Thin Client: Definition, Funktionsweise, Vor- und Nachteile, Anwendung

Unter einem Thin Client versteht man einen Computer, der durch ein Netzwerk mit einem Server verbunden ist, mit diesem kommuniziert und maßgeblich die Ressourcen des Servers nutzt. Lokales Arbeiten ist auf einem Thin Client nicht vorgesehen.

Was ist ein Thin Client?

Ein Thin Client ist eine bestimmte Ausführung eines Clients. Es handelt sich um einen einfachen Computer mit Netzwerkkarte und Peripheriegeräten. Er verfügt nur über wenige lokale Ressourcen und ist auf die Existenz und Erreichbarkeit eines Servers angewiesen. Autarkes Arbeiten, wie es ein Fat Client erlaubt, ist beim Thin Client nicht vorgesehen.

Wie funktioniert ein Thin Client?

Thin Clients stellen Endpunkte dar, die als Schnittstellen zwischen Benutzerinnen und Benutzern und der Rechenkapazität des Servers dienen. Der Server dient als Terminalserver oder stellt virtualisierte Desktops bereit. Die Kommunikation zwischen Thin Client und Server ist durch spezielle Protokolle realisiert. Das von Microsoft entwickelte Remotedesktop-Protokoll ermöglicht die Remotedesktop-Verbindung mit einem Rechner, der Windows als Betriebssystem installiert hat. Mithilfe dieser Protokolle lassen sich die Bildschirminhalte eines Computers, der nicht vor Ort sind, übertragen und dieser lässt sich darüber steuern.

Das Betriebssystem von Thin Clients ist stark reduziert und eingeschränkt. Es ermöglicht die Nutzung der angeschlossenen Peripheriegeräte. Die Wahl eines geeigneten Betriebssystems ist flexibel und abhängig von dem Einsatz des Clients. Verbreitet sind Windows 10 Pro, Windows 10 IoT oder auch Linux.

Es gibt besondere Formen von Thin Clients. Eine klare Abgrenzung zwischen den einzelnen Client-Arten ist meist fließend. Die Zuspitzung der Idee eines Thin Clients bildet der Zero Client. Auf diesem ist oftmals nur eine Firmware installiert, die vollständig auf die Server-Plattform eines bestimmten Client-Anbieters abzielt.

Vorteile eines Thin Clients

Unternehmen und Organisationen entscheiden sich für den Einsatz von Thin Clients aufgrund einer Vielzahl von Vorteilen. Besonders große Unternehmen profitieren von dem Einsatz dieser aus den folgenden Gründen.

Kosteneinsparungen und Emissionsreduktion

Thin Clients sind aufgrund ihrer reduzierten Ausstattung und fehlender beweglicher Teile, beispielsweise in Lüfter und Festplatte, relativ kostengünstig. Auch der Betrieb ist durch den geringeren Stromverbrauch günstiger. Damit einher gehen eine geringere Abwärme und reduzierte Störgeräusche. Diese Effekte potenzieren sich mit der steigenden Anzahl von Thin Clients.

Zentralisierung der IT

Der Betrieb von Thin Clients weist eine besondere Einfachheit auf. Allein die Software, die den Zugriff auf den Server ermöglicht, ist lokal auf dem Thin Client installiert. Alle weiteren benötigten Anwendungen zur Ausführung der Arbeiten liegen zentral auf dem Server. Die Systeme sind damit einfach zu warten und zu administrieren. Neben dem Bereitstellen neuer Software über den Server ist auch das Ausspielen wichtiger Updates leicht möglich. Thin Clients sind weniger störanfällig, wartungsarm und in der Problemlösung einfacher zu handhaben.

Tipp

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Die Sicherheit des Systems

Ein Thin Client verfügt über ein stark beschränktes Betriebssystem. Die Anzahl der Schwachstellen ist damit ebenso stark reduziert. Die Risiken, die beispielweise bei der Arbeit mit einem Fat Client auftreten, sind beim Thin Client weitestgehend neutralisiert. Die Cybersicherheit lässt sich zentral und unabhängig vom einzelnen Client umsetzen.

Mobiles Arbeiten

Der Einsatz eines Thin Clients ermöglicht mobiles Arbeiten, unabhängig vom physischen Gerät. Nutzerinnen und Nutzer können von jedem Platz aus arbeiten, solang dort ein Thin Client bzw. ein Endgerät vorhanden ist. Auch das mobile Zugreifen auf die virtuelle Umgebung ist möglich und eröffnet beispielsweise auf Dienstreisen die Nutzung der bereitgestellten Anwendungen. Außerdem sind Thin Clients durch die geringen Hardware-Ressourcen leicht zu transportieren.

