Parallax-Scrolling ist ein Ge­stal­tungs­prin­zip der Ani­ma­ti­ons­tech­nik, das sich Effekte der mensch­li­chen Wahr­neh­mung zunutze macht. Ziel ist es, mit zwei­di­men­sio­na­len Dar­stel­lungs­mit­teln räumliche Tiefe zu ver­mit­teln. Um sich einer Erklärung des Begriffs zu nähern, ist es hilfreich, sich dem Wort­ur­sprung zu widmen.

Als Parallaxe (parál­la­xis Alt­grie­chisch für Ver­än­de­rung bzw. Hin- und Her­be­we­gen) be­zeich­net man ein Phänomen der mensch­li­chen Wahr­neh­mung, bei dem ein be­ob­ach­te­tes Objekt seine Position im Sichtfeld in Relation zum Be­ob­ach­tungs­stand­punkt zu verändern scheint. Ein klas­si­sches Beispiel für diesen Effekt ist der Dau­men­sprung. Nach­voll­zie­hen lässt sich dieser fol­gen­der­ma­ßen:

  1. Heben Sie Ihren aus­ge­streck­ten Arm mit nach oben zeigendem Daumen vor das Gesicht.
  2. Schließen Sie nun ab­wech­selnd das linke und das rechte Augen.

Während im Hin­ter­grund kaum eine Bewegung aus­zu­ma­chen ist, scheint Ihr Daumen von einer Position zur anderen zu springen. Der Grund für den Sprung des Daumens ist Ihr Au­gen­ab­stand, der, wenn man eines der beiden Augen schließt, zu einer Ver­än­de­rung des Be­ob­ach­tungs­stand­punkts führt.

Das Phänomen der Parallaxe wird im Alltag kaum wahr­ge­nom­men und gehört dennoch zu den Grund­la­gen der räum­li­chen Wahr­neh­mung.

Bewegen Sie Ihren Kopf von rechts nach links, werden Sie sehen, dass sich die relative Position der Objekte in Ihrem Sichtfeld verändert. Objekte, die nah bei Ihnen stehen, schieben sich vor weiter entfernte Objekte und verdecken diese. Während sich Objekte im Vor­der­grund relativ schnell zu bewegen scheinen, ist bei ent­fern­ten Objekte kaum eine Bewegung aus­zu­ma­chen. Besonders deutlich tritt dieser Effekt bei Zug- oder Au­to­fahr­ten zum Vorschein. 

Stellen Sei sich vor, Sie sitzen als Beifahrer im Auto und schauen durch das Seit­fens­ter in die Weite der Land­schaft. Dabei werden Sie fest­stel­len, dass sich die Schilder am Stra­ßen­rand deutlich schneller bewegen, als die Wälder und Berge im Hin­ter­grund. Die un­ter­ge­hen­de Sonne am Horizont hingegen scheint fast still­zu­ste­hen.

Folgendes Video ver­an­schau­licht das Phänomen:

Wahr­neh­mungs­psy­cho­lo­gen nennen diesen (schein­ba­ren) Ge­schwin­dig­keits­un­ter­schied Be­we­gungs­par­al­la­xe. Licht­re­fle­xio­nen naher Objekte bewegen sich schneller über die Netzhaut als Re­fle­xio­nen weiter entfernt liegender Objekte. Da der Effekt nur dann zustande kommt, wenn sich der Be­ob­ach­ter parallel zu den be­trach­te­ten Objekten bewegt, spricht man von einem be­we­gungs­in­du­zier­ten Tie­fen­reiz. Weitere Hin­weis­rei­ze, die zur Wahr­neh­mung eines drei­di­men­sio­na­len Raums beitragen sind Tex­tur­dich­te, per­spek­ti­vi­sche Kon­ver­genz, at­mo­sphä­ri­sche Per­spek­ti­ve, Grö­ßen­kon­stanz sowie Ver­de­ckung und Über­lap­pung.

