Digital Detox ist ein Ge­gen­ent­wurf zur ständigen Er­reich­bar­keit über Smart­phone, Messenger und Co. Ein bewusster Verzicht von digitalen Medien soll den Konsum bewusster gestalten. Es gibt zahl­rei­che einfache Methoden, mit denen die digitale Ent­gif­tung gelingt.

Was ist Digital Detox? Die De­fi­ni­ti­on

Für die meisten Menschen ist das Internet im wahrsten Sinne ein ständiger Begleiter: Im Be­rufs­le­ben läuft in vielen Branchen viel oder sogar alles über E-Mail oder zumindest den Browser. Zuhause wartet der eigene Rechner, der in­ter­net­fä­hi­ge Fernseher oder gleich ein Smart Home mit un­zäh­li­gen an­ge­schlos­se­nen Devices. Für den Weg zwischen Arbeit und Freizeit geht in vielen Fällen nichts ohne das all­ge­gen­wär­ti­ge Smart­phone, auf dem Essen bestellt, der Urlaub gebucht, Nach­rich­ten geschaut oder die wich­tigs­ten Social-Media-Platt­for­men gecheckt werden. Diese Ent­wick­lung lässt sich nicht mehr aufhalten und bringt natürlich auch Vorteile mit sich. Gleich­zei­tig sehnen sich aber viele Menschen nach digitaler Ent­gif­tung.

Der Fach­be­griff für diese digitale Ent­gif­tung lautet „Digital Detox“. Bekannt ist der Ausdruck „Detox“ aus der Al­ter­na­tiv­me­di­zin und fungiert dort als über­ge­ord­ne­te Be­zeich­nung für un­ter­schied­li­che Formen der Ent­schla­ckung. Auch beim Verzicht auf Alkohol, Sü­ßig­kei­ten oder andere Ge­nuss­mit­tel wird mitunter vom Detox ge­spro­chen. Im Digitalen funk­tio­niert das Prinzip ganz ähnlich. Menschen ent­schei­den sich bewusst für den Verzicht. Beim Digital Detox betrifft dies ins­be­son­de­re Smart­phone, Internet und Co. Statt ständiger Er­reich­bar­keit wendet man sich bei der digitalen Ent­gif­tung analogen Lösungen zu. Das kann für einen be­stimm­ten Zeitraum gelten und beim Durch­at­men helfen oder aber auch ein dau­er­haf­tes Konzept sein.

Warum ist Digital Detox manchmal nötig?

Warum aber ist Digital Detox überhaupt für viele Menschen so attraktiv und in manchen Fällen sogar nötig? Die ständige Ver­füg­bar­keit gerade durch das Smart­phone bringt neben allen un­be­strit­te­nen Vorteilen häufig auch massive Nachteile mit sich. E-Mails und Chat­nach­rich­ten lassen sich im Prinzip immer und überall be­ant­wor­ten – also auch in der Freizeit. Das Ge­schäfts­mo­dell der Social-Media-Platt­for­men sieht vor, dass es immer neue Inhalte gibt und alte Posts möglichst schnell von neuen abgelöst werden. Wer also nicht permanent online ist, hat schnell das Gefühl, die neuesten Trends und Ent­wick­lun­gen zu verpassen. Neben all der will­kom­me­nen Ablenkung bieten soziale Medien auch Gefahren.

So können Trends und Schön­heits­idea­le gerade bei jungen Menschen großen Schaden anrichten. Ins­be­son­de­re Shit­s­torms oder Trolling haben teilweise schlimme Wirkungen auf Be­trof­fe­ne, die durch die ständige Er­reich­bar­keit auch keine Flucht­mög­lich­kei­ten mehr sehen. Ähnlich ist es für viele Menschen un­ter­schied­li­cher Al­ters­klas­sen beim Doom­scrol­ling, einem Phänomen, das eine nicht enden wollende Flut an schlech­ten Nach­rich­ten be­schreibt. Das kann zu Un­zu­frie­den­heit und Stress führen, Kon­zen­tra­ti­ons- und Schlaf­stö­run­gen her­vor­ru­fen oder im schlimms­ten Fall sogar psy­chi­sche Er­kran­kun­gen auslösen oder ver­schlim­mern. Ein hilf­rei­cher Ausgleich kann dann ein Digital Detox sein, sofern dieser klug durch­dacht, gut vor­be­rei­tet und dann im Endeffekt ge­wis­sen­haft durch­ge­führt wird.

