Bei der „Analysis of strengths, we­ak­ne­s­ses, op­por­tu­ni­ties and threats“ – kurz SWOT – handelt es sich um ein In­stru­ment des stra­te­gi­schen Ma­nage­ments. Un­ter­neh­mer greifen auf SWOT zurück, um die eigene Position im Wett­be­werbs­um­feld zu bestimmen und eine Un­ter­neh­mens­stra­te­gie zu ent­wi­ckeln. Man spricht daher auch von einer Po­si­ti­ons­ana­ly­se.

In Rahmen der SWOT-Analyse werden externe, markt­be­ding­te Chancen und Risiken internen Stärken und Schwächen des Un­ter­neh­mens ge­gen­über­stellt. Ziel ist es, stra­te­gi­sche Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für den Business-Plan ab­zu­lei­ten.

Eine SWOT-Analyse erfolgt in drei Schritten:

  1. Er­stel­lung eines Chancen-Risiken-Katalogs (Um­welt­ana­ly­se)
  2. Er­stel­lung eines Stärken-Schwächen-Profils (Un­ter­neh­mens­ana­ly­se)
  3. Kom­bi­na­ti­on von Umwelt- und Un­ter­neh­mens­ana­ly­se (SWOT-MATRIX)

Jedem Schritt der SWOT-Analyse liegen dif­fe­ren­zier­te Un­ter­su­chun­gen zugrunde, für die von Marketing-Experten diverse Vor­ge­hens­wei­sen ent­wi­ckelt wurden. Im Folgenden stellen wir Ihnen die be­kann­tes­ten Modelle und Methoden der internen und externen Un­ter­neh­mens­ana­ly­se vor und zeigen, wie Sie auf Basis der ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se eine SWOT-Matrix erstellen. Diese dient als Grundlage zur stra­te­gi­schen Aus­rich­tung Ihres Un­ter­neh­mens oder einzelner Ge­schäfts­be­rei­che.

Schritt 1: Um­welt­ana­ly­se

Im ersten Schritt der SWOT-Analyse führen Un­ter­neh­mer eine Um­welt­ana­ly­se durch: Das Umfeld der Or­ga­ni­sa­ti­on wird unter stra­te­gi­schen Ge­sichts­punk­ten unter die Lupe genommen.

Jedes Un­ter­neh­men ist Teil einer Branche. Die Branche wiederum ist in eine Umwelt ein­ge­bun­den, die durch po­li­ti­sche, öko­no­mi­sche, tech­no­lo­gi­sche, ge­sell­schaft­li­che und öko­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen direkt auf das Un­ter­neh­men einwirkt. Ziel der Um­welt­ana­ly­se ist es, alle re­le­van­ten Chancen und Risiken zu ermitteln, die sich aus Um­welt­fak­to­ren ergeben und einen Einfluss auf den Un­ter­neh­mens­er­folg haben könnten.

Um die komplexe Umwelt eines Un­ter­neh­mens für Ana­ly­se­zwe­cke greifbar zu machen, haben Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler ver­schie­de­ne Modelle ent­wi­ckelt, mit denen sich Um­welt­be­din­gun­gen in greifbare Ka­te­go­rien einteilen lassen. Zu den be­kann­tes­ten Um­welt­mo­del­len gehören das Drei-Umwelten-Modell nach Tony Stapleton sowie Kotlers vier Umwelt-Ebenen.

Tony Stapleton un­ter­teilt die Umwelt eines Un­ter­neh­mens in drei Bereiche. Grundlage der Klas­si­fi­zie­rung ist die Frage, inwieweit sich Um­welt­fak­to­ren vom Un­ter­neh­men kon­trol­lie­ren oder be­ein­flus­sen lassen.

Drei-Umwelten-Modell (nach Stapleton)
Interne Umwelt Zur internen Umwelt eines Un­ter­neh­mens zählen alle Faktoren, die vom Ma­nage­ment des Un­ter­neh­mens direkt kon­trol­liert werden: bei­spiels­wei­se Mit­ar­bei­ter, Res­sour­cen, Gebäude, Maschinen und Anlagen.
Nahe Umwelt Die nahe Umwelt eines Un­ter­neh­mens umfasst Kunden, Lie­fe­ran­ten und direkte Kon­kur­ren­ten eines Un­ter­neh­mens – und damit Faktoren, die zwar nicht direkt kon­trol­liert, aber sehr wohl be­ein­flusst werden können.
Ferne Umwelt Faktoren, die vom Un­ter­neh­men weder kon­trol­liert noch be­ein­flusst werden können, fasst Stapleton unter „Ferne Umwelt“ zusammen. Zu diesen gehören so­zio­kul­tu­rel­le, tech­no­lo­gi­sche, öko­no­mi­sche und po­li­ti­sche Um­welt­fak­to­ren.

