für erste Er­fah­run­gen mit as­sis­ti­ven Tech­no­lo­gien oder für Nutzende mit ein­ge­schränk­ter Seh­fä­hig­keit, die nur ge­le­gent­lich auf eine Vor­le­se­funk­ti­on an­ge­wie­sen sind. Für den dau­er­haf­ten Einsatz im Ar­beits­all­tag oder für komplexe Aufgaben ist Narrator jedoch nur ein­ge­schränkt geeignet.

Ei­gen­schaf­ten von Narrator:

  • Direkte In­te­gra­ti­on in das Windows-Be­triebs­sys­tem
  • Einfache Steuerung über Tas­ta­tur­be­feh­le
  • Vorlesen von Texten und grund­le­gen­den Be­dien­ele­men­ten
  • Ein­ge­schränk­te An­pas­sungs­mög­lich­kei­ten und Sprach­qua­li­tät
  • Keine voll­stän­di­ge Un­ter­stüt­zung komplexer Ar­beits­ab­läu­fe

VoiceOver – der vor­in­stal­lier­te, kos­ten­lo­se Screen­rea­der für macOS und iOS

VoiceOver ist der vor­in­stal­lier­te Screen­rea­der von Apple für macOS, iOS und iPadOS. Das Tool ist tief in das Be­triebs­sys­tem in­te­griert und er­mög­licht blinden und seh­be­hin­der­ten Nutzenden die voll­stän­di­ge Bedienung von Apple-Geräten über Tastatur, Gesten und Sprach­feed­back.

VoiceOver gilt als besonders leis­tungs­fä­hig im Zu­sam­men­spiel mit dem Apple-Ökosystem und un­ter­stützt eine Vielzahl von Sprachen und Ein­ga­be­me­tho­den.

Die wich­tigs­ten Funk­tio­nen von VoiceOver:

  • Tiefe Sys­tem­in­te­gra­ti­on ohne zu­sätz­li­che In­stal­la­ti­on
  • Steuerung über Tastatur, Touch-Gesten und Trackpad
  • Leis­tungs­fä­hi­ge Sprach­syn­the­se, abhängig von Be­triebs­sys­tem und Stimme
  • Un­ter­stüt­zung von Braille-Zeilen
  • Struk­tu­rier­te Na­vi­ga­ti­on durch Webseiten und An­wen­dun­gen

Orca – der kos­ten­lo­se Screen­rea­der für Linux

Orca ist ein Open-Source-Screen­rea­der für Linux und Be­stand­teil der GNOME-Desk­top­um­ge­bung. Das Projekt wird von einer aktiven Community ent­wi­ckelt und kommt stan­dard­mä­ßig in Dis­tri­bu­tio­nen wie Ubuntu oder Fedora zum Einsatz.

Orca richtet sich an Nutzende mit Linux-Ar­beits­plät­zen und bietet grund­le­gen­de Screen­rea­der-Funk­tio­nen in Kom­bi­na­ti­on mit Sprach­syn­the­se und Braille-Un­ter­stüt­zung.

Die wich­tigs­ten Funk­tio­nen von Orca:

  • Enge In­te­gra­ti­on in GNOME-basierte Systeme
  • Nutzung von eSpeak als Stan­dard­syn­the­si­zer
  • Un­ter­stüt­zung von Braille-Zeilen
  • Au­dio­an­lei­tun­gen für den Einstieg
  • Ein­rich­tung teilweise komplex, abhängig von Sys­tem­kon­fi­gu­ra­ti­on

Speechify und Chirpy – Screen­rea­der als Browser-Ex­ten­si­ons

Speechify für Google Chrome und Chirpy für Mozilla Firefox sind einfache Browser-Er­wei­te­run­gen zum Vorlesen von Web­in­hal­ten. Sie richten sich an Nutzende, die ge­le­gent­lich Texte hören möchten, sind jedoch kein Ersatz für voll­wer­ti­ge Screen­rea­der-Software.

