Emotional Marketing versucht, über Bild­spra­che, Farben, Musik und Sto­rytel­ling den Ver­brau­cher emotional an­zu­spre­chen. Menschen treffen einen Großteil ihrer Ent­schei­dun­gen unbewusst. Holen Sie Ihre Kunden also genau dort ab. Emotionen im Marketing zu nutzen, führt nicht nur zu treueren, sondern auch zu zu­frie­de­ne­ren Kunden.

Was ist Emotional Marketing?

Gerald Zaltman, Professor an der Harvard Business School, erklärt in seinem Buch „How Customers think“, dass 95 Prozent aller Kunden Kauf­ent­schei­dun­gen unbewusst treffen. Selbst Kunden, die Preise, Marken und Produkte ver­glei­chen, wissen Zaltman zufolge nicht, was sie wirklich zum Kauf bewegt. Sie glauben zwar, es zu wissen, doch suchen oft nach­träg­lich Gründe für nicht-rationale ge­fühls­ge­steu­er­te Ent­schei­dun­gen.

Ein Ex­pe­ri­ment der Psy­cho­lo­gen Kirsten Ruys and Diederick Stapel von der Uni­ver­si­tät Tilburg stützt diese Annahme. 2008 setzten sie 100 stu­den­ti­sche Test­per­so­nen einer Reihe von Licht­blit­zen aus. Die Stu­die­ren­den sollten ent­schei­den, auf welcher Seite eines Bild­schirms die Licht­blit­ze auf­tauch­ten. Dabei ahnten sie nicht, dass sie für Se­kun­den­bruch­tei­le Bilder sahen, die emo­tio­na­le Re­ak­tio­nen auslösten.

Im Anschluss an das Ex­pe­ri­ment ver­voll­stän­dig­ten die Test­per­so­nen Wort­rei­hen und wählten – abhängig davon, ob sie unbewusst negative oder positive Bilder gesehen hatten – Worte, die Ekel, Trauer, Wut, Freude oder Angst aus­drück­ten. Die Bilder hatten in ihnen nach­weis­lich un­ter­schied­li­che Stim­mun­gen erzeugt.

Emotional Marketing: Eine De­fi­ni­ti­on

Viele Marketing-Experten fas­zi­niert der fließende Übergang zwischen Be­wusst­sein und Un­be­wusst­sein. Sie versuchen, konkrete Emotional-Marketing-Stra­te­gien zu ent­wi­ckeln, um Kunden durch solche un­ter­be­wuss­ten Prozesse zu einer Kauf­ent­schei­dung zu leiten. Im Idealfall erzeugen Sie durch Emotional Marketing nicht nur Stim­mun­gen, Sie sorgen dafür, dass Ver­brau­cher Ihre Marke mit dieser Stimmung as­so­zi­ie­ren und Sympathie sowie Mar­ken­treue ent­wi­ckeln.

In den Neu­ro­wis­sen­schaf­ten un­ter­schei­det man übrigens zwischen Emotionen und Gefühlen. Gefühle sind for­mu­lier­ba­re Phasen, die Menschen bewusst erleben. Emotionen werden hingegen durch unser lim­bi­sches System gebildet. Ein Bereich unseres Gehirns, der so alt ist, dass er nicht dem Be­wusst­sein un­ter­steht. Treffen wir auf ein wildes Tier oder auf eine at­trak­ti­ve Person, so ent­schei­det das limbische System un­mit­tel­bar, ob das ein guter oder schlech­ter Reiz ist. Durch Emotionen wie Angst, Freude oder Ver­liebt­heit löst es Re­ak­tio­nen aus, die uns erst durch Herzrasen, Ner­vo­si­tät, Schwitzen oder schnelles Atmen bewusst werden. Und genau das will Emotional Marketing erreichen: Eine positive emo­tio­na­le Reaktion, noch bevor das Be­wusst­sein des po­ten­zi­el­len Kunden aktiv wird.

