Drupal vs. WordPress – zwei CMS-Alternativen im Vergleich

Betrachtet man allein die Nutzerzahlen, erscheint der Vergleich Drupal vs. WordPress wie der Kampf zwischen David und Goliath. Während die Weblog-Software WordPress mit einem Marktanteil von 59,3 Prozent die Pole-Position unter den kostenlosen Content-Management-Systemen einnimmt, rangiert Drupal mit bescheidenen 4,9 Prozent auf dem dritten Platz (Quelle: W3Techs / Stand: 02.05.2016). Wir zeigen die Vor- und Nachteile auf und erklären, für wen welches System am besten geeignet ist.

Sechs Entscheidungskriterien im Überblick

Bei der Wahl des richtigen CMS sind folgende Fragen zu klären: Wofür wird das System benötigt, welche Anforderungen müssen erfüllt werden und wie hoch ist das zur Verfügung stehende Budget? Der Vergleich WordPress vs. Drupal konzentriert sich dabei auf sechs Entscheidungskriterien: Benutzerfreundlichkeit, Funktionsumfang, Individualisierungsmöglichkeiten, Sicherheit, Suchmaschinenoptimierung und Kosten.

1. Benutzerfreundlichkeit

Gerade für Webhosting-Einsteiger ist die Benutzerfreundlichkeit eines CMS ein wichtiger Entscheidungsfaktor. Hier hat WordPress dank der 5-Minuten-Installation und einem intuitiven Backend die Nase vorn. Das als Weblog-Software entwickelte System ermöglicht eine schnelle, unkomplizierte Integration von Plug-ins und lässt sich so zu einem vollwertigen Content-Management-System aufrüsten. Unerfahrenen Nutzern kommt zudem die komfortable Aktualisierung per Knopfdruck entgegen. Entsprechend groß ist der Zuspruch im Hobby-Bereich und bei semiprofessionellen Webseitenbetreibern. Schwerfälliger hingegen wird die Administration bei mehrsprachigen Inhalten und einem Multidomain-Management. Funktionen wie diese lassen sich zwar durch Plug-ins realisieren, das Blogging-System verliert dann jedoch schnell die gewohnt intuitive Bedienung.

Einen anderen Ansatz verfolgt das Open-Source-Projekt Drupal. Dieses CMS überzeugt durch eine schlanke Grundinstallation, ermöglicht durch seinen modularen Aufbau jedoch vielfältige Onlineprojekte mit komplexen Seitenstrukturen. Da zusätzliche Module bei Bedarf manuell nachinstalliert werden müssen, gestaltet sich die Konfiguration des Systems allerdings deutlich aufwendiger als bei WordPress. Hinzu kommt, dass sich Erweiterungen nicht über die Administrationsoberfläche hinzufügen lassen, sondern per FTP installiert werden müssen. Der modulare Aufbau erschwert das Update-Management zusätzlich, da viele Module in Abhängigkeit zueinander stehen und zum Teil nicht abwärtskompatibel sind. Doch Webseitenbetreiber, die sich in Drupal einarbeiten oder auf Fachpersonal zurückgreifen können, profitieren von einem CMS mit sehr vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten. Das CMS erfreut sich daher als Grundlage von Unternehmensseiten und Online-Auftritten öffentlicher Einrichtungen großer Beliebtheit.

2. Funktionsumfang

Beide Content-Management-Systeme setzen auf eine schmale Grundinstallation, die sich durch optionale Erweiterungen spezialisieren lässt. Während WordPress in erster Linie als Software zum Erstellen und Verwalten von Blog-Artikeln entwickelt wurde, liegt der Fokus bei Drupal auf Community-Anwendungen und Social Publishing. Diverse Multiuser-Funktionen sind bereits in der Basisversion vorhanden. WordPress unterstützt Einstellungen zu Benutzerrollen und -rechten dabei nur rudimentär. Entsprechende Funktionen lassen sich jedoch durch Plug-ins nachrüsten.

3. Individualisierung

Die wenigsten Akteure im Internet geben sich mit einer Website von der der Stange zufrieden. Bei der Wahl des Content-Management-Systems stehen daher Individualisierungsmöglichkeiten im Vordergrund. Während Plug-ins und Module dem CMS neue Funktionalitäten hinzufügen, erlauben es Themes, das Design einer Website zu verändern. Die nötigen Programmierkenntnisse vorausgesetzt, steht es jedem Nutzer offen, sich ein eigenes WordPress- der Drupal-Theme zu erstellen. Gerade Einsteiger schätzen jedoch die Möglichkeit, auf fertige Designvorlagen zurückzugreifen. Die Auswahl kostenloser Themes ist daher ein wichtiges Entscheidungskriterium, wenn es darum geht, das geeignete CMS für die eigene Website zu finden.

