Die Op­ti­mie­rung der Con­ver­si­on-Rate ist das Ziel eines jeden Ent­wick­lers bzw. Be­trei­bers eines Web­pro­jekts. Erst­klas­si­ge Inhalte und Produkte sowie ein stei­gen­der Traffic sind in der Regel zwar er­folg­ver­spre­chen­de Elemente für auf­stre­ben­de Shops und Un­ter­neh­men, al­ler­dings auch nahezu wir­kungs­los, wenn die ge­wünsch­ten Resultate wie ein Kauf­ab­schluss, ein Button-Klick oder das Ausfüllen eines Formulars nicht erzielt werden. Während die Be­su­cher­zah­len durch ganz ver­schie­de­ne Maßnahmen (Social-Media-Marketing, SEO, SEA, Link-Building etc.) be­ein­flusst werden können, ist die Zahl der Con­ver­si­ons vor allem an zwei Faktoren gebunden: Das Vertrauen der Nutzer in den Shop bzw. die Website und die Nut­zer­freund­lich­keit des Web­pro­jekts, die auch als Usability be­zeich­net wird.

Um Letzt­ge­nann­te kon­se­quent zu ver­bes­sern, findet Mul­ti­va­ria­te Testing unter Ent­wick­lern und Marketern immer größeren Anklang. Mit dem modernen Test­ver­fah­ren, das noch komplexer als das ebenfalls oft aus­ge­führ­te A/B-Testing ist, sollen die Schwächen der über­prüf­ten Elemente ausfindig gemacht und behoben werden, um Usern den Zugang zu den Inhalten zu er­leich­tern. Fühlen die Besucher sich wohl, ver­brin­gen sie mehr Zeit im Shop bzw. auf der Website und führen häufiger die er­wünsch­te Aktion (Con­ver­si­on) aus.

Mul­ti­va­ria­te Testing: De­fi­ni­ti­on

Im On­line­mar­ke­ting be­schreibt Mul­ti­va­ria­te Testing ein Test­ver­fah­ren zur Ver­bes­se­rung der Nut­zer­freund­lich­keit von Web­pro­jek­ten, bei dem mehrere Elemente verändert und den Nutzern in ver­schie­de­nen Versionen prä­sen­tiert werden. Das Ziel ist es, diejenige Kom­bi­na­ti­on her­aus­zu­fil­tern, die den größten Erfolg ver­spricht. Zu diesem Zweck muss für jedes einzelne Test­ele­ment zunächst eine Hypothese auf­ge­stellt werden, die am Ende durch die Test­ergeb­nis­se bestätigt bzw. widerlegt wird. Im Prinzip handelt es sich bei mul­ti­va­ria­ten Tests um mehrere gleich­zei­tig aus­ge­führ­te A/B-Tests, bei denen eine Al­ter­na­tiv-Version des Web­pro­jekts mit nur einer einzigen Variable getestet wird. Außer im On­line­be­reich kommen mul­ti­va­ria­te Test­ver­fah­ren u. a. in der Konsum- und Markt­for­schung oder bei der Qua­li­täts­kon­trol­le und -sicherung in der Industrie zur Anwendung.

So funk­tio­niert das va­ri­an­ten­rei­che Ana­ly­se­ver­fah­ren

Die Vor­ge­hens­wei­se beim Mul­ti­va­ria­te Testing wird durch folgendes Beispiel ver­deut­licht: Die Webseite eines be­stimm­ten Produkts soll optimiert werden. Die Be­schrei­bung und das ver­wen­de­te Bild wurden als die ent­schei­den­den Test­kri­te­ri­en aus­ge­wählt. Das Ana­ly­se­ver­fah­ren soll Auf­schluss darüber geben, ob und inwiefern die beiden ver­schie­de­nen Pro­dukt­be­schrei­bun­gen A und B sowie die un­ter­schied­li­chen Pro­dukt­bil­der 1 und 2 die Con­ver­si­on-Rate be­ein­flus­sen. Zu diesem Zweck werden die Bilder und Be­schrei­bun­gen mit­ein­an­der kom­bi­niert, sodass sich die folgenden Kom­bi­na­tio­nen ergeben:

  • Be­schrei­bung A, Bild 1
  • Be­schrei­bung A, Bild 2
  • Be­schrei­bung B, Bild 1
  • Be­schrei­bung B, Bild 2

