IT-Ver­ant­wort­li­che und IT-Dienst­leis­ter wie Managed Service Provider haben mit ITIL (In­for­ma­ti­on Tech­no­lo­gy In­fra­struc­tu­re Library) seit über drei Jahr­zehn­ten ein um­fas­sen­des Framework mit pass­ge­nau­en Best Practices zur Hand. In ver­schie­de­nen Do­ku­men­ten be­schreibt der IT-Leitfaden, wie sich Services möglichst effizient und kun­den­ori­en­tiert be­reit­stel­len lassen. Die nach­fol­gen­den Ab­schnit­te befassen sich mit den Inhalten und Be­son­der­hei­ten der vierten Ausgabe ITIL v4.

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Was ist ITIL v4?

ITIL v4 ist die vierte und aktuelle Edition des IT-Rah­men­wer­kes ITIL. Sie wurde im Februar 2019 als of­fi­zi­el­ler Nach­fol­ger von ITIL v3 ver­öf­fent­licht, wobei die vierte Version in erster Linie als Er­wei­te­rung bzw. Wei­ter­ent­wick­lung zu sehen ist. Die Kern­prin­zi­pi­en der Vor­gän­ger­edi­ti­on besitzen auch heute noch ihre Gül­tig­keit. Zudem spielen sie auch in ITIL v4 eine wichtige Rolle, denn der grund­sätz­li­che ITIL-v3-Ansatz zur ef­fi­zi­en­ten Be­reit­stel­lung von IT-Services – Haupt­fo­kus des ITIL-Leit­fa­dens – wurde wei­ter­ver­folgt. Das Grund­prin­zip wurde lediglich in Feldern wie Trans­pa­renz, Zu­sam­men­ar­beit und Au­to­ma­ti­sie­rung verstärkt.

Hinweis

ITIL v4 setzt auf einen Mix aus eta­blier­ten IT-Service-Ma­nage­ment-Praktiken und den modernen Ar­beits­wei­sen Lean, Agile und DevOps.

Ins­be­son­de­re zwei Schlüs­sel­kom­po­nen­ten machen ITIL v4 aus: Das Service Value System (SVS) und das Modell der vier Di­men­sio­nen.

Was ist das Service Value System von ITIL v4?

Das Service Value System (dt. „Service-Wert-System“) von ITIL v4 be­schreibt das Zu­sam­men­wir­ken aller Kom­po­nen­ten und Ak­ti­vi­tä­ten des IT-Service-Ma­nage­ments in einer Or­ga­ni­sa­ti­on, die an der Wert­schöp­fung beteiligt sind. Das System un­ter­glie­dert sich dabei in folgende fünf Kern­punk­te:

  • ITIL-Service-Wert­schöp­fungs­ket­te (Service Value Chain): Kom­bi­na­ti­on aus den sechs Schlüs­sel­ak­ti­vi­tä­ten Planung, Ver­bes­se­rung, En­ga­ge­ment, Design/Tran­si­ti­on, Erhaltung und Be­reit­stel­lung/Support, deren Ziel es ist, einen Mehrwert für den Endnutzer zu schaffen.
  • ITIL-Leit­prin­zi­pi­en (Guiding Prin­ci­ples): Leit­prin­zi­pi­en für ein hoch­wer­ti­ges IT-Service-Ma­nage­ment wie Wer­te­ori­en­tie­rung, trans­pa­ren­te Zu­sam­men­ar­beit, Sim­pli­zi­tät oder stetige Op­ti­mie­rung/Wei­ter­ent­wick­lung.
  • Go­ver­nan­ce: Vor­de­fi­nier­te Rich­tun­gen, Richt­li­ni­en und Regeln, die IT-Ver­ant­wort­li­che bei der Be­reit­stel­lung und dem Ma­nage­ment ihrer Dienste zugrunde legen sollten.
  • Continual Im­pro­ve­ment: Das Streben danach, die of­fe­rier­ten Services ständig zu ver­bes­sern, das auch in anderen Kom­po­nen­ten wie der Value Chain eine Rolle spielt.
  • ITIL-Practices (auch Emp­feh­lungs­richt­li­ni­en oder Praktiken): 34 ver­schie­de­ne Best Practices, die IT-Dienst­leis­tern ein Set an or­ga­ni­sa­to­ri­schen Res­sour­cen mitgeben, die für die Durch­füh­rung von Arbeit oder das Erreichen eines Ziels ent­wi­ckelt wurden.