Der Parallax-Scrolling-Effekt

Spiel­ent­wick­ler machen sich den Effekt der Be­we­gungs­par­al­la­xe bereits seit den Side-Scrollern der 1980er-Jahre zunutze, um mithilfe zwei­di­men­sio­na­ler Mittel eine drei­di­men­sio­na­le Wirkung zu erzeugen. Klas­si­sche Jump-’n’-Run- oder Shoot’em-up-Spiele wie Super Mario, Moon Patrol oder Jungle Hunt prä­sen­tie­ren eine Spielwelt aus mehreren Vorder-, Mittel- und Hin­ter­grund­ebe­nen, die in un­ter­schied­li­chen Ge­schwin­dig­kei­ten auf dem Bild­schirm vor­bei­zie­hen. Der Spieler schaut von der Seite auf das Spiel­ge­sche­hen. Der Spiel­ab­lauf ist strikt linear. Während sich Vorder- und Hin­ter­grund konstant in eine Richtung bewegen, kann der Spieler die Spiel­fi­gur im Mit­tel­grund mehr oder weniger frei bewegen. Dadurch, dass der Vor­der­grund schneller am Bild­schirm­aus­schnitt (Viewport) vor­bei­zieht als der Hin­ter­grund, entsteht ein Gefühl der Tiefe. Dieses soll das Im­mersi­ons­er­leb­nis beim Spielen ver­stär­ken. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt folgendes Demo-Video des Shoot’em-up-Klas­si­kers Moon Patrol.

Parallax-Scrolling im Web-Design

Seit Ende der 2000er-Jahre kommt der Parallax-Scrolling-Effekt auch im Bereich des Web­de­signs zum Einsatz. Große mediale Auf­merk­sam­keit erregte die Parallax-Scrolling-Website nik­e­bet­ter­world.com (nicht mehr online) aus dem Jahr 2011.

Die Wer­be­kam­pa­gne des Sport­ar­ti­kel­her­stel­lers gilt als Aus­gangs­punkt für einen Webdesign-Trend, der sich den Effekt der Be­we­gungs­par­al­la­xe zunutze macht, um einen Tie­fen­ein­druck zu erzeugen.

Ähnlich wie Side-Scroller-Spiele nutzen auch Parallax-Websites die so­ge­nann­te Layer-Methode: Aus­gangs­punkt ist eine Single-Page-Website, deren Ge­stal­tungs­ele­men­te auf ver­schie­de­nen Ebenen an­ge­ord­net werden und sich un­ab­hän­gig von­ein­an­der in ho­ri­zon­ta­ler oder ver­ti­ka­ler Richtung bewegen lassen.

Um eine be­we­gungs­in­du­zier­te Tie­fen­wahr­neh­mung aus­zu­lö­sen, navigiert der Web­sei­ten­be­su­cher mit der Scroll-Funktion durch die Szenerie. Bewegung und Ge­schwin­dig­keit des Bildlaufs werden somit nicht vor­ge­ge­ben, sondern vom Be­trach­ter über das Mausrad oder die Bild­lauf­leis­te gesteuert. Dabei ziehen Elemente auf den vorderen Ebenen schneller über den Bild­schirm als Elemente auf den Hin­ter­grund­ebe­nen. Es entsteht der Eindruck eines drei­di­men­sio­na­len Raums.

In einigen wenigen Fällen bieten Parallax-Websites auch eine Au­to­scroll-Funktion, die Be­trach­tern das manuelle Her­un­ter­scrol­len abnimmt. Um einen stärkeren Im­mersi­ons­ef­fekt zu erzielen, ergänzen manche Web­ent­wick­ler das Parallax-Scrolling mit Sound- und Video-Effekten, die direkt auf die Bild­lauf­leis­te (Scrollbar), sprich die aktuelle Position des Be­trach­ters auf der Website, ab­ge­stimmt sind.

Hinweis

Bei Single-Page-Websites – so­ge­nann­ten OnePagern – handelt es sich um Web-Projekte, die aus einem einzigen HTML-Dokument bestehen und deren Inhalte bei Benutzer-In­ter­ak­tio­nen (wie bei­spiels­wei­se dem Her­un­ter­scrol­len) dynamisch nach­ge­la­den werden. Parallax-Websites werden in der Regel als OnePager rea­li­siert.

