Ein neu­ro­na­les Netz (englisch: neural network) ist ein System der In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie, das sich im Aufbau am mensch­li­chen Gehirn ori­en­tiert und Computer mit Merkmalen künst­li­cher In­tel­li­genz aus­stat­tet. Neuronale Netze sind ein zentraler Be­stand­teil und eine von vielen Methoden moderner KI-An­wen­dun­gen, zum Beispiel von Chatbots wie ChatGPT.

Es exis­tie­ren ver­schie­de­ne Arten von künst­li­chen neu­ro­na­len Netzen, die jeweils un­ter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten der In­for­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung im Kontext des Deep Learning bieten. Die Forschung hierzu hat in den ver­gan­ge­nen Jahren riesige Sprünge gemacht. Neural Networks bilden also eine zentrale Tech­no­lo­gie, um Maschinen das ei­gen­stän­di­ge Denken bei­zu­brin­gen, wodurch Computer ei­gen­stän­dig Probleme lösen und ihre Fä­hig­kei­ten ver­bes­sern können. Mitt­ler­wei­le sind neuronale Netze Teil von mul­ti­mo­da­len Systemen, die Text, Bild, Audio und Video kom­bi­nie­ren können.

Wie funk­tio­niert ein Neural Network?

Neuronale Netze ori­en­tie­ren sich am Aufbau des mensch­li­chen Gehirns, das In­for­ma­tio­nen über ein Netz von Neuronen ver­ar­bei­tet.

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Künst­li­che neuronale Netze lassen sich als Modelle aus min­des­tens zwei Schichten be­schrei­ben – einer Eingabe- und einer Aus­ga­be­schicht – sowie in der Regel weiterer da­zwi­schen liegender Schichten (Hidden Layers). Moderne Netzwerke wie Con­vo­lu­tio­nal Neural Networks (CNNs) oder Trans­for­mer-Modelle benötigen oft viele Schichten, auch für einfache Aufgaben, weil die Tiefe zu ihrer Effizienz beiträgt. Auf jeder Schicht des Netzes liegt eine Vielzahl von spe­zia­li­sier­ten künst­li­chen Neuronen.

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In­for­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung im Neural Network

Die In­for­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung im neu­ro­na­len Netz folgt immer dem gleichen Ablauf: In­for­ma­tio­nen treffen in Form von Mustern oder Signalen auf die Neuronen der Ein­gangs­schicht, wo sie ver­ar­bei­tet werden. Dabei ist jedem Neuron ein Gewicht zu­ge­ord­net, sodass Neuronen un­ter­schied­li­che Wich­tig­kei­ten erhalten. Das Gewicht ent­schei­det zusammen mit einer Über­tra­gungs­funk­ti­on über die Eingabe, die nun wei­ter­ge­lei­tet wird.

Eine Ak­ti­vie­rungs­funk­ti­on und ein Schwel­len­wert berechnen und gewichten im nächsten Schritt den Aus­ga­be­wert des Neurons. Je nach In­for­ma­ti­ons­be­wer­tung und -ge­wich­tung werden weitere Neuronen verknüpft und mehr oder weniger stark aktiviert.

Durch diese Ver­knüp­fung und Ge­wich­tung wird ein Al­go­rith­mus mo­del­liert, der für jeden Input ein Ergebnis erzeugt. Mit jedem Training wird die Ge­wich­tung und damit der Al­go­rith­mus angepasst, sodass das Netz immer genauere und bessere Er­geb­nis­se liefert.

Neu­ro­na­les Netz: Beispiel für die Anwendung

Neuronale Netze können zur Bil­der­ken­nung ein­ge­setzt werden. Anders als Menschen kann ein Computer nicht mit einem Blick erkennen, ob auf einem Bild ein Mensch, eine Pflanze oder ein Ge­gen­stand zu sehen ist. Er muss das Foto auf einzelne Merkmale un­ter­su­chen. Welche Merkmale relevant sind, weiß der Computer durch den im­ple­men­tier­ten Al­go­rith­mus oder er findet es durch Da­ten­ana­ly­se selbst heraus.

