Die Job-Be­schrei­bung eines YouTubers klingt zu schön, um wahr zu sein: Sich selbst dabei filmen, wie man einer Sache nachgeht, die einem Spaß macht, oder über etwas phi­lo­so­phiert, dass einen in­ter­es­siert. Im Anschluss lädt man das Ganze auf den eigenen YouTube-Kanal hoch und verdient dadurch ganz nebenbei einen Haufen Geld. Natürlich ist es in Wirk­lich­keit nicht so einfach, denn es gehören auch eine Portion Glück, eine Menge Arbeit, er­heb­li­cher Zeit­auf­wand sowie ein gewisses Talent vor und hinter der Kamera dazu. Nur einige wenige können sich ihren Le­bens­un­ter­halt mit dem eigenen YouTube-Channel fi­nan­zie­ren. Wer al­ler­dings in erster Linie an einem kleinen Ne­ben­er­werb in­ter­es­siert ist, für den bietet YouTube in­ter­es­san­te Mög­lich­kei­ten. Denn im kleineren Rahmen lässt sich durch YouTube Geld durchaus verdienen, sofern man mit einer guten Idee und einem durch­dach­ten Konzept überzeugt.

Wie funk­tio­niert YouTube aus kom­mer­zi­el­ler Sicht?

YouTube ist die weltweit größte Video-Web­com­mu­ni­ty und auch im deutsch­spra­chi­gen Raum un­an­ge­foch­te­ner Markt­füh­rer. Ent­spre­chend in­ter­es­sant ist die Plattform für Un­ter­neh­men, die nach einer Mög­lich­keit suchen, ihre Werbung zu plat­zie­ren. Denn über den Channel bekannter YouTuber können Firmen theo­re­tisch zahl­rei­che po­ten­zi­el­le Kunden erreichen. Dies können sich YouTuber zunutze machen. Zu diesem Zweck müssen sie sich lediglich für das YouTube-Part­ner­pro­gramm anmelden und Ihr Konto mit Google AdSense ver­knüp­fen. So können sie ihre hoch­ge­la­de­nen Videos mo­ne­ta­ri­sie­ren, indem sie Un­ter­neh­men gestatten, im Vi­deo­um­feld Werbung zu plat­zie­ren.

Enthalten Ihre Clips ge­schütz­tes Material, das nicht von Ihnen pro­du­ziert oder gestaltet wurde, benötigen Sie zur kom­mer­zi­el­len Nutzung die schrift­li­che Ge­neh­mi­gung der be­tref­fen­den Person bzw. Firma. Bei folgenden Inhalten handelt es sich um ge­schütz­tes Material:

  • Songtitel bzw. -aus­schnit­te, für die eine Um­satz­be­tei­li­gung aus­ge­schlos­sen ist
  • allg. Musik (inklusive Cover-Songs, Liedtexte und Hin­ter­grund­mu­sik)
  • Fotos und andere Bilder bzw. Grafiken
  • Film- und Fern­seh­bil­der
  • Bild­ma­te­ri­al von Vi­deo­spie­len oder anderer Software
  • Live-Mit­schnit­te (Sport, Konzerte, Shows etc.)

Wie viel Sie mit ge­schal­te­ter Werbung auf YouTube verdienen können, hängt von ver­schie­de­nen Faktoren ab. Unter anderem ist es ent­schei­dend, um welches Wer­be­for­mat es sich handelt. Für die Ein­bet­tung eines Wer­be­clips werden Sie bei­spiels­wei­se deutlich besser entlohnt als für ein Banner oder eine klas­si­sche Text­an­zei­ge. Um al­ler­dings überhaupt als Fläche für Wer­be­vi­de­os in Frage zu kommen, müssen Ihre Clips eine hohe Reich­wei­te erzielen und viele Klicks ge­ne­rie­ren. Von den AdSense-Einnahmen, die mit der Wer­be­schal­tung erzielt werden, erhalten Sie als Video-Inhaber einen Anteil von 55 Prozent, während die rest­li­chen 45 Prozent in die Taschen von YouTube fließen. Werbende brauchen im Übrigen für Wer­be­clips, die in den ersten 30 Sekunden ab­ge­bro­chen werden, nicht bezahlen – wobei Sie in einem solchen Fall dann auch nichts verdienen. 