Nachteile eines Thin Clients

Einbußen in der Leistung

Beim Einsatz von Thin Clients ist zu beachten, dass nicht jede Anwendung für den Client-Server Betrieb geeignet ist. Besonders Anwendungen mit hohen Anforderungen an die Grafikleistung sind in den seltensten Fällen für den Betrieb auf Servern vorgesehen. Maßgeblich ist dabei auch die übertragbare Datenmenge des Netzes. Die Weiterentwicklung der Lösungen zur Virtualisierung zielt jedoch auf diese Probleme ab und schwächt diese Nachteile ab.

Abhängigkeit vom Server und Netzwerk

Die Abhängigkeit des Servers ist dann nachteilig zu betrachten, wenn es zu Netzwerkproblemen oder Serverausfällen kommt. Ein Serverausfall bedeutet die gleichzeitige Beeinträchtigung aller abhängigen Clients. Der Schaden ist damit unmittelbar hoch. Außerdem ist man, wenn man von unterwegs auf die Umgebung zugreift, von der Qualität des mobilen Netzes beziehungsweise WLANs vor Ort abhängig.

Welche Anwendungsszenarien hat ein Thin Client?

Thin Clients kommen häufig in Unternehmen mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Einsatz und ermöglichen den Zugriff auf virtualisierte Desktopumgebungen. Nutzerinnen und Nutzer arbeiten auf einer virtuellen Arbeitsumgebung und führen dort beispielsweise Office-Anwendungen aus. Entweder hat das Unternehmen eine eigene IT-Abteilung, die das System administriert und Hilfestellung im Problemfall leistet, oder einen externen Dienstleister, der für den Betrieb der Thin Clients und zugehörigen Servern verantwortlich ist.

Anwendungen, die eine hohe Grafikleistung benötigen, fallen nicht in den geeigneten Anwendungsbereich. Hier ist die Übertragungsrate des Netzwerks ein limitierender Faktor. Zusätzlich sind Programme beispielsweise für die Erstellung von CAD-Modellen so lizensiert, dass ein Betrieb auf Servern mit zusätzlichen Lizenzkosten einhergeht.

Der Marktanteil von Thin Clients steigt stetig. Ihr Einsatz ist aufgrund des steigenden Kostendrucks für Unternehmen für immer mehr Anwendungsszenarien sinnvoll. Die Weiterentwicklung der Virtualisierungstechnologien sowie die stetige Verbesserung der Netzwerktechnik und Netzwerkqualität heben die Nachteile der Thin Clients immer weiter auf.

Wie unterscheidet sich der Thin Client vom Fat Client?

Bei der Auswahl eines geeigneten Clients steht in vielen Fällen neben dem Thin Client auch der Fat Client zur Diskussion. Beide Clients unterscheiden sich in ihren wesentlichen Ausprägungen. Die nachfolgende Tabelle stellt diese gegenüber.

 

Thin Client

Fat Client

Funktion

- dient als Schnittstelle zum Server

- führt Programme autark aus

Ressourcen

- ist mit geringen Ressourcen ausgestattet

- besitzt häufig ein eigenes Speicherlaufwerk

- verfügt über ein kompaktes Betriebssystem

- ist mit hoher Rechenkapazität ausgestattet (CPU, RAM, GPU)

- besitzt lokalen Speicher

- verfügt über ein vollwertiges Betriebssystem

 

Administration

- zentrale Administration

- Absicherung gegen Cyberangriffe ist effizient umsetzbar

- dezentrale Administration

- Absicherung gegen Cyberangriffe ist aufwendig und lokal für jeden einzelnen Client umzusetzen

Abhängigkeit zum Server

- ist vollständig vom Server abhängig

- ist unabhängig vom Server

- ist offline zu betreiben

- kann zusätzlich mit einem Server kommunizieren

Anwendung

- ist besonders bei virtualisierten Desktopumgebungen beliebt

- ist beispielsweise für das Schneiden von Videos, das Bearbeiten von Fotos, das Erstellen von CAD-Modellen sowie für Spiele beliebt

Kosten

- geringe Anschaffungskosten

- niedriger Energiebedarf und damit geringe Betriebskosten

- hohe Anschaffungskosten

- hoher Energiebedarf und damit hohe Betriebskosten