Der Master Boot Record ist ein Relikt aus der An­fangs­zeit der PC-Technik. Er wurde erstmals 1983 mit IBM PC DOS 2.0 ein­ge­führt und spielt seitdem vor allem bei Windows-Rechnern eine wichtige Rolle. Wir zeigen, wie der kleine Sektor am Anfang for­ma­tier­ter Da­ten­trä­ger in der Lage ist, hoch­kom­ple­xe Be­triebs­sys­te­me zu starten. Und wir erklären darüber hinaus, was zu tun ist, wenn ein Master Boot Sektor seine Funktion als Start­hel­fer nicht mehr erfüllen kann.

Was ist ein MBR?

Der MBR ist der phy­si­ka­lisch erste Sektor eines Da­ten­trä­gers (z. B. Fest­plat­te, USB-Stick), der zum Booten (Starten) von Computern verwendet wird. Hierfür muss der Rechner mit einem BIOS und einem x86er-Be­triebs­sys­tem aus­ge­stat­tet sein.

Hinweis

x86 bezieht sich auf eine spe­zi­fi­sche Pro­zes­sor­ar­chi­tek­tur, die 1976 von Intel ein­ge­führt wurde. Sie ver­ar­bei­tet unter anderem bei der Steuerung des Be­triebs­sys­tems spezielle Be­fehl­sät­ze, die bei­spiels­wei­se von den Chip­her­stel­lern Intel und AMD ent­wi­ckelt werden. Zunächst do­mi­nier­ten x86er-Pro­zes­so­ren mit einer 32-Bit-Ar­chi­tek­tur (Ver­ar­bei­tungs­brei­te: 32 Bit), heutige Systeme laufen mit leis­tungs­fä­hi­ge­ren 64-Bit-x86-Pro­zes­so­ren (Ver­ar­bei­tungs­brei­te: 64 Bit). Der 64-bittige x86-Standard wird auch als x64 be­zeich­net.

Der MBR hat auf einem Da­ten­trä­ger immer dieselbe Stan­dard­adres­se: Zylinder 0, Kopf 0, Sektor 1. Er ist nor­ma­ler­wei­se 512 Byte groß, was der Größe eines Sektors auf einem Spei­cher­me­di­um ent­spricht.

Ein MBR findet sich auf nahezu allen externen Spei­cher­me­di­en (z. B. USB-Sticks), die kom­pa­ti­bel mit PC-Technik sind (x64er/x86er-Ar­chi­tek­tur) und mit Windows zu­sam­men­ar­bei­ten können. Bei Da­ten­trä­gern, die nicht zum Starten eines PCs gedacht sind, wird der MBR nicht operativ ein­ge­bun­den, sondern dient nur als aus­les­ba­re In­for­ma­ti­ons­quel­le. So finden etwa Ab­spiel­ge­rä­te von Au­dio­da­tei­en dort Infos über die Lage und Größe von Par­ti­tio­nen, auf denen sich ab­zu­spie­len­de MP3-Dateien befinden.

Aufbau und Aufgaben des MBR

Der Master Boot Sektor besteht immer aus min­des­tens vier 4 Kom­po­nen­ten:

  • Start­pro­gramm (Boot­loa­der)
  • Da­ten­trä­ger-, Disk-Signatur (ab Windows 2000)
  • Master-Par­ti­ti­ons­ta­bel­le
  • MBR- oder Boot-Signatur (Magic Number)

Das Start­pro­gramm befindet sich auf den ersten 446 Bytes des MBR. Die nicht sehr um­fang­rei­che Software wird beim Hoch­fah­ren des PCs aktiv und initiiert auf ope­ra­ti­ver Ebene den Boot­vor­gang. Eine um­fang­rei­che­re Routine mit stan­dar­di­sier­ten Ver­ar­bei­tungs­schrit­ten wird in Gang gesetzt, die mit einem ein­satz­be­rei­ten Be­triebs­sys­tem (z. B. Windows) endet. Um diesen Ablauf abwickeln zu können, wird der im Rechner verbaute Ar­beits­spei­cher adres­siert. Er ist an­sprech­bar, wenn der Computer nach dem Ein­schal­ten elek­tri­sche Energie für die not­wen­di­gen Ver­ar­bei­tungs­pro­zes­se nutzen kann.

Über die Da­ten­trä­ger- oder Disk-Signatur iden­ti­fi­zie­ren Windows-Rechner (ab Windows 2000) einen Da­ten­trä­ger mit Par­ti­ti­ons­ta­bel­le.

