Ur­sprüng­lich konnten Sie In­ha­be­rin­nen und Inhaber einer Domain mithilfe von Whois-Diensten ermitteln, die sich auf das gleich­na­mi­ge Protokoll stützen. 2015 de­fi­nier­ten IETF und ICANN jedoch die ersten RFCs des Pro­to­kolls RDAP (Re­gis­tra­ti­on Data Access Protocol), das die Whois-Nachfolge eher heute als morgen antreten soll.

Was ist das Re­gis­tra­ti­on Data Access Protocol (RDAP)?

Das Re­gis­tra­ti­on Data Access Protocol (RDAP) wurde von einer Ar­beits­grup­pe der Internet En­gi­nee­ring Task Force (IETF) kon­zi­piert. Nach einer knapp vier­jäh­ri­gen Pro­jekt­pha­se erschien am 26. Juli 2016 die erste Version des Pro­to­koll­pro­fils (1.0), dessen Ei­gen­schaf­ten und Anwendung in ver­schie­de­nen Requests for Comments (RFC 7480-7484 und RFC 8056) be­schrie­ben sind. RDAP bietet die Mög­lich­keit, wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­tio­nen zu ele­men­ta­ren In­ter­net­res­sour­cen wie

  • Domain-Namen,
  • IP-Adressen oder
  • Au­to­no­mous System Numbers (ASNs)

sowie ver­wand­ten Einträge zu erhalten. Zu diesem Zweck liefert die Whois-Al­ter­na­ti­ve die Basis, um ent­spre­chen­de Anfragen an die ver­schie­de­nen Domain-Re­gis­tra­re zu stellen, die In­for­ma­tio­nen wie zum Beispiel die Kon­takt­da­ten der Domain-In­ha­be­rin­nen und -Inhaber, die Kon­takt­da­ten der Admins (Admin-C) oder die Adresse des ver­wen­de­ten Name­ser­vers inklusive ver­wal­ten­de Person in ihren Da­ten­ban­ken führen.

Warum wurde RDAP ent­wi­ckelt?

Bereits im Jahr 1982 pu­bli­zier­te die IETF das Protokoll Whois, um einen Abfrage-Service für das damalige ARPANET zu rea­li­sie­ren. Dass es auch nach über einem Vier­tel­jahr­hun­dert (mitt­ler­wei­le für die Abfrage im Internet) immer noch im Einsatz ist, ist vielen Experten jedoch schon lange ein Dorn im Auge. Der ent­schei­den­de Kri­tik­punkt ist, dass Whois den heutigen tech­ni­schen An­sprü­chen von Internet und Web nicht mehr gerecht wird.

Dabei geht es bei­spiels­wei­se um die Pro­ble­ma­tik, dass das Abfrage-Protokoll sich nicht um die Kodierung kümmert und daher keine Un­ter­stüt­zung für nicht-la­tei­ni­sche Schriften bietet (was z. B. deutsche Umlaute aus­schließt). Ebenso schwer wiegt die Tatsache, dass der Zugriff auf die Domain-Daten weder über eine ge­si­cher­te Ver­bin­dung statt­fin­det, noch re­gu­lier­bar ist – auch anonyme Nut­ze­rin­nen und Nutzer erhalten vollen Zugriff, um zum Beispiel Mail- und Adress­da­ten ab­zu­grei­fen.

Projekte wie die Er­wei­te­rung Whois++ oder das Denic-Protokoll IRIS (Internet Registry In­for­ma­ti­on Service) lieferten erste Ver­bes­se­rungs­an­sät­ze, konnten sich als dau­er­haf­te Whois-Al­ter­na­ti­ve aber nicht durch­set­zen. Nachdem lange Zeit auch in der ICANN-Community Dis­kus­sio­nen um die Not­wen­dig­keit der Wei­ter­ent­wick­lung geführt wurden, gab der Si­cher­heits-Bericht SAC 051 des Security and Stability Advisory Committee (SSAC) im September 2011 den ent­schei­den­den Anstoß, die RDAP-Ar­beits­grup­pe ins Leben zu rufen.

Im Januar 2023 startete ICANN eine globale Ab­stim­mung, um zu ent­schei­den, ob WHOIS offiziell durch RDAP ersetzt werden soll. Die not­wen­di­ge Anzahl an Stimmen wurde erreicht, und die Ent­schei­dung ist gefallen, den Umstieg auf RDAP offiziell durch­zu­set­zen. Ab dem Januar 2025 ist es für DNS-Re­gis­tries und -Re­gis­trars nicht mehr er­for­der­lich, WHOIS zu un­ter­stüt­zen.

Wie funk­tio­niert RDAP?

