Wer heut­zu­ta­ge ein Foto schießen möchte, der greift immer häufiger zum Smart­phone oder gar zum Tablet. Das jeweilige Mo­bil­ge­rät fungiert auch gleich als Speicher- und Ar­chi­vie­rungs­platt­form für die eigenen Bilder – al­ler­dings geht der freie Spei­cher­platz selbst bei Einsatz externer Spei­cher­kar­ten oft schnell zur Neige. Um diesem Problem ent­ge­gen­zu­wir­ken, hat Apple dafür gesorgt, dass seine im September 2017 ver­öf­fent­lich­ten Be­triebs­sys­tem­ver­sio­nen iOS 11 und macOS High Sierra nun auch das neue Gra­fik­for­mat HEIF (High Ef­fi­ci­en­cy Image File Format) un­ter­stüt­zen, das nur rund halb so viel Spei­cher­platz benötigt wie der Bran­chen­pri­mus JPEG. Damit wird HEIF zwangs­läu­fig zum Thema für das World Wide Web: Schließ­lich spielt auch dort die Größe ver­wen­de­ter Bilder und Grafiken eine ent­schei­den­de Rolle.

Was steckt hinter HEIF?

Bereits aus dem Jahr 2013 stammen die ersten Do­ku­men­ta­tio­nen eines ef­fi­zi­en­te­ren Da­tei­for­mats für ruhende Bilder, die unter anderem die Ein­satz­sze­na­ri­en und An­for­de­run­gen de­fi­nier­ten. Nach an­dert­halb­jäh­ri­ger Ent­wick­lungs­pha­se konnte die Moving Picture Experts Group (MPEG) schließ­lich im Sommer 2015 die finale Version eines neuen Gra­fik­for­mats prä­sen­tie­ren, das den Namen HEIF erhielt. Die Abkürzung steht für „High Ef­fi­ci­en­cy Image File Format“, was im Deutschen so viel wie „Bild­da­tei­for­mat mit hoher Effizienz“ bedeutet. HEIF ist ein Be­stand­teil der MPEG-H-Gruppe, in der ver­schie­de­ne Standards vereint werden. Formal ist diese Gruppe – die auch das Streaming-Format MMT (MPEG Media Transport) und das Video-Format HEVC (High Efficiency Video Coding) definiert – unter der Be­zeich­nung ISO/IEC 23008 bekannt.

Das kann das neue HEIF-Format

HEIF ist kein ge­wöhn­li­ches Gra­fik­for­mat, sondern ein so­ge­nann­tes Con­tai­ner­for­mat. Als solches ist es in der Lage, eine beliebige Zahl von Bildern (inklusive Metadaten) zu­sam­men­fas­sen, die in ver­schie­de­nen Formaten codiert sein können. Haupt­säch­lich kommt hierbei das bereits erwähnte HEVC zum Einsatz, al­ter­na­tiv der Vi­deo­kom­pres­si­ons­stan­dard H.264/MPEG-4 AVC und in seltenen Fällen – z. B. für Mi­nia­tur­an­sich­ten – auch JPEG-Kom­pres­so­ren. Bei der Ent­wick­lung von HEIF verfolgte man von Beginn an den Anspruch, den Primus JPEG in Sachen Effizienz zu über­tref­fen. Dieses Ziel konnte man letztlich auch erreichen: Bei gleicher bzw. sogar leicht ver­bes­ser­ter Qualität benötigen die im neuen Format ge­spei­cher­ten Bilder etwa 50 bis 60 Prozent weniger Spei­cher­platz als ent­spre­chen­de JPEG-Bilder.

