Mit Mobile-Payment-Apps wird das Smart­phone zur Brief­ta­sche. Auf Münzen, Scheine oder die Girocard können Kunden im Ein­zel­han­del künftig ver­zich­ten. Bezahlt wird statt­des­sen schnell und einfach mit dem Handy. Das zumindest ver­spre­chen Anbieter wie Google, Apple und Payback, die auch auf dem deutschen Markt mit Mobile-Payment-Lösungen präsent sind.

Viele Ver­brau­cher hingegen sind skeptisch. Ins­be­son­de­re die Deutschen lassen an der Kasse lieber das Kleingeld klimpern. Schon die Kre­dit­kar­te hat es hier­zu­lan­de schwer. Mobil Payment prä­sen­tiert sich als Lösung. Doch für welches Problem? Welchen Mehrwert bieten die neuen Be­zahl­mög­lich­kei­ten für den Nutzer? Und welche Gründe gibt es für den Ein­zel­han­del, ent­spre­chen­de Apps zu ak­zep­tie­ren?

Wir nehmen die gängigen Mobile-Payment-Lösungen unter die Lupe, erklären Ihnen die zu­grun­de­lie­gen­den tech­ni­schen Vorgänge während der Trans­ak­ti­on und be­leuch­ten, mit welchen Hürden die Tech­no­lo­gie in Deutsch­land zu kämpfen hat.

Was ist Mobile Payment?

Mobile Payment ist ein un­schar­fer Begriff, der in einer weiten De­fi­ni­ti­on alle Vorgänge umfasst, bei denen fi­nan­zi­el­le Trans­ak­tio­nen mithilfe von Mo­bil­tech­no­lo­gie orts­un­ab­hän­gig getätigt werden.

Wir fassen den Begriff enger und de­fi­nie­ren Mobile Payment als eine Be­zahl­al­ter­na­ti­ve, bei der Ver­brau­cher auf ihr Smart­phone zu­rück­grei­fen, um offene Beträge direkt an der Ver­kaufs­stel­le, dem so­ge­nann­ten Point of Sale (POS), zu be­glei­chen – bei­spiels­wei­se im Su­per­markt, im Re­stau­rant oder an der Kinokasse. Es handelt sich somit um das Bezahlen per App als Al­ter­na­ti­ve zum Bezahlen Bargeld oder Bankkarte.

De­fi­ni­ti­on: Mobile Payment

Als Mobile Payment be­zeich­net man Be­zahl­vor­gän­ge, die bar­geld­los über eine App auf einem mobilen Endgerät ab­ge­wi­ckelt werden.

Wie funk­tio­niert Mobile Payment?

Was die Ver­brau­cher betrifft, sind die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen für Mobile Payment in vielen Fällen bereits gegeben. Alles, was die Kon­su­men­ten benötigen, um im Ein­zel­han­del mit dem Mo­bil­ge­rät bezahlen zu können, ist folgendes:

  1. Mo­bil­te­le­fon
  2. Bezahl-App
  3. Ggf. Kre­dit­kar­te

Mobile Be­zahl­funk­tio­nen werden in­zwi­schen von allen modernen Smart­phones und von zahl­rei­chen Tablets und Wearables un­ter­stützt. Die kon­takt­lo­se Da­ten­über­tra­gung zwischen Mo­bil­ge­rät und POS-Terminal wird dabei je nach App mir einer der folgenden Tech­no­lo­gien rea­li­siert:

  • NFC
  • QR
  • MTS

Bei NFC (Near Field Com­mu­ni­ca­ti­on, deutsch: Nah­feld­kom­mu­ni­ka­ti­on) handelt es sich um einen RFID-basierten Über­tra­gungs­stan­dard. Der Da­ten­aus­tausch erfolgt durch elek­tro­ma­gne­ti­sche Induktion. Die Da­ten­über­tra­gung via NFC ist auf wenige Zen­ti­me­ter begrenzt. Ein Mo­bil­te­le­fon, das Zah­lungs­da­ten via NFC über­tra­gen soll, muss daher direkt an den Sender eines NFC-fähigen Kas­sen­ter­mi­nals gehalten werden. NFC gehört heute zur Stan­dard­aus­stat­tung moderner Mo­bil­te­le­fo­ne. Ein ent­spre­chen­der Chip ist in allen Android-Smart­phones ab Version 4.0 verbaut. Apple setzt seit dem iPhone 6 auf den Nah­funk­stan­dard, öffnet die NFC-Schnitt­stel­le bisher jedoch nicht für Dritt­an­bie­ter-An­wen­dun­gen.