Emotional Marketing im po­li­ti­schen Wahlkampf

Marketing, das nur rational er­fass­ba­re Vorzüge, In­no­va­tio­nen oder den günstigen Preis einer Marke betont, ignoriert, wie unser Gehirn funk­tio­niert. Effektiv sind Wer­be­bot­schaf­ten vor allem dann, wenn sie das Produkt und die Marke emotional aufladen. Es reicht al­ler­dings nicht, dass Kunden ihr Gehirn aus­schal­ten und aus dem Bauch ent­schei­den. Emotional Marketing muss eine Marke durch das An­spre­chen von Emotionen vielmehr sym­pa­thisch und ver­trau­ens­wür­dig wirken lassen.

Po­li­ti­scher Wahlkampf ist hierfür ein gutes Beispiel. Ein Wahl­pro­gramm gewinnt häufig nicht durch rationale Ideen die Herzen der Wähler. Statt mit Ar­gu­men­ten werben Wahl­pla­ka­te meist mit simplen Slogans, Eye­cat­chern und Trigger-Worten. Sie sprechen Ängste, Wut und Hoff­nun­gen an und ma­ni­pu­lie­ren Wähler auf emo­tio­na­ler Ebene.

Donald Trumps Wahl­slo­gan „Make America Great Again!“ aus dem Jahr 2016 oder die „Yes, we can!“-Kampagne von Barack Obama aus dem Jahr 2009 sind aktuelle Beispiel für die Wir­kungs­kraft von Emotional Marketing. Statt konkrete Wahlziele zu for­mu­lie­ren, hat man hierbei mit sehr all­ge­mei­nen Bot­schaf­ten die Emotionen der Wähler an­ge­spro­chen. Und damit offenbar bessere Wirkung erzielt als mit ra­tio­na­len Ar­gu­men­ten.

Obamas und Trumps Slogans sind gute Emotional-Marketing-Beispiele. Doch markige Slogans allein machen noch keine Mar­ke­ting­stra­te­gie. Eine gute Strategie be­inhal­tet durchaus auch rationale Argumente, doch sie erzeugt eben auch gezielt Emotionen. Um die richtige Balance zu finden und Kunden emotional an eine Mar­ken­bot­schaft zu binden, gibt es ver­schie­de­ne stra­te­gi­sche Mittel und Methoden.

Die richtige Ziel­grup­pe erreichen

Noch bevor Sie sich für das „Wie“ des Emotional Mar­ke­tings ent­schei­den, sollten Sie wissen, an „wen“ Sie sich richten müssen. Sei es im B2C- oder im B2B-Bereich: Für jede Mar­ke­ting­stra­te­gie müssen Sie die Ziel­grup­pe bestimmen und durch Markt­seg­men­tie­rung ein­gren­zen. Wichtige de­mo­gra­fi­sche Faktoren sind Alter, Ge­schlecht und Fa­mi­li­en­stand. Fragen Sie nach so­zio­öko­no­mi­schen Merkmalen wie Beruf oder Bil­dungs­stand und psy­cho­gra­fi­schen Faktoren wie Lifestyle, Werte und Mei­nungs­bil­dung. Weitere wichtige Aspekte sind Me­di­en­nut­zung, Preis­sen­si­bi­li­tät und Kauf­ver­hal­ten. Werten Sie Ihre ver­füg­ba­ren Sta­tis­ti­ken aus, um diese Daten zu erhalten. Denn jede Ziel­grup­pe hat andere Dinge, die sie emotional triggert und die für sie von Bedeutung sind. Sie müssen Ihre Ziel­grup­pe kennen, um ziel­ge­rich­tet ihre Emotionen an­spre­chen zu können.

Das ganze Farb­spek­trum der Emotionen

Farben gehören zu den wich­tigs­ten Sin­nes­rei­zen. 93 Prozent aller Kunden machen Kauf­ent­schei­dun­gen von visuellen Ein­drü­cken abhängig. Für 85 Prozent davon ist die Farb­ge­bung der aus­lö­sen­de Faktor. Die Wahr­neh­mung von Farben führt zu bio­che­mi­schen Re­ak­tio­nen im Körper. Das Gehirn as­so­zi­iert Farben mit Emotionen.

