Die beliebten Web­brow­ser Google Chrome und Mozilla Firefox haben kürzlich an­ge­kün­digt, SSL-Zer­ti­fi­ka­te der Firma Symantec nicht mehr zu ak­zep­tie­ren, sofern diese vor dem 1. Dezember 2017 aus­ge­stellt wurden. Grund dafür ist das nach­hal­tig zerstörte Vertrauen in das Software-Un­ter­neh­men, das Google zufolge gegen die Richt­li­ni­en der Zer­ti­fi­zie­rung verstoßen hat.

Fakt

Bei einem SSL-Zer­ti­fi­kat handelt es sich um einen Datensatz, der es er­mög­licht, die Au­then­ti­zi­tät und In­te­gri­tät einer Website zu prüfen. Von einer Dritt­par­tei ve­ri­fi­zier­te Zer­ti­fi­ka­te schaffen Vertrauen und sind die Vor­aus­set­zung für den Transfer sensibler In­for­ma­tio­nen im World Wide Web.

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  • Ver­schlüs­selt die Website-Kom­mu­ni­ka­ti­on
  • Ver­hin­dert Si­cher­heits­war­nun­gen
  • Ver­bes­sert die Google-Plat­zie­rung

Gründe für das Miss­trau­en gegen Symantec

Die Ent­schei­dung von Google und Mozilla, Symantec das Vertrauen zu entziehen, geht auf Un­stim­mig­kei­ten bei der Vergabe von SSL-Zer­ti­fi­ka­ten zurück, die die Brow­ser­her­stel­ler bereits seit 2015 fest­stell­ten. Kri­ti­siert wurde, dass das Software-Un­ter­neh­men keinen ord­nungs­ge­mä­ßen Au­then­ti­fi­zie­rungs­pro­zess für SSL-Zer­ti­fi­ka­te si­cher­stel­len konnte. Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen er­streck­ten sich über mehrere Monate und mündeten in einen Ak­ti­ons­plan, der von Google fest­ge­legt und durch Mozilla bestätigt wurde. Dieser umfasste im We­sent­li­chen zwei Maßnahmen:

  1. Symantec wurde auferlegt, sich mit einer anderen Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le (Cer­ti­fi­ca­te Authority, CA) zu­sam­men­schlie­ßen, um die Vergabe von SSL-Zer­ti­fi­ka­te über eine neue, ver­trau­ens­wür­di­ge In­fra­struk­tur abwickeln zu können.
  2. Alle vor dem 1. Dezember 2017 aus­ge­stell­ten SSL-Zer­ti­fi­ka­te, die auf Symantec-Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­len zu­rück­ge­hen, wurden ab­ge­wer­tet und müssen nach Ablauf einer be­stimm­ten Zeit­span­ne ohne zu­sätz­li­che Kosten für den Web­sei­ten­be­trei­ber ersetzt werden.

Auf den Ent­schluss der Brow­ser­her­stel­ler reagierte Symantec mit dem Verkauf der Zer­ti­fi­zie­rungs­spar­te an das Kon­kur­renz­un­ter­neh­men DigiCert, das dank einer Mo­der­ni­sie­rung und Ak­tua­li­sie­rung der In­fra­struk­tur seit dem 1. Dezember 2017 ver­trau­ens­wür­di­ge SSL-Zer­ti­fi­ka­te aus­stel­len kann.

Hinweis

Auch Symantec stellt seit dem 1. Dezember 2017 wieder richt­li­ni­en­kon­for­me SSL-Zer­ti­fi­ka­te auf Basis einer neuen CA-In­fra­struk­tur aus.

Chrome und Mozilla geben an, mit der Zu­rück­wei­sung von Symantec-Zer­ti­fi­ka­ten im Interesse der Nutzer zu handeln. Andere Brow­ser­her­stel­ler wie Microsoft, Apple oder Opera hingegen schätzen die Bedrohung geringer ein und zeigen Web­sei­ten­be­su­chern bei ent­spre­chen­den Zer­ti­fi­ka­ten keine Warn­mel­dung an. Dennoch sind – un­ab­hän­gig davon, wie das Si­cher­heits­ri­si­ko tat­säch­lich zu bewerten ist – zahl­rei­che Web­sei­ten­be­trei­ber von dem Ver­trau­ens­ent­zug durch Google und Mozilla betroffen.

Ab wann sollten Symantec-Zer­ti­fi­ka­te ersetzt werden?

