Ohne HTML („Hypertext Markup Language“, zu Deutsch Hypertext-Aus­zeich­nungs­spra­che) wäre das Internet ein anderes: Die Aus­zeich­nungs­spra­che struk­tu­riert Texte, Bilder oder Links und bildet damit die Grundlage des World Wide Webs. Al­ler­dings hat sich das Web mit der Zeit verändert. Mul­ti­me­dia ist zu einem wichtigen Faktor für Web­de­si­gner geworden. Audio- und Video-Inhalte sowie eine mobile Dar­stell­bar­keit der Inhalte gewinnen immer stärker an Bedeutung.

Um den ver­än­der­ten An­sprü­chen von Web­de­si­gnern und Nutzern glei­cher­ma­ßen gerecht zu werden, wurde die Aus­zeich­nungs­spra­che HTML von dem World Wide Web Con­sor­ti­um (W3C) und der Web Hypertext Ap­pli­ca­ti­on Tech­no­lo­gy Working Group (WHATWG) nach vielen Jahren des Still­stands wei­ter­ent­wi­ckelt. Seit Herbst 2014 gibt es daher ein neues HTML: Mit HTML5 lassen sich viele Inhalte leichter einbinden. Zahl­rei­che Umwege und Plug-ins sind somit obsolet geworden. Jetzt ist mit HTML 5.1 gleich das nächste kleine Update fertig. Doch wie läuft ei­gent­lich das Prozedere ab, bis ein neues HTML ver­öf­fent­licht wird? Und was sind die wich­tigs­ten Neue­run­gen des aktuellen Updates? Und welche Features werden vor­aus­sicht­lich nicht ohne weiteres zum neuen Standard erhoben, und was genau bedeutet das für Web­site­be­trei­ber?

Die wich­tigs­ten HTML-Neue­run­gen im Überblick

Das letzte Mal hat es rund 15 Jahre gedauert, bis nach Version 4.01 endlich ein neues HTML ein­ge­führt wurde. Dieses Mal kam das Update deutlich schneller. Knapp zwei Jahre nach HTML5 folgt jetzt die erste Anpassung mit HTML 5.1. Damit wird seitens W3C und WHATWG dem zuvor sehr langen Update-Intervall ent­ge­gen­ge­ar­bei­tet. In Zeiten einer be­schleu­nig­ten Ent­wick­lung des WWW ist das eine ebenso logische wie wichtige Kon­se­quenz. Für das Update wurden zunächst erste Entwürfe („Working Drafts“) in Ar­beits­grup­pen er­ar­bei­tet und die pro­gram­mier­ten HTML-Features in Form einer Kan­di­da­ten­lis­te nominiert („Candidate Re­com­men­da­ti­on“). Im Rahmen einer aus­führ­li­chen Testphase soll die Um­setz­bar­keit dieser Elemente erprobt werden. Ist die Testphase beendet, kommt es zur Ver­öf­fent­li­chung einer of­fi­zi­el­len Emp­feh­lung des Standards („Re­com­men­da­ti­on“). Im Fall von HTML 5.1 geschieht dieser Prozess auch in einem engen Dialog mit der Community: So hat das W3C die Ent­wick­lung des neuen HTMLs auf GitHub ver­öf­fent­licht. Die Ge­mein­schaft hat damit mehr denn je die Mög­lich­keit, sich vorab intensiv mit dem neuen Standard vertraut zu machen und Feedback auf einfache Weise abzugeben. GitHub ist ein Ver­si­ons­ver­wal­tungs­dienst für Software-Projekte. Zahl­rei­che Open-Source-Projekte sind dort zu finden. Auf diese Weise können die Arbeiten zahl­rei­cher Ent­wick­ler an einer frei zu­gäng­li­chen Software au­to­ma­ti­siert zu­sam­men­ge­führt werden – so auch im Fall von HTML 5.1.

und mit HTML 5.1 nun offiziell

Neu ist an HTML 5.1 einiges – das meiste wird bereits von allen gängigen Browsern un­ter­stützt. Ins Zentrum der Neue­run­gen rückt abermals die Anpassung mul­ti­me­dia­ler Inhalte im re­spon­si­ven Webdesign. Pro­ble­ma­tisch war bisher vor allem die Dar­stel­lung un­ter­schied­li­cher Bilder bei wech­seln­der Auflösung. Zu diesen Zwecken sollte bereits mit HTML5 der <picture>-Container zum Standard werden – daraus wurde damals aus Zeit­grün­den nichts. Al­ler­dings nutzen Web­ent­wick­ler  das Element dennoch – un­ge­ach­tet dessen, dass es nicht im Zuge der Ein­füh­rung von HTML5 zum of­fi­zi­el­len Standard erhoben worden war. Mitt­ler­wei­le verstehen alle üblichen Browser das <picture>-Element: Die Stan­dar­di­sie­rung mit dem neuen HTML macht es jetzt auch offiziell.