In jeder Schicht des Netzes prüft das System die Ein­gangs­si­gna­le, d. h. die Bilder, auf einzelne Kriterien wie Farbe, Ecken, Formen. Mit jeder Prüfung kann der Computer besser bewerten, was auf dem Bild zu sehen ist.

Zunächst werden die Er­geb­nis­se feh­ler­be­haf­tet sein. Erhält das neuronale Netz Feedback von einem mensch­li­chen Trainer und kann dadurch seinen Al­go­rith­mus anpassen, spricht man von ma­schi­nel­lem Lernen. Beim Deep Learning kann das mensch­li­che Training entfallen. Das System lernt in diesem Fall aus der eigenen Erfahrung und wird umso besser, je mehr Bild­ma­te­ri­al ihm vorliegt.

Am Ende steht im Idealfall ein Al­go­rith­mus, der feh­ler­frei den Inhalt der Bilder iden­ti­fi­zie­ren kann. Abhängig vom Training auch un­ab­hän­gig davon, ob diese Bilder schwarz­weiß sind oder in welcher Pose oder aus welcher Per­spek­ti­ve das Dar­ge­stell­te zu sehen ist.

Typen von neu­ro­na­len Netzen

Es werden un­ter­schied­li­che Struk­tu­ren von neu­ro­na­len Netzen verwendet, abhängig vom ein­ge­setz­ten Lern­ver­fah­ren und vom An­wen­dungs­zweck.

Per­zep­tron

Die ein­fachs­te Form des neu­ro­na­len Netzes be­zeich­ne­te ur­sprüng­lich ein „Netz“ aus einem einzigen Neuron, das über Ge­wich­tun­gen und einen Schwel­len­wert verändert wird. Mitt­ler­wei­le wird der Begriff „Per­zep­tron“ auch für einlagige Feed­for­ward-Netze verwendet.

Feed­for­ward-Netze

Diese künst­li­chen neu­ro­na­len Netze können In­for­ma­tio­nen nur in eine Ver­ar­bei­tungs­rich­tung leiten. Die Netze können einlagig sein, d. h. nur aus Eingangs- und Aus­gangs­schicht bestehen, oder mehrlagig mit diversen ver­steck­ten Schichten (englisch: Hidden Layers).

Hinweis

Erfahren Sie mehr zu Feed­for­ward-Netze in unserem Ratgeber!

Re­kur­ren­te Netze

In re­kur­ren­ten Netzen können In­for­ma­tio­nen auch Feedback-Schleifen durch­lau­fen und damit in Schichten zu­rück­sprin­gen. Die Rück­kopp­lun­gen er­mög­li­chen dem System, ein Ge­dächt­nis auf­zu­bau­en. Re­kur­ren­te Netze werden z. B. in der Sprach­er­ken­nung, Über­set­zung und Hand­schrift­er­ken­nung ein­ge­setzt.

Hinweis

Sie können mehr im Detail darüber erfahren in unserem ge­son­der­ten Ratgeber zu Recurrent Neural Networks.

Con­vo­lu­tio­nal Neural Networks

Die Netzwerke sind eine Unterform der mehr­schich­ti­gen Netze. Sie bestehen aus min­des­tens fünf Schichten. Auf jeder Schicht wird eine Mus­ter­er­ken­nung durch­ge­führt, wobei das Ergebnis einer Schicht in die nächste über­tra­gen wird. Diese Art von neu­ro­na­len Netzen wird in der Bil­der­er­ken­nung ein­ge­setzt.

Hinweis

In unserem Ratgeber zu Con­vo­lu­tio­nal Neural Networks finden Sie de­tail­lier­te­re In­for­ma­tio­nen darüber.

