Sto­rytel­ling-Tools – für On­line­mar­keter sind sie eine wertvolle Hilfe. Denn Ge­schich­ten sind ein­präg­sam und emotional. Das Ge­schich­ten­er­zäh­len begleitet den Menschen seit Jahr­tau­sen­den. Ob in Mythen, in Romanen oder beim Plausch im Alltag: Ge­schich­ten sind all­ge­gen­wär­tig und Menschen lieben sie, denn sie erzeugen Gefühle und Iden­ti­fi­ka­ti­on. Damit sind gute Ge­schich­ten auch im Marketing gefragt – schließ­lich verkaufen sich Produkte am ef­fek­tivs­ten über emo­tio­na­le Bindung. Es wundert also nicht, dass digitales Sto­rytel­ling längst in den Fokus neuer On­line­mar­ke­ting-Stra­te­gien gerückt ist. Der Haken an der Sache: Nicht jeder Marketer ist auch der geborene Ge­schich­ten­er­zäh­ler. Zum Glück gibt es Sto­rytel­ling-Tools.

Auch bei Content-Designern ist das digitale Sto­rytel­ling ein bren­nen­des Thema, denn die Her­aus­for­de­run­gen ihres Job nehmen zu: Die Menge an ver­füg­ba­rem Content wächst ständig, Nutzer können diese nur noch selektiv erfassen und müssen deshalb je nach Interesse auswählen. Wie also kann man sich abheben von der Fülle ver­füg­ba­rer Netz­in­hal­te? Wie kann man seinen Content noch at­trak­ti­ver gestalten? Eine Antwort lautet: durch ge­lun­ge­nes digitales Sto­rytel­ling. Sto­rytel­ling-Tools sind dabei eine wichtige Hilfe.

Die Programme helfen dabei, digitale Ge­schich­ten aller Art mit­rei­ßend zu erzählen und an­spre­chend zu gestalten. Die Auswahl von Sto­rytel­ling-Tools ist dabei so viel­fäl­tig wie guter Content selbst: Ob zum Erzählen in Timelines, Klick­bil­dern oder durch be­ein­dru­cken­de Bilder – für jeden ist etwas dabei. Wir geben einen Überblick darüber, welche un­ter­schied­li­chen Sto­rytel­ling-Tools es gibt und für wen sie sich eignen. Denn mit dem richtigen Tool gelingt auch die digitale Ge­schich­te.

Kom­po­nen­ten von Sto­rytel­ling-Tools: Text und Mul­ti­me­dia

Worauf kommt es bei gutem Sto­rytel­ling an und wie können On­line­tools dieses un­ter­stüt­zen? Wir klären zunächst, welche Formen von Sto­rytel­ling es gibt, ehe wir Ihnen eine Reihe von Tools fürs Ge­schich­ten­er­zäh­len vor­stel­len.

Baukasten für eine gute Ge­schich­te

Zunächst geht es beim Sto­rytel­ling um wir­kungs­vol­le Themen und einen ge­lun­ge­nen Aufbau. Für die richtige Dra­ma­tur­gie einer Erzählung gibt es einige hilf­rei­che Regeln, an denen man sich ori­en­tie­ren kann. Beachtet man nur wenige Elemente des klas­si­schen Ge­schich­ten­er­zäh­lens, fällt es leichter, seine Botschaft effektiv zu ver­mit­teln – ganz ohne auf­dring­li­che Wer­be­spra­che. Die Drei-Akt-Struktur nach Aris­to­te­les, die aus Ex­po­si­ti­on, Konflikt und Auflösung besteht, ist noch immer die Grund­struk­tur zahl­rei­cher er­folg­rei­cher Kinofilme – und eignet sich ebenfalls fürs Sto­rytel­ling im Netz. Ein ebenfalls viel­ver­wen­de­tes Schema ist das der Hel­den­rei­se nach Joseph Campbell: In 12 Stationen wird der Held oder die Heldin von einem Status quo über eine Reihe von Her­aus­for­de­run­gen und Be­geg­nun­gen zur Über­win­dung eines zentralen Konflikts geführt. Liest man die Grün­dungs­ge­schich­ten von großen Un­ter­neh­men, so wird man er­staun­li­che Par­al­le­len fest­stel­len – und mög­li­cher­wei­se die eigene Ge­schich­te anders erzählen.