Beim <picture>-Element handelt es sich um einen Container: Über un­ter­schied­li­che Source-Elemente können Bild­da­tei­en ein­ge­bun­den werden. Dadurch werden jeweils nur die für Bild­schirm­grö­ße und -auflösung passenden Bild­quel­len geladen, was Über­tra­gungs­zei­ten spart und der mobilen Ge­stal­tung einer Website zu­gu­te­kommt. Breit­band­scho­nend können so für hoch­auf­lö­sen­de Displays auch al­ter­na­ti­ve Inhalte be­reit­ge­stellt werden. Al­ler­dings ist dafür noch das ebenfalls mit HTML 5.1 ein­ge­führ­te Attribut <srcset> notwendig: Es setzt die Bilder und die ver­schie­de­nen Größen in Beziehung zu­ein­an­der. Die Website SelfHTML hat in dem folgenden Beispiel dar­ge­stellt, wie die fertige Ein­bin­dung inklusive Fallback mit <img> am Ende aussehen kann:

<picture>
<source media="(min-width: 1024px)" srcset="feuerwehr-1600.jpg">
<source media="(min-width: 480px)" srcset="feuerwehr-480.jpg">
<!---Fallback---> <img src="feuerwehr-480.jpg" srcset="feuerwehr-320.jpg" alt="Feuerwehrfest 2014">
</picture>

Das <picture>-Element und <srcset> gehen ge­wis­ser­ma­ßen Hand in Hand. Auch wenn die neuesten und gän­gigs­ten Browser-Versionen beides bereits un­ter­stüt­zen: Für veraltete Browser wird zu­sätz­lich mit dem Fallback si­cher­ge­stellt, dass die Grafik immer korrekt angezeigt wird. Innerhalb der Source-Elemente werden schließ­lich die An­for­de­run­gen an Bild­schirm­ei­gen­schaf­ten wie Breite und Pi­xel­dich­te definiert

Neue Formular-Optionen „month“ und „week“ mit dem neuen HTML

Da für eine Emp­feh­lung durch das W3C ein neues HTML-Feature von min­des­tens zwei un­ab­hän­gi­gen Browsern im Zeitraum der Testphase im­ple­men­tiert worden sein muss, stehen einige Emp­feh­lungs­kan­di­da­ten auf der Kippe. Diese werden zum Zeitpunkt ihrer No­mi­nie­rung für eine Emp­feh­lung als „at risk“ (dt. „in Gefahr“) ge­kenn­zeich­net, da sie noch nicht in dem für eine Stan­dar­di­sie­rung not­wen­di­gen Maße von Browsern und/oder Ent­wick­lern an­ge­nom­men worden sind.

„At risk“: Diese HTML-Än­de­run­gen stehen weiterhin zur Debatte

Da für eine Emp­feh­lung durch das W3C ein neues HTML-Feature von min­des­tens zwei un­ab­hän­gi­gen Browsern im Zeitraum der Testphase im­ple­men­tiert worden sein muss, stehen einige Emp­feh­lungs­kan­di­da­ten auf der Kippe. Diese werden zum Zeitpunkt ihrer No­mi­nie­rung für eine Emp­feh­lung als „at risk“ (dt. „in Gefahr“) ge­kenn­zeich­net, da sie noch nicht in dem für eine Stan­dar­di­sie­rung not­wen­di­gen Maße von Browsern und/oder Ent­wick­lern an­ge­nom­men worden sind.