Das Modell von Philip Kotler umfasst vier Ebenen und klas­si­fi­ziert Ein­fluss­fak­to­ren aus Marketing-Sicht.

Vier Umwelt-Ebenen (nach Kotler)
Aufgaben-Umwelt Die auf­ga­ben­be­zo­ge­ne Umwelt umfasst alle Funk­tio­nen, die direkt mit der Leis­tungs­er­stel­lung des Un­ter­neh­mens zu­sam­men­hän­gen. Dazu zählen die wich­tigs­ten Stake­hol­der des Un­ter­neh­mens wie Ei­gen­tü­mer, Geldgeber, Mit­ar­bei­ter, Kunden und Lie­fe­ran­ten
Kon­kur­renz-Umwelt Unter die kon­kur­renz­be­zo­ge­ne Umwelt fallen alle Faktoren, die mit dem Wett­be­wer­ber auf Be­schaf­fungs- und Ab­satz­märk­ten zu­sam­men­hän­gen.
Öf­fent­lich­keit Die dritte Um­welt­ebe­ne nach Kotler umfasst Auf­sichts­or­ga­ni­sa­tio­nen, die Presse sowie die all­ge­mei­nen Öf­fent­lich­keit.
Makro-Umwelt Kolters Makro-Umwelt ent­spricht der „Fernen Umwelt“ des Drei-Umwelten-Modells.

Welches Modell bei der Um­welt­ana­ly­se zum Einsatz kommt, ist dem je­wei­li­gen Analysten über­las­sen und wird nach Bedarf und Zweck der Analyse ent­schie­den.

Trotz Un­ter­schie­den in der Glie­de­rung weisen die beiden vor­ge­stell­ten Modelle Ge­mein­sam­kei­ten in we­sent­li­chen Bereichen auf: Beide Ansätze grenzen Um­welt­fak­to­ren, die in un­mit­tel­ba­rer Beziehung zu Un­ter­neh­mens­ak­ti­vi­tä­ten stehen, von externen nicht vom Un­ter­neh­men be­ein­fluss­ba­ren Faktoren ab. Zentral für das stra­te­gi­sche Marketing ist vor allem die Un­ter­schei­dung von Mikro-Umwelt und Makro-Umwelt. Oft be­schrän­ken sich Um­welt­ana­ly­sen auf diese Ebenen.

Die Micro-Umwelt umfasst die Branche eines Un­ter­neh­mens inklusive aller Stake­hol­der (Bezugs- und An­spruchs­grup­pen). Von der Makro-Umwelt un­ter­schei­det sich die Micro-Umwelt vor allem dadurch, dass sie sich durch ein Be­zie­hungs­ma­nage­ment zu re­le­van­ten Stake­hol­dern be­ein­flus­sen und somit in einem gewissen Grad kon­trol­lie­ren lässt.

Zu den wichtigen In­stru­men­ten für die Analyse der Mikro-Umwelt gehören:

  • die Stake­hol­der-Analyse und
  • die Bran­chen­struk­tur­ana­ly­se

Für die Analyse der Makro-Umwelt eines Un­ter­neh­mens hat sich ins­be­son­de­re die PESTEL-ANALYSE etabliert, auf die später noch genauer ein­ge­gan­gen wird.

Die Er­geb­nis­se der Um­welt­ana­ly­se fließen in der Regel in Form eines Chancen-Risiken-Katalogs in die SWOT-Analyse ein.

Hinweis

Bei den auf­ge­führ­ten Marketing-In­stru­men­ten handelt es sich um eine Auswahl re­le­van­ter Analyse-Schemata. Weiteren Input für die SWOT-Analyse erhalten Analysen durch eine Portfolio-Analyse, das Er­fah­rungs­kur­ven­kon­zept, GAP-Analysen, das PIMS-Programm oder eine Produkt-Markt-Matrix.

Die Stake­hol­der-Analyse

Die Stake­hol­der-Analyse ist eine Form der Um­welt­ana­ly­se, die die Mikro-Umwelt eines Un­ter­neh­mens ins Visier nimmt und sich dabei auf In­ter­es­sen­trä­ger und deren Beziehung zum Un­ter­neh­men kon­zen­triert.

