Alles über Screenreader: Barrierefrei am Computer und Smartphone arbeiten
Für Menschen, die blind oder stark sehbehindert sind, stellt die Arbeit am Computer eine besondere Herausforderungen dar. Screenreader helfen dabei, die Bildschirminhalte entweder über eine synthetische Sprachausgabe (Text-to-Speech) oder über eine tastbare Braille-Zeile zugänglich zu machen.
Zusammenfassung
Screenreader machen digitale Inhalte über synthetische Sprachausgabe oder Braille-Zeilen unabhängig von visueller Wahrnehmung nutzbar.
- Sie sind entscheidend für die Einhaltung der WCAG 2.2 und des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG).
- Typische Hürden beim Auslesen sind fehlende Alternativtexte bei Grafiken sowie unstrukturierte Tabellen und Formulare.
- Das Spektrum reicht von integrierten Lösungen wie VoiceOver über Open-Source-Software wie NVDA bis zu kommerziellen Programmen wie JAWS.
Was ist ein Screenreader?
Der Zweck von Screenreadern besteht darin, digitale Inhalte unabhängig von visueller Wahrnehmung nutzbar zu machen. Dabei beschränkt sich ihr Einsatz längst nicht mehr auf klassische Desktop-Computer: Auch auf Smartphones und Tablets sind Screenreader heute fest in die Betriebssysteme integriert und ermöglichen eine barrierefreie Bedienung mobiler Anwendungen.
Grundsätzlich lässt sich zwischen externen Screenreader-Programmen und systemseitig integrierten Lösungen unterscheiden. Umfang, Funktionsvielfalt und Kosten variieren dabei erheblich. Neben kostenlosen Open-Source-Lösungen existieren kommerzielle Programme mit professionellem Funktionsumfang, deren Lizenzkosten im vierstelligen Bereich liegen können. Unterschiede ergeben sich unter anderem durch den Einsatz leistungsfähiger Sprachsynthese-Technologien und spezialisierter Anpassungsoptionen.
Die Qualität der Sprachausgabe hängt heute weniger von der Sprache selbst als vielmehr von der eingesetzten Text-to-Speech-Engine ab. Moderne neuronale Sprachsynthesen unterstützen zahlreiche Sprachen, darunter auch Deutsch, und liefern eine deutlich natürlichere Aussprache als frühere Systeme. Unterschiede bestehen weiterhin bei Prosodie, Betonung komplexer Satzstrukturen sowie der Aussprache von Fremd- und Fachbegriffen.
Die Entwicklung synthetischer Sprache ist ein zentrales Forschungsfeld der Computerlinguistik. Moderne Sprachsynthesizer basieren auf Deep-Learning-Verfahren und werden mit großen Mengen realer Sprachdaten trainiert. Dadurch können sie Satzmelodien, Betonungen und Pausen realistisch wiedergeben. Einschränkungen bestehen weiterhin bei emotionaler Nuancierung, Ironie oder stark kontextabhängiger Betonung. Für die Nutzung von Screenreadern stellt die heutige Sprachsynthese jedoch einen erheblichen Qualitätsgewinn gegenüber früheren, stark maschinell klingenden Ausgaben dar.
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Auswahlkriterien für einen Screenreader
Bei der Auswahl eines geeigneten Screenreaders ist die Kompatibilität mit den am Arbeitsplatz eingesetzten Geräten entscheidend. Wird beispielsweise eine Braille-Zeile verwendet, muss diese vom Screenreader unterstützt werden. Gleiches gilt für das Betriebssystem sowie für regelmäßig genutzte Anwendungen.
Wichtige Auswahlkriterien sind unter anderem:
- Wird der Screenreader hauptsächlich zum Lesen oder auch zum Schreiben eingesetzt?
- Mit welchen Inhalten und Anwendungen wird gearbeitet?
- Welches Budget steht für die Ausstattung des Arbeitsplatzes zur Verfügung?
