Sobald wir einen Online-Dienst (etwa eine Webseite oder E-Mail-Adresse) kon­tak­tie­ren, leisten Root-Name­ser­ver bzw. (DNS-)Root-Server einen wichtigen Beitrag bei der Adress­fin­dung des Dienstes. Sie sind ein Be­stand­teil des Domain Name Systems (DNS) – einer ele­men­ta­ren Säule des Internets – und we­sent­lich für die Na­mens­auf­lö­sung im DNS, bei der ein Domain-Name (z. B. „www.IONOS.de“) in eine IP-Adresse übersetzt wird. Dieser Vorgang ist er­for­der­lich, da man nur mit der IP-Adresse den Server eines Online-Dienstes kon­tak­tie­ren und die an­ge­for­der­ten Daten von diesem beziehen kann.

Was ist ein Root-Server?

Ein Root-Name­ser­ver (auch DNS-Root-Server oder kurz Root-Server) ist ein Server, der eine grund­le­gen­de Funktion bei der Über­set­zung eines Domain-Namens in eine IP-Adresse einnimmt: Er be­ant­wor­tet Client-Anfragen (Requests) in der Root-Zone des Domain Name Systems.

Die Root-Zone markiert die höchste Ebene im Na­mens­raum vom DNS. Dabei führen die Root-Name­ser­ver die Na­mens­auf­lö­sung nicht selbst aus, sondern geben den an­fra­gen­den Clients allein die Auskunft, von welchem anderen Name­ser­ver (DNS-Server) sie weitere In­for­ma­tio­nen über die an­ge­for­der­te IP-Adresse erhalten.

Dies geschieht über die so­ge­nann­te Root-Zone-Datei, die Be­stand­teil eines jeden DNS-Root-Servers ist. Die Datei als solche besitzt dabei nur eine Größe von knapp 2 MB. Dennoch enthält sie sämtliche Namen und IP-Adressen jeglicher Name­ser­ver von allen Top-Level-Domains (TLDs). Diesen Daten kommt eine wichtige Funktion zu: Auf sie greift ein Root-Server zurück, wenn er dem Client den­je­ni­gen Name­ser­ver nennt, bei dem weitere benötigte Auskünfte bezüglich seines Requests vorliegen.

Doch auch, wenn sie nur Anfragen wei­ter­lei­ten, sind die Root-Name­ser­ver für die Na­mens­auf­lö­sung un­ver­zicht­bar – ohne sie würde das DNS in seiner jetzigen Form nicht funk­tio­nie­ren. Ein Root-Server arbeitet an der Wurzel (englisch: Root) des Domain Name Systems und ist hier ge­wis­ser­ma­ßen die wich­tigs­te Ver­mitt­lungs­stel­le von In­ter­net­adres­sen.

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Die Ar­beits­wei­se von Root-Servern

Doch wie genau hilft ein Root-Name­ser­ver dabei, die IP-Adresse einer Website zu iden­ti­fi­zie­ren? Um die Funk­ti­ons­wei­se der Root-Server zu verstehen, hilft es, sich zunächst den grund­sätz­li­chen Verlauf der Na­mens­auf­lö­sung im DNS vor Augen zu führen. Jeder In­ter­net­dienst hat neben einer in­di­vi­du­el­len In­ter­net­adres­se (dem Domain-Namen) eine einmalige nu­me­ri­sche IP-Adresse, die mit dem Domain-Namen verknüpft ist – so wurde der IONOS-Website bei­spiel­wei­se die IPv4-Adresse „17.160.72.6“ zu­ge­ord­net. Wenn Sie in Ihrem Browser „www.IONOS.de“ aufrufen, muss zunächst der al­pha­nu­me­ri­sche Name der Website in diese IP-Adresse um­ge­wan­delt werden, damit Ihr Browser die Seite dar­stel­len kann.

Der Prozess der Na­mens­auf­lö­sung im DNS

Die vor­ran­gi­ge Aufgabe des Domain Name Systems besteht in der Über­set­zung von Domain-Namen in IP-Adressen (auch „forward lookup“ genannt). Der Vorgang der Na­mens­auf­lö­sung im Internet bildet einen hier­ar­chisch or­ga­ni­sier­ten Vorgang. Doch bevor das DNS mit der Na­mens­auf­lö­sung be­auf­tragt wird, versucht das ver­wen­de­te System in aller Regel selbst, die benötigte IP-Adresse im eigenen Da­ten­spei­cher zu finden.