Optisch basierte Mobile-Payment-Lösungen arbeiten hingegen mit so­ge­nann­ten Quick-Response-Codes (QR). Bei einem QR-Code handelt es sich um eine zwei­di­men­sio­na­le Matrix aus schwarzen und weißen Quadraten, die die codierten Daten in binärer Form dar­stel­len und sich über die Kamera eines Smart­phones auslesen lassen. QR-basierte Verfahren werden im Bereich des Mobile Payments heute al­ler­dings zunehmend von der NFC-Tech­no­lo­gie verdrängt.

MST (Magnetic Secure Trans­mis­si­on) ist eine ver­gleichs­wei­se neue Tech­no­lo­gie, die es einem ent­spre­chend aus­ge­stat­te­ten Mo­bil­ge­rät er­mög­licht, den Ma­gnet­strei­fen einer klas­si­schen Be­zahl­kar­te zu emulieren. MTS wurde von LoopPay ent­wi­ckelt – einem Un­ter­neh­men, das heute zu Samsung gehört. Zur Anwendung kommt die Tech­no­lo­gie bei Trans­ak­tio­nen via Samsung Pay.

Hinweis

Ein Großteil der Mobile-Payment-Apps auf dem deutschen Markt ko­ope­rie­ren mit den Kre­dit­kar­ten­ge­sell­schaf­ten Visa, Mas­ter­card oder American Express und nutzen deren In­fra­struk­tur. Vor­aus­set­zung für Be­zahl­vor­gän­ge mit dem Handy ist daher in der Regel eine Kre­dit­kar­te, die in digitaler Form auf dem Mo­bil­ge­rät hin­ter­legt wird.

Auch für Händler ist der Umstieg auf mobile Be­zahl­al­ter­na­ti­ven mit einem geringen Aufwand verbunden. Benötigt wird lediglich ein POS-Terminal, das die oben auf­ge­führ­ten Über­tra­gungs­stan­dards un­ter­stützt sowie ein ent­spre­chen­der Kar­ten­ak­zep­tanz­ver­trag. Letzterer besteht bereits, sofern das Un­ter­neh­men bar­geld­lo­se Zahlungen ak­zep­tiert.

Mobile-Payment-Software: Anbieter im Überblick

Der Markt für Mobile-Payment-Apps ist recht un­über­sicht­lich: In unserem Vergleich be­schrän­ken wir uns daher auf markt­füh­ren­de An­wen­dun­gen, die ein Bezahlen am POS er­mög­li­chen. Smart­phone-Apps, die lediglich Peer-to-Peer-Trans­ak­tio­nen (die Über­wei­sung von einem Nutzer zum anderen) un­ter­stüt­zen, blenden wir aus. Ebenso digitale Ein­kaufs­be­glei­ter mit Mobile-Payment-Funktion, wie bei­spiels­wei­se die Apps von Netto oder Edeka.

Tipp

Was ist Strong Customer Au­then­ti­ca­ti­on (SCA)? Erfahren Sie mehr über den EU-Standard für sicheren Zah­lungs­ver­kehr in unserem Artikel zu diesem Thema.

Apple Pay

Als Vorreiter im Mobile-Payment-Sektor brachte Apple seine Bezahl-App in den USA bereits im Oktober 2014 auf den Markt. Deutsche Nutzer können mit Apple Pay erst seit Dezember 2018 in teil­neh­men­den Ge­schäf­ten bezahlen.

Um kon­takt­los zahlen zu können, hin­ter­legt der Apple-Pay-Nutzer die Daten einer un­ter­stütz­ten Bank-, Prepaid-, Bonus- oder Ge­schenk­kar­te in der App.

Folgende Tabelle bietet eine Übersicht der Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner in Deutsch­land und der von ihnen an­ge­bo­te­nen Bank­kar­ten mit Apple-Pay-Un­ter­stüt­zung.

Banken und Fi­nanz­dienst­leis­ter Un­ter­stütz­te Karten
American Express American-Express-Charge-Karten, SWISS-Miles-&-More-Kre­dit­kar­ten, SWISS Crew Credit Cards, mydrive-Kre­dit­kar­ten, BLUE von American Express, American Express Credit Card Gold, Neutrale Mas­ter­cards, wow Visa Card, Cashback Kre­dit­kar­ten
bunq bunq Maestro, bunq Mas­ter­card
comdirect comdirect Visa-Kre­dit­kar­te
Deutsche Bank Deutsche Bank Mas­ter­card, Deutsche Bank Konto (via Mobile App)
fidor BANK Fidor Mas­ter­card
Hanseatic Bank Hanseatic-Bank-Visa-Kre­dit­kar­ten
Hy­po­Ver­eins­bank/UniCredit Bank AG HVB-Mar­ter­card-Kredit- oder Pre­paid­kar­te
N26 N26 Mas­ter­card
o2 Banking o2 Banking Mas­ter­card
Ticket Re­stau­rant Edenred Ticket-Re­stau­rant-Karte

Darüber hinaus lässt sich Apple Pay mit Nutzer-Konten der Fi­nanz­dienst­leis­ter VIMpay und Boon. ver­knüp­fen, die Nutzern eine digitale Prepaid-Mas­ter­card zur Verfügung stellen.