Unsere Vorfahren iden­ti­fi­zier­ten Gefahren, Nahrung und Gifte bei­spiels­wei­se anhand von Si­gnal­far­ben. Zwei dieser in­stinkt­steu­ern­den und im Marketing zentralen Si­gnal­far­ben sind Rot und Gelb. Sie wecken Auf­merk­sam­keit und Interesse und sind zugleich alar­mie­rend und warnend. Blau wiederum ist die Farbwahl für Topbrands – seien es die Logos von Facebook, Twitter, Intel, HP oder Samsung. Denn die Farbe verbinden viele mit Sta­bi­li­tät und Si­cher­heit. Blau ist daher die Farbe für Emotional Branding.

Farben können Emotionen im Marketing in­ten­si­vie­ren. Zu wissen, welche Farben un­ter­be­wusst Emotionen auslösen und ver­stär­ken, ist der erste Schritt zum er­folg­rei­chen Emotional Marketing und Branding.

Emotional Marketing durch Musik

Musik weckt seit jeher starke Gefühle im Menschen. Musikfans zählen häufig zu den treusten Fans. Auch die Werbung setzt schon lange in Form von Wer­be­jin­gles auf Musik, um Marken wie einen Ohrwurm im Be­wusst­sein zu verankern. Ein Beispiel dafür ist Apples Werbung für den damals noch neuen iPod und die Art, wie die Firma re­nom­mier­te Musiker wie U2 für Emotional-Marketing-Kampagnen nutzte.

Musik ist im Marketing ein wichtiges Tool, um Kunden ins Herz zu treffen, Marken mit starken Emotionen auf­zu­la­den und durch beliebte und ein­gän­gi­ge Musik den Mar­ken­wert zu steigern.

Welche Emotion soll erzeugt werden?

Denken Sie an die Film­bran­che. Bei einer Komödie sollen Zuschauer nicht Angst und Schrecken verspüren. Bei Hor­ror­fil­men sollen sie nicht un­frei­wil­lig in schal­len­des Gelächter aus­bre­chen. Überlegen Sie sich, welche Emotionen Sie im Kunden auslösen möchten. Es gibt eine ganze Reihe an Ker­n­emo­tio­nen, die bei Marketing und Content-Creation im Fokus stehen. Unsere Emotional-Marketing-Beispiele ver­an­schau­li­chen, welche das sind.

Glücks­ge­füh­le/Freude

Wer Kunden durch Werbung glücklich macht, erhöht das Interesse an der eigenen Marke und verbindet diese mit positiven Ein­drü­cken. Content, der positive Emotionen erzeugt, wird häufig mehrfach von denselben Personen an­ge­klickt und geteilt, denn Menschen umgeben sich nur ungern mit negativen Nach­rich­ten. Wenn man es also schafft, seine eigene Marke (lang­fris­tig) mit Emotionen wie Freude zu ver­knüp­fen, der kann mit wach­sen­den Klick­zah­len und damit verbunden häufig auch wach­sen­den Ver­kaufs­zah­len rechnen.

Der Softdrink-Her­stel­ler Coca-Cola ist bei­spiels­wei­se bekannt dafür, seine Marken mit positiven Emotionen auf­zu­la­den – und ist damit sehr er­folg­reich.

Trauer

Trauer erscheint zunächst wenig passend, wenn es um das gezielte An­spre­chen von Emotionen durchs Marketing geht. Doch Trauer führt oft zu einer höheren Auf­nah­me­be­reit­schaft von Kunden und weckt Empathie. Viel­leicht erinnern Sie sich an die #heim­kom­men-Weih­nachts­wer­bung des Ein­zel­händ­lers Edeka, die 2015 zur viralen Sensation wurde. Ein einsamer, alter Mann, der Weih­nach­ten allein ist, weil seine Kinder keine Zeit haben. Als seine Kinder eine Nachricht von seinem Tod erhalten und heim­keh­ren, finden sie ihn lebendig am gedeckten Weih­nachts­tisch. Die gezielt ein­ge­setz­te Trau­rig­keit erregte die Gemüter und sorgte für wertvolle Auf­merk­sam­keit, die Edekas Mar­ken­wert erhöhte.

Auch zahl­rei­che Charity-Or­ga­ni­sa­tio­nen nutzen Trauer, um das „schlechte Gewissen“ der Be­völ­ke­rung an­zu­spre­chen und so deren Spen­den­be­reit­schaft zu erhöhen. Bei vielen Menschen löst dieses ungute Gefühl des schlech­ten Gewissens einen Ak­tio­nis­mus aus, mit dem sie den als negativ emp­fun­de­nen Zustand beenden wollen.