HEIF speichert ein­zeln­ste­hen­de Bilder und markiert diese als „Items“, wobei jede Datei beliebig viele dieser Items enthalten kann. Das Con­tai­ner­for­mat er­mög­licht zudem auch die Spei­che­rung von Bild­se­quen­zen, die als „Tracks“ be­zeich­net werden. Per Indikator wird in diesem Fall ge­kenn­zeich­net, ob der HEIF-Viewer sie später als Ani­ma­tio­nen oder als Galerien wie­der­ge­ge­ben soll. Die folgende Tabelle fasst die bereits auf­ge­zähl­ten sowie einige weitere In­for­ma­ti­ons­ty­pen zusammen, die von HEIF ge­spei­chert werden können:

Ein­zeln­ste­hen­de Bild­da­tei­en (Image Items) Einzelne Bilder, Bild­ei­gen­schaf­ten und Mi­nia­tur­an­sicht(en)
Un­ter­stüt­zen­de Bild­da­tei­en (Auxiliary Image Items) Bilddaten, die ein Item im HEIF-Container ergänzen – wie zum Beispiel Tie­fen­in­for­ma­tio­nen oder Al­pha­ka­nä­le
Bild­se­quen­zen (Image Sequences) Mehrere zu­sam­men­hän­gen­de Bilder (z. B. eine Be­lich­tungs­rei­he oder Bild­ani­ma­ti­on) inklusive deren Ei­gen­schaf­ten und Mi­nia­tur­an­sich­ten
Metadaten (Image Metadata) EXIF-, XMP- und ähnliche Me­ta­in­for­ma­tio­nen, die zu den je­wei­li­gen Bild­da­tei­en gehören
Audio- und Text­da­tei­en Audio- und Textdaten lassen sich in Kom­bi­na­ti­on mit Bild­se­quen­zen in Container in­te­grie­ren

Welche Da­tei­endun­gen nutzt das HEIF-Format?

Die stan­dard­mä­ßig vor­ge­se­he­nen Da­tei­endun­gen für HEIF-Container sind .heif und .heic. In seltenen Fällen kommt jedoch auch die Endung .avci zum Einsatz, die stan­dard­mä­ßig die Dateien kenn­zeich­net, die mit H.264/MPEG-4 AVC codiert wurden.

Apple hat sich bei der Im­ple­men­tie­rung des Con­tai­ner­for­mats für die Endung .heic ent­schie­den. Damit will das Un­ter­neh­men vor allem deutlich machen, dass HEVC als Co­die­rungs­sche­ma zum Einsatz kommt. Darüber hinaus nutzen neuere Apple-Geräte (Vor­aus­set­zung: A9-Prozessor) au­to­ma­tisch die Endung .heics, wenn das Con­tai­ner­for­mat für Bild­se­quen­zen genutzt wird. Analog zu dieser exis­tie­ren auch die Da­tei­endun­gen .heifs und .avcis, um Container mit mehreren Bildern zu kenn­zeich­nen.

Wofür eignet sich das High Ef­fi­ci­en­cy Image File Format?

Apple hat mit dem Wechsel auf HEIF Neuland betreten, wobei sich viele Nutzer fragen dürften, inwieweit sie ei­gent­lich konkret von dem neuen Con­tai­ner­for­mat pro­fi­tie­ren. Antwort bietet ein Blick auf die möglichen Ein­satz­sze­na­ri­en, in denen die Ei­gen­schaf­ten von .heic -Dateien zur Geltung kommen. An erster Stelle steht dabei zwei­fels­oh­ne das Fo­to­gra­fie­ren und Bil­der­spei­chern mit Smart­phones und Tablets sowie mit Di­gi­tal­ka­me­ras. Hier kommt nicht nur die geringe Da­tei­grö­ße der Fotos zum Tragen, sondern auch die Mög­lich­keit, Bilder zu ver­knüp­fen und auf diese Weise Bild­ani­ma­tio­nen oder Kom­pi­la­tio­nen in einem einzigen Container – also einer einzelnen Datei – zu speichern. So dient HEIF nicht nur als platz­spa­ren­des Format, sondern bereitet die Bil­der­in­hal­te auch optimal für die Wei­ter­ver­wen­dung (bei­spiels­wei­se das Teilen in Social Media) auf.