Fi­nanz­dienst­leis­ter Un­ter­stütz­te Be­zahl­funk­tio­nen
VIMpay Jedes ve­ri­fi­zier­te deutsche Bankkonto in Ver­bin­dung mit einer digitalen VIMpay-Mas­ter­card
Boon. Jedes ve­ri­fi­zier­te deutsche Bankkonto in Ver­bin­dung mit einer digitalen Boon.-Mas­ter­card

Anwender, die Apple Pay eine Bank-, Prepaid-, Bonus oder Ge­schenk­kar­te hin­zu­zu­fü­gen möchten, gehen fol­gen­der­ma­ßen vor:

  1. Wallet-App öffnen.
  2. Auf das Plus-Symbol klicken.
  3. Oberseite der Karte scannen und auf „Weiter“ tippen.
  4. Abwarten, bis die Bank oder der Kar­ten­aus­stel­ler die Karte ve­ri­fi­ziert hat (ggf. müssen Sie dafür eine ent­spre­chen­de App in­stal­lie­ren).
  5. War die Ve­ri­fi­zie­rung er­folg­reich, kann die Karte mit Apple Pay verwendet werden.

Über die Kamera ein­ge­le­se­ne Kar­ten­da­ten werden von Apple ver­schlüs­selt an den je­wei­li­gen Kar­ten­aus­stel­ler über­mit­telt und weder auf Ihrem Mo­bil­ge­rät noch auf dem Server ge­spei­chert. Auch Trans­ak­ti­ons­da­ten, die Rück­schlüs­se auf Ihre Person zulassen, werden von Apple eigenen Angaben zufolge nicht erhoben.

Nach der er­folg­rei­chen Ve­ri­fi­zie­rung einer Be­zahl­kar­te sendet der Kar­ten­au­stel­ler Apple eine ver­schlüs­sel­te Geräte-Ac­count­num­mer, die im Secure Element des Apple-Mo­bil­ge­räts hin­ter­legt wird. Dieser Token ersetzt die ei­gent­li­chen Bank­kar­ten­da­ten wie bei­spiels­wei­se die Kre­dit­kar­te­num­mer und er­mög­licht das Bezahlen am POS-Terminal.

Hinweis

Das Secure Element ist ein zer­ti­fi­zier­ter Chip, der in den NFC-Schnitt­stel­len moderner Mo­bil­ge­rä­te in­te­griert ist und der ma­ni­pu­la­ti­ons­si­che­ren Spei­che­rung ver­trau­li­cher Schlüssel dient.

Nutzer, die mit ihrem iPhone, iPad oder ihrer Apple Watch im Ein­zel­han­del per Apple Pay bezahlen möchten, ent­sper­ren das Mo­bil­ge­rät via Face ID oder Fin­ger­ab­druck und halten dieses an­schlie­ßend an den Sensor eines NFC-Fähigen POS-Terminals. War die Trans­ak­ti­on er­folg­reich, erscheint eine Be­stä­ti­gung auf dem Smart­phone-Bild­schirm.

Google Pay

Die Mobile-Payment-App Google Pay steht ame­ri­ka­ni­schen Kunden seit September 2015 zur Verfügung – damals noch unter dem Namen Android Pay. Deutsche Nutzer kommen seit Juni 2018 in den Genuss, an teil­neh­men­den Ak­zep­tanz­stel­len bequem mit dem Android-Smart­phone bezahlen zu können.

Wie das Kon­kur­renz­pro­dukt von Apple funk­tio­niert auch Google Pay nur mit aus­ge­wähl­ten Bank­kar­ten ko­ope­rie­ren­der Banken und Fi­nanz­dienst­leis­ter. Derzeit un­ter­stützt Google Pay in Deutsch­land nur Visa- oder Mar­s­ter­card-Karten teil­neh­men­der Kre­dit­in­sti­tu­te.

In Deutsch­land ko­ope­riert Google Pay mit folgenden Anbietern.