Ko­ope­ra­tio­nen und Mer­chan­di­sing

Das YouTube-Part­ner­pro­gramm und Google AdSense bilden nicht die einzige Option, um mit YouTube Geld zu verdienen (User in den USA können übrigens auch das Abon­nie­ren ihres YouTube-Channels kos­ten­pflich­tig machen). Je er­folg­rei­cher Ihr Kanal ist, desto in­ter­es­san­ter wird er auch für bezahlte Product-Pla­ce­ments bzw. Emp­feh­lun­gen. Ver­ein­facht gesagt heißt das, dass Sie von einem Dritt­an­bie­ter Geld dafür erhalten, eine bestimmte Marke oder bestimmte Produkte in Ihren Videos oder in den Be­schrei­bun­gen zu prä­sen­tie­ren oder sich positiv über diese zu äußern. Es ist außerdem möglich, dass der Wer­be­trei­ben­de sich vorbehält, Ihre Videos zu über­ar­bei­ten und z. B. sein Logo oder seine Marke ein­zu­bet­ten. Ein weiteres denkbares Szenario ist, dass Sie dafür bezahlt werden, externe Inhalte des Dritt­an­bie­ters auf Ihrem Channel hoch­zu­la­den. Wenn Sie eine solche Ko­ope­ra­ti­on eingehen und externe Produkte in Ihren Clips plat­zie­ren, dürfen Sie al­ler­dings nicht vergessen, YouTube darüber zu in­for­mie­ren, indem Sie das ent­spre­chen­de Kon­troll­käst­chen in den er­wei­ter­ten Ein­stel­lun­gen der be­trof­fe­nen Videos ak­ti­vie­ren.

Ab einer gewissen Zahl von Abon­nen­ten kann sich auch der Verkauf von Fan-Artikeln rentieren. Ein kleiner Mer­chan­di­sing-Shop mit einer Auswahl an T-Shirts, Pullovern oder Mützen, die mit Ihrem Channel-Logo, Ihrem Mar­ken­zei­chen oder typischen Sprüchen bedruckt sind, stellt einen guten Ne­ben­ver­dienst dar. Eventuell gewinnen Sie auf diese Weise sogar ein paar neue Viewer oder Channel-Follower. Für viele Stars der YouTube-Szene machen Spon­so­ring und Mer­chan­di­sing die Hälfte ihres Ver­diens­tes aus.

Das sind YouTubes Top-Verdiener

Es gibt also ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, auf YouTube Geld zu verdienen, die jedoch alle an Be­din­gun­gen geknüpft sind. Wer­be­clips spielen nur Geld ein, wenn sie min­des­tens 30 Sekunden lang bzw. bis zum Ende ab­ge­spielt werden, Deals mit Dritt­an­bie­tern werden Sie erst an Land ziehen können, wenn sich bereits ein gewisser Erfolg ein­ge­stellt hat, und der Verkauf von Fan-Artikeln setzt eine kauf­wil­li­ge Fan-Gemeinde voraus. Von einer Plan­bar­keit der Einkünfte kann also keine Rede sein. Dennoch ist es un­be­strit­ten, dass mitt­ler­wei­le auch im deutsch­spra­chi­gen Raum einige YouTuber ihren Le­bens­un­ter­halt aus­schließ­lich durch ihre Ak­ti­vi­tä­ten auf der Vi­deo­platt­form fi­nan­zie­ren.

Auch wenn konkrete Aussagen bezüglich der Höhe des ver­dien­ten Geldes Man­gel­wa­re sind, kann man anhand von Abon­nen­ten­zah­len und Views Mut­ma­ßun­gen über den Verdienst der YouTube-Stars anstellen. Folgende In­fo­gra­fik zeigt, wie der durch­schnitt­li­che Ver­kaufs­preis eines ge­spon­ser­ten Posts von Youtubes Top-Ver­die­nern liegt:

Klicken Sie hier, um die In­fo­gra­fik her­un­ter­zu­la­den. Der Verdienst pro ge­spon­ser­tem Post hängt natürlich stark von der Zahl der Follower bzw. Youtube-Abon­nen­ten ab. Wer jedoch seine An­hän­ger­schaft kon­ti­nu­ier­lich ausbaut, hat gute Chancen, früher oder später mit Youtube immerhin einen kleinen Ne­ben­ver­dienst erhalten zu können.

