Dia­log­mar­ke­ting gilt als Teil­ge­biet des Di­rekt­mar­ke­tings, beginnt jedoch, dieses im Sprach­ge­brauch zu ver­drän­gen. Während sich das klas­si­sche Di­rekt­mar­ke­ting in erster Linie durch die per­sön­li­che Kun­den­an­spra­che aus­zeich­net, legt das Dia­log­mar­ke­ting einen weiteren Schwer­punkt auf den wech­sel­sei­ti­gen In­for­ma­ti­ons­aus­tausch zwischen Anbieter und Ver­brau­cher. Eine prägnante De­fi­ni­ti­on des Dia­log­mar­ke­ting-Begriffs liefert der DDV (Deutscher Dia­log­mar­ke­ting Verband e. V.):

De­fi­ni­ti­on Dia­log­mar­ke­ting

Dia­log­mar­ke­ting ist der Ober­be­griff für alle Mar­ke­ting­ak­ti­vi­tä­ten, bei denen Medien mit der Absicht ein­ge­setzt werden, eine in­ter­ak­ti­ve Beziehung zu In­di­vi­du­en her­zu­stel­len. Ziel ist es dabei, den Empfänger zu einer in­di­vi­du­el­len, messbaren Reaktion (Response) zu ver­an­las­sen.

Mit der Zuwendung zum Ein­zel­kun­den spiegelt das Dia­log­mar­ke­ting die his­to­ri­sche Ent­wick­lung der Ab­satz­wirt­schaft wider. Aus Mas­sen­mar­ke­ting wurde Ni­schen­mar­ke­ting. Heute sind selbst Ziel­grup­pen auf den in­di­vi­du­el­len Kunden zu­sam­men­ge­schrumpft. Statt Wer­be­kam­pa­gnen im Gieß­kan­nen­prin­zip auf die gesamte Kun­den­da­ten­bank aus­zu­schüt­ten, werden Ein­zel­per­so­nen durch dia­log­ori­en­tier­te Medien per­sön­lich adres­siert.

Mit der zu­neh­men­den Bedeutung in­ter­net­ba­sier­ter Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le für Marketing, Vertrieb und Kun­den­ser­vice rückt der Dialog mit dem Kunden in den Mit­tel­punkt ab­satz­wirt­schaft­li­cher Über­le­gun­gen. Aus dem Spe­zi­al­ge­biet Dia­log­mar­ke­ting ist ein Gat­tungs­be­griff geworden, der heute auch klas­si­sche Di­rekt­mar­ke­ting-Ak­ti­vi­tä­ten wie Wer­be­sen­dun­gen und Telefon-Akquisen umfasst. Diese Ver­schie­bung des Fokus zeigt sich auch in Aus­bil­dungs­pro­fi­len und Stel­len­aus­schrei­bun­gen. Seit 2006 gibt es in Deutsch­land das Be­rufs­bild des Kaufmanns für Dia­log­mar­ke­ting. Klas­si­sches Di­rekt­mar­ke­ting wird der medialen Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen Jahre nicht mehr gerecht.

Wie funk­tio­niert Dia­log­mar­ke­ting?

Im Rahmen des Dia­log­mar­ke­tings kon­zen­trie­ren sich Wer­be­fach­leu­te und Ver­triebs­spe­zia­lis­ten auf die In­ter­es­sen und Be­dürf­nis­se po­ten­zi­el­ler Kunden. Diese werden mit in­di­vi­du­ell zu­ge­schnit­te­nen Angeboten für Produkte oder Dienst­leis­tun­gen an­ge­spro­chen, um Kun­den­be­zie­hun­gen zu vertiefen. Dabei stehen Wer­be­ka­nä­le im Vor­der­grund, die ein Response-Element be­inhal­ten und so eine messbare Antwort des Kunden er­mög­li­chen. Denkbar ist ein Rückruf auf einer Service-Hotline, der Klick auf eine Online-Anzeige oder das Scannen eines QR-Codes über die Han­dy­ka­me­ra.

Der Umfang der In­ter­ak­ti­ons­mög­lich­kei­ten un­ter­schei­det sich dabei je nach Medium erheblich. Während Wer­be­mit­tel wie Coupons oder Bo­nus­pro­gram­me lediglich im weiteren Sinne zum Dialog führen, kann der Begriff bei Kun­den­ge­sprä­chen am Telefon oder auf Messen durchaus wörtlich genommen werden.