Wie viele ver­schie­de­ne Stationen ein Request durch­läuft und in welcher Rei­hen­fol­ge dies geschieht, hängt von un­ter­schied­li­chen Faktoren ab – etwa vom ver­wen­de­ten Be­triebs­sys­tem oder davon, ob UDP oder NetBIOS over TCP/IP als Protokoll zum Einsatz kommt. Allein die Na­mens­auf­lö­sung über die ver­schie­de­nen Server im DNS verläuft prin­zi­pi­ell immer gleich. Wir erläutern Ihnen ex­em­pla­risch die wich­tigs­ten Phasen, die bei der Suche nach der passenden IP-Adresse einer Website durch­lau­fen werden, und erklären, welche Rolle dabei ein DNS-Root-Server einnimmt.

  1. Nachdem Sie den Aufruf einer Webseite (etwa „www.IONOS.de“) in Ihrem Client initiiert haben, wird zunächst der lokale DNS-Resolver Ihres Rechners mit der Na­mens­auf­lö­sung be­auf­tragt – ein Resolver ist ein Modul, das als Schnitt­stel­le zwischen einer Anwendung und einem DNS-Server dient. Dieser schaut als Erstes in der hosts-Datei nach, ob hier ein Eintrag für den Domain-Namen vorliegt. Mittels dieser Textdatei kann die Na­mens­auf­lö­sung direkt über den eigenen Rechner erfolgen – zumindest wenn man hier im Vorfeld manuell einem Hostnamen eine IP-Adresse zu­ge­wie­sen hat. Da die hosts-Datei ein Relikt aus der Zeit vor dem Domain Name System darstellt und von diesem ersetzt wurde, pflegen und nutzen die meisten User die Datei nicht, weshalb sie zumeist auch nicht bei der Na­mens­auf­lö­sung be­hilf­lich ist.
  2. Wenn kein Eintrag zur an­ge­for­der­ten Webseite in der hosts-Datei vorliegt, prüft nun der DNS-Resolver der Anwendung bzw. des Be­triebs­sys­tems den Cache (Puffer-Speicher) Ihres Clients auf den Domain-Namen. Sollten Sie die an­ge­for­der­te Webseite oder eine andere Seite desselben In­ter­net­auf­tritts (z. B. „www.ionos.de/di­gi­tal­gui­de“) schon einmal besucht haben und die In­for­ma­tio­nen darüber noch im Cache vorhanden sein, wird die IP-Adresse aus selbigem bezogen.
  3. Sobald der lokale Resolver auch im Cache keinen Erfolg bei der Na­mens­auf­lö­sung hatte, kommt daraufhin der Name­ser­ver im Netzwerk zum Einsatz – dies ist für ge­wöhn­lich Ihr Netz­werk­rou­ter, über den Sie ins Internet gehen. Der Router-Name­ser­ver erkundigt sich, nachdem er (falls vorhanden) in seinem eigenen Cache nach­ge­se­hen hat und auch dort nicht fündig geworden ist, beim Name­ser­ver Ihres In­ter­net­dienst­an­bie­ters (Providers) nach der IP-Adresse der Website.
  4. Über einen Abgleich mit seiner Datenbank versucht der DNS-Server Ihres Providers die IP-Adresse des Domain-Namens her­aus­zu­fin­den. Dabei setzen auch die ver­schie­de­nen Name­ser­ver Resolver zum Einholen der In­for­ma­tio­nen ein.
  5. Sollte auch dies zu keinem Ergebnis führen, wendet sich der DNS-Server des Providers an einen Root-Name­ser­ver und fordert von diesem weitere In­for­ma­tio­nen über die Top-Level-Domain (TLD) der gesuchten Webseite an (der hintere Teil eines Domain-Namens stellt die TLD dar; bei­spiels­wei­se .com oder .de). Auf den DNS-Root-Servern ist in der Root-Zone-Datei hin­ter­legt, welche Top-Level-Domain-Name­ser­ver (TLD-Name­ser­ver) für weitere Auskünfte zu einer be­stimm­ten TLD zuständig sind. Die zum Request passende In­for­ma­ti­on wird daraufhin an den Name­ser­ver des Providers wei­ter­ge­ge­ben. Bei dem Domain-Namen „www.IONOS.de“ würde der Root-Server auf den TLD-Name­ser­ver der DENIC verweisen, da dieser für alle .de-Domain-Namen ver­ant­wort­lich ist.
  6. Als Nächstes befragt der Provider-Name­ser­ver den TLD-Name­ser­ver und erhält auch hier keine de­fi­ni­ti­ve Antwort, sondern wird erneut wei­ter­ge­schickt: Die TLD-Name­ser­ver haben ebenfalls aus­schließ­lich eine wei­ter­lei­ten­de Funktion. Sie in­for­mie­ren die an­fra­gen­den Name­ser­ver darüber, auf welchem au­to­ri­ta­ti­ven DNS-Server der gesuchte Domain-Name hin­ter­legt ist.
  7. Nun wendet sich der Provider-Name­ser­ver an den für den Domain-Namen ver­ant­wort­li­chen au­to­ri­ta­ti­ven Name­ser­ver und erhält schluss­end­lich die ge­wünsch­te IP-Adresse.
  8. Als Letztes über­mit­telt der Provider-Name­ser­ver die IP-Adresse an den DNS-Server Ihres Routers, der diese an Ihren lokalen Resolver wei­ter­gibt. Von dort aus wird die IP-Adresse an Ihren Browser trans­fe­riert, der damit die Webseite anfordern, laden und dar­stel­len kann.

