Ob es nun ein Produkt ist, eine schnelle Be­griffs­klä­rung, ein Bus­fahr­plan oder etwas ganz anderes: Hinter jedem Google-Such­be­griff steckt eine bestimmte Mo­ti­va­ti­on. Diese so­ge­nann­te Such­in­ten­ti­on zu bedienen, ist der Schlüssel zu er­folg­rei­chem Online-Marketing. Denn wenn Sie das schaffen, bewerten Such­ma­schi­nen wie Google Ihre Website als relevant und belohnen sie mit mehr Sicht­bar­keit. Hier zeigen wir, wie Sie die Such­in­ten­ti­on hinter einem Keyword ablesen können und welche Keyword-Arten Sie dafür kennen müssen.

De­fi­ni­ti­on: Such­in­ten­ti­on und/oder Nut­zer­inten­ti­on?

Die Such­in­ten­ti­on ist die Absicht, mit der ein spe­zi­fi­sches Keyword in einer Such­ma­schi­ne wie etwa Google ein­ge­ge­ben wird. Diese Erklärung steckt an sich schon im Begriff „Such­in­ten­ti­on“ – und doch kann es schnell ver­wir­rend werden, wenn man sich zum al­ler­ers­ten Mal mit dem Thema be­schäf­tigt.

Denn wo ist ei­gent­lich der Un­ter­schied zwischen Such­in­ten­ti­on und Nut­zer­inten­ti­on (User Intent)? Gibt es diesen Un­ter­schied überhaupt und wenn ja, ist das sinnvoll?

Fangen wir also ganz von vorne an, am besten mit den Worten von Google selbst. Die Quality Rater Gui­de­lines de­fi­nie­ren User Intent wie folgt: „When a user types a query, he or she is trying to ac­com­plish something. We refer to this goal as the user intent.“

Das heißt: Ja, theo­re­tisch gibt es einen feinen Un­ter­schied zwischen Such- und Nut­zer­inten­ti­on.

  • Die Such­in­ten­ti­on ist die Absicht bzw. Situation hinter einer konkreten Such­an­fra­ge.
  • Die Nut­zer­inten­ti­on ist die über­ge­ord­ne­te Mo­ti­va­ti­on.

Ob diese Dif­fe­ren­zie­rung sinnvoll ist? Nun ja: Jede Nut­zer­inten­ti­on geht not­wen­di­ger­wei­se mit ent­spre­chen­den Such­in­ten­tio­nen einher. Wer die Nut­zer­inten­ti­on bedienen will, muss sich daher zwangs­läu­fig zunächst an der Such­in­ten­ti­on ori­en­tie­ren.

Wie funk­tio­nie­ren Such­ma­schi­nen? Die Such­in­ten­ti­on und SEO für Google

Jede Such­ma­schi­ne hat ein Ziel: maximale Nut­zer­zu­frie­den­heit. Denn hohe Zu­frie­den­heit bedeutet eine hohe Wahr­schein­lich­keit, dass die Nutzer/innen re­gel­mä­ßig zu­rück­keh­ren. Das wiederum steigert die Wer­be­ein­nah­men durch Google Ads. (Anmerkung: Hier geht es um Google als markt­füh­ren­de Such­ma­schi­ne. Theo­re­tisch gilt das Prinzip jedoch genauso für Bing, YouTube etc.)

Spä­tes­tens jetzt sollte klar sein, warum die Such­in­ten­ti­on der aus­schlag­ge­ben­de Faktor ist: zufrieden sind die Google-Nutzer/innen nur, wenn sie schnell finden, was sie gesucht haben.

Google bewertet daher jede Webseite in Hinblick auf den Zweck, den sie erfüllt und ori­en­tiert sich maß­geb­lich an Nut­zer­si­gna­len. Eine Website, welche die Absicht hinter einem Such­be­griff nicht bedient, ist aus Googles Sicht nicht ziel­füh­rend und kann deshalb in den or­ga­ni­schen Such­ergeb­nis­sen nicht an Sicht­bar­keit gewinnen.

Basics zu Such­an­fra­gen bei Google

Variante 1: Welche Arten von Anfragen gibt es?

Hinter jeder Such­an­fra­ge (Keyword) steckt eine bestimmte Intention. Sie ist mal mehr, mal weniger of­fen­sicht­lich, wie wir später gleich an einem Beispiel sehen werden. Bleiben wir aber erst einmal bei den Grund­la­gen: Grob lassen sich Such­an­fra­gen in vier Ka­te­go­rien einteilen.    