Bei der Auswahl verfügbarer Erweiterungen und Designvorlagen profitiert WordPress von seiner großen Nutzer- undEntwickler-Community, die rund 44.000 Plug-ins und schätzungsweise 14.000 Themes zur Verfügung stellt. Doch auch Drupal beweist mit rund 34.000 Modulen und mehr als 2.000 Themes Vielfältigkeit.

4. Sicherheit

Viel genutzte Software-Lösungen sind beliebte Ziele für Hackerangriffe. Auch im Fall von WordPress kommt es immer wieder dazu, dass Cyberkriminelle Sicherheitslücken im System entdecken. Gerade die Vielzahl der von der Entwickler-Community zur Verfügung gestellten Plug-ins gilt als Schwachstelle – vor allem dann, wenn ein Webseitenbetreiber versäumt, die aktuelle Version einer Erweiterung zu installieren. Doch auch bei Drupal zeigen sich einer Studie des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zufolge die meisten Sicherheitslücken in den Erweiterungsmodulen. Dennoch empfiehlt das BSI Drupal explizit für den Einsatz in der öffentlichen Verwaltung und in mittelständischen Unternehmen. Prominente Websites, die auf Drupal zurückgreifen, sind die Onlinepräsenz des Umweltbundesamts sowie die Websites von Ärzte ohne Grenzen oder Warner Music Germany

5. Suchmaschinenoptimierung (SEO)

Grundsätzlich ist es der Suchmaschine egal, ob eine Website auf WordPress oder auf Drupal basiert. Beide Content-Management-Systeme bieten SEO-Features oder lassen sich durch Erweiterungen für die Suchmaschine optimieren. Entscheidend für eine gute Platzierung ist vor allem der Inhalt, der Nutzern auf der Seite geboten wird. Drupal wurde dafür entwickelt, große Mengen an Content zu bewältigen, und bietet ein natives Database-Caching, das der Beschleunigung des Seitenaufbaus im Frontend dient. Bei WordPress wird ein Caching über Plug-ins realisiert. Dafür profitieren WordPress-Nutzer bereits bei der Grundinstallation von der Möglichkeit, URLs suchmaschinenfreundlich zu gestalten. Dieses Feature erfordert bei Drupal wiederum die Nachinstallation eines Zusatzmoduls.

6. Kosten

Sowohl Drupal als auch WordPress sind unter der GNU General Public License (GPL) Version 2.0 lizenziert. Webseitenbetreibern ist es somit erlaubt, die Content-Management-Systeme kostenlos herunterzuladen und im Rahmen der Software-Lizenz zu verwenden. Auch Themes und Plug-ins stehen auf den jeweiligen Projektseiten kostenlos zum Download bereit. Darüber hinaus finden sich im Netz diverse Drittanbieter, deren Geschäftsmodell darauf beruht, Leistung im Zusammenhang mit Drupal oder WordPress kostenpflichtig anzubieten. Mögliche Services beinhalten die Programmierung individueller Designvorlagen und maßgeschneiderter Software-Erweiterungen sowie Schulungen für Anwender.

Fazit des CMS-Vergleichs

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Fakten zusammen:

Merkmal WordPress Drupal
Marktanteil 59,3 Prozent 4,9 Prozent
Themes 14.000+ 2,278
Erweiterungen 44.326 Plug-ins 33.986 Module
Installationsaufwand gering mittel
Konfigurationsaufwand mittel hoch
Benutzerfreundlichkeit hoch mittel
Aktualisierungsaufwand gering hoch
Funktionsumfang (Grundinstallation) mittel mittel
Erweiterbarkeit hoch hoch
Individualisierbarkeit hoch mittel
Sicherheit mittel hoch
Suchmaschinenoptimierung (ohne Plug-ins) mittel mittel
Suchmaschinenoptimierung (mit Plug-ins) hoch hoch
Preis kostenlos kostenlos

Während WordPress mit einer schnellen Installation und hoher Benutzerfreundlichkeit vor allem Blogger und andere Privatanwender ins Visier nimmt, stellt sich Drupal als sicheres und vielseitiges CMS für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen auf. Mit einem umfangreichen Angebot an frei verfügbaren Designvorlagen spricht WordPress Nutzer an, die zwar Wert auf eine anspruchsvolle Ästhetik legen, selbst jedoch nicht über die nötigen Programmierkenntnisse für eigene Themes verfügen. Wer Inhalte ohne großen Aufwand auf einer einfachen Website ins Netz stellen möchte, bekommt mit WordPress eine intuitive Software-Lösung, die binnen weniger Minuten installiert ist und sich auch im Backend leicht bedienen lässt. Drupal-Nutzer hingegen sollten über Vorkenntnisse im Bereich der Webentwicklung verfügen. Dann lassen sich mit dem leistungsstarken CMS auch individuelle Website-Projekte mit komplexer Seitenstruktur umsetzen.


Auf dem Laufenden bleiben?

Jetzt für unseren Newsletter anmelden und gratis Online-Marketing Whitepaper für lokale Anbieter sichern!