Technisch lassen sich Parallax-Scrolling-Websites bereits mit grund­le­gen­den Web­stan­dards wie der Hypertext Markup Language (HTML) und Cascading Style Sheets (CSS) rea­li­sie­ren, die Ent­wick­lern in den aktuellen Versionen HTML5 und CSS3 um­fang­rei­che Ani­ma­ti­ons­mög­lich­kei­ten zur Verfügung stellen. Einen einfachen Parallax-Scrolling-Effekt setzen Sie bei­spiels­wei­se mit der CSS-Ei­gen­schaft at­tach­ment um. Wird diese mit dem Wert-fixed verwendet, bleibt ein ent­spre­chend aus­ge­zeich­ne­tes Element beim Scrollen an Ort und Stelle, während andere Elemente in Richtung des Bildlaufs am Viewport vor­bei­zie­hen. Möchten Sie für Vorder- und Hin­ter­grund­ebe­nen ver­schie­de­ne Scroll-Ge­schwin­dig­kei­ten de­fi­nie­ren, benötigen Sie weitere Web­tech­ni­ken.

Wie sich be­weg­li­che Ebenen über einem still­ste­hen­den Hin­ter­grund mit HTML5 und CSS3 umsetzen lassen, zeigt folgendes Video-Tutorial des YouTubers Drew Ryan.

Um die Tie­fen­wahr­neh­mung zu ver­stär­ken, setzen kom­ple­xe­re Parallax-Scrolling-Websites in der Regel auf die Skript­spra­che Ja­va­Script oder das Ja­va­Script-Frame­works jQuery. Diese stellen diverse Funk­tio­nen bereit, mit denen sich exakt festlegen lässt, wie sich die einzelnen Ebenen einer Website während des Bildlaufs verhalten sollen. Dabei müssen Scrolling-Effekte auf Basis von Ja­va­Script nicht von Grund auf neu pro­gram­miert werden. Im Netz finden Sie diverse Software-Projekte, die Ihnen Parallax-Effekte und andere Ani­ma­tio­nen als einfach zu in­te­grie­ren­de Plug-ins zur Verfügung stellen. Zu den be­kann­tes­ten Projekten dieser Art gehören Su­per­Scrol­lora­ma, Scroll­Ma­gic und skrollr.

  • Su­per­Scrol­lora­ma von John Polacek: Das jQuery-Plug-in Su­per­scrol­lora­ma basiert auf der Greensock Animation Platform (GSAP) und wurde von John Polacek in Zu­sam­men­ar­beit mit Jan Paepke entworfen. Das Plug-in bietet diverse Ani­ma­ti­ons­mög­lich­kei­ten für Web­sei­ten­ele­men­te und galt lange als Stan­dard­lö­sung für ein scrollbar-ab­hän­gi­ges Webdesign. Dabei versteht Su­per­Scrol­lora­ma die Bild­lauf­leis­te als eine Art Fort­schritts­bal­ken, an dem sich die ge­wünsch­ten Ani­ma­tio­nen aufreihen. Erreicht ein Web­sei­ten­be­su­cher beim Her­ab­scrol­len einen im Vorfeld de­fi­nier­ten Punkt, wird der an dieser Stelle vor­ge­se­he­ne Effekt ausgelöst. Das Plug-in steht nach wie vor zum Download bereit, wird aktuell jedoch nicht mehr wei­ter­ent­wi­ckelt. Statt­des­sen kon­zen­trie­ren sich die Macher auf das Nach­fol­ge­pro­jekt Scroll­Ma­gic. Su­per­Scrol­lora­ma steht unter MIT- und GPL-Lizenz.
  • Scroll­Ma­gic von Jan Paepke: Bei Scroll­Ma­gic handelt es sich um eine Kom­plett­über­ar­bei­tung des jQuery-Plug-ins Su­per­Scrol­lora­ma. Wie dieses stützt sich Scroll­Ma­gic auf jQuery und die Greensock Animation Platform (GSAP). Diese sind jedoch nicht Teil des Software-Kerns, sondern müssen separat be­reit­ge­stellt werden. Al­ter­na­tiv zu GSAP kann die Ani­ma­ti­ons-Engine Velocity.js zum Einsatz kommen. Scroll­Ma­gic bietet alle scrollbar-ab­hän­gi­gen Ani­ma­ti­ons­ef­fek­te des Vor­gän­gers und erweitert dessen Funk­ti­ons­spek­trum um eine ver­bes­ser­te Per­for­mance, die Un­ter­stüt­zung für Re­spon­si­ve Designs und Mo­bil­ge­rä­te sowie eine ob­jekt­ori­en­tier­te Pro­gram­mie­rung. Zu­sätz­lich zu diversen Parallax-Scrolling-Effekten bietet Scroll­Ma­gic eine Infinite-Scrolling-Funktion, bei der Webseiten-Content in End­los­schlei­fe via Ajax geladen wird. Wie der Vorgänger steht Scroll­Ma­gic unter dualer Lizenz (MIT- und GPL- Lizenz).
  • skrollr von Alexander Prinzhorn: Auch skrollr nutzt die Bild­lauf­leis­te als Aus­gangs­punkt für Ani­ma­ti­ons­ef­fek­te. Das leicht­ge­wich­ti­ge Plug-in umfasst nur Ja­va­Script- und CSS-Bi­blio­the­ken und kommt gänzlich ohne jQuery aus (Vanilla JS). Kennt­nis­se der Skript­spra­che werden für die Anwendung nicht benötigt – lediglich Erfahrung mit CSS3 und HTML5. Das Programm skrollr eignet sich für Desktop-Websites und un­ter­stützt mobile Web­brow­ser und Android und iOS. Anwender sollten beachten, dass das Projekt seit 2014 nicht mehr aktiv wei­ter­ent­wi­ckelt wird. Ein Support für neuere Web­brow­ser kann somit nicht ga­ran­tiert werden. Die Software steht unter MIT-Lizenz zum Download bereit.
Hinweis