Furcht

Eine Studie der UBC Sauder School Of Business ergab, dass Product Placement am besten funk­tio­niert, wenn Zuschauer sich fürchten. Test­per­so­nen schauten sich während der Studie Filmclips an, die Product Placement ent­hiel­ten. Dabei fiel auf, dass den Test­per­so­nen vor allem Product Pla­ce­ments in Clips aus Hor­ror­fil­men in Er­in­ne­rung blieben. Produkte, die wir in einem Zustand der Angst oder Ver­un­si­che­rung sehen, werden für das Un­be­wusst­sein zu einem Anker. Die Test­per­so­nen ent­wi­ckel­ten eine Bindung zu den Marken und er­in­ner­ten sich leichter und schneller an sie.

Hor­ror­ro­ma­ne und Krimis zählen auf dem Buchmarkt zu den er­folg­reichs­ten Genres. Hor­ror­fil­me und Thriller sind fester Be­stand­teil von Film­ver­lei­hen und Strea­ming­diens­ten. Sie prägen Ge­ne­ra­tio­nen und bieten enorme Mar­ken­reich­wei­te. Die Ver­knüp­fung von Marketing und Furcht erfordert jedoch Fin­ger­spit­zen­ge­fühl. Ihre Marke soll schließ­lich Eindruck hin­ter­las­sen, nicht aber in schlech­ter Er­in­ne­rung bleiben.

Die am­bi­va­len­te Wirkung von Werbung mit Furcht ver­deut­li­chen unsere Beispiele: Studien des UGA Grady College of Jour­na­lism and Mass Com­mu­ni­ca­ti­on zeigten unter anderem, dass Anti-Rauchen-Kampagnen Ta­bak­ver­käu­fe sogar steigern können. An­vi­sier­te ju­gend­li­che Ziel­grup­pen fühlten sich durch Krank­heits­bil­der auf Zi­ga­ret­ten­schach­teln oder au­to­ri­tä­re Nein-Kampagnen eher zum Rauchen auf­ge­sta­chelt. Kampagnen wiederum, die darauf setzten, den sozialen Kontext zu ändern, Ju­gend­li­chen also das Gefühl gaben, dass Raucher am Rand der Ge­sell­schaft stehen, zeigten eher ver­kaufs­sen­ken­de Resultate.

Eine Anti-Rauchen Kampagne der neu­see­län­di­schen Anti-Drogen Or­ga­ni­sa­ti­on Quitline zeigte 2020, welch starke Wirkung Furcht und Trauer haben können. Der Clip „Quit for your pets“ begleitet einen Hun­de­be­sit­zer und seinen Hund und zeigt, wie der Hund durch das Ket­ten­rau­chen seines Herrchens an Krebs erkrankt. Der Clip ging als eine der herz­zer­rei­ßends­ten Anti-Rauchen-Kampagnen durch die Schlag­zei­len und traf vor allem Tier­be­sit­zer ins Herz.

Und ins­be­son­de­re auch im Ver­si­che­rungs­be­reich funk­tio­niert Marketing über Furcht, indem dem Kunden ver­deut­licht wird, vor welchen Risiken ihn eine Police schützen kann.

Über­ra­schung/Erstaunen

Über­ra­schun­gen bleiben im Ge­dächt­nis. Content, der User in Erstaunen versetzt, wird zudem sehr häufig im Internet geteilt. Freudige und er­stau­nen­de Über­ra­schun­gen lösen sofortige und un­mit­tel­ba­re Re­ak­tio­nen aus. Zu den be­rühm­tes­ten „Suprise“-Kampagnen zählt der schlag­zeug­spie­len­de Gorilla, der so gar nichts mit der be­wor­be­nen Milch­scho­ko­la­de von Cadbury zu tun hatte, aber allen Zu­schau­ern durch das Über­ra­schungs­mo­ment im Ge­dächt­nis blieb.

