Wer im IT-Service-Ma­nage­ment tätig ist, der dürfte mit großer Wahr­schein­lich­keit schon einmal von ITIL (In­for­ma­ti­on Tech­no­lo­gy In­fra­struc­tu­re Library) gehört haben. Ver­ein­facht gesagt handelt es sich bei dem Werk um eine Best-Practices-Sammlung, die IT-Ver­ant­wort­li­chen und -Dienst­leis­tern wie Managed Service Providern die Arbeit er­leich­tern soll bzw. Beispiele für einen ef­fi­zi­en­ten und kun­den­ori­en­tier­ten Ar­beits­all­tag prä­sen­tiert. Hier be­schäf­ti­gen wir uns intensiv mit ITIL v3, der dritten Edition des IT-Leit­fa­dens.

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Was ist ITIL v3?

ITIL v3 ist die dritte Version des IT-Service-Ma­nage­ment-Leit­fa­dens ITIL. Sie wurde erstmalig im Juni 2007 ver­öf­fent­licht, in den nach­fol­gen­den Jahren aber weit­ge­hend über­ar­bei­tet. Spricht man heute von ITIL v3, bezieht man sich daher auf die im Juli 2011 er­schie­ne­ne Edition, die sich aus einer um­fas­sen­den Ein­füh­rung und folgenden fünf Bänden für die Kern­be­rei­che des IT-Service-Ma­nage­ments zu­sam­men­setzt:

  • Service-Strategie (engl. Service Strategy)
  • Service-Ent­wick­lung (engl Service Design)
  • Service-In­be­trieb­nah­me (engl. Service Tran­si­ti­on)
  • Service-Betrieb (engl. Service Operation)
  • Kon­ti­nu­ier­li­che Service-Ver­bes­se­rung (engl. Continual Service Im­pro­ve­ment)

Im Vergleich zu den Vor­gän­ger­ver­sio­nen ITIL v1 und ITIL v2, die noch aus 42 bzw. 9 ver­schie­de­nen Do­ku­men­ten bestanden hatten, sind die Inhalte von ITIL v3 also deutlich struk­tu­rier­ter zu­sam­men­ge­fasst. Das äußert sich auch darin, dass alle Kapitel nach dem gleichen Muster aufgebaut sind, um eine möglichst einfache Ori­en­tie­rung zu bieten. In den fünf Bänden be­schreibt die dritte Version des Frame­works insgesamt 26 Kern­pro­zes­se, die Un­ter­neh­men als Best Practices dienen sollen, sich aber jederzeit an die in­di­vi­du­el­len Be­dürf­nis­se anpassen lassen.

Welche ITIL v3-Prozesse gibt es?

Während die Vor­gän­ger­ver­sio­nen einen pro­zess­ori­en­tier­ten Ansatz verfolgen, liegt das Haupt­au­gen­merk in der dritten Edition von ITIL auf einem über­ge­ord­ne­ten Service-Le­bens­zy­klus (Service Life Cycle), der sich auch in den Titeln der fünf Bänden wi­der­spie­gelt. Sämtliche vor­ge­stell­ten Best Practices beziehen diesen Zyklus ein: Zunächst ist eine Strategie zu ent­wi­ckeln, bevor es an das Design des ei­gent­li­chen Services gehen kann. Im nächsten Schritt wird der Service in Betrieb genommen und an­schlie­ßend zur Zu­frie­den­heit der Kunden gemanagt. Um lang­fris­tig eine hohe Qualität zu liefern, steht in der letzten Phase des Zyklus die kon­ti­nu­ier­li­che Ver­bes­se­rung an.

Auch wenn der pro­zess­ori­en­tier­te Ansatz in ITIL v3 auf­ge­weicht wurde, sind die Best Practices in dem Leitfaden immer noch als Prozesse auf­ge­führt – anders als in der Nach­fol­ger­ver­si­on ITIL v4, in der Prozesse als „Practices“ be­zeich­net werden. Folgende 26 Prozesse (hier den fünf Phasen des Service-Le­bens­zy­klus zugeteilt) sind in ITL v3 zu finden:

Strategie Ent­wick­lung In­be­trieb­nah­me Betrieb Ver­bes­se­rung
Strategy Ma­nage­ment Service Catalogue Ma­nage­ment Tran­si­ti­on Planning and Support Access Ma­nage­ment 7-Step Im­pro­ve­ment
Demand Ma­nage­ment Avai­la­bi­li­ty Ma­nage­ment Change Ma­nage­ment Event Ma­nage­ment
Service Portfolio Ma­nage­ment In­for­ma­ti­on Security Ma­nage­ment Change Eva­lua­ti­on Request Ful­film­ent
Financial Ma­nage­ment Service Level Ma­nage­ment Release and De­ploy­ment Ma­nage­ment Incident Ma­nage­ment
Business Re­la­ti­onship Capacity Ma­nage­ment Service Asset and Con­fi­gu­ra­ti­on Ma­nage­ment Problem Ma­nage­ment
Design Coor­di­na­ti­on Service Va­li­da­ti­on and Testing
Supplier Ma­nage­ment Knowledge Ma­nage­ment
IT Service Con­ti­nui­ty Ma­nage­ment

Zu­sätz­lich be­schreibt ITIL v3 vier ver­schie­de­ne „Funk­tio­nen“. Hierunter sind or­ga­ni­sa­to­ri­sche Einheiten, also z. B. bestimmte Teams eines Un­ter­neh­mens, zu verstehen, die ein be­stimm­tes Set an Ak­ti­vi­tä­ten ausüben. Die vier Funk­tio­nen der dritten ITIL-Edition lauten:

  • Service Desk: Be­rüh­rungs­punkt zwischen Service-Dienst­leis­ter und Anwendern bzw. Kunden
  • Ap­pli­ca­ti­on Ma­nage­ment: Ent­wick­lung und In­stand­hal­tung der Software
  • Technical Ma­nage­ment: Ma­nage­ment der tech­ni­schen Aspekte der IT-Services
  • Ope­ra­ti­ons Ma­nage­ment: Ver­wal­tung des Ta­ges­ge­schäfts (IT-Be­triebs­steue­rung und IT-Facility-Ma­nage­ment)
Hinweis

Anders als bei anderen wichtigen IT-Richt­li­ni­en wie Re­vi­si­ons­si­cher­heit können Un­ter­neh­men sich nicht eine generelle ITIL-Kon­for­mi­tät be­schei­ni­gen lassen. Die Zer­ti­fi­zie­rung für ITIL v3 und Co. ist per­so­nen­be­zo­gen und mit einer mehr­stu­fi­gen Schulung inklusive Prüfungen verbunden.

Ist ITIL v3 noch aktuell?

Seit 2020 gibt es mit ITIL v4 den of­fi­zi­el­len Nach­fol­ger von ITIL v3, wobei diese Tatsache kei­nes­wegs bedeutet, dass die dritte Version des IT-Leit­fa­dens keinerlei Bedeutung mehr hat. Das ist ins­be­son­de­re darin begründet, dass sich viele Inhalte von ITIL v3 auch in ITIL v4 wie­der­fin­den.

So sind die Practices der neuen Edition stark an den be­schrie­be­nen Prozessen der Vorgänger ori­en­tiert. Auch der Ansatz des Service-Le­bens­zy­klus spielt weiterhin eine Rolle, wenn­gleich er als zentraler Grundsatz entfernt wurde: Die Service-Wert­schöp­fungs­ket­te (Service Value Chain), die eine der fünf Kom­po­nen­ten des Service-Value-Systems (SVS) aus ITIL v4 darstellt, ist mehr oder weniger eine Er­wei­te­rung des ITIL v3 Life­cy­cles.

Dass ITIL v3 auch weiterhin seine Gül­tig­keit hat, ist aber ins­be­son­de­re auf einen weiteren Grund zu­rück­zu­füh­ren, den auch die Autoren der aktuellen Edition von Beginn an her­vor­ge­ho­ben haben: Viele IT-Un­ter­neh­men benötigen nach wie vor klar struk­tu­rier­te Prozesse, wie ITIL v3 sie be­schreibt. Agile Struk­tu­ren, die das Bestreben von ITIL v4 sind, werden prin­zi­pi­ell zwar immer wichtiger, passen häufig aber (noch) nicht in den Ge­schäfts­all­tag.

Hinweis

Anstelle eines kom­plet­ten Umstiegs auf ITIL v4 ist auch ein hybrider Ansatz vor­stell­bar. Ab­tei­lun­gen und Projekte, die von struk­tu­rier­ten Prozessen leben, können sich bei einem solchen Modell weiterhin an den Prin­zi­pi­en von ITIL v3 ori­en­tie­ren. Ab­tei­lun­gen und Projekte, denen ein agiler Ansatz zugrunde liegt, haben wäh­rend­des­sen mit der Nach­fol­ge­ver­si­on das passende Ori­en­tie­rungs­mit­tel parat.

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