Im ersten Schritt der Stake­hol­der-Analyse werden alle re­le­van­ten Bezugs- und An­spruchs­grup­pen ermittelt und deren In­ter­es­sen be­schrie­ben. Man un­ter­schei­det dabei zwischen internen und externen Stake­hol­dern.

Folgende Übersicht zeigt eine Auswahl re­le­van­ter Bezugs- und An­spruchs­grup­pen im KMU-Bereich sowie deren Ansprüche am Un­ter­neh­men und mögliche Beiträge zum Un­ter­neh­mens­er­folg.

Interne Stake­hol­der: Ansprüche gegenüber dem Un­ter­neh­men Beitrag zum Un­ter­neh­mens­er­folg
Ei­gen­tü­mer - Wert­stei­ge­rung des Kapitals - Ei­gen­ka­pi­tal
Manager   - gute Ent­loh­nung - Prestige - Einfluss - dis­po­si­ti­ve Arbeit
Mit­ar­bei­ter   - an­ge­mes­se­ne Ent­loh­nung - angenehme Ar­beits­be­din­gun­gen - Ar­beits­platz­si­cher­heit - Auf­stiegs­chan­cen - aus­füh­ren­de Arbeit
Externe Stake­hol­der Ansprüche gegenüber dem Un­ter­neh­men Beitrag zum Un­ter­neh­mens­er­folg
Lie­fe­ran­ten (Zu­lie­fe­rer) - Ab­nah­me­si­cher­heit - Zu­ver­läs­si­ges Zah­lungs­ver­hal­ten - Lang­fris­ti­ge Verträge - Ver­sor­gung mit Roh­stof­fen
Kunden - gutes Preis-Leistungs-Ver­hält­nis - zu­frie­den­stel­len­der Service - Abnahme von Gütern
Fremd­ka­pi­tal­ge­ber   - Bonität - Ka­pi­tal­dienst­fä­hig­keit - sichere Ka­pi­tal­an­la­ge - An­ge­mes­se­ne Ver­zin­sung - plan­mä­ßi­ge Tilgung von Krediten - Fremd­ka­pi­tal
Wett­be­wer­ber - Einhalten der Wett­be­werbs­re­geln - Beid­sei­ti­ge Ge­winn­stei­ge­rung - Ko­ope­ra­ti­on - Austausch von Wissen
Staat und Ge­sell­schaft   - Steu­er­zah­lun­gen - sichere Ar­beits­plät­ze - So­zi­al­leis­tun­gen - Einhalten der Rechts­vor­schrif­ten - Um­welt­enga­ge­ment - Rechts­ord­nung - In­fra­struk­tur - Sub­ven­tio­nen

Unter Umständen kann es er­for­der­lich sein, wichtige Ein­fluss­grup­pen in Un­ter­grup­pen zu un­ter­glie­dern, um die je­wei­li­gen In­ter­es­sen, Be­dürf­nis­se und Po­ten­zia­le ermitteln zu können. In der Gruppe „Mit­ar­bei­ter“ lassen sich bei­spiels­wei­se „High Po­ten­ti­als“ – An­ge­stell­te mit be­son­de­rem Wert für das Un­ter­neh­men – her­aus­fil­tern. Die Gruppe „Staat und Ge­sell­schaft“ wird in der Regel in einzelne In­ter­es­sen­grup­pen und Organe wie Behörden, Ämter, Be­rufs­ver­bän­de, Ge­werk­schaf­ten, Lobbys, NGOs, Presse und Öf­fent­lich­keit auf­ge­glie­dert.

Wurden alle re­le­van­ten Ein­fluss­grup­pen bestimmt, gilt es zu ana­ly­sie­ren, inwieweit die er­mit­tel­ten Stake­hol­der das Un­ter­neh­men be­ein­flus­sen oder von diesem be­ein­flusst werden. Im Rahmen der SWOT-Analyse stehen dabei vor allem die Chancen und Risiken im Mit­tel­punkt, die sich aus diesen Ein­flüs­sen ergeben.

Fragen, um die Chancen durch Stake­hol­der ein­schät­zen zu können:

  • Welche Fä­hig­kei­ten, Ver­bin­dun­gen oder Ein­fluss­mög­lich­kei­ten bietet der Stake­hol­der?
  • Wie lassen sich diese so nutzen, dass sie dem Un­ter­neh­mens­er­folg dienen?