Gängige Dia­log­mar­ke­ting-In­stru­men­te sind:

  • Voll- und teil­adres­sier­te Wer­be­sen­dun­gen
  • E-Mail-Marketing (News­let­ter und Mailings)
  • Te­le­fon­mar­ke­ting (Inbound/Outbound)
  • Kun­den­kar­ten, Bonus- und Treue­pro­gram­me
  • Kun­den­ma­ga­zi­ne, Prospekte und Ver­sand­haus­ka­ta­lo­ge
  • Couponing (online/offline)
  • Such­ma­schi­nen­wer­bung (SEA)
  • Online-Anzeigen (Content-/Display-Ads)
  • Klas­si­sche Wer­be­an­zei­gen mit Response-Element
  • TV- oder Radio-Spots mit Response-Element
  • Social-Media-Profile
  • Firmen- und Pro­dukt­web­sei­ten
  • Messen
  • Pro­dukt­sam­pling

Um mit Kunden in den Dialog zu treten, sollte man ihnen die Antwort auf eine Wer­be­maß­nah­me möglichst leicht machen. Typische Response-Elemente sind daher Service-Hotlines oder frei­ge­mach­te Ant­wort­schrei­ben – im besten Fall vor­aus­ge­füllt. Nicht selten setzt Dia­log­mar­ke­ting dabei auf fi­nan­zi­el­le Anreize, um Kun­den­re­ak­tio­nen her­vor­zu­ru­fen. Klas­si­sche Ver­kaufs­stra­te­gien sind:

  • Rabatte bei der Ein­sen­dung von Coupons
  • Geld-zurück-Garantie bei Un­zu­frie­den­heit
  • Early Bird Offers
  • Freund­schafts­wer­bung

Response-Elemente er­mög­li­chen es, durch Kun­den­rück­mel­dun­gen Wer­be­er­fol­ge messbar zu machen und bei Miss­erfol­gen zeitnah An­pas­sun­gen vornehmen zu können. So kann bei­spiels­wei­se eine Geld-zurück-Garantie neben ihrer ver­trau­ens­bil­den­den Funktion klare Kun­den­si­gna­le liefern, ob ein Produkt zu­frie­den­stel­lend ist oder Ver­bes­se­rungs­be­darf aufweist. Ein Be­stands­kun­de, der im Freun­des­kreis Neukunden wirbt, si­gna­li­siert hingegen Zu­frie­den­heit und ein Vertrauen zum Anbieter.

Dia­log­mar­ke­ting im E-Commerce

Auch im E-Commerce hat sich der Dialog mit dem Kunden zur zentralen Mar­ke­ting­stra­te­gie ent­wi­ckelt. Grund dafür sind neben hoch­in­ter­ak­ti­ven On­line­ka­nä­len vor allem die Mög­lich­kei­ten der Web­ana­ly­se. Dank Tracking-Tools wie Google Analytics, Piwik oder eTracker lassen sich Nut­zer­re­ak­tio­nen de­tail­liert erfassen und nutz­brin­gend auswerten. Dies zeigt sich z. B. im E-Mail-Marketing, wo sich Fehl­zu­stel­lun­gen (so­ge­nann­te Bounces), Öff­nungs­ra­ten oder Klicks auf Wer­be­links soft­ware­ge­stützt auf­zeich­nen lassen, um einen Einblick in das Le­se­ver­hal­ten der Empfänger zu erhalten. Gängige News­let­ter-Tools setzen dabei auf Zählpixel, die erst beim Öffnen einer Werbemail vom Server her­un­ter­ge­la­den werden und somit einen klaren Indikator für eine Nut­zer­inter­ak­ti­on dar­stel­len. Hier ist zu beachten, dass Daten zum Le­se­ver­hal­ten separiert von per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten wie der E-Mail-Adresse erfasst werden müssen – bei­spiels­wei­se durch Pseud­ony­mi­sie­rung. Es sei denn, der Empfänger hat einem per­so­nen­be­zo­ge­nen Tracking aus­drück­lich zu­ge­stimmt. Auch Online-Wer­be­for­ma­te wie Content- oder Display-Ads liefern Mar­ke­ting­stra­te­gen dank Web­track­ing de­tail­lier­te In­for­ma­tio­nen zum Erfolg der Wer­be­maß­nah­me. Große Wer­be­ver­mark­ter bündeln diverse Webseiten zu gi­gan­ti­schen Wer­be­netz­wer­ken, die von leis­tungs­star­ken AdServern mit Anzeigen bespielt werden. Diese erfassen an zentraler Stelle, welcher Kunde welches Wer­be­mit­tel sieht, wann es zum Klick kommt und ob weitere In­ter­ak­tio­nen auf der Ziel­web­site folgen – Daten, die der Er­stel­lung meist an­ony­mi­sier­ter Nut­zer­pro­fi­le dienen und im Rahmen des Be­ha­vi­oral Tar­ge­tings aus­ge­wer­tet werden. Dank Web­track­ing bieten Marketing-Maßnahmen im Rahmen des E-Commerce somit um­fas­sen­de Mög­lich­kei­ten der Er­folgs­kon­trol­le, die Werbenden bei Off­line­ka­nä­len in diesem Umfang nicht zur Verfügung stehen. Bei der Op­ti­mie­rung von Dia­log­mar­ke­ting-In­stru­men­ten und Response-Elementen steht das so­ge­nann­te A/B-Testing im Vor­der­grund. Soll bei­spiels­wei­se die Öff­nungs­ra­te eines News­let­ters optimiert werden, bieten sich A/B-Tests an, die den Wer­be­er­folg ver­schie­de­ner Versionen des News­let­ters ge­gen­über­stel­len. Dabei ist zu beachten, dass anders als bei Mul­ti­va­ria­ten Tests (MVT) pro Ver­suchs­rei­he nur ein Element wie der E-Mail-Betreff, ein Link-Title im E-Mail-Text oder die ty­po­gra­fi­sche Ge­stal­tung variiert wird. Darüber hinaus hat das Internet diverse Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le her­vor­ge­bracht, die es möglich machen, Kunden in Echtzeit auf Augenhöhe zu begegnen. Zahl­rei­che On­line­shops ergänzen die klas­si­sche Te­le­fon­hot­line durch einen Live-Chat oder verlagern das Kun­den­be­zie­hungs­ma­nage­ment in soziale Netzwerke und mo­de­rier­te Support-Foren.

