Wie stechen Sie selbst auf einem ge­sät­tig­ten Markt aus der Menge heraus und heben sich von der Kon­kur­renz ab? Indem Sie dem Kon­su­men­ten eine so­ge­nann­te Unique Selling Pro­po­si­ti­on bieten und diese ins Zentrum Ihrer Marketing-Strategie stellen. Dieses bereits in den 1940-Jahren ent­wi­ckel­te Konzept ist auch heute noch ein wichtiges In­stru­ment im Marketing und Basis für den Erfolg zahl­rei­cher Produkte und Dienst­leis­tun­gen.

Unique Selling Pro­po­si­ti­on (USP): Eine De­fi­ni­ti­on

Sie gilt als das Er­folgs­ge­heim­nis vieler Produkte. Doch was genau verbirgt sich ei­gent­lich hinter dem Begriff?

De­fi­ni­ti­on USP | Unique Selling Pro­po­si­ti­on

Unique Selling Pro­po­si­ti­on, Unique Selling Point und die ent­spre­chen­de Abkürzung USP sind fest­ste­hen­de Begriffe aus dem Marketing und der Ver­kaufs­psy­cho­lo­gie. Sie werden synonym verwendet und be­zeich­nen ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal, durch das sich ein Produkt oder eine Dienst­leis­tung deutlich von den Angeboten der Wett­be­wer­ber abhebt. Das Prinzip der Unique Selling Pro­po­si­ti­on lässt sich auch auf andere Bereiche über­tra­gen: etwa Politik oder Kunst.

Warum ein Unique Selling Point wichtig ist? Ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal lässt sich nutzen, um Produkte und Dienst­leis­tun­gen auf einem Markt zu po­si­tio­nie­ren, zu bewerben und zu verkaufen. In Zeiten von Markt­sät­ti­gung und einer stei­gen­den Aus­tausch­bar­keit von Angeboten ist das besonders wichtig, um sich gegen Wett­be­wer­ber durch­zu­set­zen.

Welche Bedeutung haben USPs im Marketing?

Rosser Reeves gilt als Vater der Unique Selling Pro­po­si­ti­on. Er führte den Begriff in die Mar­ke­ting­theo­rie und auch -praxis ein und de­fi­nier­te ihn 1940 als ein­zig­ar­ti­ges Ver­kaufs­ver­spre­chen. Laut Reeves müssen USPs so be­schaf­fen sein, dass sich das ent­spre­chen­de Produkt oder die Dienst­leis­tung deutlich von kon­kur­rie­ren­den Angeboten des Marktes un­ter­schei­det. Sie stellen die kauf­ent­schei­den­de Größe dar und lösen den Kauf­im­puls aus. Vor­aus­ge­setzt, er ist auf die jeweilige Ziel­grup­pe ab­ge­stimmt.

Ent­wick­lung von Theorie und Praxis

1961 ver­öf­fent­lich­te Reeves das noch heute als Stan­dard­werk geltende Fachbuch „Reality in Ad­ver­ti­sing“ (Knopf, New York 1961). Darin fordert er, dass Werbung klar her­aus­stel­len sollte, warum der Konsument gerade das beworbene Produkt kaufen sollte und nicht ein anderes. Reeves betonte ebenfalls, dass an­ge­kün­dig­te USPs auch tat­säch­lich gegeben sein müssen: Das Angebot muss den in der Werbung ver­spro­che­nen Nutzen auch tat­säch­lich haben. Nur dann ist ein dau­er­haf­ter Erfolg möglich. In seinen Aus­füh­run­gen un­ter­schei­det er zwei Arten der Unique Selling Points:

  • na­tür­li­che USPs: lassen sich aus einem Produkt, seinen Ei­gen­schaf­ten oder der Her­stel­lungs­wei­se ableiten
  • künst­li­che USPs: werden dem Produkt erst durch die Werbung zu­ge­schrie­ben und auch als Unique Ad­ver­ti­sing Pro­po­si­ti­on (UAP) be­zeich­net 

Die Basis seiner Theorie schuf Reeves während der Tätigkeit für die New Yorker Wer­be­agen­tur Ted Bates & Co. Immer wieder versuchte er, die Unique Selling Pro­po­si­ti­ons von ihm be­wor­be­ner Produkte her­aus­zu­ar­bei­ten und in das Zentrum der Marketing-Strategie zu stellen. So auch im US-Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf von 1952. In der Wahl­kam­pa­gne der Re­pu­bli­ka­ner setzte er sein Wissen ein, um den Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten Dwight D. Ei­sen­hower (auf ihn geht auch die bekannte Ei­sen­hower Matrix zurück) zu bewerben. Mit Erfolg: Ei­sen­hower wurde zum 34. Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staaten gewählt und die Wahl­kämp­fe in den darauf folgenden Jahren deutlich wer­be­ori­en­tier­ter.

