Über die viel­fäl­ti­gen Mög­lich­kei­ten der leis­tungs­star­ken IT-Mo­ni­to­ring-Anwendung Nagios lesen Sie in unserem "Nagios: Der Standard zur ef­fek­ti­ven Über­wa­chung der IT-In­fra­struk­tur". Dort sind bereits die of­fi­zi­el­len Plug-ins an­ge­spro­chen, ohne die die Über­wa­chung von Netzwerk und Co. mit Nagios gar nicht funk­tio­nie­ren würde. Aber welche Bedeutung haben dieses spezielle Plug-in-Paket und die diversen anderen Er­wei­te­run­gen von Dritt­an­bie­tern ei­gent­lich genau und wie in­stal­liert man sie?

Was sind Nagios Plugins ei­gent­lich überhaupt?

Anders als viele andere Mo­ni­to­ring-Programme besitzt Nagios keinerlei eigene Me­cha­nis­men, um den Status von Systemen und Netz­werk­diens­ten zu über­prü­fen. Diese Aufgabe überlässt es externen An­wen­dun­gen, den Nagios Plugins. Bei den Er­wei­te­run­gen, die man auch als Module be­zeich­net, handelt es sich entweder um bereits kom­pi­lier­te Dateien, die bei­spiels­wei­se in C oder C++ ge­schrie­ben sind, oder um aus­führ­ba­re Skripte (Perl, PHP etc.). Sie enthalten Kom­man­do­zei­len­ar­gu­men­te, die den je­wei­li­gen Check in die Wege leiten und die Er­geb­nis­se an die Über­wa­chungs­soft­ware wei­ter­lei­ten. Die Aus­füh­rung übernimmt Nagios wiederum selbst, wenn der Status des ent­spre­chen­den Dienstes bzw. Hosts kon­trol­liert werden soll.

Die Plug-ins agieren folglich als Abs­trak­ti­ons­schicht zwischen der Mo­ni­to­ring-Logik, die im Nagios-Interface in vi­sua­li­sier­ter Form prä­sen­tiert wird, und den ei­gent­li­chen Diensten und Hosts, die überwacht werden. Der Vorteil dieser Ar­chi­tek­tur ist, dass sie Nagios dazu befähigt, alles zu über­wa­chen, für das sich ein au­to­ma­ti­scher Über­prü­fungs­pro­zess pro­gram­mie­ren lässt. Al­ler­dings versteht das Mo­ni­to­ring-Tool selbst weder, welche Ei­gen­schaf­ten der Netz­werk­kom­po­nen­ten es in­spi­ziert, noch, wie die einzelnen Checks aus­ge­führt werden – was auch der Grund dafür ist, dass Nagios ohne Plugins nicht funk­tio­niert.

Welche Arten von Nagios Plugins gibt es?

Die Frei­hei­ten bei der Pro­gram­mie­rung eines Nagios Plugins haben dafür gesorgt, dass Er­wei­te­run­gen für die ver­schie­dens­ten Geräte, Programme, Sys­tem­pro­zes­se, Pro­to­kol­le und sonstige Dienste ent­wi­ckelt worden sind (und auch weiterhin werden). So gibt es u. a. Plugins für:

  • HTTP, POP3, IMAP, FTP, SSH, DHCP
  • CPU-Aus­las­tung, Fest­plat­ten- und Ar­beits­spei­cher­nut­zung, aktive Nutzer
  • Be­triebs­sys­te­me wie Windows, Linux-/Unix-Dis­tri­bu­tio­nen
  • Router, Switches
  • Log-Files

Prin­zi­pi­ell gilt es, die bereits erwähnten of­fi­zi­el­len Nagios-Plug-ins von den tausenden Er­wei­te­run­gen, die von Mit­glie­dern der Nagios-Community ent­wi­ckelt wurden, zu un­ter­schei­den. Das of­fi­zi­el­le Paket umfasst rund 50 Standard-Plug-ins, die eine Vielzahl der wich­tigs­ten Netzwerk-Checks abdecken, sowie ver­schie­de­ne Bi­blio­the­ken, die für viele der Dritt­an­bie­ter-Module von es­sen­zi­el­ler Bedeutung sind. Die Sammlung wird vom Her­stel­ler gepflegt, sodass alle Er­wei­te­run­gen stets auf dem neuesten Stand sind. Community-Plug-ins werden hingegen nicht immer wei­ter­ent­wi­ckelt und sind somit in einigen Fällen nicht mit der aktuellen Nagios-Core-Version bzw. den über­prüf­ten Netz­werk­kom­po­nen­ten kom­pa­ti­bel. Bevor Sie sich im Nagios-Exchange-Ver­zeich­nis auf die Suche nach spe­zi­fi­schen Plugins begeben, sollten Sie also zunächst das of­fi­zi­el­le Plugin-Paket auf der Her­stel­ler­sei­te her­un­ter­la­den. Verfügen Sie über das not­wen­di­ge Know-how, haben Sie außerdem die Mög­lich­keit, eigene Nagios-Plug-ins zu pro­gram­mie­ren. Was Sie dabei beachten müssen, erfahren Sie in den Nagios Plugin De­ve­lo­p­ment Gui­de­lines.

Wie Sie Nagios Plugins in­stal­lie­ren und kon­fi­gu­rie­ren

Haben Sie sich für ein Nagios-Plug-in ent­schie­den und den Download ab­ge­schlos­sen, müssen Sie es in­stal­lie­ren und ein­rich­ten. Im Folgenden zeigen wir Ihnen die wich­tigs­ten Schritte des In­stal­la­ti­ons- und Kon­fi­gu­ra­ti­ons­pro­zes­ses bei­spiel­haft unter Ubuntu.