Seit dem 16. April 2018 bekommen Nutzer von Chrome 66 (und höher) Si­cher­heits­war­nun­gen angezeigt, sobald diese versuchen, auf eine SSL-ver­schlüs­sel­te Website mit einem älteren Symantec-Zer­ti­fi­kat zu­zu­grei­fen. Die Warnung erscheint bei SSL-Zer­ti­fi­ka­ten, die vor dem 1. Juni 2016 aus­ge­stellt wurden. Mit dem Release von Chrome 70 im Oktober 2018 wird Google diese Maßnahme auch auf neuere Zer­ti­fi­ka­te von Symantec ausweiten. Die neue Version des beliebten Web­brow­sers sowie alle folgenden werden sämtliche Symantec-Zer­ti­fi­ka­te ablehnen, die vor dem 1. Dezember 2017 aus­ge­stellt wurden.

Der Warn­hin­weis hindert In­ter­net­nut­zer nicht am Besuch be­trof­fe­ner Webseiten. Auch die Funk­tio­na­li­tät des In­ter­net­an­ge­bots bleibt unberührt. Google warnt lediglich vor einem Da­ten­aus­tausch über eine nicht aus­rei­chend ge­si­cher­te Ver­bin­dung. Dem Web­sei­ten­be­su­cher bleibt somit die Wahl: Entweder er folgt dem Si­cher­heits­hin­weis und verlässt die Seite oder er ak­zep­tiert das SSL-Zer­ti­fi­kat trotz Warnung und besucht die Seite auf eigene Gefahr.

Folgende Grafik zeigt eine von Google ver­öf­fent­li­che Timeline. Diese gibt an, wann Web­sei­ten­be­trei­ber dem Brow­ser­her­stel­ler zufolge einen Austausch des SSL-Zer­ti­fi­kats anstreben sollten.

So über­prü­fen Sie den Status Ihres SSL-Zer­ti­fi­kats

Um her­aus­zu­fin­den, ob Ihre Webseite von Än­de­run­gen in den Si­cher­heits­ein­stel­lun­gen von Google Chrome und Mozilla Firefox betroffen ist, empfehlen wir Ihnen, die Gül­tig­keit Ihres SSL-Zer­ti­fi­kats zu über­prü­fen. Im Internet finden Sie zahl­rei­che On­line­tools, die Ihnen helfen, SSL-Zer­ti­fi­ka­te zu va­li­die­ren. Am ein­fachs­ten jedoch ist es, die Gül­tig­keit Ihres Zer­ti­fi­kats mit einen Aufruf Ihrer Website im Browser si­cher­zu­stel­len. Wir zeigen Ihnen, wie Sie dabei vorgehen.

Google Chrome

Um Ihr SSL-Zer­ti­fi­kat mit Chrome zu über­prü­fen, rufen Sie Ihre Website im Browser auf. Neben der URL im Adress­feld sehen Sie ein Symbol, das Ihnen einen Hinweis zum Status des SSL-Zer­ti­fi­kats gibt. Möglich sind folgende Symbole:

  • ein grünes Schloss (sichere Ver­bin­dung)
  • ein gelbes Aus­ru­fe­zei­chen (kein Zer­ti­fi­kat vorhanden)
  • ein leeres Sei­ten­sym­bol (diese Website benötigt keine vorherige Au­then­ti­fi­zie­rung)
  • ein Schloss-Symbol mit einem gelben Dreieck (Zer­ti­fi­kat vorhanden, aber der Si­cher­heits­stan­dard ist niedrig)
  • ein rotes Vor­hän­ge­schloss (Website hat Zer­ti­fi­kats­pro­ble­me)

Klicken Sie auf das Symbol, um De­tail­in­for­ma­tio­nen zum SSL-Zer­ti­fi­kat anzurufen. Es erscheint ein Drop-down-Menü. Wählen Sie den Menüpunkt „Zer­ti­fi­kat“, um sich Zer­ti­fi­kats­in­for­ma­tio­nen in einem separaten Dia­log­fens­ter anzeigen zu lassen.

In­for­ma­tio­nen zur Gül­tig­keits­dau­er Ihres Zer­ti­fi­kats finden Sie unter dem Reiter „Details“.