Beachten Sie: Der massive Einsatz von Skripten zur Animation von Web­sei­ten­ele­men­ten kann sich negativ auf die Per­for­mance Ihres Web-Projekts auswirken. Beim Einsatz von Frame­works und Bi­blio­the­ken sollten Sie darauf achten, dass diese von allen aktuellen Web­brow­sers un­ter­stützt werden. An­dern­falls besteht die Gefahr, dass einem Teil der In­ter­net­ge­mein­de der Besuch auf Ihrer Website verwehrt bleibt.

Parallax-Scrolling-Beispiele: Tops und Flops

Parallax-Scrolling po­la­ri­siert. Während manche Nutzer Ge­stal­tungs­an­sät­ze mit be­we­gungs­in­du­zier­ten Tie­frei­zen begrüßen, sind andere des in­zwi­schen nicht mehr ganz so in­no­va­ti­ven Stil­mit­tels über­drüs­sig. Vor allem dann, wenn Parallax-Scrolling als Selbst­zweck ohne kon­zep­tio­nel­len Zu­sam­men­hang zum Einsatz kommt. Ob Parallax-Effekte Ihr Web­an­ge­bot be­rei­chern, hängt somit in erster Linie damit zusammen, was Sie mit Ihrer Website bezwecken und welche Ziel­grup­pe Sie ins Visier nehmen. Bewährt hat sich Parallax-Scrolling als Stil­mit­tel des visuellen Sto­rytel­lings.

The Hybrid Graphic Novel

Ein Projekt, das in diesem Bereich brilliert, ist die Marketing-Website zum Peugeot Hybrid4, die im Gewand einer Graphic-Novel da­her­kommt und In­ter­es­sier­ten die Features der (zum Ver­öf­fent­li­chungs­zeit­punkt) neuen An­triebs­tech­no­lo­gie in Form einer ac­tion­ge­la­den Bil­der­ge­schich­te erzählt.

Konzept und Design der Single-Page-Website wurde von BETC Digital in Zu­sam­men­ar­beit mit dem MARVEL-Il­lus­tra­tor Gerald Parel ent­wi­ckelt. Die tech­ni­sche Umsetzung erfolgte durch die fran­zö­si­sche Di­gi­ta­l­agen­tur 60fps unter Leitung von Sylvain Tran.

Die Online-Graphic-Novel bietet Besuchern zwei Mög­lich­kei­ten durch die Web­sei­ten­in­hal­te zu na­vi­gie­ren: Wer nicht kon­ti­nu­ier­lich her­un­ter­scrol­len möchten, kann den Auto-play-Modus ak­ti­vie­ren. In diesem Fall werden die ani­mier­ten Web­sei­ten­ele­men­te ohne Zutun des Be­trach­ters au­to­ma­tisch ab­ge­spielt. Zu­sätz­lich zum Parallax-Scrolling-Effekt nutzt die Website ein auf die Bild­lauf­leis­te ab­ge­stimm­tes Sound­de­sign.