Fragen, um die Risiken durch Stake­hol­der be­ur­tei­len zu können:

  • Stehen die Ansprüche des Stake­hol­ders im Konflikt zu Un­ter­neh­mens­zie­len
  • Welche Risiken sind mit In­ter­es­sen­kon­flik­ten verbunden?
  • Wie lassen sich diese Risiken re­du­zie­ren?

Um Hand­lungs­emp­feh­lun­gen ableiten zu können, muss man auch ein­schät­zen, wie stark der jeweilige Einfluss der einzelnen Stake­hol­der auf das Un­ter­neh­men ist.

Folgendes Beispiel zeigt eine stark ver­ein­fach­te grafische Dar­stel­lung einer Stake­hol­der-Analyse.

Zudem ist die Er­stel­lung einer Stake­hol­der-Matrix zu empfehlen. Diese ver­deut­licht Einfluss und Kon­flikt­wahr­schein­lich­keit von In­ter­es­sen­grup­pen in einem Diagramm.

Weist die Sta­ked­hol­der-Analyse auf Chancen und Risiken hin, die mit re­le­van­ten Bezugs- und An­spruchs­grup­pen zu­sam­men­hän­gen, werden diese in einem Katalog fest­ge­hal­ten, der an­schlie­ßend in die SWOT-Analyse eingeht.

Die Bran­chen­struk­tur­ana­ly­se

Ein weiteres In­stru­ment des stra­te­gi­schen Ma­nage­ments, mit dem sich die Mikro-Umwelt eines Un­ter­neh­mens erfassen lässt, ist die Bran­chen­struk­tur­ana­ly­se.

Un­ter­neh­mer bedienen sich ver­schie­de­ner Ana­ly­se­mo­del­le, um die Struktur der Branche und somit die Wett­be­werbs­si­tua­ti­on zu un­ter­su­chen: Be­kann­tes­tes Ana­ly­se­sche­ma ist das Fünf-Kräfte-Modell von Michael E. Porter. Grundlage des Modells ist die Annahmen, dass sich die At­trak­ti­vi­tät eines Marktes in erster Linie aus der Markt­struk­tur ergibt und diese einen direkten Einfluss auf den Markt­er­folg eines Un­ter­neh­mens hat.

Laut Porter lässt sich die At­trak­ti­vi­tät einer Branche auf fünf Wett­be­werbs­kräf­te zu­rück­füh­ren:

  • Bran­chen­in­ter­ner Wett­be­werb
  • Bedrohung durch neue Kon­kur­ren­ten
  • Ver­hand­lungs­stär­ke der Lie­fe­ran­ten
  • Ver­hand­lungs­stär­ke der Abnehmer
  • Bedrohung durch Er­satz­pro­duk­te

Jede der fünf Wett­be­werbs­kräf­te stellt eine Gefahr für die Un­ter­neh­mens­in­ter­es­sen dar. Je stärker eine dieser Be­dro­hun­gen aus­ge­prägt ist, desto un­at­trak­ti­ver ist der jeweilige Markt für das Un­ter­neh­men.

Folgende Grafik zeigt eine sche­ma­ti­sche Dar­stel­lung des Fünf-Kräfte-Modells.

Verändert sich die Markt­struk­tur da­hin­ge­hend, dass die Bedrohung durch eine oder mehrere Wett­be­werbs­kräf­te zunimmt, wird dies im Rahmen der Um­feld­ana­ly­se als Risiko in­ter­pre­tiert. Glei­cher­ma­ßen können sich durch Ver­än­de­run­gen der Mark­struk­tur auch Chancen für Un­ter­neh­mens­ak­ti­vi­tä­ten auftun. Auch diese sollten iden­ti­fi­ziert und in den Chancen-Risiken-Katalog der Um­welt­ana­ly­se auf­ge­nom­men werden.

Die PESTEL-Analyse

Rückt die Makro-Umwelt eines Un­ter­neh­mens in den Ana­ly­se­fo­kus, bedienen sich Un­ter­neh­mer in der Regel einer Form der STEP-Analyse, um solche Um­welt­fak­to­ren zu ermitteln, die sich nicht direkt durch Un­ter­neh­mens­ak­ti­vi­tä­ten be­ein­flus­sen lassen.