Welche Vorteile bringt die digitale Ent­gif­tung?

Bevor wir Ihnen Tipps für den Digital Detox geben, lohnt sich ein Blick auf seine Vorteile. Durch die ständige Er­reich­bar­keit und Ver­füg­bar­keit von Nach­rich­ten und In­for­ma­tio­nen entsteht bei bewusster Abstinenz schnell ein FOMO-Effekt (Fear of Missing Out), der teilweise von Anbietern sogar noch aktiv befeuert wird. Dabei haben Nut­ze­rin­nen und Nutzer Sorge, dass sie etwas verpassen könnten, wenn Sie nicht aktuelle Angebote oder die neuesten Inhalte auf Social Media im Auge behalten. Der Vorteil einer er­folg­rei­chen digitalen Ent­gif­tung: Wenn aus FOMO JOMO (Joy of Missing Out) wird, lebt es sich ent­spann­ter.

Wenn Sie für einen gewissen Zeitraum oder sogar dauerhaft ab­schal­ten, kann sich dies sehr positiv auf die Psyche auswirken. Es bleibt schließ­lich mehr Zeit für andere Dinge und Sie bekommen die Mög­lich­keit, endlich einmal durch­zu­at­men und zu ent­span­nen. Auch der Blick­win­kel auf viele Dinge verändert sich. Somit kann Digital Detox dabei helfen, aus ein­ge­fah­re­nen Mustern aus­zu­bre­chen. Das bedeutet nicht zwangs­läu­fig, dass die digitale Ent­gif­tung sämtliche Probleme löst oder für jeden Menschen der richtige Weg ist. Der Versuch, den eigenen Me­di­en­kon­sum zu über­prü­fen und womöglich zu li­mi­tie­ren, kann al­ler­dings zu deutlich mehr Zu­frie­den­heit führen.

Vor­keh­run­gen vor dem Digital Detox

Wie aber beginnt man einen Digital Detox? Viele Menschen können es sich schon allein aus be­ruf­li­cher Sicht nicht erlauben, das Smart­phone oder den Rechner ohne Über­gangs­pha­se aus­zu­stel­len und nicht mehr an­zu­rüh­ren. Wichtig ist daher die richtige Vor­be­rei­tung. Bei einigen Tipps zum Digital Detox, die wir Ihnen im weiteren Verlauf dieses Textes vor­stel­len, ist glück­li­cher­wei­se keine große Über­gangs­frist notwendig. Bei anderen aber müssen bekannte Abläufe zunächst verändert werden. Be­ant­wor­ten Sie sich daher im Vorfeld einige wichtige Fragen und treffen Sie Vor­keh­run­gen. Das betrifft nicht nur die Dauer und den Beginn der digitalen Ent­gif­tung.

Stellen Sie zum Beispiel sicher, dass Sie auch ohne Messenger und E-Mail aus­rei­chend Kontakt zu anderen Menschen haben. Im be­ruf­li­chen Kontext führt häufig kein Weg an einer digitalen Ar­beits­wei­se vorbei, weshalb sich der Digital Detox in diesem Fall auf den privaten Bereich be­schrän­ken kann und muss. Treffen Sie hierfür aber Vor­keh­run­gen, damit die beiden Felder nicht vermischt werden. Planen Sie außerdem Ak­ti­vi­tä­ten, mit denen Sie die analoge Zeit für sich nutzen können. Diese Vor­be­rei­tung weckt die Vorfreude und sorgt gleich­zei­tig dafür, dass Ihre Auszeit zum Erfolg wird. Ohne die richtige Planung kann ansonsten auch der Digital Detox zum Stress­fak­tor werden.

Tipps für Ihren Digital Detox

Es gibt zahl­rei­che Methoden, wie Sie die digitale Ent­gif­tung ganz oder teilweise angehen können. An dieser Stelle zeigen wir Ihnen ein paar Stra­te­gien und Tipps für den Digital Detox.