  1. Do-Anfragen enden in einer be­stimm­ten In­ter­ak­ti­on, z. B. einem Kauf, einem Download oder einer News­let­ter-Anmeldung. Auch Sprach­be­feh­le („Ok Google, …“) fallen in diese Gruppe. 
  2. Buy-Anfragen sind ebenfalls auf eine Handlung aus­ge­rich­tet, in diesem Fall den Kauf.
  3. Go-Anfragen führen zu einem spe­zi­fi­schen „Ort“. Das ist entweder eine Webseite oder ein be­stimm­tes La­den­ge­schäft o. Ä., das man besuchen möchte (visit-in-person query).
  4. Know-Anfragen zielen auf eine bestimmte In­for­ma­ti­on ab. Es gibt zwei Mög­lich­kei­ten: Der/die Suchende will sich umfassend in­for­mie­ren oder aber nur schnell etwas wissen. Letzteres ist eine sog. Know-Simple-Anfrage.

Noch ein Wort zu Know-Simple-Anfragen: Diese Such­an­fra­gen sind im Content Marketing aus SEO-Per­spek­ti­ve nicht lukrativ. Meistens sehen die User/innen hier nämlich die gesuchte In­for­ma­ti­on schon in den SERPs (Search Engine Result Pages) und haben somit keinen Grund, eines der Er­geb­nis­se an­zu­kli­cken.

Wer zum Beispiel wissen will, wie lang ein Film dauert, braucht nur diese eine Angabe. Google weiß: Alles darüber hinaus ist in so einem Fall un­in­ter­es­sant. Das erste SERP-Feature be­ant­wor­tet daher die Frage schon zu 100 Prozent:

Variante 2: Die wich­tigs­ten Keyword-Arten: tran­sac­tion­al, in­for­ma­tio­nal & na­vi­ga­tio­nal

Such­an­fra­gen können, wie gerade be­schrie­ben, in Do/Know/Go/Buy ein­ge­teilt werden. Abgesehen davon gibt es noch ein zweites beliebtes Modell: die Drei­tei­lung in Tran­sac­tion­al/In­for­ma­tio­nal/Na­vi­ga­tio­nal nach Andrei Broder (2002).

Im We­sent­li­chen ändern sich bei dieser Variante aber nur die Be­zeich­nun­gen. Das Prinzip dahinter bzw. die jeweilige Such­in­ten­ti­on bleibt gleich: 

  1. Tran­sac­tion­al/Com­mer­cial – aus­ge­rich­tet auf eine (Kauf-)Handlung, z. B. „box­spring­bett kaufen“, „prag hotels“ oder „pizza bestellen“
  2. In­for­ma­tio­nal – aus­ge­rich­tet auf reine In­for­ma­ti­on, z. B. „was ist kurz­ar­beit“ oder „wie früh am flughafen sein“
  3. Na­vi­ga­tio­nal – aus­ge­rich­tet auf eine bestimmte Seite, Marke oder Person, z. B. „könig der löwen netflix“ oder „adidas sneaker zalando“

Je nachdem, in welche Kategorie ein Keyword fällt, sind un­ter­schied­li­che Arten von Inhalten gefragt. Keywords mit kom­mer­zi­el­ler Absicht oder Na­vi­ga­ti­ons­cha­rak­ter verlangen nach Landing­pa­ges oder je­den­falls einer Seite, die ent­spre­chen­de Hand­lungs­op­tio­nen gibt. In­for­ma­tio­nal Keywords wiederum müssen mit Ratgeber-Content, Tutorial-Videos, Check­lis­ten o. Ä. abgedeckt werden.

Mehr­deu­ti­ge Such­in­ten­tio­nen: ein Son­der­fall

In der Theorie scheint es nicht allzu schwer, Keywords richtig ein­zu­ord­nen und Rück­schlüs­se auf die Such­in­ten­ti­on zu ziehen. Praktisch gibt es da durchaus ein paar Stol­per­stei­ne:

  • Viele Such­an­fra­gen haben Mixed Intent, es stecken also gleich mehrere In­ter­es­sen hinter dem Keyword.
  • Zur Haupt­such­in­ten­ti­on gesellen sich oft eine oder mehrere Ne­ben­such­in­ten­tio­nen.
  • Such­in­ten­tio­nen sind nicht statisch, d. h. es ist gut möglich, dass Content nach einiger Zeit angepasst werden muss.
  • Manchmal fällt es sogar Google schwer, die Such­in­ten­ti­on richtig ein­zu­ord­nen. Umso schwie­ri­ger wird es für Web­site­be­trei­ben­de, ein Ergebnis zu liefern, das der Al­go­rith­mus als relevant ansieht.

Zugegeben, es ist nicht gerade ein Stan­dard­pro­blem, dass Google selbst die Such­in­ten­ti­on miss­ver­steht. Trotzdem – es kann passieren. Behalten Sie bei der Keyword-Recherche deshalb unbedingt im Hin­ter­kopf, ob einzelne Such­be­grif­fe womöglich mehr­deu­tig sind.