Das Akronym STEP (manchmal auch in anderer Rei­hen­fol­ge: PEST) steht für so­cio­lo­gi­cal, tech­no­lo­gi­cal, economic and political change. Dem Modell zufolge wird die Makro-Umwelt eines Un­ter­neh­mens im We­sent­li­chen durch Faktoren be­ein­flusst die sich vier Bereichen zuordnen lassen:

  • sozialen Faktoren
  • tech­no­lo­gi­schen Faktoren
  • öko­no­mi­schen Faktoren
  • po­li­ti­schen Faktoren

Das Konzept von STEP wurde in diversen Modellen angepasst und erweitert. Zu den be­kann­tes­ten Varianten zählt STEEP, ein Modell, das die STEP-Analyse um öko­lo­gi­sche (eco­lo­gi­cal) Faktoren erweitert. Werden darüber hinaus auch recht­li­che (legal) Um­welt­fak­to­ren be­rück­sich­tigt spricht man von einer PESTEL-Analyse.

Folgende Tabelle zeigt eine Auswahl an Um­welt­fak­to­ren, die im Rahmen der PESTEL-Analyse un­ter­sucht werden sollten. Dies dient der sys­te­ma­ti­schen Er­mitt­lung aller Chancen und Risiken, die sich bei Ver­än­de­run­gen der Makro-Umwelt auf den Un­ter­neh­mens­er­folg auswirken könnten (die Auf­zäh­lung ist nicht ab­schlie­ßend).

Po­li­ti­sche Faktoren Öko­no­mi­sche Faktoren Soziale Faktoren Tech­no­lo­gi­sche Faktoren Umwelt-faktoren Recht­li­che Faktoren
Wirt­schafts­ord­nung des Landes Wirt­schafts-wachstum Be­völ­ke­rungs-struktur Staat­li­che For­schungs­aus­ga­ben Standort All­ge­mei­ne Ge­setz­ge­bung
Au­ßen­po­li­tik Be­völ­ke­rungs­zahl Bil­dungs­we­sen Tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung In­fra­struk­tur Rechts­be­wusst­sein
Sta­bi­li­tät des po­li­ti­schen Systems Zins­ni­veau Sprache Pro­dukt­le­bens­zy­klen Ver­füg­bar­keit na­tür­li­cher Res­sour­cen Wett­be­werbs­recht
In­fla­ti­ons­ra­te Werte Emission Um­welt­recht
In­vest­ments Ein­stel­lun­gen
Wech­sel­kur­se Religion
Ar­beits­lo­sig­keit Rol­len­bild
Import/Export

Die PESTEL-Analyse stützt sich sowohl auf Pri­mär­da­ten, die durch Befragung, Ex­per­ten­in­ter­view und Be­ob­ach­tung gewonnen werden, als auch auf un­ter­neh­mens­exter­ne Se­kun­där­quel­len wie

  • Amtliche Sta­tis­ti­ken
  • Ver­öf­fent­li­chun­gen von Mi­nis­te­ri­en
  • Ver­öf­fent­li­chun­gen von Wirt­schafts­ver­bän­den
  • Berichte von Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tu­ten
  • Bran­chen­be­rich­te
  • Ver­öf­fent­li­chun­gen von Markt­for­schungs­in­sti­tu­ten
  • Wis­sen­schaft­li­che Studien
  • Ge­schäfts­be­rich­te
  • In­for­ma­tio­nen von in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen

Durch eine PESTEL-Analyse gewonnen Er­kennt­nis­se fließen ebenfalls in den Chancen-Risiken-Katalog der Um­welt­ana­ly­se ein und stehen somit für eine Aus­wer­tung im Rahmen der SWOT-Analyse zur Verfügung.

Schritt 2: Un­ter­neh­mens­ana­ly­se

Der zweite Schritt der SWOT-Analyse umfasst die Un­ter­neh­mens­ana­ly­se. Diese hilft Ver­ant­wort­li­chen, die Leis­tungs­fä­hig­keit der Or­ga­ni­sa­ti­on ein­zu­schät­zen. Die Un­ter­neh­mens­ana­ly­se erfolgt in der Regel in Form einer drei­stu­fi­gen Stärken-Schwächen-Analyse. Diese be­inhal­tet

  • die Er­stel­lung eines Res­sour­cen­pro­fils
  • die Analyse re­le­van­ter Wett­be­wer­ber (Kon­kur­renz­ana­ly­se)
  • das Verfassen eines Stärken-Schwächen-Profils.
Hinweis

Stärken-Schwächen-Analysen werden in der Regel nicht für das Un­ter­neh­men in seiner Ge­samt­heit, sondern für einzelne Pla­nungs­ein­hei­ten erstellt. Dabei werden Produkte und Dienst­leis­tun­gen in stra­te­gi­sche Ge­schäfts­be­rei­che gruppiert. Aus­schlag­ge­bend für die Klas­si­fi­zie­rung sind Über­schei­dun­gen bei der Ziel­grup­pen­aus­rich­tung, im Wett­be­werb oder bei der Pro­duk­ti­on.