ITIL v4: Was ist das Modell der vier Di­men­sio­nen?

Agiles IT-Service-Ma­nage­ment be­inhal­tet mehr als das simple Managen von Tech­no­lo­gie. Die ver­schie­de­nen Or­ga­ni­sa­tio­nen eines Un­ter­neh­mens sowie die einzelnen Personen sind hierbei ebenso ein­zu­be­zie­hen wie die ein­ge­setz­ten Prozesse und Tech­no­lo­gien. Auch die Be­zie­hun­gen zu Partnern und Providern spielen eine wichtige Rolle. ITIL v4 fasst diese Bereiche für einen ganz­heit­li­chen IT-Service-Ma­nage­ment-Ansatz im Modell der vier Di­men­sio­nen zusammen.

Hinweis

Die vier Di­men­sio­nen gelten nicht nur für sämtliche IT-Services, sondern auch für alle Ka­te­go­rien des Service Value Systems!

  1. Or­ga­ni­sa­tio­nen und Menschen: Or­ga­ni­sa­tio­nen decken die formale Struktur ab und sorgen für ein an­ge­mes­se­nes Maß an Ka­pa­zi­tä­ten und Kom­pe­ten­zen. Alle ein­ge­bun­de­nen Personen sollten sich zu jedem Zeitpunkt über ihren Anteil am Service Value System bewusst sein.
  2. In­for­ma­ti­on und Tech­no­lo­gie: In dieser Dimension geht es zum einen um die Tech­no­lo­gien, die in puncto IT-Service-Ma­nage­ment zum Einsatz kommen, z. B. Tools oder Wis­sens­da­ten­ban­ken. Zum anderen geht es um den Umgang mit In­for­ma­tio­nen, die Un­ter­neh­men bei der Lieferung eines IT-Dienstes ge­ne­rie­ren, speichern, verwalten und verwenden.
  3. Partner und Lie­fe­ran­ten: Abhängig von ver­schie­de­nen Faktoren wie Kosten, Un­ter­neh­mens­kul­tur, Know-how oder der eigenen Strategie binden Un­ter­neh­men mehr oder weniger Dritt­or­ga­ni­sa­tio­nen in die eigenen Ge­schäfts­pro­zes­se ein.
  4. Wert­strö­me und Prozesse: Diese Dimension sieht eine De­fi­ni­ti­on aller Ak­ti­vi­tä­ten, Workflows und Prozesse vor, die für das Erreichen der Ge­schäfts­zie­le er­for­der­lich sind. Zudem be­trach­tet sie das Zu­sam­men­wir­ken ver­schie­de­ner Un­ter­neh­mens­kom­po­nen­ten und in welcher Weise diese am Wert­schöp­fungs­pro­zess beteiligt sind.

Welche ITIL v4-Prozesse gibt es?

ITIL v4 gibt insgesamt 34 un­ter­schied­li­che IT-Ma­nage­ment-Praktiken (Practices) vor. Bei diesen Emp­feh­lungs­richt­li­ni­en, die in Vor­gän­ger­ver­sio­nen wie ITIL v3 als „Prozesse“ be­zeich­net werden, handelt es sich um zu­sam­men­hän­gen­de or­ga­ni­sa­to­ri­sche Res­sour­cen, mit deren Hilfe sich bestimmte Aufgaben erledigen oder Ziele erreichen lassen. Zu jedem Practice for­mu­liert das Framework u. a. passende Konzepte und Er­folgs­fak­to­ren.