Ein Beispiel: Für die Such­an­fra­ge „pompeii“ ori­en­tiert sich Google in den Vor­schlä­gen nicht primär an einem his­to­ri­schen Ereignis, sondern an Popkultur aus dem 21. Jahr­hun­dert:

Was die Such­in­ten­ti­on betrifft, könnten wir jetzt vermuten, dass die User/innen sich mit dem Lied Pompeii der bri­ti­schen Band Bastille be­schäf­ti­gen oder In­for­ma­tio­nen zu einem Kinofilm von 2014 suchen. In den SERPs stellt sich aber heraus: Am wich­tigs­ten sind doch noch die In­for­ma­tio­nen rund um den Vul­kan­aus­bruch.

Un­mit­tel­bar darunter finden sich al­ler­dings Er­geb­nis­se mit kom­mer­zi­el­lem Charakter (Se­hens­wür­dig­kei­ten/Reisen) sowie mehrere Trailer für den Kinofilm, der uns zuvor schon begegnet ist.

Das ist natürlich ein stark ver­ein­fach­tes Beispiel, und für dieses Keyword ranken zu wollen, wäre wohl für die meisten Un­ter­neh­men ebenso sinn- wie erfolglos. Dennoch zeigt der Bei­spiel­fall recht deutlich, dass es einem die Such­in­ten­ti­on nicht immer leicht macht.

Übrigens nicht zuletzt deshalb, weil schon eine andere Schreib­wei­se einen großen Un­ter­schied machen kann: Wenn wir nicht nach der la­tei­ni­schen Schreib­wei­se „pompeii“ suchen, sondern nach „pompeji“, ver­schwin­den jegliche Film- oder Musik-Re­fe­ren­zen von der Bild­flä­che.  

Soll das heißen, beim Thema Such­in­ten­ti­on geht man besser direkt von diesem Worst-Case-Szenario aus? Selbst­ver­ständ­lich nicht – ab­schlie­ßend noch ein weiteres Beispiel, in dem der User Intent sehr viel leichter nach­voll­zieh­bar ist.

So funk­tio­niert die Suchwort-Analyse mit Google und den SERPs

Die Google-Suche ist das wert­volls­te Hilfs­mit­tel, um die Such­in­ten­ti­on hinter einem Keyword zu verstehen. Letzt­end­lich sind die SERPs nämlich der Ort, wo schwarz auf weiß zu sehen ist, was bei einem konkreten Such­be­griff am besten ankommt. Jedes noch so kleine Detail liefert uns wertvolle In­for­ma­tio­nen:

  • Gibt es ein Google-Maps-Ergebnis? → Die Location spielt eine Rolle.
  • Gibt es Google-Shopping-Er­geb­nis­se? → Der Pro­dukt­kauf ist ver­mut­lich nur noch ein paar Klicks entfernt; die User/innen befinden sich bereits in der Ent­schei­dungs­pha­se.
  • Gibt es Knowledge Graphs bzw. eine Infobox? → Gewisse Schlüs­sel­in­for­ma­tio­nen zum Such­be­griff müssen sofort parat sein.
  • Was ver­spre­chen die Snippets der Top-Such­ergeb­nis­se? Welche weiteren Keywords kommen im Title Tag und der Meta De­scrip­ti­on vor?
  • An welcher Stelle in den SERPs sind Elemente wie Shopping-Er­geb­nis­se, Videos etc. un­ter­ge­bracht – gleich zu Beginn oder Below the fold?

Sehen wir uns das am Beispiel des Such­be­griffs „laufschuh“ an. Die Such­vor­schlä­ge zeigen: Es sind In­for­ma­tio­nen (Test­be­richt, Beratung, Fuß­ge­sund­heit) und konkrete Angebote (Na­vi­ga­ti­on zu einer Marke) glei­cher­ma­ßen gefragt.

In den SERPs dominiert klar die kom­mer­zi­el­le Seite. Als erstes Feature werden Produkte angezeigt, darunter folgt eine Karte mit Stores. All das zielt auf folgende (grob for­mu­lier­te) Intention ab: „Ich möchte ein be­stimm­tes Modell kaufen oder es zumindest in einem Shop an­pro­bie­ren und mich dort beraten lassen.“

Below the fold kommen die or­ga­ni­schen Website-Such­ergeb­nis­se. Hier erkennen wir, dass die User/innen sich bei weitem noch nicht sicher sind, welchen Schuh sie kaufen möchten. Stark ver­ein­facht gesagt, ließe sich hier die Such­in­ten­ti­on so be­schrei­ben: „Ich will doch nur, dass mir jemand sagt, welcher Laufschuh für meine Be­dürf­nis­se perfekt ist!“  

Wie der Screen­shot zeigt, sind die Snippets sowie die Feature-Box „Nutzer fragen auch“ eine wahre Goldgrube für weitere Keywords. Auf die Schnelle lässt sich an diesem Punkt je­den­falls schon sagen, dass min­des­tens zwei Kom­po­nen­ten nötig sind, um die Such­in­ten­ti­on für „laufschuh“ ab­zu­de­cken:

  1. eine Pro­dukt­aus­wahl mit Schuh­mo­del­len von gängigen Marken
  2. ein Be­ra­tungs­teil, der erklärt, welcher Lauftyp welchen Schuh benötigt, woran sich Anfänger/innen ori­en­tie­ren können, inwiefern der Preis eine Rolle spielt usw.