Für eine Im­ple­men­tie­rung von RDAP ist es wichtig erstmal ver­stan­den zu haben, wie das Protokoll funk­tio­niert – sowohl auf Client- als auch auf Server-Seite. Dafür lohnt sich ein Blick in den RFCs 7480 bis 7484, wo eine minimale Im­ple­men­tie­rung des Pro­to­kolls aus­führ­lich be­schrie­ben wird. Darüber hinaus gibt es weitere RFCs, worin Er­wei­te­run­gen des RDAP-Pro­to­kolls be­schrie­ben werden. Folgend erklären wir den groben Ablauf des Pro­to­kolls über HTTPS, wie er im RFC 7840 be­schrie­ben wird.

Tipp

Um die Im­ple­men­tie­rung des Pro­to­kolls für Ent­wick­le­rin­nen und Ent­wick­ler zu er­leich­tern hat ICANN einen RDAP Im­ple­men­ta­ti­on Guide be­reit­ge­stellt.

Aufgaben des Clients:

Die Im­ple­men­tie­rung von RDAP auf der Client-Seite ist gar nicht komplex. RDAP baut auf HTTP auf, und nutzt dem­entspre­chend die bereits exis­tie­ren­den HTTP-Methoden um Daten zu über­mit­teln. Clients können mittels den GET- und HEAD-Methoden Anfragen an den Server stellen. Sowohl bei GET- als auch bei HEAD-Anfragen soll ein „Accept“-Header mit­ge­lie­fert werden, der spe­zi­fi­ziert, welche Arten von JSON-Dateien vom Client ak­zep­tiert werden.

Aufgaben des Servers:

Auf der Server-Seite ist die Im­ple­men­tie­rung etwas komplexer, da der Server etliche Spe­zi­al­fäl­le abdecken muss. Im Falle einer ge­lun­ge­nen Anfrage soll der Server die an­ge­frag­ten Daten im ver­lang­ten Format mit dem HTTP-Sta­tus­code 200 (OK) zu­rück­schi­cken. Auf GET-Anfragen soll der Server mit den ver­lang­ten In­haber­da­ten antworten, und auf HEAD-Anfragen soll er angeben, ob er Daten zu dieser Domain zur Verfügung hat.

Falls er weiß, wo die ver­lang­ten Daten sind, aber diese nicht selbst zur Verfügung hat, soll er mit ein von den Sta­tus­codes 301, 302, 303, oder 307 antworten. Die URL, unter der die Daten zu finden sind, wird dann unter dem HTTP-Header „Location“ mit­ge­schickt.

Kann der Server die Anfrage nicht be­ar­bei­ten, weil die an­ge­for­der­ten Daten nicht vorhanden sind, soll er mit dem Sta­tus­code 404 (Not Found) antworten. Falls die an­ge­for­der­ten Daten doch vorhanden sind, aber der Server aus einem anderen Grund nicht antworten möchte, soll er mit einem ent­spre­chen­den Sta­tus­code aus dem 400er-Bereich antworten. Anfragen, die Fehler enthalten und somit nicht als RDAP-Anfragen ver­stan­den werden können, sollen mit dem Sta­tus­code 400 (Bad Request) be­ant­wor­tet werden. In diesem Fall können, zu­sätz­li­che In­for­ma­tio­nen im HTTP Entity Body mit­ge­schickt werden.

Für genauere In­for­ma­tio­nen zum Ablauf sowie Si­cher­heit und Er­wei­te­rungs­mög­lich­kei­ten des Pro­to­kolls können Sie sich an den ent­spre­chen­den RFCs wenden. Diese sind in folgender Liste verlinkt.

Was un­ter­schei­det das Re­gis­tra­ti­on Data Access Protocol von Whois?

RDAP erweist sich in vielerlei Hinsicht als ver­bes­ser­te Version von Whois. Die IETF-Ar­beits­grup­pe hat sich intensiv mit den Schwach­stel­len des alten Pro­to­kolls aus­ein­an­der­ge­setzt und sich bei der Ent­wick­lung des neuen Abfrage-Pro­to­kolls daher vor allem auf die Punkte Si­cher­heit, Struk­tu­rie­rung und In­ter­na­tio­na­li­sie­rung kon­zen­triert. So zeichnet sich die Whois-Al­ter­na­ti­ve durch folgende Neue­run­gen aus:

  • Struk­tu­rier­te Abfrage- und Antwort-Semantik (inklusive stan­dar­di­sier­ter Feh­ler­mel­dun­gen)
  • Sicherer Zugriff auf die an­ge­frag­ten Kon­takt­da­ten (z. B. via HTTPS)
  • Er­wei­ter­bar­keit (z. B. Hin­zu­fü­gen von Aus­ga­be­ele­men­ten)
  • Boot­strap­ping“-Me­cha­nis­mus (un­ter­stützt bei der Suche nach dem ge­eig­ne­ten au­to­ri­ta­ti­ven DNS-Server)
  • Stan­dar­di­sier­te Wei­ter­lei­tung der Abfragen
  • Web­ba­siert (HTTP) und REST-konform
  • Un­kom­pli­zier­te Über­set­zung der Aus­ga­be­da­ten
  • Mög­lich­keit, dif­fe­ren­zier­ten Zugriff auf die Kon­takt­da­ten zu gewähren