Die Par­ti­ti­ons­ta­bel­le do­ku­men­tiert die Auf­tei­lung eines Da­ten­spei­chers in separate Spei­cher­sek­tio­nen. Dafür verwendet sie vier Einträge à 16 Byte, die Auskunft über die Lage und die Größe jeder Partition geben. So wird angegeben, wo eine C:\-Partition oder eine D:\-Partition anfängt und endet. Die Tabelle enthält zudem In­for­ma­tio­nen über den Typ des Da­ten­trä­gers, bei­spiels­wei­se „FAT32“, „LINUX Native“ oder „Dy­na­mi­scher Da­ten­trä­ger“. Die Rei­hen­fol­ge der Par­ti­tio­nen in der Par­ti­ti­ons­ta­bel­le ent­spricht nicht immer der phy­si­ka­li­schen Rei­hen­fol­ge auf der Fest­plat­te.

Die MBR- oder Boot-Signatur enthält in zwei Bytes die Zei­chen­fol­gen „55“ und „AA”. Durch die cha­rak­te­ris­ti­sche Kodierung, die immer am Ende des MBR-Sektors zu finden ist, wird ein Master Boot Record als solcher eindeutig erkannt. Fehlt diese In­for­ma­ti­on, wird der Master Boot Sektor nicht iden­ti­fi­ziert und der Boot­vor­gang wird mit einer Feh­ler­mel­dung ab­ge­bro­chen.

Die Ak­ti­vi­tä­ten des MBR benötigen einen Anstoß, der nach dem An­schal­ten des PCs durch das BIOS (Basic Input/Output System) erfolgt. Das BIOS ist eine besondere Software, die auch als Firmware (englisch firm: „fest“) be­zeich­net wird. Sie findet sich auf dem Mainboard eines PCs mit x86er-Ar­chi­tek­tur, wo sie in einen spe­zi­el­len Chip (z. B. EPROM-Chip, Flash-Speicher) ein­ge­bet­tet ist. Das BIOS bleibt als fixe Kom­po­nen­te dauerhaft erhalten, auch wenn der Rechner aus­ge­schal­tet ist.

Das BIOS selbst muss keine genaue Kenntnis von der Par­ti­tio­nie­rung eines Da­ten­trä­gers haben. Es sorgt lediglich dafür, dass der Boot­loa­der des MBR in den Speicher geladen und aus­ge­führt wird. Ist der Master Boot Sektor aus­ge­le­sen und dessen Boot­loa­der im Ar­beits­spei­cher aktiv, wird zunächst anhand der Par­ti­ti­ons­ta­bel­le die aktive (= boot­fä­hi­ge) Partition einer un­ter­teil­ten Fest­plat­te ermittelt.

Wird diese gefunden, läuft eine Ket­ten­re­ak­ti­on nach dem Chain Loading-Prinzip ab: Der iden­ti­fi­zier­te Boot­sek­tor der adres­sier­ten Partition wird operativ ein­ge­bun­den und der par­ti­ti­ons­ei­ge­ne Boot­loa­der übernimmt im Ar­beits­spei­cher die Kontrolle. Es folgen um­fang­rei­che­re Abläufe und Routinen, die den ei­gent­li­chen Start des Be­triebs­sys­tems abwickeln. Da der par­ti­ti­ons­ei­ge­ne Boot­loa­der kom­ple­xe­re Aufgaben übernimmt, ist er in der Regel größer als das Start­pro­gramm des MBR.

Befinden sich auf dem Rechner mehrere Be­triebs­sys­te­me, stoppt das Hoch­fah­ren früh­zei­tig, bis der Anwender eine Auswahl trifft (etwa zwischen Windows 7 und Windows 10). Solche spe­zi­el­len Boot­ma­na­ger arbeiten in der Regel zeit­ba­siert: Bleibt eine Eingabe von außen aus, wird am Ende eines Zeit­li­mits au­to­ma­tisch das be­vor­zug­te Be­triebs­sys­tem gestartet.

Der MBR ist be­schä­digt - was ist zu tun?

Fährt ein x86er-PC plötzlich nicht mehr hoch, so liegt das nicht selten an einem defekten Master Boot Sektor. Dabei reicht es schon, wenn das BIOS die beiden Bytes der MBR-Signatur nicht mehr auslesen kann. Für solche Fälle gibt es ver­schie­de­ne Stra­te­gien der Pro­blem­be­hand­lung, die vor allem vom in­stal­lier­ten Be­triebs­sys­tem abhängen. Heutigen Windows-Anwendern stehen grund­sätz­lich zwei Verfahren zur Verfügung:

  • Au­to­ma­ti­sche Sys­tem­re­pa­ra­tur mit einem Not­fall­me­di­um (CD, DVD, USB-Stick)
  • Manuelle Reparatur via Ein­ga­be­auf­for­de­rung

Bei der au­to­ma­ti­schen Methode muss zunächst im BIOS das primäre Boot­me­di­um geändert werden. Ansonsten bricht die Start­rou­ti­ne immer wieder ab, wenn sie auf der aktiven Partition der ein­ge­bau­ten Fest­plat­te ver­geb­lich nach einem intakten MBR sucht. Bootet der Rechner nach der BIOS-Mo­di­fi­ka­ti­on bei­spiels­wei­se von einer Windows-7-DVD, kann nach einigen Zwi­schen­schrit­ten die Option „Com­pu­ter­repa­ra­tur­op­tio­nen“ aus­ge­wählt werden. Nach weiteren Zwi­schen­schrit­ten gelangt man schließ­lich zur Sys­tem­re­pa­ra­tur, die dann au­to­ma­tisch den MBR wie­der­her­stellt.