Technisch basiert das Frontend auf HTML5, CSS und Ja­va­Script. Das Projekt wurde von der Website The FWA als FWA of the day aus­ge­zeich­net.

Hinweis

The FWA (Favourite Website Awards) ist eine der be­kann­tes­ten Award-Platt­for­men für kreatives Webdesign. Seit den frühen 2000er-Jahren vergibt ein in­ter­na­tio­na­les Juroren-Team die Awards FOTD (FWA of the day), FOTM (FWA of the month), PCA (People's Choice Award) und FOTY (FWA of the year). Die Website ist In­spi­ra­ti­ons­quel­le für Kreative auf der ganzen Welt.

Ben the Bodyguard

Ein ähnlicher Einsatz des Parallax-Scrolling-Effekts erwartet Besucher der Website zum iOS-Password-Tool Ben the Bodyguard (App nicht mehr er­hält­lich). 

Besucher der Single-Page-Website begleiten Ben durch eine düstere Stra­ßen­sze­ne und lassen sich über eine der Be­dro­hun­gen des digitalen Zeit­al­ters belehren: Un­ge­schütz­te Fotos und Kon­takt­da­ten auf dem Smart­phone. Doch kein Grund zur Sorge: Es gibt ja Ben, den Bodyguard für das iPhone, der sensible Daten mit einer sicheren 256-Bit Ver­schlüs­se­lung vor den Gefahren des Internets schützt.

Passwort-Tool und Website stammen aus der Feder der Berliner Kreativ-Agentur Nerd Com­mu­ni­ca­ti­ons. Bei der Umsetzung des OnePagers stützten sich die Ent­wick­ler auf diverse Tools, Bi­blio­the­ken und Frame­works wie jQuery, HTML5 Boi­ler­p­la­te und Adobe Flash. Das Scrolling mit Parallax-Effekten basiert auf dem platt­form­un­ab­hän­gi­gen Ja­va­script-Scroller iScroll von Matteo Spinelli. Die Single-Page-Website war Teil einer cross­me­dia­len Marketing-Kampagne zur Ein­füh­rung des Passwort-Tools. Dem Prot­ago­nis­ten Ben begegnen In­ter­es­sier­te im Trailer auf YouTube, in ver­schie­de­nen sozialen Netz­wer­ken sowie auf der Be­nut­zer­ober­flä­che der App. Auch bent­he­bo­dy­guard.com konnte sich auf The FWA den Titel FWA oft the Day sichern. Das Tool ist in­zwi­schen aus dem App-Store ver­schwun­den.

The Walking Dead Zom­bie­fied

Auch CableTV.com, eine In­for­ma­ti­ons­platt­form rund um das US-ame­ri­ka­ni­sche Ka­bel­fern­se­hen, hat sich das Potenzial von Parallax-Websites im Bereich des Sto­rytel­lings zunutze gemacht und Lesern mit The Walking Dead Zom­bie­fied eine in­ter­ak­ti­ve In­fo­gra­fik zur AMC-Kultserie zur Verfügung gestellt.

In Form eines vir­tu­el­len Comic-Strips ver­an­schau­licht die Single-Page-Website, wie sich ein Schau­spie­ler hinter den Kulissen der Serie vom normalen Menschen in einen wan­deln­den Untoten ver­wan­delt (im Serien-Jargon Walker genannt).

Der Web­sei­ten­be­su­cher folgt der Ge­schich­te mit dem Mausrad. Die ver­schie­de­nen Ebenen der Parallax-Website ziehen ho­ri­zon­tal am Viewport vorbei. Neue Inhalte werden au­to­ma­tisch nach­ge­la­den. Auf die Bild­lauf­lau­leis­te ab­ge­stimm­te Sound­ef­fek­te und düstere Musik sorgen für eine post­apo­ka­lyp­ti­sche Stimmung. In­spi­ra­ti­ons­quel­le für die Zombie-Schocker-Website war dem Ent­wick­ler-Team um Elli Bishop zufolge die Un­ter­neh­mens­prä­sen­ta­ti­on des US-ame­ri­ka­ni­schen Si­cher­heits­dienst­leis­ters ADT, der unter your­lo­cal­se­cu­ri­ty.com eine Timeline mit Parallax-Scrolling-Effekt prä­sen­tiert. Tech­ni­sche Grundlage des OnePagers ist das Ja­va­Scripts-Plug-in skrollr.js. Wie schnell sich mit skrollr eine Parallax-Website mit Vi­deo­spiel­op­tik rea­li­sie­ren lässt, zeigen die Macher von The Walking Dead Zom­bie­fied anhand aus­führ­li­cher Code­bei­spie­le in einem Blog-Eintrag auf Dev.Opera.com.