Fakt

Es gibt zahl­rei­che weitere Schemata, mit denen man eine digitale Story aufbaut und dra­ma­ti­siert.

Mul­ti­me­dia­les Erzählen

Doch beim digitalen Erzählen geht es um weit mehr als nur den Text: Mul­ti­me­dia­les Erzählen ist das Stichwort, mit dem er­folg­rei­ches Sto­rytel­ling im Internet funk­tio­niert. Denn digitale Medien eröffnen dem Ge­schich­ten­er­zäh­len ganz neue Mög­lich­kei­ten: In einer le­ben­di­gen Kom­bi­na­ti­on aus 360°-Bildern, Land­kar­ten, in­ter­ak­ti­ven Timelines und dy­na­mi­schen In­fo­gra­fi­ken kann der User voll­kom­men in die visuell erzählte Ge­schich­te ein­tau­chen.

Zunächst setzten Jour­na­lis­ten der BBC oder der New York Times Sto­rytel­ling-Tools ein, um damit ein­drück­li­che Mul­ti­me­dia-Re­por­ta­gen zu erstellen. Doch mitt­ler­wei­le exis­tie­ren er­schwing­li­che Sto­rytel­ling-Tools, mit denen auch freie Jour­na­lis­ten, kleinere Un­ter­neh­men und Content-Designer be­ein­dru­cken­des visuelles Sto­rytel­ling betreiben – ohne tiefe tech­ni­sche Kennt­nis­se oder große fi­nan­zi­el­le Res­sour­cen aufwenden zu müssen.

In der Regel bieten Sto­rytel­ling-Tools die Mög­lich­keit, aus ver­schie­de­nen Design-Vorlagen aus­zu­wäh­len, mit denen die Mul­ti­me­dia-Inhalte ef­fekt­voll prä­sen­tiert werden. Welche Medien sich in­te­grie­ren lassen und welches Design cha­rak­te­ris­tisch für das jeweilige Tool ist – darin bestehen die Un­ter­schie­de der An­wen­dun­gen. Je nach Anlass können Sto­ry­buil­der das passende Tool für die eigene mul­ti­me­dia­le Ge­schich­te wählen.

Fakt

Eine besondere Form des mul­ti­me­dia­len Sto­rytel­lings ist das so­ge­nann­te Scrol­lytel­ling – der Leser „scrollt“ sich durch die ein­drück­li­chen Bilder einer Ge­schich­te. Das Feature „Snow Fall“ der New York Times machte 2012 diese Art des digitalen Sto­rytel­lings populär. Zunächst folgten großen Firmen, doch mitt­ler­wei­le ist Scrol­lytel­ling auch in kleinerem Rahmen möglich.

Stan­dard­ele­men­te eines Sto­rytel­ling-Tools

Be­trach­tet man Sto­rytel­ling-Tools im Vergleich, so stellt man fest, dass die meisten von ihnen nach ganz ähnlichen Prin­zi­pi­en funk­tio­nie­ren.

Mediale Inhalte, die von Sto­rytel­ling-Tools in­te­griert werden können, sind:

  • Text
  • Bilder und Slide­shows
  • Audio
  • Video
  • Social-Media-Embedding
  • YouTube- oder Vimeo-Embedding
  • In­fo­gra­fi­ken

Die Bedienung eines Sto­rytel­ling-Tools umfasst u. a. diese Kom­po­nen­ten:

  • Drag-and-Drop-Verfahren: Die meisten Sto­rytel­ling-Tools funk­tio­nie­ren nach dem Drag-and-Drop-Prinzip: Ein ge­wünsch­ter Inhalt wird einfach mit der Maus an die ge­wünsch­te Stelle des Story-Layouts gezogen.
  • CSS (Cascading Style Sheets) und Custom CSS: Viele Sto­rytel­ling-Tools arbeiten mit Vorlagen, die ein Sto­ry­buil­der für sein Layout nutzen kann. Bei einigen Tools haben Anwender mehr kreativen Freiraum, sie können Layouts weiter be­ar­bei­ten oder selbst erstellen. Dies erfordert al­ler­dings mitunter größere tech­ni­sche Kennt­nis­se.
  • Preview: Die meisten Sto­rytel­ling-Tools verfügen über eine Preview-Funktion, damit man während des Ar­beits­pro­zes­ses über­prü­fen kann, wie die mul­ti­me­dia­le Story beim User aussehen wird und wie sie sich bedienen lässt.
  • Team­ar­beit: Viele Tools eignen sich nicht nur für den in­di­vi­du­el­len Gebrauch, sondern können von mehreren Personen gleich­zei­tig benutzt werden: Mehrere Personen arbeiten von ver­schie­de­nen Accounts aus an ein und demselben Projekt.