Je nach Anforderungsprofil kann eine kostenlose Lösung ausreichend sein oder der Einsatz professioneller Software sinnvoll werden. Neben technischen Aspekten spielen auch Erfahrung, Schulungsbedarf und die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen eine Rolle. Eine strukturierte Analyse des Arbeitsplatzes ist daher in jedem Fall empfehlenswert. Die genannten Kriterien gelten nicht nur für den beruflichen Einsatz, sondern ebenso für private Anwendungsbereiche.
Vor der Anschaffung eines kostenpflichtigen Screenreaders kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob staatliche Leistungen oder Zuschüsse durch Krankenkassen oder Integrationsämter in Anspruch genommen werden können. Auch wenn viele moderne Screenreader kostenlos verfügbar sind, kann eine Förderung im Einzelfall weiterhin relevant sein.
Weitere Einsatzgebiete von Screenreadern
Die Einsatzgebiete von Screenreadern beschränken sich längst nicht mehr auf den klassischen Blindenarbeitsplatz. Zwar sind Screenreader in erster Linie Hilfsmittel für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen, sie können jedoch auch für viele andere Nutzende einen praktischen Mehrwert bieten. Grundsätzlich eignen sich Screenreader immer dann, wenn Inhalte nicht gelesen, sondern gehört werden sollen oder müssen.
Typische Anwendungsbeispiele sind unter anderem:
- Audiowiedergabe von Texten unterwegs: Screenreader ermöglichen es, Texte über Smartphone oder Tablet vorlesen zu lassen, etwa während eines Spaziergangs oder bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Das kann komfortabler sein, als längere Inhalte auf kleinen Displays zu lesen.
- Unterstützung bei parallelen Tätigkeiten: Wenn Tätigkeiten keine vollständige visuelle Aufmerksamkeit erfordern, können Screenreader Texte, Anleitungen oder Informationen vorlesen und so das Arbeiten erleichtern.
- Alternative Informationsaufnahme: Screenreader können Inhalte ähnlich wie Podcasts oder Hörbücher wiedergeben und bieten damit eine zusätzliche Möglichkeit, Informationen aufzunehmen, ohne aktiv lesen zu müssen.
- Entlastung der Augen: Längeres Lesen am Bildschirm kann ermüdend sein. Die akustische Wiedergabe von Texten ermöglicht es, die Augen zu entlasten und Inhalte dennoch weiter aufzunehmen.
Diese erweiterten Einsatzmöglichkeiten zeigen, dass Screenreader nicht nur als Ausgleich für Sehbeeinträchtigungen dienen, sondern auch als flexible Werkzeuge zur barrierearmen und situationsangepassten Informationsnutzung.
Screenreader, WCAG 2.2 und Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)
So wie Rampen oder Aufzüge Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den Zugang zu Gebäuden ermöglichen, sorgen barrierefreie Websites dafür, dass digitale Inhalte für möglichst viele Nutzende zugänglich sind. Damit Menschen mit Sehbeeinträchtigungen das Internet mithilfe von Screenreadern zuverlässig nutzen können, müssen Websites bestimmten technischen und inhaltlichen Anforderungen entsprechen.
In Deutschland bilden hierfür mehrere rechtliche und normative Grundlagen den Rahmen. Für öffentliche Stellen gilt die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) als Ergänzung des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG). Darüber hinaus verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ab dem 28. Juni 2025 auch zahlreiche private Unternehmen dazu, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. Technisch orientieren sich diese Vorgaben an den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) in der jeweils aktuellen Fassung, derzeit WCAG 2.2 auf Konformitätsstufe AA.
Der Begriff „barrierefreies Internet“ bezieht sich dabei nicht nur auf die Nutzung durch Menschen mit Behinderungen, sondern auf einen insgesamt leicht zugänglichen, verständlichen und robusten Aufbau von Webinhalten. Dazu zählen unter anderem eine klare Struktur, eine verständliche Sprache sowie die Nutzbarkeit über verschiedene Endgeräte, Betriebssysteme und assistive Technologien hinweg. Im Idealfall sind Websites so gestaltet, dass sie von Menschen unterschiedlicher Altersgruppen, mit unterschiedlichen technischen Voraussetzungen und Sprachkenntnissen genutzt werden können.