Beim Prozess der Na­mens­auf­lö­sung können somit viele ver­schie­de­ne Name­ser­ver zum Einsatz kommen. Dennoch nehmen innerhalb dieses Vorgangs die Root-Name­ser­ver eine besondere Rolle ein: Sie stellen die oberste Instanz innerhalb der Na­mens­auf­lö­sung dar – falls ein Domain-Name nicht über den lokalen Resolver oder den DNS-Server des Providers in eine IP-Adresse um­ge­wan­delt werden kann, bildet ein Root-Server die erste An­lauf­stel­le für die IP-Adress­fin­dung. Und selbst, wenn die Na­mens­auf­lö­sung schon in einem vor­he­ri­gen Schritt er­folg­reich ist, wurden die hierfür not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen in der Ver­gan­gen­heit von einem DNS-Root-Server eingeholt und ab­ge­spei­chert. Dem­entspre­chend wichtig ist es, dass die Server konstant ihren Dienst ver­rich­ten können.

Übersicht der Root-Name­ser­ver

Insgesamt exis­tie­ren 13 Haupt-DNS-Root-Server, die jeweils mit Buch­sta­ben von „A“ bis „M“ benannt sind. Sie alle verfügen über eine IPv4-Adresse, die meisten haben zudem auch eine IPv6-Adresse. Die grund­sätz­li­che Ver­wal­tung der Root-Server fällt hierbei in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich der ICANN (Internet Cor­po­ra­ti­on for Assigned Names and Numbers). Betrieben werden sie hingegen von ver­schie­de­nen In­sti­tu­tio­nen, die dafür Sorge tragen sollen, dass der Da­ten­aus­tausch in der Root-Zone stets korrekt, er­reich­bar und sicher ist. Die Übersicht zeigt neben den Be­trei­bern der einzelnen Root-Name­ser­ver auch ihre IP-Adressen.

Buchstabe des DNS-Root-Servers IPv4-Adresse IPv6-Adresse Betreiber
A 198.41.0.4 2001:503:ba3e::2:30 VeriSign
B 192.228.79.201 2001:478:65::53 USC-ISI
C 192.33.4.12 2001:500:2::c Cogent Com­mu­ni­ca­ti­ons
D 199.7.91.13 2001:500:2d::d Uni­ver­si­ty of Maryland
E 192.203.230.10 NASA
F 192.5.5.241 2001:500:2f::f ISC
G 192.112.36.4 U.S. DoD NIC
H 128.63.2.53 2001:500:1::803f:235 US Army Research Lab
I 192.36.148.17 2001:7FE::53 Au­to­no­mica
J 192.58.128.30 2001:503:c27::2:30 VeriSign
K 193.0.14.129 2001:7fd::1 RIPE NCC
L 199.7.83.42 2001:500:3::42 ICANN
M 202.12.27.33 2001:dc3::35 WIDE Project