NASA: Prospect

Dass sich Scroller-Websites optimal eignen, um In­for­ma­tio­nen in Form auf un­ter­halt­sa­me Art über das Internet be­reit­zu­stel­len, hat auch die NASA erkannt. Auf der In­fo­tain­ment-Website nasa­pro­s­pect.com  nimmt die US-ame­ri­ka­ni­sche Welt­raum­be­hör­de In­ter­es­sier­te mit auf die Reise durch das Son­nen­sys­tem und setzt dabei auf den Parallax-Scrolling-Effekt, um die Weite des Alls zu prä­sen­tie­ren. Der Web­sei­ten­be­su­cher schlüpft in die Rolle eines Weltraum-Ent­de­ckers und scrollt sich von Planet zu Planet, während die Sterne im Hin­ter­grund vor­bei­zie­hen.

Die Website wurde in Zu­sam­men­ar­beit mit Design-Studenten der Uni­ver­si­ty of South Dakota und dem in­ter­na­tio­na­len Jugend-Kunst-Wett­be­werb Humans in Space Art kon­zi­piert. Zu­sätz­lich zu den grund­le­gen­den Web­tech­no­lo­gien HTML5, CSS3 und Ja­va­Script kommen die Bi­blio­the­ken Modernizr, LESS, Bootstrap, Require, jQuery, Signals, Sound­Ma­na­ger2 sowie die Greensock Tweening Engine zum Einsatz. Der Parallax-Scroling-Effekt beruht auf dem jQuery-Plug-In stellar.js von Mark Dalgleish. Der Quellcode der Website steht auf GitHub unter MIT-Lizenz zur Verfügung. Das Projekt wurde von diversen Adward-Websites wie The FWA, Awwwards.com und CSS­De­si­gnA­wards.com für kreatives, in­no­va­ti­ves Webdesign aus­ge­zeich­net.

Tipp

Parallax-Effekte ergänzen das visuelles Sto­rytel­ling, indem Sie Tiefe und Dynamik erzeugen und so eine stärkere Immersion – das „Ein­tau­schen“ des Be­trach­ter in Szenen und Ge­schich­ten – er­mög­li­chen.

Firewatch

Auch als Eye­cat­cher am Sei­ten­an­fang hat der Parallax-Effekt seine Be­rech­ti­gung: Gekonnt in­sze­niert bietet das Stil­mit­tel Potenzial, Web­sei­ten­be­su­cher zu fas­zi­nie­ren und nach­fol­gen­de Inhalte in Szene zu setzen. Ein Pa­ra­de­bei­spiel ist die Website zum Vi­deo­spiel Firewatch von Campo Santo.

Der Kopf­be­reich der Website entführt den Be­trach­ter mit einer Pan­ora­mas­ze­ne in eine abend­li­che Berg­land­schaft aus sechs ge­staf­fel­ten Ebenen, die sich beim Scrollen asynchron aus dem Sichtfeld schieben und so die Weite der Land­schaft betonen. Die ei­gent­li­chen Inhalte der Website – In­for­ma­tio­nen zum Spiel, ein Trailer sowie Links zu diversen Spie­le­platt­for­men – gleiten mit der Vor­der­grund­ebe­ne ins Sichtfeld.

Wie gut der Parallax-Effekt auf der Firewatch-Website bei der Netz­ge­mein­de ankommt, zeigen diverse Web-Tutorials und Code-Beispiele, die In­ter­es­sie­ren mit Schritt-für-Schritt-An­lei­tun­gen einen Nachbau ähnlicher Designs er­mög­li­chen. Eine an­schau­li­che De­mons­tra­ti­on finden Sie bei­spiels­wei­se auf CodePen.io.