Das Res­sour­cen­pro­fil

Um die Stärken und Schwächen eines Un­ter­neh­mens im Vergleich zu Wett­be­wer­bern ein­schät­zen zu können, gilt es zunächst, alle re­le­van­ten Un­ter­neh­mens­res­sour­cen zu ermitteln. Zu den Res­sour­cen eines Un­ter­neh­mens zählen neben ma­te­ri­el­len Werten wie Kapital, Grund und Boden, Gebäuden, Anlagen, Ar­beits­kräf­ten und Roh­stof­fen auch im­ma­te­ri­el­le Werten wie tech­no­lo­gi­sches Know-how, Qua­li­fi­ka­tio­nen und Marken-Image.

In der Regel werden Un­ter­neh­mens­res­sour­cen in fünf Bereiche ge­glie­dert:

  • Physische Res­sour­cen (Gebäude, Anlagen etc.)
  • Hu­man­res­sour­cen (Füh­rungs­kräf­te, Fach­ar­bei­ter usw.)
  • Or­ga­ni­sa­to­ri­sche Res­sour­cen (In­for­ma­ti­ons­sys­te­me usw.)
  • Tech­no­lo­gi­sche Res­sour­cen (For­schungs-Know-how, Mar­ken­na­men usw.)

De­tail­lier­te In­for­ma­tio­nen über Un­ter­neh­mens­res­sour­cen liegen in der Regel bereits vor und müssen lediglich zu­sam­men­ge­tra­gen und für die Stärken-Schwächen-Analyse auf­be­rei­tet werden. Dieser liegt die Annahme zugrunde, dass sich für jede Pla­nungs­ein­heit (z. B. ein Produkt, eine Pro­dukt­spar­te oder das gesamte Un­ter­neh­men) Faktoren iden­ti­fi­zie­ren lassen, die den Erfolg der Pla­nungs­ein­heit ent­schei­dend be­ein­flus­sen (so­ge­nann­te Er­folgs­kri­te­ri­en).

Wie ein Un­ter­neh­men in Hinblick auf relevante Er­folgs­kri­te­ri­en zu bewerten ist, ergibt sich aus den zur Verfügung stehenden Res­sour­cen. Ein Abgleich der Er­folgs­kri­te­ri­en mit den Un­ter­neh­mens­res­sour­cen er­mög­licht es, Po­ten­zia­le und Synergien zu iden­ti­fi­zie­ren. Wett­be­werbs­re­le­van­te Stärken und Schwächen lassen sich jedoch nur im Vergleich zur Kon­kur­renz ableiten. Die Un­ter­neh­mens­ana­ly­se setzt daher immer auch eine Kon­kur­renz­ana­ly­se voraus.

Die Kon­kur­renz­ana­ly­se

Bei der Kon­kur­renz­ana­ly­se handelt es sich um eine Un­ter­su­chung der re­le­van­tes­ten Mitt­be­wer­ber auf einem Ab­satz­markt. Die Kon­kur­renz­ana­ly­se ist Teil der Wett­be­werbs­for­schung (Com­pe­ti­ti­ve In­tel­li­gence), die die sys­te­ma­ti­sche Sammlung und Aus­wer­tung von In­for­ma­tio­nen über Mit­be­wer­ber, Kon­kur­renz­pro­duk­te, Markt­ent­wick­lun­gen, Branchen, Patente, tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen und Kun­den­er­war­tun­gen umfasst.