Ferner eignet sich das Con­tai­ner­for­mat sehr gut für die Bild­be­ar­bei­tung: Ohne dass eine erneute Codierung notwendig ist, können Än­de­run­gen an der Aus­rich­tung, Bild­grö­ßen­an­pas­sun­gen oder Zu­schnit­te in ein und derselben Datei wie das Ori­gi­nal­bild ge­spei­chert werden. Auch für die Web­ent­wick­lung bietet HEIF ein reichlich Potenzial. Ei­ner­seits könnten Web­pro­jek­te künftig von der geringen Da­tei­grö­ße von .heic-Bildern pro­fi­tie­ren, was vor allem für kürzere La­de­zei­ten sorgen würde – vor­aus­ge­setzt, die Browser erhalten künftig HEIF-Viewer, um die Bild­da­tei­en wie­der­ge­ben zu können. An­de­rer­seits ist das Gra­fik­for­mat wie maß­ge­schnei­dert für das HTML-5-Element <picture>, das es dem Webmaster er­mög­licht, ver­schie­de­ne Quellen für ein be­stimm­tes Bild anzugeben (der Browser des Nutzers ent­schei­det dabei, welche Variante später an­ge­for­dert wird).

HEIF vs. JPEG: So un­ter­schei­den sich die beiden Gra­fik­for­ma­te

Das High Ef­fi­ci­en­cy Image File Format tritt in erster Linie in Kon­kur­renz zu dem eta­blier­ten JPEG-Format, was nicht nur durch den Fakt begründet ist, dass Apple selbiges in seinen neuen Be­triebs­sys­tem­ver­sio­nen eins zu eins durch HEIF ersetzt hat. Das neue Format ist aufgrund der ef­fi­zi­en­te­ren Bild­spei­che­rung auch für andere Systeme eine in­ter­es­san­te Al­ter­na­ti­ve zu dem aktuellen JPEG-Standard, der bereits 1992 von der Joint Pho­to­gra­phic Experts Group ent­wi­ckelt und ver­öf­fent­licht wurde.

Hinweis

Apple hat JPEG in iOS 11 und macOS High Sierra durch HEIF lediglich als Stan­dard­spei­cher­for­mat für Bilder ersetzt – in den Ein­stel­lun­gen des Be­triebs­sys­tems können Nutzer bei Bedarf aber auch zurück auf das bekannte Gra­fik­for­mat wechseln.

Während der JPEG-Standard in erster Linie Verfahren zur Kom­pri­mie­rung von Bildern be­schreibt und selbst gar keine Vorgaben dazu macht, wie die Dateien ge­spei­chert werden sollen, definiert die HEIF-Norm einen Typ von Con­tai­nern, der explizit für die Spei­che­rung digitaler Bilder vor­ge­se­hen ist. Kom­pres­si­on spielt aber auch bei der Erzeugung von .heic-Dateien eine wichtige Rolle, wobei diese ebenso ver­lust­be­haf­tet ist, wie es bei der haupt­säch­lich ver­wen­de­ten JPEG-Kom­pres­si­on der Fall ist. Bei gleichem Kom­pri­mie­rungs­grad zeichnet sich ein Bild im HEIF-Format jedoch immer durch eine bessere Qualität aus, was ins­be­son­de­re auch auf die Un­ter­stüt­zung von Farb­tie­fen bis zu 16 Bit zu­rück­zu­füh­ren ist.

HEIF bietet darüber hinaus den Vorteil, we­sent­lich mehr In­for­ma­tio­nen – wie zum Beispiel Metadaten oder Text- und Audio-Dateien – sowie ganze Bild­se­quen­zen speichern zu können. JPEG, das für die Spei­che­rung vorrangig auf das JPEG File In­ter­ch­an­ge Format zu­rück­greift, bietet derartige Mög­lich­kei­ten nicht. Daraus re­sul­tiert al­ler­dings auch der Umstand, dass Codierung und De­ko­die­rung bei HEIF deutlich mehr Hardware-Res­sour­cen benötigen, was bei einer größeren Zahl an Bildern zu spürbar längeren Speicher- und La­de­zei­ten führt. Für ältere, leis­tungs­schwä­che­re Geräte ist das moderne Con­tai­ner­for­mat also trotz ef­fi­zi­en­ter Spei­che­rung eher un­ge­eig­net.