Tipp

Auch dezent ein­ge­setzt können Parallax-Effekte wahre Ey­chat­cher sein, die Besucher für Ihre Website be­geis­tern und Ihre Inhalte betonen. Bloße Ef­fekt­ha­sche­rei hingegen wirkt bes­ten­falls ver­stö­rend. Im schlimms­ten Fall lenkt ein Zuviel an Animation von dem ab, was Sie ei­gent­lich in Szene setzen möchten.

Greens­plash

Was im Bereich des Sto­rytel­lings, dem Erzählen einer Ge­schich­te, her­vor­ra­gend funk­tio­niert, kann bei Webseiten mit anderem Schwer­punkt zu Überdruss führen. Vor allem dann, wenn Web­sei­ten­be­su­cher schnell und ohne Umwege zu In­for­ma­tio­nen gelangen möchten. Ein Beispiel dafür ist die Website der Webdesign-Agentur Greens­plash. Hier ist der Parallax-Scrolling-Effekt reiner Selbst­zweck und steht in keinerlei Zu­sam­men­hang zu anderen Ge­stal­tungs­ele­men­ten der Website.

Den Web­sei­ten­be­su­cher erwartet ein ver­rück­tes Stage-Bild: Zwei nerdige Grund­schü­ler mit Nudelsieb auf dem Kopf. Daneben sitzt ein Affe und führt Protokoll. Scrollt man herunter gleitet dieses Bild mit einem Parallax-Effekt aus dem Sichtfeld. Dies optische „Highlight“ erkaufte man sich mit einem grünen La­de­bal­ken, der während des Web­sei­ten­auf­baut über den Bild­schirm kriecht. Ein schlech­ter Deal.

Tipp

Vermeiden Sie optische Effekte, die ihr Web­pro­jekt nicht we­sent­lich be­rei­chern. Vor allem dann, wenn diese auf Kosten der Website-Per­for­mance gehen.

Ala

Dass eine auf­wän­di­ge Ge­stal­tung nicht zwangs­läu­fig auf Kosten der Website-Per­for­mance gehen muss, zeigt die Schweizer Web- und Interface-Design-Agentur Ala. Diese mutet den Besuchern ihrer Website zwar eine wild­ani­mier­te Collage un­zu­sam­men­hän­gen­der Ar­beits­pro­ben zu, doch die Reiz­über­flu­tung dürfte in diesem Fall ein Stil­mit­tel sein, das po­ten­zi­el­len Kunden die Band­brei­te möglicher Ani­ma­ti­ons­ef­fek­te und das tech­ni­sche Geschick der Ent­wick­ler de­mons­trie­ren soll. Denn trotz auf­wen­di­ger Ge­stal­tung bewegen sich die Ani­ma­tio­nen fließend und ohne Ver­zö­ge­rung oder La­de­zei­ten über den Bild­schirm.

Kleiner Trost für Freunde schlich­ter Website-Designs: Wer sich auf die far­ben­präch­ti­ge Ani­ma­ti­ons­flut nicht einlassen möchte, findet alle wichtigen In­for­ma­tio­nen bereits im Kopf­be­reich der Website.

Happy 25th Birthday Game Boy

Auch wenn sich der Parallax-Effekt prin­zi­pi­ell au­to­ma­ti­sie­ren lässt, setzen die meisten Ent­wick­ler von Single-Page-Websites mit ent­spre­chen­den Ani­ma­tio­nen auf eine Na­vi­ga­ti­on, bei der Besucher den Bildlauf manuell steuern. Dabei gilt es zu beachten, dass die Scroll-Be­reit­schaft von In­ter­net­nut­zern durchaus Grenzen hat. Wie man die Geduld von Web­sei­ten­be­su­chern über­stra­pa­ziert, zeigt folgende Website von iha­te­to­ma­toes.net zum 25. Jubiläum des Game Boys. Diese Ver­zich­tet zwar auf Parallax-Effekte, lässt dafür aber das Mausrad glühen.