Im Kontext des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) kommt Screenreadern eine besondere Bedeutung zu: Digitale Angebote müssen so umgesetzt sein, dass sie mit assistiven Technologien zuverlässig funktionieren. Dazu gehören unter anderem eine semantisch korrekte Auszeichnung von Inhalten, eine sinnvolle Lesereihenfolge sowie die vollständige Bedienbarkeit interaktiver Elemente per Tastatur.
Screenreader dienen damit nicht nur als Unterstützung für User, sondern auch als wichtiges Prüfmittel, um Barrieren in Struktur, Navigation und Inhalt frühzeitig zu erkennen und die gesetzlich geforderte Barrierefreiheit sicherzustellen, denn sie machen zugleich sichtbar, ob Websites die technischen Anforderungen der WCAG 2.2 erfüllen.
Das Auslesen mit dem Screenreader: Welche typischen Problembereiche gibt es?
Beim Auslesen mit dem Screenreader zeigen sich schnell Probleme, wenn Websites nicht barrierefrei umgesetzt sind. In solchen Fällen geben Screenreader Inhalte häufig unvollständig, in falscher Reihenfolge oder nur schwer nachvollziehbar wieder. Selbst erfahrene Nutzende stoßen dann auf erhebliche Schwierigkeiten bei der Orientierung und beim Verständnis der Inhalte.
Am häufigsten treten Schwierigkeiten mit dem Screenreader beim Auslesen folgender Elemente auf:
| Problembereich | Auswirkung auf Screenreader | Typische Ursache |
|---|---|---|
| Grafiken | Inhalte werden übersprungen | fehlende oder nicht aussagekräftige Alternativtexte |
| Tabellen | Unverständliche Reihenfolge | fehlende Tabellenüberschriften und Zuordnung (th/thead, scope) |
| Formulare | Felder nicht nutzbar | fehlende Beschriftungen und Zuordnung (label/aria) |
| Versteckte Inhalte | falsche Lesereihenfolge | dynamische Inhalte ohne korrektes Accessibility-Markup |
- Grafiken: Werden Grafiken ohne Alternativtext eingebunden, überspringen Screenreader deren Inhalt vollständig. Ist eine Grafik jedoch für das Verständnis des begleitenden Textes relevant oder wird im Text direkt auf sie Bezug genommen, können Nutzende von Screenreadern den Zusammenhang kaum erfassen. Alternativtexte lassen sich einfach im HTML-Code hinterlegen und werden von Screenreadern vorgelesen, sodass auch Menschen mit Sehbeeinträchtigungen die Bildinhalte nachvollziehen können. Enthält eine Grafik zusätzlich einen Link, sollte dieser ebenfalls im Alternativtext eindeutig beschrieben werden.
- Tabellen: Sind Tabellen nicht logisch aufgebaut oder fehlen klare Zeilen- und Spaltenüberschriften, kann das Vorlesen durch Screenreader schnell unübersichtlich und verwirrend werden. Zwar unterstützen viele Screenreader die Orientierung innerhalb von Tabellen, strukturelle Mängel lassen sich jedoch nicht ausgleichen, wenn die Tabelle semantisch falsch oder unvollständig ausgezeichnet ist.
- Textgestaltung und Textcode: Werden Formatierungen wie Fettungen oder Kursivschreibungen für den Sinn eines Textes verwendet, können diese nicht von allen Screenreadern zuverlässig interpretiert werden. Fehlende oder falsch eingesetzte Überschriften im Code erschweren zusätzlich die Navigation. Eine saubere Auszeichnung mit HTML und CSS sowie eine klar strukturierte Textgliederung erleichtern es Nutzenden von Screenreadern, Inhalte zu erfassen und sich innerhalb einer Website zu orientieren.
- Versteckte Inhalte: Manche Websites blenden Inhalte erst nach einer Aktion ein, etwa durch Klicks oder andere Interaktionen. Solche dynamischen Inhalte können von Screenreadern entweder gar nicht erkannt oder in einer falschen Reihenfolge vorgelesen werden, insbesondere wenn sie technisch ungünstig umgesetzt sind. Komplexe und verschachtelte Strukturen erschweren Screenreadern generell die korrekte Interpretation von Inhalten.