  JPEG HEIF
Ver­öf­fent­li­chung 1992 2015
Ent­wick­ler Joint Pho­to­gra­phic Experts Group Moving Picture Experts Group
ISO-Norm ISO/IEC 10918-1 ISO/IEC 23008-12
Da­tei­endung(en) .jpg, .jpeg .heif, .heic, .heifs, .heics
Kom­pres­si­on ver­lust­be­haf­tet (Kom­pri­mie­rung ohne Verlust ist aber theo­re­tisch auch möglich) ver­lust­be­haf­tet
Bit-Tiefe 8 Bit 16 Bit
Grund­funk­ti­on Be­schreibt ver­schie­de­ne Methoden zur Bild­kom­pres­si­on Container für kom­pri­mier­te Bilder und Bild­se­quen­zen

HEIF und Windows: Die aktuelle Situation

Apple ist mit dem Umstieg auf HEIF Vorreiter. Aus diesem Grund hat der Groß­kon­zern seine Sys­tem­ver­sio­nen iOS 11 und macOS High Sierra auch so ent­wi­ckelt, dass Bilder in .heic au­to­ma­tisch in .jpg um­ge­wan­delt werden, wenn diese in sozialen Netz­wer­ken geteilt oder auf ältere Apple-Systeme und andere Platt­for­men wie Windows, die keine HEIF-Un­ter­stüt­zung bieten, ex­por­tiert werden. Wer also .heic-Bilder vom iPhone auf seinen Heim-PC mit Microsoft-System über­tra­gen möchte, der kann dies ohne die Nutzung zu­sätz­li­cher Software tun. In diesem Fall gehen aber natürlich auch Vorzüge, die mit der Original-Con­tai­ner­da­tei verknüpft sind, verloren – wie bei­spiels­wei­se die Platz­erspar­nis oder die zu­sätz­li­chen Bild­in­for­ma­tio­nen. Es ist zwar möglich, .heic-Bilder auch un­ver­än­dert auf Windows und Co. zu über­tra­gen (z. B. per E-Mail, über die iCloud oder Google Photos) – zum jetzigen Zeitpunkt fehlen aber Tools, um die .heic-Dateien dann auch zu öffnen. Ent­spre­chen­de Lösungen befinden sich aber bereits in der Ent­wick­lungs­pha­se: Nach eigenen Angaben will das Un­ter­neh­men Zoner mit seiner Fo­to­be­ar­bei­tungs­soft­ware Zoner Photo Studio X schon bald Support für HEIF unter Windows bieten können.

.heic in .jpg umwandeln: So funk­tio­niert‘s

Bis HEIF-Viewer und Bild­be­ar­bei­tungs­soft­ware mit HEIF-Un­ter­stüt­zung für die ver­schie­de­nen Platt­for­men verfügbar sind, wird es jedoch noch eine Weile dauern. Hat man es bis dahin dennoch einmal mit einem nicht um­ge­wan­del­ten Bild im Con­tai­ner­for­mat zu tun – zum Beispiel, weil die au­to­ma­ti­sche Kon­ver­tie­rung nicht funk­tio­niert hat oder weil das Bild Be­stand­teil einer Mail ist – dann ist dies Problem schnell gelöst: Mit so­ge­nann­ten „HEIC-to-JPG”-Online-Tools lassen sich die Dateien auch im Nach­hin­ein noch in das gewohnte JPEG-Format umwandeln. Auf heictojpg.com funk­tio­niert die Kon­ver­tie­rung bei­spiels­wei­se für bis zu 50 .heic- oder .heics-Dateien gleich­zei­tig. Man muss lediglich die je­wei­li­gen Bilder bzw. Bild­se­quen­zen per Drag-and-drop in den dafür vor­ge­se­he­nen Kasten ziehen.

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