Lern­ver­fah­ren

Damit die Ver­bin­dun­gen in künst­li­chen neu­ro­na­len Netzen passend geknüpft werden, um die Auf­ga­ben­stel­lung zu lösen, müssen die Netze zunächst trainiert werden. Dabei lassen sich zwei grund­le­gen­de Verfahren un­ter­schei­den:

Über­wach­tes Lernen

Beim über­wach­ten Lernen wird für un­ter­schied­li­che Ein­ga­be­op­tio­nen jeweils ein konkretes Ergebnis definiert. Sollen bei­spiels­wei­se Kat­zen­bil­der als solche vom System erkannt werden, kon­trol­lie­ren Menschen die Zuordnung des Systems und geben Rück­mel­dung, welches Bild richtig und welches falsch erkannt wurde. So werden die Ge­wich­tun­gen im Netz verändert und der Al­go­rith­mus optimiert.

Un­be­auf­sich­tig­tes Lernen

Beim un­be­auf­sich­tig­ten Lernen wird das Ergebnis für die Auf­ga­ben­stel­lung nicht vor­ge­ge­ben. Statt­des­sen lernt das System aus­schließ­lich anhand der Ein­gangs­in­for­ma­tio­nen. Zum Einsatz kommen hierfür die Hebbsche Lernregel oder die Adaptive Re­so­nanz­theo­rie. Heut­zu­ta­ge fo­kus­siert sich die Praxis auf Al­go­rith­men wie Sto­cha­stic Gradient Descent (SGD).

Ein­satz­be­rei­che für Neural Networks

Neuronale Netzwerke lassen sich besonders dann er­folg­reich einsetzen, wenn eine Vielzahl von aus­zu­wer­ten­den Daten und nur wenig sys­te­ma­ti­sches Lö­sungs­wis­sen vorhanden ist. Klas­si­sche An­wen­dungs­fäl­le sind die Text-, Bild- und Sprach­er­ken­nung – Fälle, in denen Computer Daten auf bestimmte Merkmale un­ter­su­chen, um eine Zuordnung vor­zu­neh­men.

Neuronale Netze wie Con­vo­lu­tio­nal Neural Networks (CNNs) er­mög­li­chen es Computern, Inhalte in Bildern zu erkennen. Diese Tech­no­lo­gie wird in der me­di­zi­ni­schen Bild­ana­ly­se oder in der au­to­ma­ti­sier­ten Qua­li­täts­kon­trol­le in der Industrie ein­ge­setzt. Dort werden Neural Networks teilweise in der Re­ge­lungs­tech­nik verwendet, in der sie Soll-Werte über­wa­chen und bei Ab­wei­chun­gen au­to­ma­ti­siert Ge­gen­maß­nah­men ergreifen oder in der sie ei­gen­stän­dig Soll-Werte anhand ihrer Da­ten­aus­wer­tung vorgeben.

Sprach­mo­del­le wie ChatGPT, die auf neu­ro­na­len Netzen basieren, erzeugen rea­lis­tisch klingende Texte, be­ant­wor­ten Fragen oder ana­ly­sie­ren große Mengen an Textdaten.

Künst­li­che neuronale Netze können auch zum Einsatz kommen, um Prognosen zu ermitteln und Si­mu­la­tio­nen zu erstellen, z. B. in der Wet­ter­vor­her­sa­ge oder der me­di­zi­ni­schen Dia­gnos­tik. Con­vo­lu­tio­nal Neural Networks (CNNs) er­mög­li­chen es bei­spiels­wei­se Computern, Inhalte in Bildern zu erkennen. Diese Tech­no­lo­gie wird in der me­di­zi­ni­schen Bild­ana­ly­se ein­ge­setzt, um bei­spiels­wei­se Tumore auf Rönt­gen­bil­dern zu iden­ti­fi­zie­ren.

Die Ent­wick­lun­gen im Bereich des un­über­wach­ten Lernens von künst­li­chen neu­ro­na­len Netzen sind im Begriff, den Ein­satz­be­reich und die Leis­tungs­fä­hig­keit der Netze massiv aus­zu­wei­ten. Zu den pro­mi­nen­tes­ten An­wen­dungs­fäl­len der selbst­ler­nen­den neu­ro­na­len Netze gehört die Speech Synthesis der Sprach­as­sis­ten­ten. Systeme wie Alexa, Siri oder Google Assistant nutzen neuronale Netze, um ge­spro­che­ne Sprache in Text um­zu­wan­deln und darauf zu reagieren. Trans­for­mer-Modelle wie GPT oder BERT haben die Qualität ma­schi­nel­ler Über­set­zun­gen re­vo­lu­tio­niert.