An­for­de­run­gen an USPs

Damit eine Unique Selling Pro­po­si­ti­on dauerhaft zum Erfolg führt, müssen drei grund­le­gen­de Ei­gen­schaf­ten gegeben sein:

  • Ziel­grup­pen­ori­en­tie­rung: USPs müssen auf eine Ziel­grup­pe aus­ge­rich­tet sein und ihre Be­dürf­nis­se erfüllen.
  • Wirt­schaft­lich­keit: USPs dürfen keine zu hohen Kosten ver­ur­sa­chen, damit sie lang­fris­tig rentabel sind.
  • Ver­tei­di­gungs­fä­hig­keit: USPs müssen sich am Markt gegenüber der Kon­kur­renz behaupten können.

Wie er­ar­bei­tet man einen Unique Selling Point?

Eine Unique Selling Pro­po­si­ti­on arbeitet man in der Regel in vier Schritten heraus:

  1. Ziel­grup­pe festlegen: Der po­ten­zi­el­le Kun­den­kreis muss genau definiert werden. Es ist ratsam, ihn nach Merkmalen wie Alter, Beruf und Vorlieben zu seg­men­tie­ren, um in­fol­ge­des­sen seine spe­zi­el­len Be­dürf­nis­se erfassen und de­fi­nie­ren zu können.
     
  2. Probleme erfassen: Es ist notwendig sich in die po­ten­zi­el­len Kunden hin­ein­zu­ver­set­zen, um mehr über ihre Probleme und Wünsche zu erfahren. Wenn möglich, sollte man hierzu auch Be­stands­kun­den befragen.
     
  3. An­ge­bots­un­ter­schie­de de­fi­nie­ren: Zunächst werden alle Leis­tun­gen eines Angebots auf­ge­lis­tet. Aus diesen werden dann jene her­aus­ge­fil­tert, die die Be­dürf­nis­se der de­fi­nier­ten Ziel­grup­pe best­mög­lich be­frie­di­gen. Im Anschluss werden die Angebote der Kon­kur­renz ana­ly­siert. Auf dieser Grundlage lässt sich ermitteln, welche wichtigen Merkmale die Angebote der Wett­be­wer­ber nicht bieten, das eigene Angebot aber schon.
     
  4. Ver­kaufs­ver­spre­chen de­fi­nie­ren: Das Ver­kaufs­ver­spre­chen sollte möglichst kurz und leicht ver­ständ­lich definiert werden. 

Die Bedeutung von USPs im heutigen Marketing

Heut­zu­ta­ge ist der Unique Selling Point eines Produktes oder einer Dienst­leis­tung fester Be­stand­teil der Marketing- oder Branding-Strategie und wird in ver­schie­de­nen Bereichen angewandt.

Bedeutung im Pro­dukt­le­bens­zy­klus

Der Pro­dukt­le­bens­zy­klus be­schreibt die typischen Phasen eines Produktes vom Markt­ein­tritt bis hin zum Aus­schei­den aus dem Markt. Ist bekannt, in welcher Phase dieses Zyklus sich ein Produkt befindet, ist es einfacher, passende Marketing-Maßnahmen zu wählen. Die Phase ist nämlich von enormer Bedeutung für das Marketing mithilfe einer Unique Selling Pro­po­si­ti­on.

Der Pro­dukt­le­bens­zy­klus in Phasen

Phase 1: Sie beginnt in der Regel mit dem Markt­ein­tritts eines Produktes und endet, wenn das Produkt von der Ziel­grup­pe ak­zep­tiert wird und die Ab­satz­zah­len steigen. Oft wird am Ende dieser Phase die Ge­winn­schwel­le erreicht, der so­ge­nann­te Break-even.