Jeder dieser Root-Name­ser­ver verfügt über eine iden­ti­sche Kopie der Root-Zone-Datei, die von Zeit zu Zeit eine Ak­tua­li­sie­rung benötigt – etwa wenn sich die für eine TLD zu­stän­di­ge Domain Name Registry ändert. Die Änderung an der Root-Zone-Datei ist ein relativ komplexer Vorgang: Sobald ein Antrag auf eine Ak­tua­li­sie­rung eingeht, überprüft diesen zunächst die IANA (Internet Assigned Numbers Authority; eine Abteilung der ICANN). Wenn alles seine Rich­tig­keit hat, muss danach noch das US-Han­dels­mi­nis­te­ri­um diesen Antrag absegnen, da die ICANN ver­trag­lich an dieses gebunden ist. Erst daraufhin wird die Änderung vom Un­ter­neh­men VeriSign (das selbst zwei Root-Server betreibt) in der Root-Zone im­ple­men­tiert.

Si­cher­heits­vor­keh­run­gen der DNS-Root-Server

Tag­täg­lich sehen sich die Root-Server mit einer großen Anzahl an Requests kon­fron­tiert. Der Großteil der 13 Root-Name­ser­ver be­ant­wor­tet die Anfragen der Clients al­ler­dings nicht allein, sondern macht dies in Zu­sam­men­ar­beit mit ver­schie­de­nen weiteren Servern: Hierbei wird über die Anycast-Technik die Ver­tei­lung der ein­ge­hen­den Requests geregelt. Dem­entspre­chend sind es in Wirk­lich­keit weitaus mehr als 13 Server, die sich um die Anfragen in der Root-Zone kümmern – insgesamt über­neh­men diese Aufgabe mehrere Hundert, die über die Welt verteilt sind. Die meisten dieser Server befinden sich in den USA und Europa.

Die Streuung der Sever hat unter anderem zum Ziel, die Last­ver­tei­lung und damit die Aus­fall­si­cher­heit der Root-Server zu ver­grö­ßern: Vor dem Einsatz von Anycast gab es allein die 13 Haupt-Root-Name­ser­ver, die sich um die Be­ant­wor­tung der Requests kümmerten. Da 10 von ihnen in den USA stehen, konnte erst durch die Anycast-Technik eine relativ de­zen­tra­le Be­ar­bei­tung der Anfragen in der Root-Zone gesichert werden. Die weltweite Ver­tei­lung der Server be­güns­tigt zudem auch kürzere Zu­griffs­zei­ten bei der Be­ar­bei­tung der Requests, da immer der Server mit der kürzesten Route auf diese antwortet.

Eine weitere Si­cher­heits­maß­nah­me ist die Be­gren­zung der genutzten Root-Name­ser­ver-Ka­pa­zi­tä­ten im Nor­mal­be­trieb: Lediglich ein Drittel der insgesamt zur Verfügung stehenden Rech­ner­res­sour­cen wird von den Servern genutzt. Hierdurch soll ge­währ­leis­tet werden, dass auch bei dem zeit­glei­chen Ausfall mehrerer DNS-Root-Server die Na­mens­auf­lö­sung stabil funk­tio­niert: Die rest­li­chen aktiven Server über­neh­men in diesem Fall die Anfragen, die ei­gent­lich für die aus­ge­fal­le­nen Server vor­ge­se­hen waren.

Demgemäß hatten in der Ver­gan­gen­heit diverse DDoS-Angriffe auf DNS-Root-Server auch keinen großen Erfolg – zu stark sind die Si­cher­heits­vor­keh­run­gen. Die Betreiber der 13 Root-Server wissen einfach zu gut um die Bedeutung ihrer Server für das Internet: Ohne sie ist auf lange Sicht die Adres­sie­rung aller In­ter­net­diens­te gefährdet.

Ab­gren­zung zu de­di­zier­ten Root-Servern

Bei den in diesem Artikel the­ma­ti­sier­ten (DNS-)Root-Servern handelt es sich um die Root-Name­ser­ver aus dem Domain Name System. Diese darf man nicht mit de­di­zier­ten Root-Servern (auch Dedicated Root-Server genannt) ver­wech­seln, die man von Web­hos­ting-Anbietern mieten kann. Solche Hosts werden um­gangs­sprach­lich auch als Root-Server be­zeich­net, da sie sich gegenüber Managed Servern durch einen Root-Zugriff un­ter­schei­den (eine de­tail­lier­te­re Ab­gren­zung dieser beiden Server-Formen finden Sie am Ende des Artikels Server im Vergleich); sie sind jedoch nicht Ge­gen­stand dieses Beitrags.

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