Ziele im Dia­log­mar­ke­ting

Un­ter­neh­men, die auf Dia­log­mar­ke­ting setzen, versuchen in in­ter­ak­ti­ven Be­zie­hun­gen zu Ver­brau­chern, deren Ein­stel­lun­gen zu Marken, Produkten oder Dienst­leis­tun­gen nach­zu­voll­zie­hen und positiv zu be­ein­flus­sen. Dia­log­mar­ke­ting verfolgt somit kognitive und affektive Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zie­le, die sich auf den Be­kannt­heits­grad sowie das Image einer Marke bzw. eines Un­ter­neh­mens beziehen. Darüber hinaus sollen Kon­su­men­ten zu be­stimm­ten Hand­lun­gen ver­an­lasst werden. Primäre öko­no­mi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zie­le sind Erst- und Wie­der­ho­lungs­käu­fe. Dia­log­mar­ke­ting ist somit auf eine Stei­ge­rung von Umsatz und Gewinn aus­ge­rich­tet. Neben der Neu­kun­den­ak­qui­se steht dabei vor allem die Stamm­kun­den­pfle­ge im Vor­der­grund.

Gerade in stark um­kämpf­ten Märkten sind In­ves­ti­tio­nen in Kun­den­bin­dungs­maß­nah­men notwendig, um einer Kun­den­ab­wan­de­rung zu Wett­be­wer­bern vor­zu­beu­gen. Streu­ver­lus­te bei Wer­be­maß­nah­men lassen sich durch ein ef­fek­ti­ves Kun­den­be­zie­hungs­ma­nage­ment deutlich re­du­zie­ren. Für Un­ter­neh­men ist die Re­ak­ti­vie­rung von Be­stands­kun­den somit we­sent­lich kos­ten­güns­ti­ger als die Gewinnung neuer Kunden. Doch noch immer fließt ein Großteil der Wer­be­bud­gets in das Neu­kun­den­ge­schäft.

Die Er­folgs­kon­trol­le von Dia­log­mar­ke­ting-Ak­ti­vi­tä­ten gestaltet sich bei öko­no­mi­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zie­len einfacher als bei ko­gni­ti­ven oder af­fek­ti­ven Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zie­len. Un­ter­neh­men, die aus­ge­wähl­ten Stamm­kun­den ein per­sön­li­ches Angebot zukommen lassen, können die Wirk­sam­keit dieser Marketing-Maßnahme im Anschluss un­mit­tel­bar auswerten, indem sie Kos­ten­auf­wand und Rück­lauf­quo­te ge­gen­über­stel­len.

Nur schwer messbar sind hingegen Wer­be­er­fol­ge, die sich auf die Wahr­neh­mung von Produkten und Dienst­lei­tun­gen, das Un­ter­neh­mens­image oder ein emo­tio­na­les Erleben von Marken beziehen. Denn viele Dia­log­mar­ke­ting-Ak­ti­vi­tä­ten entfalten auch dann eine Wer­be­wir­kung, wenn der adres­sier­te Kunde keine Rück­mel­dung gibt. Auch eine un­be­ant­wor­te­te Werbemail kann die Be­kannt­heit des Absenders steigern oder die Wahr­neh­mung einer Marke nach­hal­tig verändern.

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