Alles rund um E-Books – Teil 1: E-Books erstellen

Als 1988 der Roman „Mona Lisa Overdrive“ von William Gibson auf Floppy-Disk und damit als erstes elektronisches Buch veröffentlicht wurde, schien der Weg für eine Revolution der Buchindustrie geebnet. Die potenziellen Gewinne bei Produktion und Vertrieb digitaler Bücher lockten zahlreiche Investoren; Hersteller lieferten plötzlich Computerspiel-Anleitungen als PDF-Datei auf der Installations-CD mit und die ersten Vorlesungsskripte an Universitäten erschienen in digitaler Form. Die Druckindustrie sah indes in den E-Books keine wirkliche Konkurrenz für das klassische Printmedium und bekam mit aufstrebenden Online-Vertriebsfirmen wie Amazon, die zunächst noch auf Bücher spezialisiert waren, mächtige Verbündete.

Bestellwesen und moderne Logistik bescherten den gedruckten Büchern nie dagewesene Auflagen und sorgten dafür, dass E-Books jahrelang nicht mehr als ein Nischenprodukt blieben. Markttechnische Relevanz erzielten sie in der Folge zunächst nur bei Fachpublikationen, für die spezielle Funktionen wie die Volltextsuche Vorteile darstellten, den klassische Bücher nicht boten. Erst mit der Weiterentwicklung der Lesegeräte durch die energiesparende „e-ink“-Anzeigetechnik und dank der direkten Anbindung an Online-Verkaufsplattformen nahm der E-Book-Markt in Deutschland Fahrt auf.

In unserem Mehrteiler verraten wir Ihnen, wie Sie auf den Erfolgszug der elektronischen Buchpublikationen aufspringen und Ihr eigenes E-Book erstellen.

Motivation und Zielsetzung

Bevor es an die technische Umsetzung geht, sollten Sie sich fragen, warum Sie ein E-Book erstellen wollen. Dabei kann der finanzielle Aspekt im Vordergrund stehen, wenn Sie Ihr elektronisches Buch zum Verkauf anbieten möchten und zusätzlich z. B. planen Affiliate-Links einzubauen. Sie können auch den Download Ihrer Publikation mit der Anmeldung für Ihren Newsletter verbinden und auf diese Weise neue E-Mail-Abonnenten generieren. Generell haben Sie mit einem erfolgreichen E-Book die besten Chancen, Ihre Bekanntheit bzw. die Bekanntheit Ihres Webprojekts zu steigern – nicht zuletzt dank sozialer Netzwerke und viraler Marketing-Strategien.

Sind Sie sich darüber im Klaren, weshalb Sie ein E-Book selbst erstellen möchten, setzen Sie klare Ziele. Dabei geht es nicht nur darum, zu überlegen, was Sie mit dem digitalen Buch erreichen wollen, sondern auch wen. Es gilt einerseits, ein passendes Thema zu finden, das unterhält, informiert, ein Problem beschreibt bzw. löst oder mehrere dieser Möglichkeiten kombiniert. Andererseits sollten Sie Ihre Zielgruppe definieren, um den Inhalt bestmöglich umzusetzen. Insbesondere bei umfangreichen Projekten ist es zudem empfehlenswert, sich eine Deadline zu setzen.

Wie erstelle ich ein E-Book?

Prinzipiell stehen Sie bei der Erstellung eines E-Books vor denselben Aufgaben, die Sie beim Schreiben eines gewöhnlichen Buches zu bewältigen haben – angefangen mit dem Schreibprozess inklusive der Strukturierung und Umsetzung des Inhalts bis hin zur Weitergabe der Rohfassung an qualifizierte Lektoren. Besonderheiten gibt es allerdings beim Layout und Design. Wenn Sie Ihr E-Book selber machen, erfordert dieser Punkt von Ihnen eine Reihe von Entscheidungen. Welche Aspekte sind wichtig für ein gut konzipiertes und passendes Layout?

Eine Frage des richtigen Dateiformats

Es gibt nicht nur eine große Anzahl an E-Readern und mobilen Geräten, sondern auch an E-Book-Formaten. Während der Großteil dieser Dateiformate nur in speziellen Bereichen zum Einsatz kommt und daher nicht sehr verbreitet ist, haben sich vor allem drei Dateiformate als Standard herauskristallisiert:

  • PDF: Das wohl verbreitetste Format, vor allem bei kostenfreien E-Books, kommt aus dem Hause Adobe. Das PDF-Format stellt sicher, dass das elektronische Buch auf jedem Anzeigegerät gleich aussieht, und bietet eine einfache und gute Verschlüsselungsmöglichkeit. Das einzige Problem des klassischen Formats ist die Tatsache, dass sich die Schriftgröße des Textes nicht automatisch an kleinere Displays anpasst.
  • ePUB: Der ebenfalls weit verbreitete E-Book-Standard ePUB wird hauptsächlich für reine Text-Bücher verwendet, auch wenn die Umsetzung multimedialer Inhalte – mit gestalterischen Einschränkungen – ebenfalls möglich ist. Der hohe Verbreitungsgrad ist zum einen auf die dynamische Anpassbarkeit der Texte an die jeweilige Bildschirmgröße zurückzuführen, zum anderen auf die Tatsache, dass sich das Format mit nahezu allen Lesegeräten öffnen lässt. Eine Ausnahme bilden Amazon-Kindle-Geräte.
  • AZW: Das Amazon-Kindle-Format AZW nutzt eine eigene Verschlüsselung, weshalb E-Books in diesem Format nur auf Kindle-Geräten und mit Kindle-Apps gelesen werden können. In AZW-E-Books ist es möglich, die Schriftgröße anzupassen. Seit Mitte 2015 bietet Amazon parallel auch das neue KFX-Format für verbesserte Schriftoptionen an.

Wollen Sie Ihr E-Book über Amazon vertreiben, sind Sie auf das AZW- bzw. KFX-Format angewiesen. Alle weiteren E-Reader und Verkaufsplattformen können Sie mit ePUB-Büchern bedienen. Abgesehen von den Schwächen hinsichtlich der Textskalierung ist auch PDF ein lohnenswertes Format für Ihre Publikation. Einen tieferen Einblick in die Vielfalt der E-Book-Formate erhalten Sie im dritten Teil der Ratgeberserie.

Die richtige Schreib- und Konvertierungssoftware

Eng verknüpft mit der Wahl der Formate, in denen Sie Ihr E-Book erstellen und veröffentlichen wollen, ist die Suche nach dem geeigneten Schreibprogramm. Planen Sie ein PDF-E-Book, können Sie dabei auf gewöhnliche Textverarbeitungssoftware wie Microsoft Word oder das kostenfreie OpenOffice zurückgreifen, denn diese Programme bieten eine Funktion, mit der Sie Ihr Textdokument ins PDF-Format exportieren können.

Für spezifischere Formate benötigen Sie zusätzliche Lösungen wie das Open-Source-Programm Calibre. Mithilfe des kostenlosen Tools für Windows, OS X und Linux wandeln Sie die verschiedensten Formate wie ODT, HTML, TXT oder DOCX in E-Book-Formate wie ePUB und AZW3 um. Zudem können Sie ihre elektronischen Bücher mit Calibre bearbeiten. Das ist in der Regel auch notwendig, da Ihr E-Book nach der Umwandlung nicht unbedingt in allen Formaten gleich gut aussieht. Alternativ können Sie ePUB-Dokumente auch mit dem Open-Source-Editor Sigil nachbearbeiten.

Lesbarkeit optimieren und Highlights setzen

Bearbeitungs-Tools spielen eine elementare Rolle bei der Gestaltung eines E-Books, denn ein noch so gut geschriebener Text ist schlecht formatiert nur die Hälfte wert. Deshalb ist es wichtig, dass Sie ein Design entwickeln, das Ihren Lesern den Zugang zum Text erleichtert. Zu den wichtigsten Stellschrauben zählen:

  • Schrift: Die Wahl der Schriftart ist einer der wichtigsten Faktoren Ihres E-Books und in Kombination mit der Schriftgröße hauptverantwortlich für die Lesbarkeit Ihrer Texte. In der Regel ist der Einsatz sehr ausgefallener Schriftarten nicht empfehlenswert. Hinsichtlich der Anzahl gilt die konsequente Nutzung von zwei bis drei unterschiedlichen Schriften als Optimum, z. B. eine für Überschriften, eine für Fließtexte und eine für Aufzählungen.
  • Farben: Für ein optimales Lesevergnügen sollten Sie niemals von der Grundtextfarbe Schwarz abweichen. Nur bei bestimmten Elementen wie z. B. Überschriften, Links oder Zitaten erzielen Sie mit einer zweiten oder dritten Farbe gute Ergebnisse.
  • Formatierungen: Mit einheitlichen Formatierungen für gleiche Elemente wie Überschriften, Absätze, Aufzählungen oder Hervorhebungen verleihen Sie Ihrem E-Book die passende Struktur. Nebenbei erleichtern Sie auch die nachträgliche Veränderung von Schriftarten oder -farben. Vergessen Sie auch nicht, ein Inhaltsverzeichnis hinzuzufügen.
  • Multimediale Inhalte: Je nach Thema kann der Einsatz von Bildern, Fotos oder Grafiken ein sinnvolles Mittel sein, den Leser zu packen. Auch Links zu Videos oder weiterführenden Informationen sind bei bestimmten Textsorten eine überlegenswerte Option. Allerdings sollten Sie eine bestehende Internetverbindung nicht zur Grundvoraussetzung machen, verlinkte Inhalte sollten also nicht zwingend erforderlich für das Textverständnis sein.