Historie und Zu­kunfts­per­spek­ti­ve

Neural Networks sind in den ver­gan­ge­nen zehn Jahren im Zug der Dis­kus­si­on um künst­li­che In­tel­li­genz ins öf­fent­li­che Be­wusst­sein gerückt, doch die Tech­no­lo­gie ist in ihrem Kern bereits viele Jahr­zehn­te alt.

Über­le­gun­gen zu künst­li­chen neu­ro­na­len Netzen reichen bis in die frühen 1940er-Jahren zurück. Warren McCulloch und Walter Pitts be­schrie­ben damals ein Modell, das ele­men­ta­re Einheiten verknüpft und im Aufbau dem mensch­li­chen Gehirn nach­emp­fun­den war. Mit ihm sollte sich so gut wie jede arith­me­ti­sche Funktion berechnen lassen. 1949 ent­wi­ckel­te Donald Hebb die oben erwähnte Hebbsche Lernregel, die bis heute in vielen neu­ro­na­len Netzen verwendet wird.

1960 wurde ein neu­ro­na­les Netz ent­wi­ckelt, das weltweite kom­mer­zi­el­le Ver­wen­dung in der Echo­fil­te­rung in Ana­log­te­le­fo­nen fand. Danach geriet die Forschung auf dem Gebiet ins Stocken. Zum einen, weil führende Wis­sen­schaft­ler zu dem Schluss kamen, dass das Modell der neu­ro­na­len Netze wichtige Probleme nicht lösen konnte; zum anderen, weil für ein ef­fek­ti­ves Lernen der Systeme große digitale Da­ten­men­gen er­for­der­lich waren, die damals nicht vorlagen.

Erst mit dem Aufkommen von Big Data änderte sich das. Mit der Ein­füh­rung des Back­pro­pa­ga­ti­on-Al­go­rith­mus wurde das Training von mehr­schich­ti­gen Netzen möglich. Dies legte den Grund­stein für moderne Deep-Learning-Modelle. Die Kom­bi­na­ti­on aus enormen Da­ten­men­gen und der Re­chen­leis­tung moderner Gra­fik­pro­zes­so­ren (GPUs) führte zu einem Durch­bruch in den 2010er Jahren. Frame­works wie Ten­sor­Flow und PyTorch machten die Ent­wick­lung neu­ro­na­ler Netze zu­gäng­li­cher.

Das Interesse an künst­li­cher In­tel­li­genz und neu­ro­na­len Netzen kehrte zurück und der Sieg eines CNNs im ImageNet-Wett­be­werb 2012 markierte den Beginn des modernen Deep Learnings. Seitdem hat die Tech­no­lo­gie rasant an Bedeutung gewonnen und be­ein­flusst nahezu jeden Bereich der In­for­ma­tik.

Seitdem geht die Ent­wick­lung in diesem Bereich in einem rasanten Tempo voran. So viel­ver­spre­chend die Er­geb­nis­se sind, neuronale Netze sind nicht die einzige Tech­no­lo­gie, um künst­li­che In­tel­li­genz in Computer zu im­ple­men­tie­ren. Sie stellen nur eine Mög­lich­keit dar, auch wenn sie in der öf­fent­li­chen Debatte häufig als der einzige prak­ti­ka­ble Weg dar­ge­stellt werden. Heute geht die Forschung über klas­si­sche neuronale Netze hinaus. Mul­ti­mo­da­le Modelle, die Text, Bild und Sprache kom­bi­nie­ren, und Ansätze zur Re­du­zie­rung des En­er­gie­ver­brauchs stehen im Fokus. Gleich­zei­tig werden neuronale Netze immer mehr in All­tags­an­wen­dun­gen in­te­griert, von Smart­phones bis hin zu in­tel­li­gen­ten Haus­halts­ge­rä­ten.

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