Ein On­line­shop lebt von guten Pro­dukt­fo­tos. Denn gute und pro­fes­sio­nel­le Aufnahmen sollen po­ten­zi­el­le Kunden von einem Produkt über­zeu­gen, das sie noch nie in Händen hatten. Sind die Bilder dazu noch in­di­vi­du­ell und kreativ gestaltet, kann man sich durch sie von der großen Kon­kur­renz im E-Commerce absetzen. Mit dem richtigen Equipment und aus­rei­chen­der Vor­be­rei­tung kann jeder ein­zig­ar­ti­ge Pro­dukt­fo­tos erstellen – ohne ein Pro­fi­fo­to­graf zu sein.

Sich von der Masse abheben

In unserem Ratgeber zum Thema Pro­dukt­fo­to­gra­fie haben wir bereits erklärt, welchen Einfluss die Auswahl der Bilder auf Erfolg und Miss­erfolg eines Shops haben kann und worauf man bei Kon­zep­ti­on und Kom­po­si­ti­on achten sollte. Wichtig ist dabei immer, sich von der Masse abzuheben und mit be­son­de­ren Ideen her­aus­zu­ste­chen. Bestes Beispiel dafür ist die Google-Shopping-Seite. Haben alle Anbieter ihre Pro­dukt­fo­tos vom Her­stel­ler bezogen, sieht der Kunde hier bei seiner Pro­dukt­su­che unter Umständen Dutzende Male das iden­ti­sche Bild. Mit eigenen Ideen und hoch­wer­ti­gen, selbst er­stell­ten Fotos grenzen Sie sich von der Kon­kur­renz ab und schaffen für po­ten­zi­el­le Kunden einen Anreiz, Ihren Shop bevorzugt zu besuchen. Wir haben die wich­tigs­ten Tipps gesammelt, wie Sie pro­fes­sio­nel­le Pro­dukt­fo­tos selbst machen können.

Das richtige Equipment

Die Kamera ist natürlich das we­sent­li­che Werkzeug bei der Pro­dukt­fo­to­gra­fie. Dabei muss es nicht unbedingt ein teures Modell für mehrere Tausend Euro sein – auch mit­tel­prei­si­ge Spie­gel­re­flex- oder Sys­tem­ka­me­ras oder hoch­wer­ti­ge Kom­pakt­ka­me­ras eignen sich dazu, web­taug­li­che Pro­dukt­fo­tos zu erstellen. Wichtig ist vor allem, dass Sie als Fotograf damit umzugehen wissen.

Weitere Hilfs­mit­tel:

  •  Stativ: Um unscharfe, ver­wa­ckel­te Aufnahmen zu vermeiden, sollte man auf jeden Fall mit einem Stativ arbeiten. Für längere Be­lich­tungs­zei­ten ist es ohnehin un­ver­zicht­bar. Mit Stativ hat man außerdem den Vorteil, dass man viele Bilder aus exakt der gleichen Per­spek­ti­ve schießen kann.

  • Aufnahme- oder Fototisch: Kleine bis mit­tel­gro­ße Produkte werden am besten auf einem Fototisch platziert. So wird eine gleich­mä­ßi­ge, weit­ge­hend schat­ten­freie Aus­lich­tung der Produkte ge­währ­leis­tet. Ein weißer, wenn möglich licht­durch­läs­si­ger Hin­ter­grund (Glas­plat­te) oder eine Hohlkehle (für Frei­stel­ler) bieten weitere Vorteile.

  • Softbox oder Lichtzelt: Beides sind prak­ti­sche Hilfs­mit­tel zur Flä­chen­be­leuch­tung, die eine weiche und schat­ten­freie Aus­leuch­tung er­mög­li­chen.

  • Blitz­ge­rä­te: Ein weiteres tech­ni­sches Hilfs­mit­tel zur optimalen Be­leuch­tung sind Blitz­ge­rä­te. Gerade in dunklen Räumen dienen sie als prak­ti­sche, in­di­vi­du­ell ein­stell­ba­re Licht­quel­le.

  • Re­flek­to­ren und Aufheller: Mit Re­flek­to­ren und Auf­hel­lern können Sie Schat­ten­par­tien von Objekten gezielt aufhellen. Dank dieser Hilfs­mit­tel muss keine zu­sätz­li­che Licht­quel­le in­stal­liert werden, denn die Re­flek­to­ren lenken das vor­han­de­ne Licht dorthin, wo es gebraucht wird.

Die Ka­me­ra­ein­stel­lung

Noch wichtiger als die Qualität der Kamera ist, dass Sie als Fotograf sich mit den vielen Ein­stel­lungs­mög­lich­kei­ten auskennen. Für die Be­lich­tung relevant sind grund­sätz­lich vier Faktoren: der Blen­den­wert, die Be­lich­tungs­zeit, der ISO-Wert und der Weiß­ab­gleich.