Die Gewichtung dieser Elemente ist stets in Relation zum Thema und zur Zielgruppe zu setzen. Ähnlich wie für Websites offerieren verschiedene Anbieter im Netz auch vorgefertigte Templates für E-Books, also komplett fertige Designs, die Sie als Basis für Ihr Buch verwenden können.

Die rechtlichen Aspekte des eigenen E-Books

Wenn Sie Ihr eigenes E-Book erstellen und veröffentlichen möchten, haben Sie auch einige rechtliche Punkte zu beachten – allen voran das Urheberrecht. Wollen Sie Inhalte Dritter – ob Zitate, Bilder, Fotos, Videos oder Grafiken – in Ihrem elektronischen Buch verwenden, bedarf das der Zustimmung der Rechteinhaber sowie einer entsprechenden Kennzeichnung im Buch. Weniger eindeutig ist die rechtliche Lage, wenn es um das Impressum geht. Eine einheitliche länderübergreifende Regelung gibt es nicht – und gerade wenn Sie Ihr E-Book unter einem Pseudonym veröffentlichen wollen, wird es problematisch. Sicherheitshalber sollten Sie Ihrem Werk ein Impressum beifügen, wobei Sie sich am üblichen Website-Impressum orientieren können. Informationen zu den erforderlichen Angaben und zur Platzierung des Impressums finden Sie hier.

Bieten Sie Ihr E-Book zum Verkauf an, ist es außerdem Ihre Pflicht, ein Widerrufsrecht von mindestens 14 Tagen anzubieten und Ihre Käufer ordnungsgemäß darüber zu informieren. Diese Regelungen entfallen, wenn Sie ausschließlich an Unternehmen verkaufen. Kommerzielle E-Books sind in der Regel auch mit einem speziellen Kopierschutz versehen, der definiert, welche Aktionen mit dem gekauften Buch erlaubt sind. Das Verfahren, das dazu verwendet wird, nennt sich Digitales Rechtemanagement (DRM) und verhindert bzw. kontrolliert beispielsweise den Weiterverkauf, das Kopieren oder den Ausdruck. Kopierschutzsysteme sind u. a. für Adobe (PDF, ePUB) und Amazon (AZW, KFX) verfügbar. Das DRM Ihres E-Books hängt also von dem gewählten Format bzw. der Plattform, über die Sie Ihr Buch verkaufen, ab.

So veröffentlichen Sie Ihr E-Book

Sie haben verschiedene Möglichkeiten, Ihr E-Book der Öffentlichkeit preiszugeben: Ist Ihr digitales Buch kostenfrei, bieten Sie es einfach auf Ihrer Website, in Ihrem Onlineshop oder in Ihrem Blog zum freien Download an. Planen Sie, das E-Book zu verkaufen, ist dies mit einem höheren Aufwand verbunden, den Sie durch den Vertrieb über eine Drittplattform wie den Amazon-Kindle-Store oder epubli minimieren können. Die folgende Tabelle zeigt die Vor- und Nachteile beider Optionen:

  E-Book selbst verkaufen E-Book auf externer Plattform verkaufen
Kosten für die Veröffentlichung - bei einigen Plattformen
Verkaufsgebühr - durchschnittlich 30–65 Prozent des Nettoerlöses
Kontrolle über den Verkaufsprozess + -
Technische Sicherheitsstandards Eigenverantwortung +
Rechtliche Standards Eigenverantwortung +
Verwaltungsaufwand (Abrechnung, Kundensupport etc.) hoch niedrig
Reichweite abhängig vom eigenen Traffic hoch

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Sie einen höheren Anteil an den Verkaufseinnahmen erzielen und wesentlich flexibler agieren können, wenn Sie Ihr E-Book über den eigenen Shop bzw. das eigene Webprojekt verkaufen. Damit geht allerdings auch ein hoher Verwaltungsaufwand einher, der zum einen Zeit und zum anderen technisches und rechtliches Know-how voraussetzt. Beim Verkauf über eine externe Plattform brauchen Sie sich um diese Angelegenheiten weniger zu kümmern und profitieren zusätzlich von der großen Reichweite, die einige E-Book-Shops besitzen. Allerdings müssen Sie sich in beiden Fällen selbst um die Vermarktung kümmern. Hinzu kommen bei kommerziellen Anbietern die oftmals anfallenden Gebühren. Haben Sie also Ihr E-Book erstellt und hochgeladen, ist die Arbeit noch lange nicht beendet.


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