Das Re­gis­tra­ti­on Data Access Protocol erweist sich also in vielen Punkten als deutlich flexibler als sein Vorgänger: Während Whois als text­ba­sier­tes Protokoll an TCP und den spe­zi­fi­schen TCP-Port (43) gebunden ist, nutzt RDAP für die Da­ten­über­tra­gung den Web-Standard HTTP bzw. HTTPS. Dabei werden sämtliche Daten in einem stan­dar­di­sier­ten, ma­schi­nen­les­ba­ren JSON-Format aus­ge­lie­fert. Auf diese Weise gewährt die Whois-Al­ter­na­ti­ve ei­ner­seits mehr Frei­hei­ten bei der Da­ten­ab­fra­ge und ver­ein­facht es an­de­rer­seits, Abfrage-Services zu pro­gram­mie­ren, die mit den un­ter­schied­li­chen Re­gis­trie­rungs­stel­len kom­mu­ni­zie­ren und die ab­ge­frag­ten Daten in ver­schie­de­nen Sprachen ausgeben können.

RDAP Whois
HTTP-basiert text­ba­siert
Stan­dar­di­sier­tes JSON-Format Keine Codier-Schemata
Aus­ga­be­da­ten sind ma­schi­nen­les­bar und un­kom­pli­ziert über­setz­bar Aus­ga­be­da­ten sind im Klartext und können daher nicht ohne Weiteres ma­schi­nell ver­ar­bei­tet werden
Antworten leiten au­to­ma­tisch an andere Re­gis­trie­rungs­stel­len weiter Antworten enthalten keine wei­ter­füh­ren­den Register-In­for­ma­tio­nen
Mög­lich­keit, Zu­griffs­rech­te für ver­schie­de­ne Gruppen zu de­fi­nie­ren Dif­fe­ren­zier­ter Zugriff auf Daten nicht möglich
Domain kaufen
Re­gis­trie­ren Sie Ihre perfekte Domain
  • Inklusive 1 SSL-Wildcard-Zer­ti­fi­kat pro Vertrag
  • Inklusive Domain Lock
  • Inklusive Domain Connect für einfache DNS-Ein­rich­tung

Option für dif­fe­ren­zier­te Zu­griffs­rech­te sorgt noch für Ge­sprächs­stoff

Eine der wich­tigs­ten neuen Funk­tio­nen, die in das Re­gis­tra­ti­on Data Access Protocol im­ple­men­tiert wurde, ist ohne Zweifel die Mög­lich­keit, ver­schie­de­ne Zu­griffs­rech­te für einzelne Nut­zer­grup­pen festlegen zu können. Auf diese Weise kann die Re­gis­trie­rungs­stel­le im Detail regeln, wer welche Daten zu Gesicht bekommt. So ist zum Beispiel denkbar, anonymen Usern li­mi­tier­ten Zugriff zu gewähren, während au­then­ti­fi­zier­te Be­nut­ze­rin­nen und Benutzer den kom­plet­ten Datensatz einsehen können. An dieser Stelle sehen viele Ver­ant­wort­li­che jedoch ent­schei­den­den Klä­rungs­be­darf.

Unter anderem steht die Frage im Raum, wie zum Beispiel mit Personen in der Straf­ver­fol­gung um­ge­gan­gen werden soll, die anonym bleiben und dennoch die vollen Zu­griffs­mög­lich­kei­ten haben wollen. Ferner gibt es keine Richt­li­ni­en dazu, ob in einem solchen Fall auch die Einsicht in die Domain-Daten über Län­der­gren­zen hinaus gewährt werden darf. Über allem steht derweil der Schutz der Nut­zer­da­ten und damit verbunden das Vertrauen der Be­trei­ben­den, die ihre Domain re­gis­trie­ren. Und dieses Vertrauen soll auf keinen Fall unter der neuen RDAP-Abfrage-Technik leiden. Nachdem ver­schie­de­ne Re­gis­tries Ende 2016 Berufung gegen die auf­er­leg­te Um­set­zungs­frist der ICANN eingelegt haben, plant die Or­ga­ni­sa­ti­on, die Whois-Al­ter­na­ti­ve durch Verträge mit den Re­gis­trie­rungs­stel­len und Domain-Anbietern durch­zu­set­zen.

Domain-Check
Zum Hauptmenü