Banken und Fi­nanz­dienst­leis­ter Un­ter­stütz­te Karten
BW-Bank Alle Visa- und Mas­ter­card-Kre­dit­kar­ten
Comdirect Visa Credit, Visa Prepaid Cards
Com­merz­bank Mas­ter­card Premium, Visa Premium, Visa Young, Mas­ter­card Classic, Visa Classic, Mas­ter­card Gold, Visa Gold, Mas­ter­card Direct Debit, Prepaid cards
N26 N26 Mas­ter­card
Revolut Mas­ter­card-Karten
VIMPay VIMpay Mas­ter­card
DKB (Un­ter­stüt­zung ab Frühjahr 2019) DKB-VISA-Kre­dit­kar­te

Welche Bankkarte in der Bezahl-App hin­ter­legt werden kann, ent­schei­det der teil­neh­men­de Kar­ten­au­stel­ler.

Darüber hinaus unterhält Google Ko­ope­ra­tio­nen mit PayPal, VIM-Pay und Boon. Diese er­mög­li­chen es Nutzern, Google Pay mit jedem deutschen Bankkonto zu nutzen, das in der App hin­ter­legt wurde.

Fi­nanz­dienst­leis­ter Un­ter­stütz­te Be­zahl­funk­tio­nen
PayPal Jedes in PayPal hin­ter­leg­te und ve­ri­fi­zier­te deutsche Bankkonto (in Ko­ope­ra­ti­on mit Mas­ter­card)
VIMpay Jedes ve­ri­fi­zier­te deutsche Bankkonto in Ver­bin­dung mit digitalen VIMpay Mas­ter­cards
Boon. Jedes ve­ri­fi­zier­te deutsche Bankkonto in Ver­bin­dung mit einer digitalen Boon Mas­ter­card

Trans­ak­tio­nen an POS-Terminals im Ein­zel­han­del erfolgen über die NFC-Schnitt­stel­le. Vor­aus­set­zung dafür ist ein NFC-fähiges Smart­phone. Zudem muss das Terminal den kon­takt­lo­sen Be­zahl­vor­gang un­ter­stüt­zen und die in Google Pay hin­ter­leg­te Bankkarte ak­zep­tie­ren.

Anwender gehen fol­gen­der­ma­ßen vor, um Google Pay eine Bankkarte hin­zu­zu­fü­gen:

  1. Google-Pay-App öffnen.
  2. Auf das Plus-Zeichen unter „Zahlung“ klicken.
  3. Kar­ten­da­ten mit der Kamera aufnehmen oder eintippen.
  4. Auf den Be­stä­ti­gungs­code warten, der vom Kar­ten­aus­stel­ler wahlweise per E-Mail, SMS oder Telefon über­mit­telt wird (al­ter­na­tiv erfolgt die Ve­ri­fi­zie­rung über die Mobile-Banking-App des Kar­ten­aus­stel­lers).
  5. Be­stä­ti­gungs­code in das dafür vor­ge­se­he­ne Feld eintippen.
  6. War die Ve­ri­fi­zie­rung er­folg­reich, steht die Karte in Google Pay zur Verfügung.

Sensible Kar­ten­da­ten werden bei Google Pay nicht auf dem Mo­bil­ge­rät, sondern ver­schlüs­selt auf einem Google-Server ge­spei­chert und auch während der Trans­ak­ti­on nicht an das NFC-Terminal des Händlers über­tra­gen. Statt­des­sen schützt Google Zah­lungs­in­for­ma­tio­nen ähnlich wie Apple durch die Token-Tech­no­lo­gie. Statt der Kar­ten­da­ten erhält der Händler eine ver­schlüs­sel­te Nummer (einen Token), die die Zuordnung der Trans­ak­ti­on und damit die Belastung der hin­ter­leg­ten Karte er­mög­licht.

Um mit Google Pay im Ein­zel­han­del zu bezahlen, müssen Anwender ihr Android-Smart­phone lediglich ent­sper­ren und in die Nähe des NFC-Terminals halten. Die Google-Pay-App startet au­to­ma­tisch und zeigt nach der er­folg­rei­chen Trans­ak­ti­on eine Be­stä­ti­gung auf dem Smart­phone-Bild­schirm an. Der Be­zahl­vor­gang mit Google Pay ist somit ebenso schnell und bequem, wie der mit einer NFC-fähigen Kredit- oder De­bit­kar­te – vor­aus­ge­setzt, die NFC-Schnitt­stel­le Ihres Mo­bil­ge­räts ist aktiviert.