Mozilla Firefox

Das Verfahren, um die Gül­tig­keit eines SSL-Zer­ti­fi­kats mit Mozilla Firefox zu über­prü­fen, ent­spricht mehr oder weniger dem Vorgehen mit Google Chrome. Auch Firefox-Nutzer bekommen den Status eines SSL-Zer­ti­fi­kats in Form eines Symbols neben der Adress­zei­le angezeigt. Möglich sind folgende Symbole:

  • ein grünes Vor­hän­ge­schloss (sicher)
  • ein graues Vor­hän­ge­schloss mit einem gelben Aus­ru­fe­zei­chen (Ver­bin­dung ist mög­li­cher­wei­se nicht sicher)
  • ein graues Vor­hän­ge­schloss mit einer roten Linie (Ver­bin­dung ist nicht sicher)

Ein Klick auf das Symbol öffnet ein kleines Pop-up-Fenster, das In­for­ma­tio­nen zum SSL-Zer­ti­fi­kat enthält. Über einen Pfeil auf der rechten Seite gelangen Sie zum Menüpunkt „Website-Si­cher­heit“. Klicken Sie auf die Schalt­flä­che „Weitere In­for­ma­tio­nen“, um die Sei­ten­in­for­ma­tio­nen abzurufen. Auf der Re­gis­ter­kar­te „Si­cher­heit“ finden sie die Schalt­flä­che „Zer­ti­fi­kat anzeigen“. Über diese öffnen Sie die Zer­ti­fi­kat-Ansicht in einem neuen Dia­log­fens­ter. Die Gül­tig­keits­dau­er des SSL-Zer­ti­fi­kats finden Sie im Register „Allgemein“.

Timeline für den Austausch

Die Timeline zum Austausch be­trof­fe­ner SSL-Zer­ti­fi­ka­te ent­spricht den Release-Daten der Web­brow­ser-Versionen Chrome 66 und Chrome 70.

Phase I – SSL-Zer­ti­fi­ka­te, die vor dem 1. Juni 2016 aus­ge­stellt wurden, werden von Chrome 66 abgelehnt. Der Stichtag für den Austausch von SSL-Zer­ti­fi­ka­ten, die vor diesem Datum aus­ge­stellt wurden, war der 15. März 2018.

Phase II – Zer­ti­fi­ka­te, die vor dem 1. Dezember 2017 aus­ge­stellt wurden, werden von Chrome 70 abgelehnt. Alle vor diesem Datum aus­ge­stell­ten SSL-Zer­ti­fi­ka­te sollten bis zum 13. September 2018 ersetzt werden. Wurde Ihr SSL-Zer­ti­fi­kat nach dem 1. Dezember 2017 aus­ge­stellt, ist kein Austausch notwendig. Auch Chrome 66 zeigt Nutzern bei ent­spre­chen­den Zer­ti­fi­ka­ten bereits eine Warnung in den Chrome-Developer-Tools an:

Web­sei­ten­be­trei­ber, die es versäumen, ihr SSL-Zer­ti­fi­kat vor dem Release von Chrome 70 zu ersetzen, riskieren, dass In­ter­net­nut­zer beim Besuch der Website folgenden Warn­hin­weis angezeigt bekommen:

SSL-Zer­ti­fi­kat-Checker

Er­for­der­li­che Maßnahmen

Alle be­trof­fe­nen Symantec-Zer­ti­fi­ka­te sollten im Rahmen einer Neu­aus­stel­lung (Reissue) ersetzt werden. Dabei wird für Ihre Domain ein neues SSL-Zer­ti­fi­kat mit gleichem Ab­lauf­da­tum be­reit­ge­stellt.

Hinweis

Wenn Ihr SSL-Zer­ti­fi­kat vor dem 13. September 2018 (Release Chrome 70 Beta) abläuft, besteht kein Hand­lungs­be­darf.

Symantec bzw. DigiCert bieten be­trof­fe­nen Kunden kostenlos ein neues SSL-Zer­ti­fi­kat an. Für jedes SSL-Zer­ti­fi­kat, das Sie ersetzen bzw. neu aus­stel­len lassen möchten, muss eine separate Zer­ti­fi­kat­si­gnie­rungs­an­for­de­rung (Cer­ti­fi­ca­te Signing Request, CSR) ein­ge­reicht werden. Dabei handelt es sich um ein Stan­dard­ver­fah­ren, mit dem Sie DigiCert Ihren Public Key, In­for­ma­tio­nen über Ihr Un­ter­neh­men sowie Ihren Domain-Namen zukommen lassen. Nachdem ihre Anfrage ein­ge­gan­gen ist, re­va­li­diert DigiCert Ihre Daten und über­mit­telt Ihnen das neue SSL-Zer­ti­fi­kat.

Tipp

Beachten Sie: IONOS Kunden wenden sich nicht direkt an DigiCert. Statt­des­sen werden SSL-Zer­ti­fi­ka­te bequem über das IONOS Control Center ersetzt. Um neuesten Si­cher­heits­stan­dards gerecht zu werden und volle Browser-Kom­pa­ti­bi­li­tät zu ge­währ­leis­ten, wird die Neu­aus­stel­lung des SSL-Zer­ti­fi­kats für IONOS-Kunden au­to­ma­tisch durch­ge­führt.

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