Vier beliebte deutsche YouTube-Kanäle

  Abon­nen­ten Video-Views Ein­stiegs­jahr mo­nat­li­cher Verdienst
Gronkh ~ 4 Millionen ~ 1,7 Mil­li­ar­den 2006 5.800–92.300 €
ApeCrime ~ 3 Millionen ~ 610 Millionen 2011 4.000–64.800 €
LeFloid ~ 2,8 Millionen ~ 420 Millionen 2007 909–14.600 €
Bi­bis­Be­au­ty­P­a­lace ~ 2,8 Millionen ~ 590 Millionen 2012 9.900–157.800 €

Bianca Heinicke ist die Be­trei­be­rin des YouTube-Kanals Bi­bis­Be­au­ty­P­a­lace. Sie arbeitet eng mit einer Kölner Marketing-Agentur zusammen und spricht mit Themen wie Mode, Kosmetik, Lifestyle und Popkultur eine sehr junge Ziel­grup­pe an, wobei Product-Placement eine große Rolle spielt. Der von So­cial­Bla­de sehr hoch ge­schätz­te mo­nat­li­che Verdienst re­sul­tiert vor allem aus dem ex­zel­len­ten Werbewert des Kanals für die Beauty-Branchen.

Die LeNews von Florian Mundt a.k.a. LeFloid enthalten aktuelle Nach­rich­ten aus den ver­schie­dens­ten Bereichen wie Schule, Spiele, Mobbing oder Sport, die vor allem Ju­gend­li­che an­spre­chen. Für be­son­de­res Aufsehen sorgte sein Interview mit Bun­des­kanz­le­rin Angela Merkel im Juli 2015, in dem er aus­ge­wähl­te Fragen seiner Community stellte.

ApeCrime ist ein deutsches Musik- und Comedy-Trio, das vor allem eigene Songs und Song­par­odien auf seinem Channel ver­öf­fent­licht und zudem häufig Videos in Ko­ope­ra­ti­on mit anderen erstellt.

Erik Range stellt als Gronkh seit 2010 auf seinem YouTube-Channel diverse Let’s Plays online und gilt als der be­lieb­tes­te Webvideo-Produzent im deutsch­spra­chi­gen Raum. Ins­be­son­de­re dem Spiel Minecraft widmete er sich mit über 1.278 Folgen über einen sehr langen Zeitraum.

So können auch Sie mit Ihren YouTube-Videos Geld verdienen

Die ge­schätz­ten Einkünfte der YouTube-Stars klingen mehr als ver­lo­ckend. Mit Ausnahme von berühmten Personen, die bereits vor der Eröffnung des Channels im Fokus der Öf­fent­lich­keit gestanden haben, mussten die Stars der Szene al­ler­dings einen ganz normalen Ent­wick­lungs­pro­zess durch­wan­dern. Dass sie einmal so viel Geld durch YouTube verdienen würden, haben dabei wohl die wenigsten von ihnen geahnt. Obwohl ein solcher Erfolg nicht planbar ist, gibt es einige Stell­schrau­ben, mit deren Hilfe Sie er­folg­reich in das Abenteuer YouTube ein­stei­gen und den Vi­deo­dienst lang­fris­tig – mit dem Part­ner­pro­gramm und Google AdSense – zumindest als Quelle für einen Ne­ben­ver­dienst nutzen können. 

Die zündende Idee

Bevor Sie drauf­los­fil­men, sollten Sie sich zunächst mit dem Konzept Ihres Kanals aus­ein­an­der­set­zen. Machen Sie sich stets bewusst, dass die YouTube-Welt nicht unbedingt auf Sie gewartet hat, sondern dass es an Ihnen liegt, die User von sich zu über­zeu­gen. Die Zahl an YouTubern steigt stark an, während der Anteil derer, die einen rentablen Kanal führen, zukünftig wohl immer weiter sinken wird.

Um die Kon­kur­renz aus­zu­ste­chen, benötigen Sie also Themen und Formate, die bei den Nutzern der Vi­deo­platt­form ankommen und nicht bereits durch andere, größere Kanäle abgedeckt werden. Je in­no­va­ti­ver und gefragter Ihre Idee, desto größer die Wahr­schein­lich­keit, dass das Publikum Ihnen Auf­merk­sam­keit schenkt. Ori­en­tie­ren Sie sich bei der Ideen­fin­dung an Sachen, die Ihnen Spaß machen, Dingen, die Sie gut können, oder Gebieten, auf denen Sie sich gut auskennen. Nur wenn Sie sich selbst für den Inhalt Ihrer Videos be­geis­tern können, gelingt Ihnen das auch bei Ihren Zu­schau­ern.