Auch Kon­kur­renz­ana­ly­sen werden in der Regel für ver­schie­de­ne Pla­nungs­ein­hei­ten separat durch­ge­führt. Schließ­lich kon­kur­riert ein Un­ter­neh­men meist auf ver­schie­de­nen Ab­satz­märk­ten mit un­ter­schied­li­chen Wett­be­wer­bern. Von zentraler Wich­tig­keit sind ins­be­son­de­re Daten zum Markt­füh­rer und dessen Er­folgs­fak­to­ren. Die Analyse der Mit­be­wer­ber un­ter­sucht:

  • wirt­schaft­li­che Vor­aus­set­zun­gen
  • die der­zei­ti­ge Markt­po­si­ti­on
  • die Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur
  • die Sor­ti­ments­struk­tur
  • Be­zie­hun­gen zu Lie­fe­ran­ten und Abnehmern

In­for­ma­tio­nen über Kon­kur­renz­un­ter­neh­men lassen sich al­ler­dings nicht so leicht ermitteln wie Daten über das eigene Un­ter­neh­men und liegen daher nahezu immer in ge­rin­ge­rem Umfang vor.

Analysten stützen sich bei der Un­ter­su­chung auf Pri­mär­quel­len wie In­ter­views mit Bran­chen­ex­per­ten, Befragung von (ehe­ma­li­gen) Mit­ar­bei­tern, Kunden, Lie­fe­ran­ten, Ab­satz­hel­fern von Wett­be­wer­bern sowie Messen und Kongresse. Als Se­kun­där­quel­len stehen Ge­schäfts­be­rich­te, Ver­öf­fent­li­chun­gen von Han­dels­kam­mern und Mark­for­schungs­in­sti­tu­ten sowie Bran­chen­zei­tun­gen, Pa­tent­an­mel­dun­gen und Fach­da­ten­ban­ken zur Verfügung.

Das Stärken-Schwächen-Profil

Das Stärken-Schwächen-Profil stellt Stärken und Schwächen des Un­ter­neh­mens in Relation zur Kon­kur­renz dar. Ein solches Bench­mar­king er­mög­licht es, spe­zi­fi­sche Kom­pe­ten­zen zu iden­ti­fi­zie­ren. Zweck ist es, sowohl Wett­be­werbs­vor­tei­le als auch Nachteile zu ermitteln.

Folgende Grafik zeigt bei­spiel­haft ein ver­ein­fach­tes Stärken-Schwächen-Profil für eine stra­te­gi­sche Pla­nungs­ein­heit.

Das Stärken-Schwächen-Profil unseres Swot-Analyse-Beispiels zeigt, dass die Stärken des un­ter­such­ten Un­ter­neh­mens in folgenden Bereichen liegen:

  • Pro­dukt­leis­tung & Qualität
  • Service
  • Forschung & Ent­wick­lung

Gegenüber dem Mark­füh­rer lassen sich zudem Defizite bei folgenden Er­folgs­fak­to­ren iden­ti­fi­zie­ren:

  • Markt­an­teil
  • Preis
  • Logistik
  • Pro­duk­ti­on
  • Kosten

Dieses Stärken-Schwächen-Profil der Un­ter­neh­mens­ana­ly­se geht dann zusammen mit dem Chancen-Risiken-Katalog der Um­welt­ana­ly­se in die SWOT-Matrix ein.

Schritt 3: Kom­bi­na­ti­on von Umwelt- und Un­ter­neh­mens­ana­ly­se

Der dritte Schritt der SWOT-Analyse umfasst eine Ge­gen­über­stel­lung der un­ter­neh­mens­exter­nen Chancen sowie Risiken und auch der un­ter­neh­mens­in­ter­nen Stärken und Schwächen. In diesem Ana­ly­se­schritt stehen Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­kei­ten im Vor­der­grund, die es erlauben, Maßnahmen für das stra­te­gi­sche Ma­nage­ment ab­zu­lei­ten. Man un­ter­schei­det vier Di­men­sio­nen.

