Human-Centered Computing (HCC) fo­kus­siert sich darauf, Com­pu­ter­sys­te­me optimal auf die mensch­li­chen Be­dürf­nis­se und Fä­hig­kei­ten ab­zu­stim­men. Als wichtiges An­wen­dungs­ge­biet gilt unter anderem die Mensch-Computer-In­ter­ak­ti­on. Aktuelle Projekte setzen den Schwer­punkt meist auf Be­nut­zer­freund­lich­keit und die In­te­gra­ti­on in­tel­li­gen­ter Systeme in den Alltag.

De­fi­ni­ti­on: Was bedeutet Human-Centered Computing?

Human-Centered Computing – kurz HCC – ist ein For­schungs- und Ent­wick­lungs­feld, das sich auf die Ge­stal­tung, Ent­wick­lung und den Einsatz intuitiv nutzbarer, be­nut­zer­freund­li­cher Com­pu­ter­sys­te­me kon­zen­triert. Dazu zählen neben der Software und Hardware bei­spiels­wei­se auch digitale Workspaces. Den Schwer­punkt bildet dabei das Ziel, ent­spre­chen­de Systeme optimal auf die Be­dürf­nis­se, Fä­hig­kei­ten und das Verhalten von Menschen ab­zu­stim­men. Anders aus­ge­drückt bedeutet dies: Human-Centered Computing zielt darauf ab, die Kluft zwischen Mensch und Tech­no­lo­gie zu über­brü­cken. Dabei werden sowohl soziale und kul­tu­rel­le als auch per­sön­li­che Aspekte be­rück­sich­tigt, um Zu­gangs­bar­rie­ren wie Sprache und Bildung zu be­sei­ti­gen.

HCC ent­wi­ckelt Methoden und Praktiken, die für alle Bereiche gelten, in denen Menschen un­mit­tel­bar mit Computern in­ter­agie­ren. Auf diese Weise wird si­cher­ge­stellt, dass Tech­no­lo­gie die Menschen un­ter­stützt oder hilft, ihre Fä­hig­kei­ten zu erweitern.

Human-Centered Systems

Für Human-Centered Computing ent­wor­fe­ne Systeme werden auch als Human-Centered Systems (HCS) be­zeich­net. Der Begriff bezieht sich auf Systeme, welche der Analyse mensch­li­cher Aufgaben dienen und deren Leistung sich über­wa­chen lässt. Human-Centered Systems zeichnen sich zudem dadurch aus, dass sie mensch­li­che Fä­hig­kei­ten be­rück­sich­ti­gen und es möglich ist, sie an die sich ändernden Be­dürf­nis­se der Menschen an­zu­pas­sen.

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Zentrale Themen und For­schungs­fel­der im Bereich Human-Centered Computing

Die National Science Foun­da­ti­on (NSF) – die für Grund­la­gen­for­schung im nicht-me­di­zi­ni­schen Bereich zu­stän­di­ge US-Behörde – erachtet Human-Centered Computing als drei­di­men­sio­na­len Raum, der Mensch, Computer und Umwelt umfasst:

  • Die mensch­li­che Dimension erstreckt sich sowohl auf in­di­vi­du­el­le Be­dürf­nis­se als auch auf ziel­ori­en­tier­te Gruppen und die Ge­sell­schaft an sich.
  • Die Com­pu­ter­di­men­si­on be­inhal­tet neben sta­tio­nä­ren und mobilen Com­pu­ter­ge­rä­ten auch visuelle und akus­ti­sche Systeme.
  • Die Um­ge­bungs­di­men­si­on deckt nicht nur physische Geräte ab, sondern auch Mixed-Reality-Systeme und immersive virtuelle Um­ge­bun­gen.