Phase 2: Sie beginnt, wenn mit einem Produkt Gewinn erzielt wird und Absätze wie Umsätze stark steigen. Immer mehr Kunden kaufen das Produkt, das sich gegenüber Vor­gän­ger­mo­del­len und Kon­kur­renz­pro­duk­ten durch­setzt. Gleich­zei­tig steigen vermehrt Wett­be­wer­ber in der Markt ein und bieten ver­gleich­ba­re Produkte an. Ausnahme: Es handelt es sich um ein Patent – in diesem Fall können die Wett­be­wer­ber in der Regel kein ver­gleich­ba­res Produkt anbieten. Die Phase 2 endet, sobald die Wachs­tums­ra­ten sinken.

Fakt

Ist der Markt an ähnlichen Produkten noch nicht gesättigt, funk­tio­niert das Konzept der Unique Selling Pro­po­si­ti­on in der Ein­füh­rungs- und Wachs­tums­pha­se überaus gut. Durch das Al­lein­stel­lungs­merk­mal ist die Werbung sehr über­zeu­gend.

Phase 3: Sie ist die Über­gangs­pha­se zwischen starkem Wachstum und Markt­sät­ti­gung. Da kaum noch neue Kunden gewonnen werden können, geht es darum, die Markt­an­tei­le gegen Wett­be­wer­ber mit ähnlichen Angeboten zu halten. Sind keine Ab­satz­stei­ge­run­gen mehr möglich, ist der Markt gesättigt.

Phase 4: Sie ist durch eine Sättigung des Marktes oder eine Sta­gna­ti­on von Absatz und Umsatz ge­kenn­zeich­net. Meist kommt es zu einem Ver­drän­gungs­wett­be­werb. Um die Sät­ti­gungs­pha­se zu ver­län­gern, über­ar­bei­ten einige Anbieter ihr Angebot, um sich wieder besser von der Kon­kur­renz abheben zu können.

Fakt

Bringen Wett­be­wer­ber ver­gleich­ba­re Produkte auf den Markt, verliert der Unique Selling Point eines Produktes oder einer Dienst­leis­tung an Wert. Die Mar­ke­ting­stra­te­gie muss dann auf die Be­din­gun­gen des fort­ge­schrit­te­nen Pro­dukt­le­bens­zy­klus angepasst werden. Möglich ist das unter anderem über den Preis. Entweder werden gleiche Leis­tun­gen zu güns­ti­ge­ren Preisen angeboten oder mehr Leis­tun­gen zu demselben Preis.

Phase 5: Sie ist durch einen deut­li­chen Rückgang von Absatz und Umsatz ge­kenn­zeich­net. Die Wett­be­wer­ber bringen ak­tu­el­le­re Angebote auf den Markt. Anbieter bereiten sich idea­ler­wei­se auf diese Phase vor und ersetzen das Angebot durch eine neue Version oder steigen aus dem Markt aus.

Bedeutung in der SWOT-Analyse

Im Rahmen einer SWOT-Analyse werden die eigenen Stärken und Schwächen mit denen der Kon­kur­renz ver­gli­chen. Auf dieser Grundlage wird ermittelt, in welchen Bereichen sich Chancen nutzen lassen und in welchen Bereichen man sich gegen Risiken durch die Kon­kur­renz schützen muss. Die Unique Selling Pro­po­si­ti­on sollte im Rahmen des SWOT-Modells dem­entspre­chend so gewählt und for­mu­liert werden, dass man auf eine Markt­chan­ce mit einer Stärke reagieren kann.

Beispiel: Kleine Un­ter­neh­men haben es schwer, hin­sicht­lich Pro­duk­ti­ons- und Lie­fer­ge­schwin­dig­keit mit größeren Wett­be­wer­bern zu kon­kur­rie­ren. Dafür können sie ihre Stärken in der per­sön­li­chen Beratung und einer großen Fle­xi­bi­li­tät aus­spie­len.

USPs: Beispiele aus der Praxis

USPs können sehr un­ter­schied­lich aus­ge­prägt sein.

Zeit­er­spar­nis bzw. Ge­schwin­dig­keit

Produkte werden in kurzer Zeit pro­du­ziert und geliefert, Dienst­leis­tun­gen schnell aus­ge­führt. Der Faktor Zeit ist in vielen Bereichen von großer Bedeutung und eignet sich optimal als Unique Selling Pro­po­si­ti­on. Diese nutzen bei­spiels­wei­se Fastfood-Ketten wie McDonalds oder Lie­fer­diens­te mit einem Ex­press­ver­sand.