Das Hin und Her um den -Tag

Weniger ver­brei­tet als das <picture>-Element ist bei­spiels­wei­se das <dialog>-Tag: Dieses wird zum der­zei­ti­gen Stand erst von Browsern auf Chromium-Grundlage wie Chrome und Opera un­ter­stützt. Daher gingen die Meldungen kurz vor der HTML-5.1-Ver­öf­fent­li­chung aus­ein­an­der: In einigen Artikeln wurde von einer Stan­dar­di­sie­rung berichtet, auf der of­fi­zi­el­len Seite des W3C heißt es hingegen, dass das <dialog>-Element wieder entfernt worden sei. Mit diesem sollte ei­gent­lich die Ein­bin­dung von Pop-up-Fenstern be­zie­hungs­wei­se Dialog-Fenstern leichter von der Hand gehen. Denn nor­ma­ler­wei­se ist dafür mehr Ja­va­Script-Code notwendig. Schwie­rig­kei­ten bereitete zuvor vor allem das Öffnen und Schließen. Browser, die <dialog> (noch) nicht un­ter­stüt­zen, können das Fenster zwar anzeigen, al­ler­dings nicht zuklappen. Innerhalb des <dialog>-Elements ist nahezu jeglicher Inhalt umsetzbar – von reinem Text über Formulare bis zu Bildern.

und werden vorerst bei­be­hal­ten

Neben dem <dialog>-Element standen auch <keygen> und <menu> auf der At-risk-Ab­schuss­lis­te für das neue HTML. Die zwei letzt­ge­nann­ten wurden jedoch nach Angaben des W3C „bei­be­hal­ten“. Zu diesen gehören auch <menuitem> und das „con­text­me­nu“-Attribut. Mit den Elementen und At­tri­bu­ten lassen sich Toolbars und Kon­text­me­nüs erstellen, wie man sie etwa aus Desktop-Ap­pli­ka­tio­nen kennt. Tat­säch­lich ge­stri­chen wurde hingegen der Toolbar-Type für das <menu>-Element.

Ein ebenso wech­sel­haf­tes Schicksal teilt auch das <keygen>-Element: Der Generator für kryp­to­gra­fi­sche Schlüs­sel­paa­re wurde ur­sprüng­lich von Mozilla ent­wi­ckelt. Microsoft hatte kein Interesse an einer Im­ple­men­tie­rung, Google stellte gar im Juli 2015 einen Antrag auf Ent­fer­nung aus dem Standard. So war das At-risk-Brandmal wenig ver­wun­der­lich. Die vom W3C vor­ge­schla­ge­ne Emp­feh­lung für HTML 5.1 von September 2016 behielt das Element dennoch vorläufig bei. Al­ler­dings mit dem Verweis, dass es sich noch im „Prozess des Ent­fer­nens“ befindet, der viele Jahre dauern wird. Damit wird es über kurz oder lang trotzdem aus dem Standard fliegen. Das Verwenden des Elements wird nicht empfohlen.

Was bedeutet das neue HTML für Web­site­be­trei­ber?

Web­site­be­trei­ber können die emp­foh­le­nen Elemente und Attribute des neuen HTML ohne weiteres einsetzen. Wie eingangs ge­schil­dert, machen das viele ohnehin bereits. Die At-risk-Liste und die Strei­chun­gen sind neben den of­fi­zi­el­len Stan­dar­di­sie­run­gen ebenso einen näheren Blick wert: Hat man die auf der At-risk-Liste genannten Elemente und Attribute bisher verwendet, sollte man darüber nach­den­ken, sein Web­pro­jekt anders um­zu­set­zen. Eine hohe Kom­pa­ti­bi­li­tät zu möglichst vielen Browsern und End­ge­rä­ten sollte schließ­lich das Ziel jedes Website-Be­trei­bers sein – heute mehr denn je.

Auch in Zukunft lohnt es sich für Webmaster, stets einen Blick auf die of­fi­zi­el­le Seite des W3C zu werfen: Im Zuge der Fer­tig­stel­lung von HTML 5.1 wurde sogleich mit Version 5.2 der Nach­fol­ger in Aussicht gestellt. Ein erster Entwurf für die ent­spre­chen­den Än­de­run­gen liegt bereits vor. Damit scheint sich mit dem neuen HTML der Update-Rhythmus deutlich zu be­schleu­ni­gen. Für Web­site­be­trei­ber bedeutet dies, dass schneller auf Bugs reagiert werden kann und schneller eine Anpassung an sich ver­än­dern­de An­for­de­run­gen statt­fin­det. Durch die HTML-5.1-Ver­öf­fent­li­chung über GitHub besteht zudem die Mög­lich­keit, als Ent­wick­ler selbst aktiv an dem Ver­bes­se­rungs­pro­zess teil­zu­ha­ben.

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