1. Rufen Sie Ihr Down­load­ver­zeich­nis auf und entpacken die her­un­ter­ge­la­de­ne Datei. Für das of­fi­zi­el­le Plug-in-Paket sehen die ent­spre­chen­den Kom­man­do­zei­len­be­feh­le in etwa so aus:

cd ~/download
tar xzf nagios-plugins-2.1.2.tar.gz

2. Wechseln Sie an­schlie­ßend in den ent­pack­ten Ordner:

cd nagios-plugins-2.1.2

3. Hier geht es nun darum, die Plug-ins zu kom­pi­lie­ren und zu in­stal­lie­ren. Das leiten Sie mit diesen Zeilen in die Wege:

./configure --with-nagios-user=nagios --with-nagios-group=Nagios
make
make install

4. Öffnen Sie nun das Nagios-XI-Web­in­ter­face und wechseln Sie in den Ad­mi­nis­tra­to­ren­be­reich. In der linken Me­nü­leis­te finden Sie unter „System Ex­ten­si­ons“ den Un­ter­punkt „Manage Plugins“, über den Sie die soeben in­stal­lier­ten Er­wei­te­run­gen mit der Nagios-Software ver­knüp­fen können. Klicken Sie auf die Schalt­flä­che „Browse“ und wählen Sie das ge­wünsch­te Nagios-Plug-in aus. Via „Upload Plugin“ im­ple­men­tie­ren Sie dieses und sehen es fortan auch in der Liste ver­füg­ba­rer Module.

5. Es kann sehr nützlich sein, zu testen, ob die im­ple­men­tier­ten Plug-ins auch tat­säch­lich funk­tio­nie­ren, und die ge­wünsch­ten Checks durch­zu­füh­ren. Dazu müssen Sie die Mo­ni­to­ring-Software nicht einmal starten, da die Er­wei­te­run­gen über die Kom­man­do­zei­le aus­führ­bar sind. Sie rufen also einfach das Plug-in-Ver­zeich­nis auf, für ge­wöhn­lich /usr/local/nagios/libexec, und testen die auf­ge­führ­ten Module mit ge­eig­ne­ten Befehlen. Um das jeweilige Plug-in bzw. die möglichen Parameter ken­nen­zu­ler­nen, empfiehlt sich z. B. der Aufruf des Hil­fe­me­nüs (-h).

cd /usr/local/nagios/libexec
./name_des_plugins -h

6. Nach dem Upload des Plug-ins können Sie mithilfe des Wissens um die möglichen Be­fehls­zei­len­ar­gu­men­te An­wei­sun­gen für die Nagios-Software de­fi­nie­ren. Na­vi­gie­ren Sie dazu zum Menüpunkt „Configure“ und wählen Sie die Optionen „Core Config Manager“ und „Commands“. Klicken Sie an­schlie­ßend auf „Add New“. Es öffnet sich die Ein­ga­be­mas­ke für eine neue Nagios-Anweisung, die fol­gen­der­ma­ßen spe­zi­fi­ziert wird:

  • Command Name: De­fi­nie­ren Sie hier einen Namen für die Anweisung, der möglichst aus­sa­ge­kräf­tig sein sollte, z. B. der Name des je­wei­li­gen Nagios-Plug-ins.
  • Command Line: Hier geben Sie das Plug-in und den je­wei­li­gen Kom­man­do­zei­len­be­fehl an. Das Makro $USER1$ fungiert dabei als Platz­hal­ter für das Plug-in-Ver­zeich­nis, $ARG1$ als mögliches Kom­man­do­zei­len­ar­gu­ment.
  • Command Type: Wählen Sie „check command“, falls das Plug-in einen Host oder einen Dienst über­prü­fen soll bzw. „misc command“, wenn ein Ereignis überwacht werden soll. Sind Sie sich unsicher, um welchen Typ es sich bei der ge­tes­te­ten Kom­po­nen­te handelt, wählen Sie die Option „un­clas­si­fied“.
  • Active: Bei gesetztem Häkchen ist die Nagios-Anweisung aktiviert.
  • Available Plugins: In diesem Drop-down-Menü erhalten Sie eine Übersicht über die ver­füg­ba­ren Plug-ins.

Speichern Sie Ihr Nagios-Command mit „Save“ und be­stä­ti­gen Sie es an­schlie­ßend im Über­sichts­me­nü durch einen Klick auf die Schalt­flä­che „Apply Con­fi­gu­ra­ti­on“. Die Er­wei­te­rung ist damit inklusive einer passenden Nagios-Anweisung verfügbar und kann nun für ent­spre­chen­de Mo­ni­to­ring-Aufgaben ein­ge­setzt werden, indem Sie Hosts, Dienste oder Er­eig­nis­se erstellen und dem Plug-in bzw. dem Command zuweisen.

Eigene Nagios Plugins schreiben

Falls Sie ihr eigenes Nagios Plugin schreiben möchten, dann sollten Sie sich das nach­fol­gen­de eng­lisch­spra­chi­ge Video von Janice Singh ansehen, in dem Sie unter dem Titel „Writing Custom Nagios Plugins“ bei­spiel­haft erklärt, wie man in Perl ein eigenes Plugin schreibt und was es dabei generell zu beachten gibt.

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