Ein­ord­nung der Browser-Ex­ten­si­ons:

  • Schnelle In­stal­la­ti­on und einfache Nutzung
  • Geeignet für einfache Web­in­hal­te
  • Ein­ge­schränk­te Sprach­qua­li­tät und Funk­ti­ons­um­fang
  • Nicht für schwer seh­be­hin­der­te Nutzende geeignet

TalkBack – Screen­rea­der für Android

TalkBack ist der stan­dard­mä­ßi­ge Screen­rea­der für Android und wird über die Sys­tem­ein­stel­lun­gen unter „Ein­ga­be­hil­fen“ aktiviert. Die Anwendung ist kostenlos und tief in das Be­triebs­sys­tem in­te­griert.

TalkBack arbeitet mit Sprach­aus­ga­be, akus­ti­schen Signalen und Vi­bra­ti­ons­feed­back und er­mög­licht die bar­rie­re­freie Nutzung von Smart­phones und Tablets.

Die wich­tigs­ten Funk­tio­nen von TalkBack:

  • Stan­dard­lö­sung für Android-Geräte
  • Gute Sys­tem­in­te­gra­ti­on und re­gel­mä­ßi­ge Wei­ter­ent­wick­lung
  • Bedienung über Gesten und Tas­ten­kom­bi­na­tio­nen
  • Leistung abhängig von Hardware und Ge­rä­te­mo­dell

TalkBack läuft stetig aktiv mit, was bei einigen Geräten zu spürbaren Ver­lang­sa­mun­gen führen kann. Emp­feh­lens­wert ist dieser Screen­rea­der daher vor allem in Kom­bi­na­ti­on mit einem leis­tungs­star­ken Smart­phone. Denn La­de­ver­zö­ge­run­gen machen blinden Usern besondere Probleme, da solch eine Ver­lang­sa­mung für sie nicht direkt zu erkennen ist: Mitunter gehen blinde Nutzende dann von einem eigenen Fehler aus, obwohl ein tech­ni­sches Problem vorliegt. TalkBack ist ein durchaus über­zeu­gen­des Programm, erfordert aber ent­spre­chen­de Ge­rä­te­leis­tung, um flüssig zu laufen.

Screen­rea­der-Übersicht

Programm Be­triebs­sys­tem Preis Vorzüge Ein­schrän­kun­gen
NVDA Windows 10, 11 Kostenlos Open Source, sehr ver­brei­tet, gute Browser- und Office-Un­ter­stüt­zung, Braille-Zeilen, re­gel­mä­ßi­ge Updates Sprach­qua­li­tät abhängig vom Syn­the­si­zer, Bedienung ge­wöh­nungs­be­dürf­tig
JAWS Windows 10, 11 +++ Sehr leis­tungs­fä­hig, ex­zel­len­te Na­vi­ga­ti­on, breite Software-Un­ter­stüt­zung, pro­fes­sio­nel­ler Support Hoher Preis, komplexe Li­zenz­mo­del­le
Dolphin (SuperNova) Windows 10, 11 ++ Leis­tungs­star­ker Sprach­syn­the­si­zer, viele An­pas­sungs­op­tio­nen, Braille-Zeilen Kleinere Community, hoher Preis
Windows Narrator Windows 10, 11 Vor­in­stal­liert Schnell verfügbar, einfache Bedienung, gute Sys­tem­in­te­gra­ti­on Für dau­er­haf­te Nutzung ein­ge­schränkt, weniger Funk­tio­nen
VoiceOver macOS, iOS Vor­in­stal­liert Sehr gute Sys­tem­in­te­gra­ti­on, Ges­ten­steue­rung, Braille-Un­ter­stüt­zung Stark an Apple-Ökosystem gebunden
Orca Linux (GNOME) Kostenlos Open Source, gute GNOME-In­te­gra­ti­on, aktive Community Ein­rich­tung teilweise komplex, begrenzte Sprach­qua­li­tät
Speechify Chrome Kostenlos Schnell ein­setz­bar, gut für einfache Web­in­hal­te Kein voll­wer­ti­ger Screen­rea­der
Chirpy Firefox Kostenlos Einfache Vor­le­se­funk­ti­on Sehr ein­ge­schränkt, kaum Wei­ter­ent­wick­lung
TalkBack Android Kostenlos Stan­dard­lö­sung, tiefe Sys­tem­in­te­gra­ti­on, kon­ti­nu­ier­li­che Wei­ter­ent­wick­lung Leistung abhängig vom Gerät
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