  • Blen­den­wert: Mit der Blende kann man unter anderem die Tie­fen­schär­fe variieren. Das spielt bei der Pro­dukt­fo­to­gra­fie eine wichtige Rolle. Es gelten die Grund­re­geln:
    • kleiner Wert = große Blen­den­öff­nung = un­schar­fer Hin­ter­grund
    • großer Wert = kleine Blen­den­öff­nung = scharfer Hin­ter­grund
  • Be­lich­tungs­zeit: Hier wird die Be­lich­tungs­dau­er, also die Öff­nungs­zeit der Blende ein­ge­stellt. Viele Kameras bieten gute Automatik-Ein­stel­lun­gen – wer die Be­lich­tungs­zeit manuell ein­stel­len möchte, muss ver­schie­de­ne Ein­stel­lun­gen aus­pro­bie­ren. Eine zu kurze Be­lich­tungs­zeit führt zur Un­ter­be­lich­tung, eine zu lange hingegen zur Über­be­lich­tung. Wie oben schon erwähnt, sollte bei langen Be­lich­tungs­zei­ten unbedingt ein Stativ zum Einsatz kommen.

  • ISO: Anhand des ISO-Werts kann man fest­stel­len, wie licht­emp­find­lich der Bild­sen­sor der Kamera ist. Bei schlech­ten Licht­ver­hält­nis­sen sollte man einen eher hohen ISO-Wert wählen. Da bei der Pro­dukt­fo­to­gra­fie das Objekt best­mög­lich aus­ge­leuch­tet werden soll (siehe nächster Abschnitt), spielt dieser Wert hier eine un­ter­ge­ord­ne­te Rolle. Grund­sätz­lich sollte man ihn möglichst niedrig halten (max. 800), so muss man keine Einbußen bei der Qualität in Kauf nehmen.

  • Weiß­ab­gleich: Ein Weiß­ab­gleich sollte immer vor dem ersten Foto erfolgen. Diese Ein­stel­lung betrifft die Farb­tem­pe­ra­tur. Nur mit einem Weiß­ab­gleich wird Weiß später tat­säch­lich als Weiß ab­ge­bil­det, ohne einen Blau- oder Gelbstich. Moderne Di­gi­tal­ka­me­ras besitzen einen au­to­ma­ti­schen Weiß­ab­gleich. Fort­ge­schrit­te­ne Fo­to­gra­fen können auch manuelle Ein­stel­lun­gen vornehmen.

Das passende Licht für die Pro­dukt­fo­to­gra­fie

Nur optimal aus­ge­leuch­tet, kommt das Produkt voll zur Geltung. Viele Hob­by­fo­to­gra­fen fo­to­gra­fie­ren am liebsten bei na­tür­li­chem Licht. Doch bei der Pro­dukt­fo­to­gra­fie empfehlen Experten, lieber auf künst­li­ches Licht zu setzen. Die Licht­ver­hält­nis­se können so besser gesteuert und auch beliebig oft re­pro­du­ziert werden – egal, zu welcher Tageszeit Sie Fotos für Ihren On­line­shop machen wollen.

Mit den oben ge­lis­te­ten Hilfs­mit­teln kann eine ideale Licht­um­ge­bung ge­schaf­fen werden. Der richtige Einsatz von Füh­rungs­licht, Oberlicht sowie ver­schie­de­nen Re­flek­to­ren und Auf­hel­lern wird sehr an­schau­lich in folgendem Youtube-Tutorial erklärt:

Fein­schliff: Pro­dukt­fo­tos be­ar­bei­ten

Bevor man seine Bilder auf die eigene Website hochlädt, fehlt noch der finale Schritt: die Bild­be­ar­bei­tung. Die digitale Op­ti­mie­rung ist nicht ganz einfach, doch mit ein wenig Übung können auch Laien mit Fo­to­soft­ware ihre Pro­dukt­fo­tos be­ar­bei­ten und wahre Wunder bewirken. Die meist­ver­brei­te­te Software ist Photoshop, aber für Ein­stei­ger sind auch kos­ten­lo­se Photoshop Al­ter­na­ti­ven wie GIMP, Krita oder Pho­t­oS­cape geeignet.

Der Fein­schliff erfolgt meist durch:

  • Anpassen des Bild­aus­schnitts
  • Anpassen von Aus­rich­tung und Per­spek­ti­ve
  • Op­ti­mie­rung von Farbe und Hel­lig­keit
  • Kon­trast­ein­stel­lung
  • Retusche von kleineren Bild­ele­men­ten

Fazit: Erst die Idee, dann die Umsetzung

Mit den oben auf­ge­führ­ten Tipps zu Equipment, Fo­to­gra­fie und Bild­be­ar­bei­tung entstehen pro­fes­sio­nel­le Pro­dukt­fo­tos. Am Anfang steht natürlich Ihre Idee, wie das Bild aussehen sollte, um das Produkt perfekt in Szene setzt. Dabei können Sie sich im Vorfeld in­spi­rie­ren lassen: Suchen Sie im Web nach On­line­shops mit sehr guten Fotos oder nutzen Sie die Google-Bil­der­su­che für An­re­gun­gen. Wenn Sie In­ves­ti­tio­nen für Kamera und Aus­stat­tung scheuen, können Sie die benötigen Geräte für erste Versuche auch leihen.

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