Hinweis

Ein für Google Pay ein­ge­rich­te­tes Smart­phone muss mit einer Display-Sperre vor un­be­fug­ten Zugriffen geschützt werden. Die App un­ter­stützt Display-Sperren via PIN, Muster, Passwort, Fin­ger­ab­druck oder Iris-Scan. Lediglich Klein­be­trä­ge unter 25 Euro können in Deutsch­land auch dann beglichen werden, wenn das Display des Smart­phones gesperrt ist.

In Apps auf Ihrem Smart­phone steht Google Pay als Be­zahl­op­ti­on zur Auswahl, sofern diese die Google Payment API un­ter­stüt­zen. Angezeigt wird Ihnen dies durch die Schalt­flä­che „Pay with Google“.

Tipp

De­tail­lier­te In­for­ma­tio­nen zu Google Pay bieten wir Ihnen in einem wei­ter­füh­ren Artikel zum Thema.

Samsung Pay

Ein weiterer Global-Player im Bereich des Mobile Payments ist Samsung. In­ter­na­tio­nal ging Samsung Pay noch einen Monat vor Google Pay an den Start. In Deutsch­land steht die Bezahl-App des beliebten Smart­phone-Her­stel­lers bislang al­ler­dings nicht zur Verfügung. Dass Samsung zukünftig auch den deutschen Markt ins Visier nehmen wird, gilt als sicher. Einen of­fi­zi­el­len Termin für den Deutsch­land­start gibt es bisher nicht. Auf­merk­sa­me Samsung-Fans haben jedoch bemerkt, dass die App bereits zu großen Teilen in deutscher Über­set­zung vorliegt. Und auch die großen Mo­bil­funk­an­bie­ter stellen ihren Kunden schon jetzt In­for­ma­ti­ons­an­ge­bo­te zu Samsung Pay bereit.

Der kon­takt­lo­se Be­zahl­vor­gang beruht bei Samsung nicht aus­schließ­lich auf NFC. Un­ter­stützt wird der Nah­funk­stan­dard nämlich durch die so­ge­nann­te Magnetic-Secure-Trans­mis­si­on-Technik (MST). MST-fähige Mo­bil­funk­ge­rä­te sind in der Lage, ein Signal zu erzeugen, das den Ma­gnet­strei­fen einer tra­di­tio­nel­len Be­zahl­kar­te imitiert. Dies er­mög­licht ein kon­takt­lo­ses Bezahlen auch an solchen Terminals, die nicht dafür um­ge­rüs­tet wurden.

Payback Pay

Seit Juni 2016 können auch Nutzer des Bo­nus­pro­gramms Payback an teil­neh­men­den Ver­kaufs­stel­len per Smart­phone-App bezahlen. Und Payback hat in Deutsch­land bereits eine große Nut­zer­ba­sis. Die Payback-App ist dabei nicht als reine Be­zahl­lö­sung kon­zi­piert. Die Mobile-Payment-Funktion stellt vielmehr eine Er­wei­te­rung des Bo­nus­pro­gramms dar und bietet Ver­brau­chern somit das, was anderen Bezahl-Apps fehlt: einen echten Mehrwert.

Das Bezahlen via Payback Pay funk­tio­niert derzeit nur bei neun aus­ge­wähl­ten PayBack-Partnern. Zu diesen gehören:

  • Aral
  • dm
  • Galeria Kaufhof
  • Real
  • REWE
  • Alnatura
  • Tee Gschwend­ner
  • Thalia
  • Penny

Nutzer, die Payback Pay verwenden möchten, müssen sich lediglich die ent­spre­chen­de App auf das Mo­bil­te­le­fon laden, sich in der App mit Bank­ver­bin­dung und Adress­da­ten re­gis­trie­ren und eine per­sön­li­che Payback-Pay-PIN für die Freigabe von Zahlungen vergeben. Al­ter­na­tiv kann man seinen Fin­ger­ab­druck zur Au­then­ti­fi­zie­rung verwenden, sofern das Endgerät eine solche Funktion un­ter­stützt.

Mit Payback Pay be­gli­che­ne Beträge werden per Last­schrift vom hin­ter­leg­ten Bankkonto ein­ge­zo­gen. Die Bankdaten werden bei Payback Pay nicht auf dem Mo­bil­ge­rät selbst ge­spei­chert und sind aufgrund von Ver­schlüs­se­lungs­me­cha­nis­men weder Payback noch den oben genannten Payback Partnern zu­gäng­lich.

Anders als die Bezahl-Apps von Google und Apple setzt Payback lediglich in Ko­ope­ra­ti­on mit Aral auf die NFC-Tech­no­lo­gie. Bei allen anderen Partnern wird die Trans­ak­ti­on mithilfe von QR-Codes ab­ge­wi­ckelt.