Mit hoch­wer­ti­gem Content punkten

Ebenso wichtig wie Format und Thematik sind Auf­be­rei­tung und Qualität Ihrer Videos. Zu Beginn werden Sie viel­leicht mit dem Resultat nicht immer hun­dert­pro­zen­tig zufrieden sein, das sollten Sie al­ler­dings als Anreiz sehen, es im nächsten Clip besser zu machen. Schnitt, Länge, Be­leuch­tung, Effekte oder Verweise auf Ihren Channel bzw. andere Videos sind wichtige Faktoren, die die Wahr­neh­mung Ihrer Clips positiv be­ein­flus­sen können. Treffende und hoch­fre­quen­tier­te Keywords sowie eine aus­sa­ge­kräf­ti­ge Be­schrei­bung sorgen dafür, dass Ihre Clips von den Usern gefunden werden. Zu­sätz­lich zur Op­ti­mie­rung des Contents empfiehlt es sich, eine Upload-Strategie zu ent­wi­ckeln. Re­gel­mä­ßig Clips zu ver­öf­fent­li­chen steigert Ihre Reich­wei­te und bindet User, die Ihren Channel bereits abonniert haben. Im besten Fall verfügen Sie ir­gend­wann über genug Material, um an ein oder zwei fest­ge­leg­ten Tagen in der Woche ein neues Video zu prä­sen­tie­ren. Lang­fris­tig sollten Sie auch darüber nach­den­ken, einen Video-Blog zu führen, in dem Sie abseits Ihrer ei­gent­li­chen Videos mit Ihren Sub­scri­bern kom­mu­ni­zie­ren und sich bei­spiels­wei­se für das Abon­nie­ren Ihres Channels bedanken oder auf User-Kom­men­ta­re eingehen.

Teil der Community werden

Indem Sie auf Kom­men­ta­re und Wünsche der User eingehen, machen Sie einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem er­folg­rei­chen Kanal, denn YouTube ist nicht nur eine Vi­deo­platt­form, sondern auch ein soziales Netzwerk. Erhöhen Sie Ihre Reich­wei­te, indem Sie nicht nur auf Ihrem eigenen Channel, sondern auch auf fremden Kanälen aktiv sind. Geben Sie Kom­men­ta­re ab, nutzen Sie gezielt die Mög­lich­keit, Ihre Meinung zu an­ge­sag­ten Themen bzw. Clips mit Video-Antworten kundzutun und versuchen Sie mit anderen ein­fluss­rei­chen YouTubern zu ko­ope­rie­ren. So gewinnen Sie auf einfache Weise auch solche User als neue Abon­nen­ten, die Sie über die Suche nicht erreichen.

Sie können Ihren Kanal auch über andere soziale Netzwerke prä­sen­tie­ren: Facebook, Twitter und Co. eignen sich bestens dafür, die Welt über Ihre neuesten Clips in Kenntnis zu setzen. Verlinken Sie einfach Ihre Accounts in anderen Netz­wer­ken in Ihrer Channel-Be­schrei­bung und umgekehrt. Unter Umständen finden Sie hier auch ein­fluss­rei­che Partner, die Sie bei der Suche nach neuen Besuchern un­ter­stüt­zen. 

Mit YouTube Geld verdienen – Fazit

Die Mittel und Wege, die notwendig sind, um einen YouTube-Channel für das Part­ner­pro­gramm und die damit ver­bun­de­ne Wer­be­mög­lich­keit her­zu­rich­ten, machen eines sehr deutlich: auf YouTube Geld zu verdienen, ist alles andere als ein Selbst­läu­fer. Der Aufbau einer starken Fol­lo­wer­schaft ist eine mühsame An­ge­le­gen­heit, die nicht von heute auf morgen erledigt ist; außerdem müssen gewonnene Abon­nen­ten re­gel­mä­ßig mit neuen Inhalten versorgt werden. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die ei­gent­li­che Pro­duk­ti­on des Contents, der immer wieder innovativ und spannend sowie hoch­wer­tig auf­be­rei­tet sein muss, sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.

Wenn Sie al­ler­dings mit kleineren Zielen und dem not­wen­di­gen Durch­hal­te­ver­mö­gen an die Aufgabe her­an­ge­hen, können Sie lang­fris­tig mit Einnahmen durch Wer­be­an­zei­gen rechnen. Ori­en­tie­ren Sie sich bei der Ent­wick­lung Ihres Kanals nicht an Topstars wie Gronkh oder PewDiePie, sondern fo­kus­sie­ren Sie sich auf Ihr Projekt und die Arbeit im Netzwerk. Wenn Sie stetig an der Qualität Ihrer Videos arbeiten und einen Mehrwert für eine bestimmte Ziel­grup­pe der Vi­deo­platt­form schaffen, werden Sie au­to­ma­tisch zu einem re­le­van­ten Wer­be­part­ner für Un­ter­neh­men.

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