Ohne jeglichen Beratungs-Content dürfte es schwer werden, die Such­in­ten­ti­on voll­stän­dig zu erfüllen. Der nächste Schritt wäre nun, die Begriffe aus den Snippets („richtiger Laufschuh“, „Neu­tral­schu­he“ etc.) mit einem Keyword-Tool auf ihr je­wei­li­ges Such­vo­lu­men zu über­prü­fen. So lässt sich bestimmen, welche Subthemen oberste Priorität haben, d. h. eine klas­si­sche Ne­ben­such­in­ten­ti­on sind.

Außerdem müssten Sie die Top-Such­ergeb­nis­se selbst genau ana­ly­sie­ren:  

  • Öffnen Sie die Websites parallel in einzelnen Tabs.
  • Ver­glei­chen Sie die Seiten: Was haben alle gemeinsam? Was haben die Top 3 gemeinsam? Was fehlt bei den best­plat­zier­ten Er­geb­nis­sen noch?
  • Leiten Sie daraus das eine zentrale Element ab, das unbedingt nötig ist, um die Such­in­ten­ti­on zu treffen.

Die geheime Zutat: Wie Sie Keywords, SERPs und Such­in­ten­ti­on verstehen lernen

Die SERPs (und später die Keyword-Tools) verraten eine ganze Menge darüber, was sich Nutzer/innen erwarten, wenn sie einen Such­be­griff bei Google eingeben. Al­ler­dings: Verlassen Sie sich nie allein auf das, was Sie bei der Kon­kur­renz oder in den SERPs sehen.

Es reicht nicht aus, gut plat­zier­te Er­geb­nis­se einfach zu kopieren. Womöglich übersehen Sie dabei nämlich eben jenes kleine Detail, das der Kon­kur­renz noch fehlt – und für die Nutzer/innen den großen Un­ter­schied machen würde.

Das Stichwort lautet Ein­füh­lungs­ver­mö­gen: Versetzen Sie sich in die Person hinein, die das Keyword sucht.

  • Welche Mo­ti­va­ti­on hat sie?
  • Was be­ein­flusst ihre Intention hinter der Suche?
  • Von welchem Endgerät, d. h. aus welcher Situation heraus sucht sie?
  • Welche Zweifel, Vor­stel­lun­gen und Er­war­tun­gen fließen mit ein?

Das zeigt sich übrigens auch im Beispiel „laufschuh“.

Wer mit dieser For­mu­lie­rung nach einem Schuh sucht, ist eher noch kein Laufprofi – sonst hätte er oder sie wohl schon ein Lieb­lings­mo­dell und würde sehr viel spe­zi­fi­scher suchen. Nein, die Such­an­fra­ge bezieht sich nicht einmal auf Damen- oder Her­ren­schu­he, sondern schlicht und einfach auf den Schuhtyp an sich. Höchst­wahr­schein­lich haben wir es hier mit jemandem zu tun, der gerade das erste Paar Lauf­schu­he kauft und insgeheim ver­un­si­chert ist, worauf es wirklich ankommt.

Diese Person gilt es nun an die Hand zu nehmen und ihr Schritt für Schritt zu zeigen, welche Faktoren bei einem guten Laufschuh eine Rolle spielen. Konkrete Modelle dürfen auf jeden Fall genannt werden – solange die Beratung nicht fehlt.

Letzt­end­lich sind es Menschen wie du und ich, die tag­täg­lich mit einer ganz spe­zi­fi­schen Absicht die Google-Suche verwenden. Behalten Sie das im Hin­ter­kopf und Sie werden sehen: Such­in­ten­tio­nen zu erkennen, ist keine Zauberei!


Zur Autorin

Josefa Nie­der­mai­er ist Senior Co­py­wri­ter in der Inns­bru­cker SEO-Agentur Evergreen Media®. Seit 2017 be­schäf­tigt sie sich dort mit Such­in­ten­tio­nen und all things content und liebt es, an eigenen oder fremden Texten zu tüfteln, bis auch die letzte For­mu­lie­rung perfekt sitzt. Damit ihr die perfekten For­mu­lie­run­gen nie ausgehen, deckt sie sich in ihrer Freizeit (zu oft) mit neuem Lesestoff ein – dann al­ler­dings mit Offline-Content in Buchform!

Zum Hauptmenü