- Frames: Werden Frames ohne eindeutige Titel eingesetzt, geben Screenreader häufig nur den reinen Inhalt einzelner Bereiche wieder, etwa Navigationsleisten, ohne deren Funktion klar zu machen. Das erschwert die Orientierung erheblich. Zusammenhängende Inhalte sollten möglichst in einem durchgängigen Inhaltsbereich stehen. Idealerweise wird ganz auf Frames verzichtet, da sie heute nur noch selten notwendig sind.
- Formulare: Formularelemente müssen eindeutig beschriftet sein, damit Screenreader ihre Funktion korrekt wiedergeben können. Zusätzlich ist es wichtig, dass alle Eingabefelder und Schaltflächen vollständig per Tastatur bedienbar sind, um eine barrierefreie Nutzung für alle Menschen zu gewährleisten.
Einige der beliebtesten Screenreader in der Übersicht
Im Folgenden stellen wir einige der bekanntesten Screenreader vor, die sich in der Praxis etabliert haben und auf unterschiedlichen Betriebssystemen zum Einsatz kommen. Die Übersicht zeigt sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Lösungen und ordnet deren Einsatzbereiche ein.
NVDA – kostenloser Screenreader für Windows
NonVisual Desktop Access (kurz „NVDA“) ist ein kostenloser, Open-Source-basierter Screenreader für Windows und zählt zu den am weitesten verbreiteten Lösungen weltweit. Das Programm zeichnet sich durch eine vergleichsweise einfache Inbetriebnahme aus und eignet sich sowohl für Einsteigerinnen und Einsteiger als auch für erfahrene Nutzende. NVDA gibt Inhalte über eine synthetische Sprachausgabe aus oder überträgt sie an eine angeschlossene Braille-Zeile.
NVDA wird spendenfinanziert entwickelt und regelmäßig aktualisiert. Der Screenreader wird heute vor allem unter Windows 10 und Windows 11 eingesetzt und unterstützt eine Vielzahl gängiger Anwendungen.
Die wichtigsten Funktionen von NVDA:
- Unterstützung aller gängigen Webbrowser, E-Mail-Programme, Chat-Tools und Microsoft-Office-Anwendungen wie Word und Excel
- Nutzung über eine einzelne ausführbare Datei (.exe), auch von externen Datenträgern wie USB-Sticks
- Umfangreiche Tastaturbefehle zur Navigation, Steuerung und Anpassung der Sprachausgabe
- Unterstützung mehrerer Sprachsynthesizer, standardmäßig eSpeak sowie optional SAPI 4 und SAPI 5
- Ausgabe in zahlreichen Sprachen, abhängig vom verwendeten Synthesizer
- Unterstützung von Braille-Zeilen und grundlegenden Mausfunktionen
JAWS – kostenpflichtiger Screenreader für Windows
Job Access With Speech („JAWS“) ist ein kostenpflichtiger Screenreader des Herstellers Freedom Scientific und wird vor allem im professionellen Umfeld eingesetzt. Das Programm gilt seit vielen Jahren als Marktstandard für Screenreader unter Windows und ist für Windows 10 und Windows 11 verfügbar.
JAWS zeichnet sich durch seine hohe Stabilität, eine sehr leistungsfähige Navigation und umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten aus. Vor dem Kauf kann eine zeitlich begrenzte Testversion genutzt werden. Die Lizenzkosten bewegen sich je nach Modell im vierstelligen Bereich. In vielen Fällen besteht die Möglichkeit einer Kostenübernahme oder Bezuschussung durch Krankenkassen oder staatliche Stellen.