Anwender können bei einem teil­neh­men­den Händler fol­gen­der­ma­ßen mit Payback Pay bezahlen:

  1. Payback App öffnen.
  2. Auf das Icon „Bezahlen & Punkten“ tippen um Payback Pay zu starten.
  3. Mithilfe der per­sön­li­chen Payback Pay PIN oder dem Fin­ger­ab­druck au­then­ti­fi­zie­ren.
  4. QR-Code auf dem Display des POS-Terminals mit der Kamera des Smart­phones scannen oder (bei Aral) Smart­phone an den NFC-Sensor des Terminals halten.
  5. Der Erfolg der Trans­ak­ti­on wird von der App bestätigt.

Für jeden bezahlten Betrag sammeln Nutzer von Payback Pay au­to­ma­tisch Payback-Punkte in ent­spre­chen­der Höhe. Ein zu­sätz­li­ches Vorzeigen der Plas­tik­kar­te ist nicht er­for­der­lich.

Mobile-Payment-Apps deutscher Banken und Spar­kas­sen

Zahl­rei­che Banken sowie der Deutsche Spar­kas­sen- und Gi­ro­ver­band (DSGV) bieten eigene Mobile-Payment-Lösungen. Diese In­sel­lö­sun­gen sind in der Regel in die On­line­ban­king-App des je­wei­li­gen Anbieters in­te­griert. Bank­kun­den können dort Karten des ent­spre­chen­den Kre­dit­in­sti­tuts hin­ter­le­gen und die Apps für Be­zahl­vor­gän­ge mit dem Smart­phone zu nutzen.

Folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über die meist­ge­nutz­ten Mobile-Payment-Apps deutscher Kre­dit­in­sti­tu­te.

Anwendung Über­tra­gungs­stan­dard Be­triebs­sys­tem Un­ter­stüt­ze Karten
„Deutsche Bank Mobile“-App NFC Android 4.4 Deutsche Bank Mas­ter­card mit PIN
„Mobiles Bezahlen“-App der Spar­kas­sen NFC Android 5.0 Jede Spar­kas­sen Debit- oder Mas­ter­card
Postbank Fi­nanz­as­sis­tent NFC Android 4.4 Postbank VISA Card (Classic, Gold, Platinum)
VR-Ban­king­App (Volks­ban­ken Raiff­ei­sen­ban­ken) NFC Android 4.4 VR Debit- oder Kre­dit­kar­te

Ver­brei­tung von Mobile-Payment-Lösungen

Was für die Deutschen Neuland ist, gehört ins­be­son­de­re in China und den USA längst zum Alltag. 2018 benutzten Prognosen zufolge rund 348,9 Millionen Chinesen ihr Smart­phone, um Waren und Dienst­leis­tun­gen im Ein­zel­han­del zu bezahlen. Auch in den USA setzt mit 60,1 Millionen Nutzern eine große Ver­brau­cher­schicht auf Mobile-Payment-Lösungen. Ein anderes Bild zeigt sich in Deutsch­land: Hier­zu­lan­de machen lediglich 2,2 Millionen Nutzer von den neuen Be­zahl­mög­lich­kei­ten Gebrauch. Eine Zahl, die zwei un­ter­schied­li­che In­ter­pre­ta­tio­nen erlaubt: Während die einen davon ausgehen, dass Mobile Payment in Deutsch­land keine Zukunft hat, sehen andere ein großes Wachs­tums­po­ten­zi­al. Wer Recht behält, wird sich zeigen.

Wie un­ter­schied­lich die neuen tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten in­ter­na­tio­nal an­ge­nom­men werden, zeigt sich zudem am durch­schnitt­li­chen Volumen via Mobile Payment durch­ge­führ­ter Trans­ak­tio­nen. Das lag in den USA im Jahr 2018 bei rund 1.838 Euro und damit deutlich höher als bei­spiels­wei­se in Deutsch­land, wo das durch­schnitt­li­che Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men lediglich 80 Euro betrug.