Wut/Ekel

Wut und Ekel sind Emotionen, die nicht nur Gefühle auslösen, sondern zu in­ten­si­ven Re­ak­tio­nen führen. Vor allem Tier- und Um­welt­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen wie WWF, PETA oder Green­peace setzen auf Wut und Schock­ef­fek­te, um die Ziel­grup­pen auf­zu­rüt­teln. Hier wird also genau wie bei Furcht- und Trauer-Kampagnen mit negativen Emotionen ge­ar­bei­tet, die aber noch durch ein Über­ra­schungs­mo­ment verstärkt werden. Das führt nicht nur zu Kun­den­en­ga­ge­ment, sondern erhöht auch die Reich­wei­te.

Einsatz von Bildern im Emotional Marketing

Bilder sprechen für sich. Das Gehirn erfasst und reagiert auf Bilder 60.000 Mal schneller als auf Worte. Ein emo­ti­ons­ge­la­de­nes Bild wirkt deutlich schneller und klarer als jeder Text. Ob die Landing Page der Business Website, Wer­be­pla­ka­te an Bus­hal­te­stel­len oder ge­spon­ser­te Ads. Bilder müssen die eigene Marke auf den Punkt bringen. Niemand will schließ­lich den ersten Eindruck ver­schen­ken.

Wer auf Social Media unterwegs ist, wird heut­zu­ta­ge auch zwangs­läu­fig mit Memes kon­fron­tiert. Memes kom­bi­nie­ren ein­drucks­vol­le oder bekannte Bilder, Videos und GIFs mit Text und gehören aktuell zum mäch­tigs­ten Content im Social-Media-Bereich. Kein Wunder, dass Marken wie Gucci, Netflix oder Sixt bereits den Schritt ins Meme Marketing wagten. Wenn die Bild-Text-Kom­bi­na­ti­on funk­tio­nie­ren, wird Ihr Content tau­send­fach geteilt und kommt durch Mund­pro­pa­gan­da in kürzester Zeit ins Gespräch.

Sto­rytel­ling

Sto­rytel­ling ist ein we­sent­li­cher Aspekt von Emotional Marketing. Der Sym­pa­thie­fak­tor ist ent­schei­dend für Kun­den­bin­dung und -en­ga­ge­ment. Und Sympathie lässt sich am besten durch gutes Sto­rytel­ling erreichen. Lidl nutzte vor kurzem lockere Sketche in der TV-Werbung, um den Kunden LIDL-Mit­ar­bei­ter und die Marke sym­pa­thisch zu machen. Die Berliner BVG wiederum ist sehr aktiv in den Social Media, greift aktuelle Ta­ges­the­men und Trends auf und baut sie in freche und lustige Tweets, Posts und Videos ein. 2015 erreichte die BVG mit dem witzigen Musik-Video „BVG – Is mir egal“ einen viralen Sto­rytel­ling-Höhepunkt.

Eine Marke, die sich besonders durch Sto­rytel­ling aus­zeich­net und dadurch an Mar­ken­wert gewinnt, ist Apple. Apple als Marke ist bereits an sich Sto­rytel­ling, denn Steve Jobs Le­bens­ge­schich­te ist für Apple-Fans wie ein Mythos und gehört zur DNA der Produkte. Auch die Ge­schlos­sen­heit der Marke durch eigene Software und den iTunes-Shop verleiht Apple Ex­klu­si­vi­tät und erhöht den Mar­ken­wert. Pro­dukt­prä­sen­ta­ti­on von neuen iPhones bauen zudem auf präzise ge­plot­te­te Struk­tu­ren und nutzen Spannung, Neugier und Lust wie eine gute Ge­schich­te.

Ein weiteres Beispiel für ori­gi­nel­les Sto­rytel­ling, das Emotionen und Marketing verbindet, ist Black­ber­rys Zu­sam­men­ar­beit mit dem Autor Neil Gaiman. 2013 bat Black­ber­ry seine Kunden, einen Sto­ry­ka­len­der mit Neil Gaiman zu entwerfen. Gaiman stellte zu jedem Monat des Jahres eine Frage auf Twitter und schrieb zu den Antworten der Fans eine Kurz­ge­schich­te. Den fertigen Sto­ry­ka­len­der stellte Black­ber­ry auf einer ge­spon­ser­ten in­ter­ak­ti­ven Website gratis zur Verfügung und un­ter­leg­te ihn mit Zeich­nun­gen von Fans.