Zeit ohne Smart­phone

Ein guter Zeitpunkt für die vor­über­ge­hen­de digitale Ent­gif­tung kann ein Urlaub sein. Lassen Sie das Notebook zuhause und räumen Sie Ihr Smart­phone einfach in die Schublade. So sind Sie zwar weiterhin er­reich­bar, können sich im Urlaub al­ler­dings auf andere Dinge als den Screen kon­zen­trie­ren. Dieser Ansatz kann zwar sehr befreiend wirken, wenn dann aber die freie Zeit vorbei ist, hat er in der Regel keine lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen. Auch im Alltag kann der Digital Detox daher Stück für Stück vollzogen werden. Schalten Sie das Smart­phone nach 20 Uhr zum Beispiel in den Flugmodus oder lassen Sie es bei Spa­zier­gän­gen einfach daheim.

Räume ohne Smart­phone

In eine ganz ähnliche Richtung geht der nächste Ansatz. De­fi­nie­ren Sie für sich Räume oder Orte, an denen das Smart­phone oder der Laptop keinen Zugang haben. Der Esstisch ist zum Beispiel eine gute Wahl. So kon­zen­trie­ren Sie sich viel besser auf Ihre ei­gent­li­che Tätigkeit und genießen die Mahlzeit und viel­leicht das nette Bei­sam­men­sein. Auch neben dem Bett sollte das Smart­phone am besten keinen Platz haben. Mit einem analogen Wecker schlafen Sie unter Umständen auch besser. Funk­tio­nie­ren diese Räume, dehnen Sie sie weiter aus. Ver­zich­ten Sie auf dem Weg zur Arbeit, in der Mit­tags­pau­se oder im Garten aufs Smart­phone.

App-Nutzung mi­ni­mie­ren

So praktisch und hilfreich Apps in vielen Fällen auch sein mögen, häufig ist gerade ih­ret­we­gen ein Digital Detox notwendig. Durch Push-Nach­rich­ten und die Un­mit­tel­bar­keit ihrer Inhalte können sie eine Menge Druck und damit Stress erzeugen. Kein Wunder, schließ­lich erinnern die Apps einen ja auch permanent daran, dass es gerade ir­gend­ei­ne Neuigkeit gibt, die man noch nicht gesehen hat. Natürlich können Sie bestimmte Funk­tio­nen auch einfach abstellen, noch er­folg­ver­spre­chen­der ist aber die De­instal­la­ti­on. Wenn Sie den Umweg über einen Browser nehmen müssen, werden Sie beinahe au­to­ma­tisch seltener das Smart­phone nutzen. Dabei merken Sie, dass das Leben auch ohne Push-Nach­rich­ten wei­ter­geht.

Funk­tio­nen ins Analoge verlegen

Natürlich punkten gerade Smart­phones mit immer neuen und besseren Features. Das ist großartig, beim Digital Detox al­ler­dings auch pro­ble­ma­tisch. Den analogen Wecker haben wir weiter oben bereits an­ge­spro­chen. Auch die gute alte Arm­band­uhr, der Wand­ka­len­der, der haptische No­tiz­block oder ein Schau­fens­ter­bum­mel statt des ROPO-Effekts sind gute Al­ter­na­ti­ven zur digitalen All­zweck­waf­fe. Je weniger Gründe Sie für einen Blick auf Apps und Funk­tio­nen haben, desto öfter bleibt das Smart­phone in der Tasche.

Kom­mu­ni­ka­ti­on und Grenzen

Allein werden Sie die digitale Ent­gif­tung al­ler­dings nur bis zu einem gewissen Punkt durch­füh­ren können. Auch Ihr Umfeld sollte mit­spie­len und Sie tat­kräf­tig dabei un­ter­stüt­zen. Freunden, Freun­din­nen und der Familie können Sie von Ihrem Digital Detox erzählen und so bereits früh­zei­tig an­kün­di­gen, dass Sie Nach­rich­ten viel­leicht nicht umgehend be­ant­wor­ten werden. Im be­ruf­li­chen Kontext ist das zwar nicht so einfach möglich, bestimmte Grenzen sind al­ler­dings auch hier gesund. Erreicht Sie eine E-Mail erst nach Fei­er­abend, hat die Be­ant­wor­tung mit Si­cher­heit auch bis morgen Zeit. Private Messenger sollten dazu grund­sätz­lich klar von Ihrer be­ruf­li­chen Welt getrennt sein.