Bei der manuellen Methode muss man den Master Boot Record mit dem Kom­man­do­zei­len­werk­zeug der Windows-Ein­ga­be­auf­for­de­rung (cmd.exe) re­pa­rie­ren und dort Re­pa­ra­tur­rou­ti­nen mit stan­dar­di­sier­ten Befehlen in Gang setzen (bootrec/fixmbr, bootrec/fixboot). Wie man zur Ein­ga­be­auf­for­de­rung gelangt, hängt maß­geb­lich vom in­stal­lier­ten Be­triebs­sys­tem ab. Außerdem ist das jeweilige Vorgehen davon abhängig, ob Windows noch startet oder gar nicht mehr auf­ge­ru­fen wird.

Ein defekter Master Boot Sektor ist nicht der einzige Grund für Re­pa­ra­tu­ren. Auch ein Bootvirus, der sich im Boot­sek­tor ein­ge­nis­tet hat und schon beim Hoch­fah­ren des Rechners aktiv wird, kann solche Eingriffe er­for­der­lich machen. MBR-Re­pa­ra­tu­ren sollten nach Mög­lich­keit nur erfahrene Anwender durch­füh­ren, da die Gefahr eines Da­ten­ver­lusts besteht. Ein Backup des Systems und wichtiger Nut­zer­da­ten sollte man also in der Hin­ter­hand haben. Führt die Wie­der­her­stel­lung der MBR-Partition nicht zum ge­wünsch­ten Erfolg oder bricht sie früh­zei­tig ab, liegt mög­li­cher­wei­se ein ir­repa­ra­bler Schaden der Hardware vor.

Al­ter­na­ti­ven zum Master Boot Record

Der Master Boot Record hat einige Schwächen, wie fehlende Me­cha­nis­men zur Feh­ler­be­he­bung (bei­spiels­wei­se bei Be­schä­di­gun­gen des MBR), Ein­schrän­kun­gen bei der Fest­plat­ten­grö­ße oder beim Umgang mit Par­ti­tio­nen. So werden nur MBR-Par­ti­tio­nen bis zu einer Spei­cher­ka­pa­zi­tät bis 2TB un­ter­stützt, in un­ver­än­der­ter Form kann das klas­si­sche Par­ti­tio­nie­rungs­sche­ma nur mit 4 Par­ti­tio­nen umgehen.

Die Li­mi­tie­run­gen werden in der Praxis teils durch Tricks und Umwege kom­pen­siert. So kann der Boot­sek­tor mo­di­fi­ziert und eine er­wei­ter­te Partition ein­ge­rich­tet werden, die dann wiederum in kleinere logische Par­ti­tio­nen un­ter­teilt wird. Solche „Kunst­grif­fe“ sind aber eher Not­lö­sun­gen, die kaum noch mit der aktuellen Ent­wick­lung der Com­pu­ter­tech­nik Schritt halten können.

Heutige Systeme ersetzen den MBR zunehmend durch eine zeit­ge­mä­ße Fest­plat­ten­par­ti­tio­nie­rung im GPT-Format. GPT überzeugt mit ver­bes­ser­ter Da­ten­si­cher­heit, kann mit größeren Fest­plat­ten und vielen Par­ti­tio­nen umgehen. GPT-for­ma­tier­te Da­ten­trä­ger arbeiten eng mit einer Firmware-Schnitt­stel­le zusammen, die sich seit einiger Zeit als Nach­fol­ger des BIOS etabliert. So ist es ab Windows Vista Service Pack 1 (64-bit x86-Version) möglich, mit Hilfe der Unified Ex­ten­si­ble Firmware (UEFI) zu starten. Die neuere Boot­tech­nik ist eine Art „Miniatur-Be­triebs­sys­tem“, das nativ ab Werk 64-Bit-Pro­zes­so­ren un­ter­stützt.

Tipp

Sie wollen tiefer in das Thema ein­stei­gen? Erfahren Sie mehr zu den Un­ter­schie­den zwischen MBR und GPT in unserem wei­ter­füh­ren­den Artikel.

Aufgrund fle­xi­ble­rer und leis­tungs­fä­hi­ge­rer Al­ter­na­ti­ven hat der MBR in letzter Zeit an Bedeutung verloren. Kommt ein Master Boot Sektor heute noch als Start­hel­fer zum Einsatz, werden damit vor allem Rechner mit betagter Hardware hoch­ge­fah­ren. Zudem ist die MBR-Technik aus Kom­pa­ti­bi­li­täts­grün­den vor allem in der Windows-Welt noch weit ver­brei­tet.

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