In diesem einfachen Beispiel gibt es also maximal vier ver­schie­de­ne Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­kei­ten – mit jeder weiteren Variable stiege lo­gi­scher­wei­se auch die Anzahl an möglichen Kom­bi­na­tio­nen. Die vier un­ter­schied­li­chen Versionen werden nun den po­ten­zi­el­len Kunden prä­sen­tiert, die die ent­spre­chen­de Pro­dukt­sei­te im Shop aufrufen. Dabei wird der gesamte Traffic gleich­mä­ßig auf alle vier Varianten auf­ge­teilt. Die erzielten Con­ver­si­ons, in diesem Fall also die ge­tä­tig­ten Kauf­ab­schlüs­se, werden während des Über­prü­fungs­zeit­raums mithilfe eines Analyse-Tools wie Maxymiser oder Webtrends Optimize auf­ge­zeich­net, sodass nach Abschluss des Mul­ti­va­ria­te Testings eine Con­ver­si­on-Rate für alle vier Varianten errechnet werden kann. Je höher der Traffic und je länger der Be­ob­ach­tungs­zeit­raum, desto aus­sa­ge­kräf­ti­ger sind auch die Er­geb­nis­se.

Vor- und Nachteile von Mul­ti­va­ria­te Testing

Da Mul­ti­va­ria­te-Tests – wie A/B-Tests – erst aus­ge­führt werden, wenn die Website, die App oder der Shop bereits online ist, haben sie gegenüber Usability-Tests, die in der Ent­wick­lungs­pha­se des Projekts statt­fin­den, den Vorteil einer viel größeren Anzahl an Test­nut­zern. Daher spricht man auch von quan­ti­ta­ti­ven Er­he­bungs­me­tho­den. Obwohl die Durch­füh­rung mul­ti­va­ria­ter Tests äußerst komplex erscheint, ist sie dank der ver­schie­de­nen Tools relativ einfach. So sind die ver­schie­de­nen Test­sei­ten schnell kon­fi­gu­riert und per Ja­va­Script-Code-Snippet im Web­pro­jekt im­ple­men­tiert. Die Er­geb­nis­se werden in Echtzeit in über­sicht­li­chen Tabellen vi­sua­li­siert, sodass sich pro­blem­los fest­stel­len lässt, welche Kom­bi­na­tio­nen den größten Erfolg ver­spre­chen.

Anders als A/B-Testing ist Mul­ti­va­ria­te Testing nicht auf zwei Ver­gleichs­ver­sio­nen be­schränkt, sondern prin­zi­pi­ell ohne Li­mi­tie­rung. Das er­leich­tert die Über­prü­fung mehrerer ver­schie­de­ner Elemente ungemein und gewährt dem ge­schul­ten Be­ob­ach­ter darüber hinaus über­grei­fen­de Er­kennt­nis­se über das Zu­sam­men­spiel der ver­schie­de­nen Kom­po­nen­ten. Denn die Zahlen der Mul­ti­va­ria­te-Tests verraten nicht nur, welche Zu­sam­men­stel­lun­gen sich in einem einzelnen Fall negativ bzw. positiv auf die Con­ver­si­on-Rate auswirken; sie ver­mit­teln daneben auch ein konkretes, sta­tis­tisch belegtes Bild darüber, welche Kom­po­nen­ten auf welche Art und Weise zum all­ge­mei­nen Erfolg eines Web­pro­jekts beitragen. Das beim Mul­ti­va­ria­te Testing gewonnene Wissen kann somit auch eine große Rolle bei der Ent­wick­lung zu­künf­ti­ger Projekte spielen.

Damit die Resultate eines Mul­ti­va­ria­te-Tests al­ler­dings die ge­wünsch­te Aus­sa­ge­kraft besitzen, ist ein durch­gän­gig hoher Traffic un­ab­ding­bar – allein schon deshalb, weil dieser auf min­des­tens vier und oftmals noch mehr Test­ex­em­pla­re verteilt wird. Ein weiteres Problem des Test­ver­fah­rens äußert sich immer dann, wenn eine oder mehrere der ge­tes­te­ten Variablen keinerlei Einfluss auf das Con­ver­si­on-Ziel besitzen – ins­be­son­de­re wenn es um die In­ter­pre­ta­ti­on der Er­geb­nis­se geht. Hier kann Mul­ti­va­ria­te Testing sich schnell als falsche Wahl her­aus­stel­len, die den Eva­lua­ti­ons­pro­zess im Gegensatz zu einem einfachen A/B-Test unnötig ver­kom­pli­ziert.