Gutes Brand-Sto­rytel­ling löst nicht nur Emotionen aus, sondern lässt Kunden ein emo­tio­na­les Abenteuer erleben. In der Psy­cho­lo­gie spricht man vom Narrative Transport. Zuhörer oder Zuschauer tauchen in die Ge­schich­te ein und bauen eine Bindung auf. Emotional Marketing mit starken Nar­ra­ti­ven erregt Auf­merk­sam­keit und Interesse.

Keine Angst vor starken State­ments

Große Marken haben sich in der Ver­gan­gen­heit nicht vor großen State­ments gescheut. Sich in ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Kontexten zu po­si­tio­nie­ren, Stellung zu beziehen, Gesicht zu zeigen, kommt bei Kunden gut an. Die Sü­ßig­kei­ten-Marke Katjes sprach 2015 mit Ihrer „Jes – Alles Veggie“-Werbung nicht nur mus­li­mi­sche Gemeinden und die vegane Community an. Mit einer kopf­tuch­tra­gen­den Frau als Gesicht der Marke stellte sich Katjes auch auf die Seite einer plu­ra­lis­ti­schen Ge­sell­schaft und erhielt viel Lob und Reich­wei­te dafür.

Indem eine Marke politisch agiert, verbindet sie bewusst Emotionen und Marketing. Die Sport­mar­ke Nike bezog Stellung gegen Rassismus, als sie den NFL-Sportler Colin Kae­per­nick zum Gesicht ihrer Wer­be­kam­pa­gne machte. Kae­per­nick pro­tes­tier­te 2016 gegen Rassismus und Po­li­zei­ge­walt, indem er mit anderen Sportlern während der US-Na­tio­nal­hym­ne kniete. Nike ging den Weg der Brand Position und bezog Stellung.

Doch eine Brand Position birgt auch Risiken. Das stellte jüngst Gillettes „The Best Man Can Be“-Kampagne unter Beweis. Indem sich Gillette in einem viralen Werbeclip offen gegen toxische Mas­ku­li­ni­tät und Sexismus stellte, zog die Marke zum Teil heftige Kritik der eigenen männ­li­chen Ziel­grup­pe auf sich, die sich unnötig belehrt fühlte. Der Werbeclip wurde dadurch in kürzester Zeit zum YouTube-Video mit den meisten Dislikes.

Dennoch kann ge­sell­schafts­po­li­ti­sches En­ga­ge­ment Ihre Marke im Be­wusst­sein von Kunden mit Werten und Idealen ver­knüp­fen, die diese als positiv empfinden.

Wie für­ein­an­der ge­schaf­fen: Emotional Marketing und On­line­mar­ke­ting

Die Zukunft für Emotional Marketing liegt im Internet. Die Welt vernetzt sich zusehends. Un­ter­neh­men sind gut beraten, sich nicht nur auf klas­si­sche Markt­kom­mu­ni­ka­ti­on und Wer­be­trä­ger wie Zeitungen, Zeit­schrif­ten, Hörfunk, Fernsehen, Kino und Plakate zu verlassen. Social Media, Messenger-Dienste, Apps und Streaming-Portale eignen sich her­vor­ra­gend für Werbung, da dort vor allem jüngere Ziel­grup­pen erreicht werden könne.

Je mehr Sie Ihre Marke durch On­line­mar­ke­ting vernetzen, desto mehr Menschen erreichen Sie und umso mehr Chancen für Emotional Marketing bieten sich. Emotional-Marketing-Stra­te­gien lassen sich im Netz bei­spiels­wei­se her­vor­ra­gend mit den Methoden des Guerilla-Mar­ke­tings oder In­fluen­cer-Marketing ver­knüp­fen.

Tipp

Eine eigene Website ist we­sent­li­cher Grund­stein des Emotional Mar­ke­tings im Internet. IONOS bietet Ihnen einen Homepage-Baukasten für kleine und große Web­pro­jek­te. Mit intuitiv ver­ständ­li­chen Tools erstellen Sie in wenigen Schritten eine Website als Plattform für Emotional Marketing.

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