Service

Eine Service-Hotline, die 24 Stunden am Tag er­reich­bar ist, eine Zu­frie­den­heits­ga­ran­tie mit Geld-zurück-Option oder Re­pa­ra­tur­ra­bat­te – solche Ser­vice­leis­tun­gen sind ein her­vor­ra­gen­des Al­lein­stel­lungs­merk­mal. Vor­aus­set­zung dafür ist al­ler­dings, dass sie innerhalb der Branche bzw. an dem je­wei­li­gen Standort von keinem anderen angeboten werden.

Um­welt­ver­träg­lich­keit

Das öko­lo­gi­sche Gewissen der Kon­su­men­ten ist immer stärker aus­ge­prägt. Nach­hal­tig pro­du­zier­te Produkte, der Verzicht auf be­denk­li­che In­halts­stof­fe oder um­welt­scho­nen­de Tech­no­lo­gien eignen sich optimal, um sich damit von der Kon­kur­renz abzuheben. Ein gutes Beispiel ist das von Toyota ent­wi­ckel­te Hybrid-Synergy-Drive-System, das Ver­bren­nungs- und Elek­tro­an­trieb mit­ein­an­der kom­bi­niert und dadurch den Treib­stoff­ver­brauch sowie den Schad­stoff­aus­stoß reduziert.

Rezeptur

Das größte Fir­men­ge­heim­nis: die Zu­ta­ten­lis­te. Wie bei Coca Cola hat auch eine geheime Rezeptur das Potenzial für einen Unique Selling Point. Die Stärke liegt darin, dass sie nicht ohne weiteres kopiert werden kann. Die Rezeptur als USP kann aber auch un­ter­neh­mens­über­grei­fend funk­tio­nie­ren. Bestes Beispiel ist das nach dem deutschen Rein­heits­ge­bot gebraute Bier.

Ex­klu­si­vi­tät

Auch emo­tio­na­le Werte wie Ex­klu­si­vi­tät und Prestige spielen als Kauf­ar­gu­ment eine wichtige Rolle. Warum muss es bei­spiels­wei­se unbedingt ein Ver­lo­bungs­ring von Cartier sein? Auch bei anderen Juweliere gibt es schönen und hoch­wer­ti­gen Schmuck. Das fran­zö­si­sche Un­ter­neh­men genießt unter Kennern aber einen besonders ex­klu­si­ven Ruf.

Preis

Sich durch einen besonders niedrigen Preis vom Wett­be­werb abzuheben funk­tio­niert nicht in allen Branchen. In Markt­seg­men­ten wie der Per­so­nen­be­för­de­rung kann es aber durchaus zum Erfolg führen. Gezeigt hat es das Un­ter­neh­men Flix­mo­bi­li­ty, das mit seinen Fern­bus­sen und einer kleinen Auswahl an Bahn­stre­cken der Deutschen Bahn Kon­kur­renz macht.

Fazit

USPs können erheblich zu einer stärkeren Nachfrage Ihrer Dienst­lei­tun­gen oder Produkte beitragen: Grund­vor­aus­set­zung ist al­ler­dings, dass Ihr Al­lein­stel­lungs­merk­mal auch vor­han­de­ne Be­dürf­nis­se Ihrer Ziel­grup­pe be­frie­digt. Aus diesem Grund ist eine aus­führ­li­che Ziel­grup­pen­ana­ly­se un­ab­ding­bar für den Un­ter­neh­mens­er­folg. Im Anschluss müssen Sie den Unique Selling Point Ihres Angebots in den Fokus Ihrer Mar­ke­ting­kam­pa­gnen stellen. An­dern­falls sind sie darauf an­ge­wie­sen, dass die Kon­su­men­ten von allein das Al­lein­stel­lungs­merk­mal entdecken und für Sie werben.

Der sichere Weg ist, mit dem ein­zig­ar­ti­gen Vorteil Ihres Angebots klar zu werben. Für einen möglichst dau­er­haf­ten Erfolg ist es zudem notwendig, beständig die Reaktion der Mit­be­wer­ber im Blick zu behalten. Denn so können Sie zeitnah reagieren und Ihr Angebot anpassen bzw. neu aus­rich­ten, sobald die Kon­kur­renz­un­ter­neh­men beginnen, ver­glei­che Produkte und Dienst­leis­tun­gen an­zu­bie­ten.

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