ITIL v4 un­ter­glie­dert die einzelnen Praktiken in die drei Ka­te­go­rien „All­ge­mei­ne Ma­nage­ment Practices“, „Service Ma­nage­ment Practices“ und „Tech­ni­sche Ma­nage­ment Practices“. Die nach­fol­gen­de Tabelle (Stand: August 2021) zeigt die 34 ITIL-v4-Praktiken inklusive der über­ge­ord­ne­ten Kategorie:

All­ge­mei­ne Ma­nage­ment Practices Service Ma­nage­ment Practices Tech­ni­sche Ma­nage­ment Practices
- Strategy Ma­nage­ment - Portfolio Ma­nage­ment - Ar­chi­tec­tu­re Ma­nage­ment - Service Financial Ma­nage­ment - Workforce and Talent Ma­nage­ment - Continual Im­pro­ve­ment - Me­a­su­re­ment and Reporting - Risk Ma­nage­ment - In­for­ma­ti­on Security Ma­nage­ment - Knowledge Ma­nage­ment - Or­ga­niza­tio­nal Change Ma­nage­ment - Project Ma­nage­ment - Re­la­ti­onship Ma­nage­ment - Supplier Ma­nage­ment - Business Analysis - Service Catalogue Ma­nage­ment - Service Design - Service Level Ma­nage­ment - Avai­la­bi­li­ty Ma­nage­ment - Capacity and Per­for­mance Ma­nage­ment - Service Con­ti­nui­ty Ma­nage­ment - Mo­ni­to­ring and Event Ma­nage­ment - Service Desk - Incident Ma­nage­ment - Service Request Ma­nage­ment - Problem Ma­nage­ment - Release Ma­nage­ment - Change Control - Service Va­li­da­ti­on and Testing - Service Con­fi­gu­ra­ti­on Ma­nage­ment - IT Asset Ma­nage­ment - De­ploy­ment Ma­nage­ment - In­fra­struc­tu­re and Platform Ma­nage­ment - Software De­ve­lo­p­ment and Ma­nage­ment
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Die wich­tigs­ten Un­ter­schie­de zwischen ITIL v4 und ITIL v3

ITIL v4 ist in vielen Punkten als Er­wei­te­rung der Vor­gän­ger­edi­ti­on ITIL v3 zu verstehen, denn viele Ansätze finden sich bereits in den 2011 zu­sam­men­ge­fass­ten Do­ku­men­ten der dritten ITIL-Ausgabe. So ist das Vier-Di­men­sio­nen-Modell des Service-Ma­nage­ments zwar eine Neuerung von ITIL v4 – Service-Ma­nage­ment wird jedoch auch schon in ITIL v3 als sys­tem­ba­sier­ter Ansatz dar­ge­stellt. Zudem sind Personen, In­for­ma­tio­nen, Tech­no­lo­gie, Partner und Prozesse bereits wichtige Aspekte in vielen Prozessen der dritten Edition.

Auch das Service-Wert-System von ITIL v4, das das Zu­sam­men­spiel der einzelnen Kom­po­nen­ten und Ak­ti­vi­tä­ten in der Or­ga­ni­sa­ti­on be­schreibt, ist kein gänzlich neues Prinzip: Mit seinen ver­schie­de­nen Prozessen, Funk­tio­nen und Leit­li­ni­en bietet auch ITIL v3 eine grund­sätz­li­che Be­schrei­bung des Zu­sam­men­wir­kens. ITIL v4 hat mit dem Service Value System aber nicht nur den ganz­heit­li­che­ren, sondern auch den deutlich fle­xi­ble­ren Ansatz parat, der IT-Ver­ant­wort­li­chen größeren Freiraum bietet, maß­ge­schnei­der­te Lösungen zu de­fi­nie­ren.

Der aus der dritten Ausgabe bekannte Service-Le­bens­zy­klus (Service Life Cycle) findet in ITIL v4 zwar kaum mehr Erwähnung – die kon­ti­nu­ier­li­che Ver­bes­se­rung spielt jedoch weiterhin eine wichtige Rolle, bei­spiels­wei­se im Rahmen der ITIL-Service-Wert­schöp­fungs­ket­te. Anstelle der 26 Prozesse von ITIL v3 stellt ITIL v4 insgesamt 34 ver­schie­de­ne Practices vor, von denen einige neu sind, während der Großteil sich stark an den Prozessen der Vor­gän­ger­edi­ti­on ori­en­tiert.

Hinweis

Anders als bei anderen IT-Standards wie der Re­vi­si­ons­si­cher­heit können sich Un­ter­neh­men keine generelle ITIL-Kon­for­mi­tät zer­ti­fi­zie­ren lassen. Die Lehrgänge und Zer­ti­fi­zie­run­gen für ITIL v4 sind immer per­so­nen­be­zo­gen.

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