Wie Sie das geeignete Test­ver­fah­ren finden

Mit welcher Methode Sie die Usability Ihres Web­pro­jekts am besten testen können, hängt von ver­schie­de­nen Faktoren ab, wobei die Höhe des Traffics si­cher­lich die größte Rolles spielt. Stehen Sie mit Ihrem Web­auf­tritt am Anfang und blicken nur auf eine sehr ein­ge­schränk­te Anzahl an Besuchern, werden Sie mit Mul­ti­va­ria­te Testing auch in einem längeren Be­ob­ach­tungs­zeit­raum keine ver­läss­li­chen Sta­tis­ti­ken erhalten, die Auf­schluss über den Erfolg der einzelnen Varianten geben. In einem solchen Fall empfiehlt es sich, die Funk­tio­na­li­tät einzelner Variablen in auf­ein­an­der­fol­gen­den A/B-Tests zu va­li­die­ren. Weist Ihre Web­prä­senz an­de­rer­seits einen hohen Traffic auf, sind Mul­ti­va­ria­te-Tests we­sent­lich zeit­spa­ren­der und mit weniger Aufwand verbunden.

Eine Vor­aus­set­zung für beide Methoden ist, dass Sie klare Hy­po­the­sen und Er­geb­nis­grö­ßen für die ge­tes­te­ten Elemente for­mu­lie­ren können. An­dern­falls werden Sie die Er­geb­nis­se der Tests nur schwer in­ter­pre­tie­ren können. Im Gegensatz zur Usability-Un­ter­su­chung während des Ent­wick­lungs­pro­zes­ses müssen Sie bei einem solchen Live-Test auch damit rechnen, dass sich die Con­ver­si­on-Rate vor­über­ge­hend ver­schlech­tert. Wenn es also einzig um das Aus­pro­bie­ren neuer Ideen bzw. Varianten geht, sind mul­ti­va­ria­te Tests weder effizient noch ziel­füh­rend und das A/B-Testing häufig zu ein­ge­schränkt. Hier stellen Vorab­un­ter­su­chun­gen in kleinerem Rahmen und mit klar for­mu­lier­ten Fra­ge­stel­lun­gen eine we­sent­lich ef­fek­ti­ve­re und zudem ri­si­ko­freie Lösung dar.

Wenn Ihr Web­pro­jekt genügend Traffic aufweist und Sie sich fürs Mul­ti­va­ria­te Testing ent­schei­den, sollten Sie dies nicht als Freibrief verstehen und unnötig viele Variablen einbauen bzw. Versionen kreieren. Für ein optimales Ergebnis ist es emp­feh­lens­wert, möglichst stra­te­gisch vor­zu­ge­hen und nur die wich­tigs­ten Kon­tra­hen­ten ge­gen­ein­an­der antreten zu lassen, indem Sie eine Vor­auswahl treffen. Um auf Nummer sicher zu gehen, können Sie das Test­ergeb­nis mit einem an­schlie­ßen­den A/B-Test sogar noch einmal zu­sätz­lich über­prü­fen. Behalten Sie al­ler­dings bei jeglicher Test­me­tho­de im Hin­ter­kopf, dass keinerlei Garantie für die sta­tis­tisch er­mit­tel­te Stei­ge­rung der Con­ver­si­on-Rate besteht, sondern dieser Wert lediglich eine Tendenz bes­schreibt.

Mul­ti­va­ria­te Testing Tools im Überblick

Nicht jedes Tool, mit dem man einem A/B-Test durch­füh­ren kann, eignet sich auch für das Mul­ti­va­ria­te Testing. Nach­fol­gend hat man eine kurze Übersicht über bekannte Tools, die sowohl A/B-Testing als auch mul­ti­va­ria­tes Testing un­ter­stüt­zen.

Anbieter Tech­no­lo­gie Multiple Ziele Traffic-Seg­men­tie­rung
AB Tasty Client-Side
Adobe Target Server-Side
Convert Client-Side
Kameleoon Client-Side
Op­ti­mi­ze­ly Client-Side
Visual Website Optimizer Client-Side
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