Die wichtigsten Funktionen von JAWS:
- Leistungsstarke Sprachsynthesizer wie Eloquence sowie Unterstützung weiterer natürlicher Stimmen
- Umfangreiche Dokumentation und Hilfesysteme in Schrift- und Brailleform
- Unterstützung von Textdokumenten, PDFs sowie teilweise von Texten in Grafiken
- Schnelle Navigation über Tastenkombinationen und strukturierte Listen
- Hohe Kompatibilität mit Windows-Anwendungen, Browsern und Office-Software
- Unterstützung zahlreicher Braille-Zeilen
Dolphin – kostenpflichtiger Screenreader für Windows
Der Dolphin Screenreader, früher unter dem Namen SuperNova bekannt, ist eine kommerzielle Lösung für Windows-Arbeitsplätze. Die Software richtet sich an blinde und sehbehinderte Nutzende, die eine stark anpassbare Arbeitsumgebung benötigen. Eine Testversion ist zeitlich begrenzt verfügbar, anschließend ist der Erwerb einer Lizenz erforderlich.
Dolphin kombiniert Screenreader-Funktionen mit zusätzlichen Hilfsmitteln zur Bildschirmvergrößerung und Dokumentenanalyse und eignet sich insbesondere für spezialisierte Arbeitsplatzanforderungen.
Die wichtigsten Funktionen von Dolphin:
- Leistungsfähiger Sprachsynthesizer „Vocalizer Expressive“ mit umfangreichen Einstellmöglichkeiten
- Schnelle Navigation per Tastatur und gezielte Suchfunktionen innerhalb von Inhalten
- Unterstützung von PDFs und strukturierten Dokumenten
- „Dolphin Cursor“ zur Maussteuerung per Tastatur
- Unterstützung zahlreicher Braille-Zeilen
- Einrichtungsassistent zur selbstständigen Installation
Narrator – der interne Screenreader von Windows
Narrator ist der in Windows integrierte Screenreader und steht in Windows 10 und Windows 11 ohne zusätzliche Installation zur Verfügung. Er lässt sich über die Windows-Einstellungen oder per Tastenkombination aktivieren und bietet grundlegende Funktionen zur Textausgabe und Navigation.
Der Screenreader eignet sich vor allem für erste Erfahrungen mit assistiven Technologien oder für Nutzende mit eingeschränkter Sehfähigkeit, die nur gelegentlich auf eine Vorlesefunktion angewiesen sind. Für den dauerhaften Einsatz im Arbeitsalltag oder für komplexe Aufgaben ist Narrator jedoch nur eingeschränkt geeignet.
Eigenschaften von Narrator:
- Direkte Integration in das Windows-Betriebssystem
- Einfache Steuerung über Tastaturbefehle
- Vorlesen von Texten und grundlegenden Bedienelementen
- Eingeschränkte Anpassungsmöglichkeiten und Sprachqualität
- Keine vollständige Unterstützung komplexer Arbeitsabläufe
VoiceOver – der vorinstallierte, kostenlose Screenreader für macOS und iOS
VoiceOver ist der vorinstallierte Screenreader von Apple für macOS, iOS und iPadOS. Das Tool ist tief in das Betriebssystem integriert und ermöglicht blinden und sehbehinderten Nutzenden die vollständige Bedienung von Apple-Geräten über Tastatur, Gesten und Sprachfeedback.
VoiceOver gilt als besonders leistungsfähig im Zusammenspiel mit dem Apple-Ökosystem und unterstützt eine Vielzahl von Sprachen und Eingabemethoden.
Die wichtigsten Funktionen von VoiceOver:
- Tiefe Systemintegration ohne zusätzliche Installation
- Steuerung über Tastatur, Touch-Gesten und Trackpad
- Leistungsfähige Sprachsynthese, abhängig von Betriebssystem und Stimme
- Unterstützung von Braille-Zeilen
- Strukturierte Navigation durch Webseiten und Anwendungen
Orca – der kostenlose Screenreader für Linux
Orca ist ein Open-Source-Screenreader für Linux und Bestandteil der GNOME-Desktopumgebung. Das Projekt wird von einer aktiven Community entwickelt und kommt standardmäßig in Distributionen wie Ubuntu oder Fedora zum Einsatz.
Orca richtet sich an Nutzende mit Linux-Arbeitsplätzen und bietet grundlegende Screenreader-Funktionen in Kombination mit Sprachsynthese und Braille-Unterstützung.