Infografik: Mobile Payment läuft in Deutschland noch nicht | Statista Mehr In­fo­gra­fi­ken finden Sie bei Statista

Der Mobile-Payment-Trend kommt in Deutsch­land nur langsam in Fahrt. Ein Grund dafür ist, dass markt­füh­ren­de An­wen­dun­gen wie Google Pay und Apple Pay in Deutsch­land erst seit wenigen Monaten auf dem Markt sind. Diverse Ei­gen­lö­sun­gen deutscher Banken und Fi­nanz­un­ter­neh­men konnten sich in der Ver­gan­gen­heit nicht durch­set­zen. Unter anderem, weil die App-Anbieter ver­säum­ten, einen ein­heit­li­chen Standard zu eta­blie­ren. Eine In­sel­lö­sung, die im Ein­zel­han­del nicht flä­chen­de­ckend ak­zep­tiert wird, ist für den Ver­brau­cher kaum in­ter­es­sant. Die Markt­macht von Google, Apple und zukünftig auch Samsung könnte eine Ver­ein­heit­li­chung vor­an­trei­ben.

Um mit Mobile Payment in Deutsch­land durch­star­ten zu können, muss es den Anbietern jedoch gelingen, die Si­cher­heits­be­den­ken der Ver­brau­cher zu zer­streu­en. Da­ten­si­cher­heit und der Schutz der Pri­vat­sphä­re sind ins­be­son­de­re in Deutsch­land hoch­sen­si­ble Themen. Hier gilt es, Auf­klä­rungs­ar­beit zu leisten.

Das Potenzial für Mobile Payment ist im deutschen Ein­zel­han­del durchaus gegeben. Rund zwei Drittel der großen Händler in Deutsch­land sehen kon­takt­lo­se Be­zahl­mög­lich­kei­ten als eine sinnvolle Ergänzung zur klas­si­schen Kar­ten­ak­zep­tanz via Chip oder Ma­gnet­strei­fen. Attraktiv ist der Einsatz der Kon­takt­los-Technik vor allem in Bereichen, wo sich der Kun­den­durch­satz an der Kasse durch NFC-basierte Trans­ak­tio­nen deutlich erhöhen lässt. Mobile Payment kann hier einen si­gni­fi­kan­ten Einfluss auf den Umsatz haben. Dem Kunden wurde Mobile Payment bisher al­ler­dings noch nicht aus­rei­chend schmack­haft gemacht.

Infografik: Deutsche Skepsis bremst Mobile Payments | Statista Mehr In­fo­gra­fi­ken finden Sie bei Statista

Im Land der Bar­geld­zah­ler kämpft eine Tech­no­lo­gie wie Mobile Payment nicht aus­schließ­lich gegen tech­ni­sche Hürden. Viele Ver­brau­cher sehen schlicht keinen Vorteil gegenüber her­kömm­li­chen Be­zahl­me­tho­den. Mobile Payment an sich wird nicht als Produkt wahr­ge­nom­men. Punkten können daher ins­be­son­de­re Anbieter, die das Bezahlen mit dem Smart­phone als zu­sätz­li­chen Mehrwert zur ei­gent­li­chen Dienst­leis­tung anbieten. In Deutsch­land macht das bisher nur Payback. In­ter­na­tio­nal gilt WeChat Pay, einer der größten Mobile-Payment-Anbieter der Welt, als Pa­ra­de­bei­spiel für diese Strategie. Die Bezahl-App ist eine Er­wei­te­rung des chi­ne­si­schen Mul­ti­me­dia-Mes­sen­gers WeChat – täglich verwenden sie mehr als 960 Millionen Nutzer.

Auch WhatsApp, der markt­füh­ren­de Messenger in der west­li­chen Welt, hat in der Ver­gan­gen­heit Be­zahl­funk­tio­nen an aus­ge­wähl­ten Nutzern getestet. Sollte das Un­ter­neh­men, das seit 2014 zu Facebook gehört, mit einer eigenen Mobile-Payment-Funktion aufwarten, rechnen Experten mit einem großen Erfolg. Denn in der west­li­chen Welt ist WhatsApp auf nahezu jedem Smart­phone in­stal­liert. Die Ein­stiegs­hür­de für Nutzer, den Messenger auch zum Bezahlen zu verwenden, wäre somit äußerst gering.

Wie sicher ist Mobile Payment?

Die Si­cher­heits­be­den­ken im Zu­sam­men­hang mit Mobile-Payment-Lösungen beziehen sich in erster Linie auf drei Fragen:

  • Was passiert, wenn das Smart­phone gestohlen wird?
  • Wie ma­ni­pu­la­ti­ons­si­cher sind kon­takt­lo­se Trans­ak­tio­nen?
  • Wer ga­ran­tiert Da­ten­si­cher­heit und den Schutz der Pri­vat­sphä­re?

Grund­sätz­lich ist Mobile Payment nicht un­si­che­rer als andere bar­geld­lo­se Be­zahl­ver­fah­ren. Unter Umständen biete die neue Tech­no­lo­gie sogar mehr Schutz als die eta­blier­ten Systeme.