Da Human-Centered Computing ver­schie­de­ne Di­men­sio­nen und damit zahl­rei­che Fach­be­rei­che berührt, fällt die Palette an For­schungs- und Ent­wick­lungs­fel­dern sehr breit aus. Zu den re­le­van­ten HCC-The­men­ge­bie­ten zählen unter anderem:

  • Pro­blem­lö­sun­gen in ver­teil­ten Systemen, bei­spiels­wei­se in internet- und sen­sor­ba­sier­ten In­for­ma­ti­ons­sys­te­men
  • Mul­ti­me­dia­le und mul­ti­mo­da­le Schnitt­stel­len, unter anderem haptische, gestische, räumliche und tragbare Schnitt­stel­len, aber ebenso Brain-Computer-In­ter­faces und Methoden für die In­ter­ak­ti­on mit künst­li­cher In­tel­li­genz als Mensch-Technik-Schnitt­stel­len
  • In­tel­li­gen­te Schnitt­stel­len und Be­nut­zer­mo­del­lie­rung mit In­for­ma­ti­ons­vi­sua­li­sie­rung und an­pass­ba­ren Inhalten
  • Mul­ti­agen­ten­sys­te­me zur Steuerung von Aktionen und zur Lösung komplexer Probleme in ab­ge­grenz­ten Zu­stän­dig­keits­be­rei­chen
  • Tech­no­lo­gie­ge­stütz­te Kom­mu­ni­ka­ti­on zwischen Menschen unter ver­schie­de­nen Be­din­gun­gen, etwa bei Vi­deo­kon­fe­ren­zen oder über Netze mit hoher Band­brei­te
  • De­fi­ni­ti­on se­man­ti­scher Struk­tu­ren für mul­ti­me­dia­le In­for­ma­tio­nen, die der mo­dus­über­grei­fen­den Ein- und Ausgabe dienen
  • Un­ter­stüt­zen­de und an­pass­ba­re Tech­no­lo­gien, die Menschen mit kör­per­li­chen, ko­gni­ti­ven oder sozialen Be­ein­träch­ti­gun­gen einen ver­bes­ser­ten Zugang zu In­for­ma­tio­nen, Arbeit und Un­ter­hal­tung gewähren
  • Kol­la­bo­ra­ti­ve Systeme, die In­ter­ak­tio­nen zur Wis­sens­ge­ne­rie­rung über die Grenzen von Or­ga­ni­sa­tio­nen, Ländern und Fach­ge­bie­ten hinweg er­mög­li­chen
  • Com­pu­ter­ani­ma­tio­nen, auch im Bereich Augmented und Virtual Reality

Wichtige An­wen­dungs­ge­bie­te für Human-Centered Computing

Ein Bereich, in dem Human-Centered Computing häufig zum Einsatz kommt, stellt die Mensch-Computer-In­ter­ak­ti­on (Human-Computer-In­ter­ac­tion = HCI) dar. Ob Touch-In­ter­ak­ti­on mit Smart­phones oder Mensch-Maschine-Systeme in der Flug­si­che­rung: Der Ansatz kon­zen­triert sich darauf, die Be­dürf­nis­se der Userinnen und User möglichst genau zu verstehen und zu be­rück­sich­ti­gen, befasst sich jedoch vor­wie­gend mit Be­nut­zer­ober­flä­chen und In­ter­ak­tio­nen. Human-Centered Computing legt den Fokus hingegen stärker auf die Be­rück­sich­ti­gung der ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen und in­te­griert in­tel­li­gen­te Systeme um­fas­sen­der.

Als weiteres Ein­satz­ge­biet von Bedeutung gilt Human-Centered Mul­ti­me­dia – kurz HCM. Dabei ist zu un­ter­schei­den zwischen den Ka­te­go­rien Mul­ti­me­dia­pro­duk­ti­on, -analyse und -in­ter­ak­ti­on:

  • Mul­ti­me­dia­pro­duk­ti­on: Es ist er­for­der­lich, Menschen in sämtliche Aspekte der Me­di­en­pro­duk­ti­on mit­ein­zu­be­zie­hen. HCM-Pro­duk­ti­ons­sys­te­me zielen darauf ab, sowohl kul­tu­rel­le Un­ter­schie­de und soziale Faktoren als auch die mensch­li­chen Fä­hig­kei­ten bei allen Prozessen der Pro­duk­ti­on zu be­rück­sich­ti­gen. Dies ge­währ­leis­tet nicht nur einen ef­fi­zi­en­ten Pro­duk­ti­ons­ab­lauf, sondern auch eine aktive Be­tei­li­gung.
  • Mul­ti­me­dia­ana­ly­se: Im Bereich Human-Centered Computing ist vor allem die au­to­ma­ti­sche Analyse mensch­li­cher Ak­ti­vi­tä­ten und sozialen Ver­hal­tens von Bedeutung. HCM-An­wen­dun­gen helfen dabei, die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwischen In­di­vi­du­en und den In­for­ma­ti­ons­zu­griff in un­ter­schied­li­chen Kontexten zu ver­bes­sern. Mul­ti­me­dia­ana­ly­sen gestatten ein dif­fe­ren­zier­tes Ver­ständ­nis des mensch­li­chen Ver­hal­tens, wodurch sie sich bei­spiels­wei­se zur Op­ti­mie­rung der Be­nut­zer­er­fah­rung und Sys­tem­funk­tio­nen eignen.
  • Mul­ti­me­dia­in­ter­ak­ti­on: Um die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwischen Menschen zu er­leich­tern, ist es von zentraler Bedeutung, zu wissen, wie und warum sie mit­ein­an­der in­ter­agie­ren. Um eine na­tür­li­che In­ter­ak­ti­on zu erreichen, besteht die Not­wen­dig­keit, kul­tu­rel­le Un­ter­schie­de und den sozialen Kontext zu be­rück­sich­ti­gen. Während die Kom­mu­ni­ka­ti­on von Angesicht zu Angesicht physisch vor Ort und in Echtzeit erfolgt, besteht bei com­pu­ter­ge­stütz­ter Live-Kom­mu­ni­ka­ti­on hingegen eine physische Ent­fer­nung zwischen den In­ter­agie­ren­den.

Darüber hinaus wird HCC auch für den Ansatz Human-Centered Design her­an­ge­zo­gen. Der Pro­blem­lö­sungs­an­satz findet unter anderem Ver­wen­dung im Produkt-, Prozess-, Service- und Sys­tem­de­sign, aber bei­spiels­wei­se ebenso im Bereich des Ma­nage­ments. Probleme werden hier in der Regel durch Ein­füh­lung in die Ziel­grup­pe gelöst, mitunter aber ebenso durch Kon­kur­renz­ana­ly­sen.

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Drei aktuelle HCC-Projekte

  1. Project ECHO (Health Science Center der Uni­ver­si­ty of New Mexico): Das Project ECHO – Extension für Community He­alth­ca­re Outcomes – wurde 2003 von Dr. Sanjeev Arora von der Uni­ver­si­ty of New Mexico ins Leben gerufen. Es zielt darauf ab, der länd­li­chen Be­völ­ke­rung in un­ter­ver­sorg­ten Gebieten einen besseren Zugang zu spe­zia­li­sier­ten Ge­sund­heits­dienst­leis­tun­gen zu ge­währ­leis­ten, was durch Vi­deo­kon­fe­ren­zen rea­li­siert wird.
  2. Project Euphonia (Google): Der Tech­kon­zern begann im Jahr 2019 damit, Tech­no­lo­gien für Menschen mit Sprach­stö­run­gen zu ent­wi­ckeln, um Be­trof­fe­nen eine bessere Kom­mu­ni­ka­ti­on mit digitalen Geräten zu er­mög­li­chen. Um Sprach­er­ken­nungs­sys­te­me wie Google Assistant auf die spe­zi­fi­schen Sprach­mus­ter an­zu­pas­sen, greift Google auf Machine Learning zurück.
  3. Seeing AI (Microsoft): Bei Seeing AI handelt es sich um eine von Microsoft ent­wi­ckelt App, die blinde und seh­be­hin­der­te Menschen dabei un­ter­stützt, ihre Umgebung besser wahr­zu­neh­men. Die kostenlos ver­füg­ba­re Ap­pli­ka­ti­on ist unter anderem dazu in der Lage, Texte vor­zu­le­sen, Fotos zu be­schrei­ben und Objekte sowie Produkte in Echtzeit zu iden­ti­fi­zie­ren. Die erkannten In­for­ma­tio­nen werden laut vor­ge­le­sen.
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