Die Single-Page-Website fungiert als Wer­be­maß­nah­me für ein Tutorial, dass In­ter­es­sier­te nach einer Anmeldung bei iha­te­to­ma­toes.net in die Grund­la­gen des Ani­ma­ti­ons-Plug-ins Scroll­Ma­gic einführt. Besucher der Website sehen einen Game Boy vor grauem Hin­ter­grund. Scrollt man herunter, schiebt sich die Animation der Handheld-Konsole in der Vor­der­grund und startet das Kultspiel Tetris. Der Be­trach­ter kann dieses jedoch nicht spielen, statt­des­sen muss er scrollen und scrollen und scrollen, während sich die Klötzchen in vor­de­fi­nier­ten Be­we­gun­gen auf dem Bild­schirm des Game Boys aufreihen. Am Ende der Website erwartet Sie lediglich ein Link zu kos­ten­pflich­ti­gen Video-Tutorials.

Tipp

Scroller-Websites mit Parallax-Effekten sollen Spaß machen. Wer seine Besucher scrollen lässt, bis die Finger ermüden, läuft Gefahr, dass diese schon vor dem großen Finale (z.B. dem Call-to-Action) ab­sprin­gen.

GitHub 404

Dass sich eine Web­sei­ten­ge­stal­tung mit Parallax-Effekt auch gänzlich ohne Scrolling umsetzen lässt zeigt die GitHubs 404-Fehler-Seite (Quelle: "https://github.com/404"), die mit dem Phänomen der Be­we­gungs­par­al­la­xe spielt, ohne dass der Be­trach­ter das Mausrad drehen muss. Statt­des­sen genügt es dort, den Maus­zei­ger hin und her zu bewegen.

Hinter der Parallax-Animation steht das jQuery-Plugin Plax von Cameron McEfee, das Web­sei­ten­be­trei­bern via GitHub unter MIT-Lizenz kostenlos zur Verfügung steht. Das Besondere an Plax: Das Parallax-Plug-in stellt die Seh­ge­wohn­hei­ten der Web­sei­ten­be­su­cher auf den Kopf. Hier bewegt sich nicht der Vor­der­grund schneller als der Hin­ter­grund, sondern an­ders­her­um. Ziel ist es, beim Be­trach­ter ein Gefühl der Des­ori­en­tie­rung zu erzeugen: The­ma­tisch passend zur fehl­ge­lei­te­ten Suche nach einer nicht auf­find­ba­ren Website.  

Fazit

Die Frage „Parallax-Website: Ja oder nein?“ lässt sich mit einem klaren „jein“ be­ant­wor­ten. Prin­zi­pi­ell ist der Parallax-Effekt ein Hingucker. Doch durch den massiven Einsatz dieses Stil­mit­tels seit 2011 haben (vor allem unnötige) Scroller-Websites mit Parallax-Ani­ma­tio­nen ein nicht von der Hand zu weisendes Nerv­po­ten­zi­al – vor allem dann, wenn die Na­vi­ga­ti­on via Mausrad nicht so flüssig von­stat­ten­geht, wie der Web­ent­wick­ler sich das vor­ge­stellt hat. Beachten Sie daher folgende Punkte:

  • Kommt Parallax-Scrolling nicht im Rahmen des visuellen Sto­rytel­lings zum Einsatz, sollten Sie das Stim­mit­tel mi­ni­ma­lisch verwenden.
  • Parallax-Effekte und andere Ani­ma­tio­nen sollten die User-Ex­pe­ri­ence ver­bes­sern, Inhalte, Produkte und Dienst­leis­tun­gen her­vor­her­ben oder zur Kon­takt­auf­nah­men animieren.
  • Wirkt sich ein Effekt negativ auf die Per­for­mance der Website aus, sollten Sie überlegen, ob Sie diesen tat­säch­lich benötigen.
  • Die Website sollte trotz Parallax-Scrolling-Effekt allen In­ter­net­nut­zern glei­cher­ma­ßen zu­gäng­lich sein. Verwenden Sie lediglich aktuelle Tech­no­lo­gien die ab­wärts­kom­pa­ti­bel sind und sowohl mit alten als auch mit neuen Web­brow­sern pro­blem­los funk­tio­nie­ren.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Parallax-Website auch auf Mo­bil­ge­rä­ten dar­ge­stellt werden kann. Aktuelle Parallax-Plug-ins un­ter­stüt­zen in der Regel ein Re­spon­si­ve Webdesign.
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