  • SO (Strengths – Op­por­tu­ni­ties): Die Kom­bi­na­ti­on von un­ter­neh­mens­in­ter­nen Stärken mit un­ter­neh­mens­exter­nen Chancen hilft Un­ter­neh­mern, aus­zu­ar­bei­ten, mit welchen Stärken man um­welt­be­ding­te Chancen für den Un­ter­neh­mens­er­folg nutzen kann. In der Dimension SO werden Matching-Stra­te­gien ent­wi­ckeln, mit denen sich Stärken ausbauen lassen.
  • ST (Strengths – Theats): Eine Kom­bi­na­ti­on von un­ter­neh­mens­in­ter­nen Stärken mit un­ter­neh­mens­exter­nen Risiken soll aufzeigen, welche bereits vor­han­de­nen Stärken das Risiko durch um­welt­be­din­ge Be­dro­hun­gen mi­ni­mie­ren können. Ziel­set­zung für die Dimension ST: Neu­tra­li­sie­rungs­stra­te­gien ent­wi­ckeln, mit denen sich das Un­ter­neh­men gegen Risiken absichern kann.
  • WO (We­ak­ne­s­ses – Op­por­tu­ni­ties): Bei einer Ge­gen­über­stel­lung von un­ter­neh­mens­in­ter­nen Schwächen und un­ter­neh­mens­exter­nen Chancen versuchen Un­ter­neh­mer Schwächen zu iden­ti­fi­zie­ren, aus denen Chancen entstehen können. Ziel­set­zung für die Dimension WO: Um­wand­lungs­stra­te­gien ent­wi­ckeln, mit denen sich bisher schwache Un­ter­neh­mens­be­rei­che ausbauen lassen.
  • WT (We­ak­ne­s­ses – Threats): Durch die Kom­bi­na­ti­on von un­ter­neh­mens­in­ter­nen Schwächen mit un­ter­neh­mens­exter­nen Risiken iden­ti­fi­zie­ren Un­ter­neh­mer Bereiche, in denen ein akuter Hand­lungs­be­darf besteht, um sich vor einem möglichen Schaden zu schützen. Ziel­set­zung für die Dimension WT: Ver­tei­di­gungs­stra­te­gien ent­wi­ckeln, durch die sich Risiken mi­ni­mie­ren und Be­dro­hun­gen abwenden lassen.

Die Er­geb­nis­se der SWOT-Analyse werden in der Regel in einer SWOT-Matrix dar­ge­stellt. Dem folgenden Beispiel liegt das zuvor er­mit­tel­te Stärken-Schwächen-Profil zugrunde, sowie die Annahme, das bei der Um­welt­ana­ly­se starkes Markt­wachs­tum und un­er­schlos­se­ne Pro­dukt­fel­der als Chancen sowie neue Sub­sti­tu­ti­ons­tech­no­lo­gien und starke Mitt­wer­ber als Risiken iden­ti­fi­ziert wurden.

In unserem Swot-Analyse-Beispiel wurden im Rahmen der Un­ter­neh­mens­ana­ly­se Defizite in der Pro­duk­ti­on der Produkte, in der Logistik und bei der Preis­ge­stal­tung fest­ge­stellt. An­de­rer­seits hat die Um­feld­ana­ly­se ergeben, dass der Markt für das Produkt auch künftig wachsen wird. Zudem wurden bisher un­er­schlos­se­ne Pro­dukt­fel­der iden­ti­fi­ziert. Eine mögliche Strategie, die sich auch der WO-Kom­bi­na­ti­on der SWOT-Matrix ergibt, ist folgende:

Der Markt ist zu­kunfts­träch­tig und recht­fer­tig Ausgaben in den Bereichen Pro­duk­ti­on und Logistik. Eine daraus re­sul­tie­ren­de Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rung, er­mög­licht es, die Kosten für den Abnehmer zu senken und somit den Preis­un­ter­schied zu Produkten des Markt­füh­rers zu re­du­zie­ren. Das Ziel dieser Um­wand­lungs­stra­te­gie wäre eine bessere Po­si­tio­nie­rung der eigenen Produkte auf dem Markt.

Ähnliche Stra­te­gien lassen sich anhand der SWOT-Matrix für alle vier Di­men­sio­nen ent­wi­ckeln.

Kritische Be­trach­tung der SWOT-Analyse

Die SWOT-Analyse ist ein bewährtes In­stru­ment des stra­te­gi­schen Mar­ke­tings. Un­ter­neh­men sollten jedoch bedenken, dass es sich bei dieser Art der Po­si­ti­ons­ana­ly­se um einen sub­jek­ti­ven Ansatz handelt. Sowohl die Auswahl der Er­folgs­kri­te­ri­en als auch deren Ge­wich­tung und Bewertung im Rahmen der internen Analyse erfolgt nach sub­jek­ti­ven Ge­sichts­punk­ten. Zudem hängt die Aus­sa­ge­kraft der Un­ter­neh­mens­ana­ly­se in hohem Maße von der Zu­gäng­lich­keit und Qualität der In­for­ma­tio­nen über Kunden, Wett­be­wer­ber und Markt­ent­wick­lun­gen ab. Gleiches gilt für Quellen, die Annahmen zur Ver­än­de­rung der Un­ter­neh­mensum­welt und den sich daraus er­ge­ben­den Chancen und Risiken erlauben.

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