Ein­zel­händ­ler haben im Lauf der letzten Jahr­zehn­te viel Erfahrung gesammelt, um ihre Prozesse zu op­ti­mie­ren: Wie platziere ich Produkte? Was ist relevant, was weniger? Wie führe ich den Kunden zum Produkt und biete ihm auf dem Weg dorthin weitere Kauf­an­rei­ze? Womit locke ich Kunden in den Laden? Wie binde ich den Kunden an mich? Längst sind in solche Fragen nicht nur Wer­be­agen­tu­ren, sondern auch Psy­cho­lo­gen ein­ge­bun­den.

Der sta­tio­nä­re Handel bekommt zunehmend die Kon­kur­renz aus dem Netz zu spüren. Aber auch Online-Shops sehen sich in­zwi­schen immer pro­fes­sio­nel­ler werdenden Kon­kur­ren­ten gegenüber. Dem Online-Handel stellen sich im Kern dieselben Fragen wie im sta­tio­nä­ren Handel. Auch der sta­tio­nä­re Handel hat sich noch lange nicht ge­schla­gen gegeben. Er versucht, mit Beratung, Spe­zia­li­sie­rung und freund­li­chem Service die Menschen wieder in die Geschäfte zu locken.

Im Kern handelt es sich bei Online- und sta­tio­nä­rem Handel aber um dasselbe Konzept. Nur das Medium ist ein anderes. Daher lassen sich beide Varianten auch gut mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren. Und beide können viel von­ein­an­der lernen.

Die Grund­re­gel lautet: Ein­fach­heit. Eines der ersten Bücher zum Thema Web-Usability hieß Don’t make me think. Und dies ist siebzehn Jahre nach der ersten Ausgabe des Buches nach wie vor ein gültiger Leitsatz. Weniger ist mehr. Je einfacher die Struktur einer Website ist, desto über­sicht­li­cher sie ist, je schneller der Kunde das findet, was er sucht, desto höher sind die Er­folgs­chan­cen.

Per­for­mance zahlt sich aus

Eine weniger über­la­de­ne und einfache Seite ist auch mit we­sent­lich weniger Aufwand in der Per­for­mance op­ti­mier­bar. Und das weiß nicht nur eine Such­ma­schi­ne sehr zu schätzen. Wie der Tech-Blog Gi­gaSpaces be­rich­te­te, hat Amazon errechnet: Hundert Mil­li­se­kun­den Ver­zö­ge­rung kosten den Han­dels­rie­sen 1% Umsatz.

Eine flache und ein­präg­sa­me Struktur ist nicht nur für den Kauf­pro­zess und die User­zu­frie­den­heit ent­schei­dend, sondern hilft auch den Such­ma­schi­nen, die Seite besser zu verstehen. Wenn ein Kunde erst durch mehrere Menüs klicken muss, klickt er eher weg als auf den Kaufen-Button. Deshalb sollte auch die Start­sei­te nicht überladen sein – das sieht sonst nach Ramsch­la­den oder Grab­bel­kis­te aus und sorgt im negativen Sinn für Reiz­über­flu­tung. Die Homepage ist das Äqui­va­lent zum Schau­fens­ter. Hierher gehören aktuelle und besondere Angebote sowie Kern­kom­pe­ten­zen. Dazu eine auf den ersten Blick ver­ständ­li­che Na­vi­ga­ti­on.

Es ist wie im Su­per­markt: Ver­derb­li­che Produkte, Sai­son­wa­re und Co. sollten so platziert sein, dass der Kunde animiert wird, zu­zu­grei­fen, auch wenn nichts davon auf seinem Ein­kaufs­zet­tel steht. Günstige Produkte oder All­täg­li­ches, das jeder braucht, kann tiefer in der Na­vi­ga­ti­on stecken, solange es nicht hinter fünf Ecken versteckt ist. Man denke an Milch oder Eier im Su­per­markt: Die sind meist weniger exponiert, da Kunden diese Produkte ohnehin auf ihrem Ein­kaufs­zet­tel haben.

Aber so gut der Laden auch kon­zi­piert ist: Wenn am Ende nur eine von fünf Kassen geöffnet hat, weil mal wieder am Personal gespart wird, tut man sich keinen gefallen. Läden, in denen es sich kurz vor dem Ausgang staut, werden von einigen Kunden gemieden, weshalb man solche Kon­stel­la­tio­nen auch fast nur noch in Dis­coun­tern antrifft. Weil das Publikum dort dem Preisar­gu­ment folgt und den Komfort ver­nach­läs­sigt.

Im über­tra­ge­nen Sinn kann natürlich ein Online-Shop nicht nur eine Kasse haben, aber die Prozesse können durchaus länger dauern, je mehr User parallel kaufen wollen. Das ist aber bei heutiger Re­chen­leis­tung in der Regel nicht das Haupt­pro­blem. Viel wichtiger ist es, die User nicht mit unnötigen For­mu­lar­fel­dern zu quälen und somit den Kauf­pro­zess ab­zu­wür­gen. Im Idealfall klickt der re­gis­trier­te User nur noch zwei Buttons „Jetzt kos­ten­pflich­tig kaufen“ und „Ja ganz sicher“. Auch Neukunden die Mög­lich­keit des Einkaufs ohne Re­gis­trie­rung zu geben hilft, den Prozess stark zu be­schleu­ni­gen und wirkt sich letzt­end­lich auch positiv auf die Umsätze aus. Dies kann z.B. über die Anbindung zu PayPal gelingen. Sobald der User über PayPal die Zahlung vornimmt, bekommen Sie die für den Versand re­le­van­ten In­for­ma­tio­nen von PayPal über­mit­telt.

Die Per­for­mance wirkt sich also direkt und messbar auf die Con­ver­si­on aus. Es ist al­ler­dings durchaus auch sehr wichtig, sich nicht nur um die Con­ver­si­on-Raten am Ende zu kümmern. Ein er­folg­rei­cher Online-Shop wird nicht um pro­fes­sio­nel­le Tools wie bei­spiels­wei­se Op­ti­mi­ze­ly her­um­kom­men. Je genauer man einzelne Prozesse ana­ly­siert, desto ziel­füh­ren­der kann man die Website op­ti­mie­ren. Ziel­füh­rend bedeutet in diesem Kontext: alles aus dem Weg zu räumen, das den Kunden vom Handeln abhält.

Wenn User auf dem Weg auf Barrieren stoßen, wenn es Ver­zö­ge­run­gen gibt, dann erhöht sich die Absprung-Rate. Wie im Su­per­markt: Wenn ich erst durch die viele Gänge wandern muss, weil sich mir nicht er­schließt, wo ich ein Produkt finde, und ich am Ende noch an der Kasse auf eine lange Schlange stoße – wie hoch ist dann die Wahr­schein­lich­keit, dass ich hier erneut einkaufe?

Zum Autor

Erkan Boga ist Ge­schäfts­füh­rer der Münchener Per­for­mance-Agentur qmedia GmbH. Er be­schäf­tigt sich seit 2001 mit den Themen SEO, Lead­ge­ne­rie­rung und Landing­pa­ge Op­ti­mie­rung. Die qmedia betreut mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men und betreibt unter eigenem Namen Portale wie z.B. www.bbx.de oder www.kre­dit­kar­te24.de.

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