Tipp

Eine E-Mail-Adresse ganz nach Ihren Vor­stel­lun­gen: Erstellen Sie eine eigene E-Mail-Adresse mit IONOS und pro­fi­tie­ren Sie von zahl­rei­chen Si­cher­heits­fea­tures, einer eigenen Domain und dem passenden Tarif für Ihre Be­dürf­nis­se!

Bewusste Nutzung

Viele Apps machen natürlich auch Spaß, weshalb Sie viel­leicht nicht komplett auf sie ver­zich­ten möchten. Auch das ist beim Digital Detox möglich. Nutzen Sie Kanäle und Medien al­ler­dings mit einem klaren Plan. Setzen Sie sich zum Beispiel ein Limit, wann oder wie oft am Tag Sie ein soziales Netzwerk aufrufen oder den Second Screen nutzen. De­fi­nie­ren Sie Zeiträume, in denen Sie sich mit den neuesten Nach­rich­ten versorgen und in denen Sie dies nicht tun. Fragen Sie sich vor dem Griff zum Smart­phone, ob Sie dies aus Lust oder Not­wen­dig­keit heraus tun oder schlicht aus Ge­wohn­heit und Lan­ge­wei­le.

Apps für die digitale Ent­gif­tung

Sogar Ihr Smart­phone selbst kann zur Lösung des Problems beitragen und Ihren Digital Detox un­ter­stüt­zen. Möglich machen das spezielle Apps, mit denen Sie Ihre Smart­phone-Nutzung re­gu­lie­ren und sinn­vol­ler gestalten. Folgende Programme sind bei­spiels­wei­se emp­feh­lens­wert:

  • Bild­schirm­zeit und Digitales Wohl­be­fin­den: Für die beiden be­lieb­tes­ten mobilen Be­triebs­sys­te­me gibt es eigene Apps, die Ihre Smart­phone-Nutzung kon­trol­lie­ren. Mit Bild­schirm­zeit für iOS und Digitales Wohl­be­fin­den für Android können Sie zum Beispiel bestimmte Programme li­mi­tie­ren, Be­nach­rich­ti­gun­gen stumm­schal­ten oder Er­in­ne­run­gen für feste Schla­fens­zei­ten ein­rich­ten. Beide Apps sind bereits vor­in­stal­liert.
  • Quality Time: Quality Time listet Ihnen genau auf, wie viele Minuten Sie pro Tag mit einer App ver­brin­gen. Sie können dann Limits festlegen und sogar eine Pau­sen­zeit ein­stel­len. In diesem Zeitraum können Sie zwar noch Anrufe ent­ge­gen­neh­men, aber keine Apps mehr aufrufen.
  • Offtime: Bei Offtime können Sie zu Beginn in­di­vi­du­el­le An­pas­sun­gen vornehmen. Die App fragt Sie, welche Funk­tio­nen Sie durch­ge­hend benötigen und welche bei einer digitalen Ent­gif­tung ver­zicht­bar sind. Dann limitiert oder un­ter­bin­det Offtime den Zugriff auf diese Programme. Sie haben auch die Option, eine Auszeit gemeinsam mit anderen Nut­ze­rin­nen und Nutzern zu nehmen.
  • Forest: Stay focused: Digital Detox, und dabei auch noch etwas Gutes für die Umwelt tun? Mit Forest: Stay focused ist das möglich. Darin stellen Sie ein, wie lange Sie das Smart­phone nicht nutzen möchten, und können in dieser Zeit einer Pflanze beim Wachsen zuschauen. Rufen Sie in dieser Zeit al­ler­dings eine andere App auf, geht die Pflanze ein. In der kos­ten­pflich­ti­gen Variante wird der Baum auch in der realen Welt in Ihrem Namen gepflanzt.
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