Beim Verlust des Smart­phones sind un­ge­woll­te Trans­ak­tio­nen durch Dritte quasi aus­ge­schlos­sen. Alle gängigen Bezahl-Apps erfordern die Ak­ti­vie­rung der Display-Sperre. Ein un­be­fug­ter Dritter müsste sich somit zunächst als Besitzer au­then­ti­fi­zie­ren, um die Be­zahl­funk­tio­nen des Geräts verwenden zu können. Bankdaten werden zudem (wenn überhaupt) nur ver­schlüs­selt auf dem Endgerät ge­spei­chert. Anders hingegen sieht es bei der klas­si­schen Kre­dit­kar­te aus. Auf ihr sind die Kar­te­num­mern für jeden sichtbar direkt in die Karte ein­ge­stanzt.

Auch dass der Nutzer einer Mobile-Payment-App eine Trans­ak­ti­on ver­se­hent­lich initiiert, gilt als un­wahr­schein­lich. Die Über­tra­gung via NFC funk­tio­niert lediglich über eine Distanz von wenigen Zen­ti­me­tern. Wer mit dem Smart­phone bezahlen möchte, muss dieses direkt an das POS-Terminal halten. Darüber hinaus muss der Anwender den NFC-Chip und in der Regel auch die Payment-App aktiviert haben. Die geringe Reich­wei­te der NFC-Tech­no­lo­gie schützt den Nutzer auch vor einem Zugriff durch Dritte. Sämtliche Trans­ak­ti­ons­da­ten werden zudem aus­schließ­lich ver­schlüs­selt über­mit­telt und sind für Unbefugte somit wertlos.

Was den Da­ten­schutz betrifft, fällt die Bewertung der Mobile-Payment-Lösungen je nach Anbieter un­ter­schied­lich aus. Al­ler­dings ver­schlüs­seln alle der vor­ge­stell­ten Anbieter die Trans­ak­ti­ons­da­ten und verbergen sie damit zumindest vor dem Händler, an dessen POS-Terminal die App genutzt wird. In diesem Punkt bietet Mobile Payment einen deutlich besseren Schutz als die klas­si­sche Kar­ten­zah­lung. Nutzer sollten jedoch in Erfahrung bringen, in welchem Umfang der App-Anbieter Zugriff auf die Daten erhält und wie diese ver­ar­bei­tet werden: Während bei­spiels­wei­se Apple Trans­ak­ti­ons­da­ten nach eigenen Angaben nur ver­schlüs­selt an den je­wei­li­gen Zah­lungs­dienst­leis­ter durch­reicht, behält sich Google gemäß der Da­ten­schutz­hin­wei­se für Google-Payments vor, um­fang­rei­che Daten zu den Trans­ak­tio­nen zu erheben und für den Betrieb der eigenen Dienste zu verwenden. Das betrifft unter anderem folgende Daten:

  • Datum
  • Uhrzeit
  • Betrag der Trans­ak­ti­on
  • Händ­ler­stand­ort und -be­schrei­bung
  • Be­schrei­bung der gekauften Waren
  • Namen und E-Mail-Adressen von Käufern und Ver­käu­fern
  • Ver­wen­de­te Zah­lungs­me­tho­de
  • Grund der Trans­ak­ti­on
  • Mit Trans­ak­ti­on ver­bun­de­ne Angebote

Auch das Ge­schäfts­mo­dell von Payback basiert darauf, Nut­zer­da­ten zu sammeln und für per­so­na­li­sier­te Angebote aus­zu­wer­ten. Auch mit der Payback-App erhebt das Un­ter­neh­men diverse Daten – unter anderem zu den er­wor­be­nen Waren- und Dienst­leis­tun­gen sowie zum Standort. Theo­re­tisch erhält Payback dabei sogar Zugriff auf das Mikrofon, um Um­ge­bungs­ge­räu­sche für die Stand­ort­be­stim­mung aus­zu­wer­ten. In der Praxis macht das Un­ter­neh­men von dieser Mög­lich­keit nach eigenen Angaben al­ler­dings keinen Gebrauch.

Wer sich für Google Pay oder Payback Pay ent­schei­det, nimmt einen solchen Eingriff in die Pri­vat­sphä­re somit in Kauf. Doch wer denkt, dass die eigenen Daten bei der Mobile-Payment-App der eigenen Hausbank besser auf­ge­ho­ben sind, der irrt. Die meisten Apps deutscher Kre­dit­in­sti­tu­te setzen bei der Da­ten­ana­ly­se auf Google-Dienste und geben somit ebenfalls Daten an das US-Un­ter­neh­men weiter.

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