Die wichtigsten Funktionen von Orca:
- Enge Integration in GNOME-basierte Systeme
- Nutzung von eSpeak als Standardsynthesizer
- Unterstützung von Braille-Zeilen
- Audioanleitungen für den Einstieg
- Einrichtung teilweise komplex, abhängig von Systemkonfiguration
Speechify und Chirpy – Screenreader als Browser-Extensions
Speechify für Google Chrome und Chirpy für Mozilla Firefox sind einfache Browser-Erweiterungen zum Vorlesen von Webinhalten. Sie richten sich an Nutzende, die gelegentlich Texte hören möchten, sind jedoch kein Ersatz für vollwertige Screenreader-Software.
Einordnung der Browser-Extensions:
- Schnelle Installation und einfache Nutzung
- Geeignet für einfache Webinhalte
- Eingeschränkte Sprachqualität und Funktionsumfang
- Nicht für schwer sehbehinderte Nutzende geeignet
TalkBack – Screenreader für Android
TalkBack ist der standardmäßige Screenreader für Android und wird über die Systemeinstellungen unter „Eingabehilfen“ aktiviert. Die Anwendung ist kostenlos und tief in das Betriebssystem integriert.
TalkBack arbeitet mit Sprachausgabe, akustischen Signalen und Vibrationsfeedback und ermöglicht die barrierefreie Nutzung von Smartphones und Tablets.
Die wichtigsten Funktionen von TalkBack:
- Standardlösung für Android-Geräte
- Gute Systemintegration und regelmäßige Weiterentwicklung
- Bedienung über Gesten und Tastenkombinationen
- Leistung abhängig von Hardware und Gerätemodell
TalkBack läuft stetig aktiv mit, was bei einigen Geräten zu spürbaren Verlangsamungen führen kann. Empfehlenswert ist dieser Screenreader daher vor allem in Kombination mit einem leistungsstarken Smartphone. Denn Ladeverzögerungen machen blinden Usern besondere Probleme, da solch eine Verlangsamung für sie nicht direkt zu erkennen ist: Mitunter gehen blinde Nutzende dann von einem eigenen Fehler aus, obwohl ein technisches Problem vorliegt. TalkBack ist ein durchaus überzeugendes Programm, erfordert aber entsprechende Geräteleistung, um flüssig zu laufen.
Screenreader-Übersicht
| Programm | Betriebssystem | Preis | Vorzüge | Einschränkungen |
|---|---|---|---|---|
| NVDA | Windows 10, 11 | Kostenlos | Open Source, sehr verbreitet, gute Browser- und Office-Unterstützung, Braille-Zeilen, regelmäßige Updates | Sprachqualität abhängig vom Synthesizer, Bedienung gewöhnungsbedürftig |
| JAWS | Windows 10, 11 | +++ | Sehr leistungsfähig, exzellente Navigation, breite Software-Unterstützung, professioneller Support | Hoher Preis, komplexe Lizenzmodelle |
| Dolphin (SuperNova) | Windows 10, 11 | ++ | Leistungsstarker Sprachsynthesizer, viele Anpassungsoptionen, Braille-Zeilen | Kleinere Community, hoher Preis |
| Windows Narrator | Windows 10, 11 | Vorinstalliert | Schnell verfügbar, einfache Bedienung, gute Systemintegration | Für dauerhafte Nutzung eingeschränkt, weniger Funktionen |
| VoiceOver | macOS, iOS | Vorinstalliert | Sehr gute Systemintegration, Gestensteuerung, Braille-Unterstützung | Stark an Apple-Ökosystem gebunden |
| Orca | Linux (GNOME) | Kostenlos | Open Source, gute GNOME-Integration, aktive Community | Einrichtung teilweise komplex, begrenzte Sprachqualität |
| Speechify | Chrome | Kostenlos | Schnell einsetzbar, gut für einfache Webinhalte | Kein vollwertiger Screenreader |
| Chirpy | Firefox | Kostenlos | Einfache Vorlesefunktion | Sehr eingeschränkt, kaum Weiterentwicklung |
| TalkBack | Android | Kostenlos | Standardlösung, tiefe Systemintegration, kontinuierliche Weiterentwicklung | Leistung abhängig vom Gerät |