Folgende Software-Formate von Sto­rytel­ling-Tools gibt es:

  • Desktop-Version: Ein Sto­rytel­ling-Tool für den Desktop lädt man wie gewohnt auf den Rechner herunter und nutzt es wie ein her­kömm­li­ches Com­pu­ter­pro­gramm. Die Stories können offline erstellt werden.
  • Cloud-Version: Ist ein Sto­rytel­ling-Tool als Cloud-Version verfügbar, loggt man sich mit einem Account im On­line­tool ein, um die Ge­schich­te zu entwerfen. Ei­ner­seits hat man dadurch die Mög­lich­keit, von jedem Rechner auf das Projekt zugreifen; an­de­rer­seits kann man aus­schließ­lich mit dem Tool arbeiten, wenn eine funk­tio­nie­ren­de Netz­ver­bin­dung vorhanden ist.

Die wich­tigs­ten Sto­rytel­ling-Tools – ein Überblick

Sto­rytel­ling-Tools haben ein viel­fäl­ti­ges Ein­satz­ge­biet: Jour­na­lis­ten bereiten ihre Re­por­ta­gen mit 360°-Bildern oder in­ter­ak­ti­ven In­fo­gra­fi­ken auf, Blogger binden Inhalte aus sozialen Medien ein. Im On­line­mar­ke­ting können Un­ter­neh­men ihre Grün­dungs­sto­ry ein­präg­sa­mer erzählen, ihre Website mul­ti­me­di­al auf­be­rei­ten oder auch ihre Social-Media-Präsenz beleben, indem sie re­gel­mä­ßig kleine Mul­ti­me­dia-Stories posten.

Welche un­ter­schied­li­chen Sto­rytel­ling-Tools gibt es nun und für welche Zwecke eignen sie sich? Wir ver­glei­chen die wich­tigs­ten Sto­rytel­ling-Tools und be­trach­ten ihre je­wei­li­gen Ei­gen­schaf­ten. Denn je nachdem, welche Projekte Sie mithilfe des digitalen Sto­rytel­lings auf­be­rei­ten möchten, werden Sie dafür un­ter­schied­li­che Tools wählen.

Storify

Storify ist eines der be­lieb­tes­ten Sto­rytel­ling-Tools. Eine besondere Stärke hat es bei Social-Media-Stories: Mit Storify lassen sich Inhalte aus einer Vielzahl sozialer Medien in die digitale Story in­te­grie­ren. Es durch­sucht soziale Platt­for­men wie Twitter, Google+, Flickr oder Sound­Cloud nach ge­wünsch­ten Themen – die passenden Inhalte in­te­griert man dann bequem in die eigene digitale Ge­schich­te. Der Erfolg von Storify begann mit der Live-Do­ku­men­ta­ti­on von Events – mitt­ler­wei­le ist es eine beliebte Blogging-Plattform für Echtzeit-Stories aller Art. Außerdem punktet das Sto­rytel­ling-Tool durch seine einfache und intuitive Hand­ha­bung. Per Drag-and-Drop werden die Mul­ti­me­dia-Inhalte an die ge­wünsch­ten Po­si­tio­nen gezogen und dort an­ge­ord­net. Die fertige Story wird dann auf einer Webseite, einem Blog oder direkt über storify.com ver­öf­fent­licht.

Fakt

Das Einbetten von Social-Media-Inhalten ist noch eine recht­li­che Grauzone. Daher sollte man sich immer genau in­for­mie­ren, welche Regeln des Sharing und Embedding bei den ein­zu­bin­den­den Inhalten jeweils greifen.

Storify hilft dem Nutzer außerdem dabei, die digitale Story dra­ma­tur­gisch gelungen auf­zu­bau­en: Das Tool bietet eine Struktur aus Über­schrif­ten, Fließtext und Me­di­en­in­hal­ten an, mit der man die Story ef­fekt­voll gliedert. Der Fließtext zwischen den Me­di­en­da­tei­en un­ter­liegt einer Be­schrän­kung von 300 Zeichen. Was zunächst nach einer Ein­schrän­kung klingt, ist tat­säch­lich im Sinne der digitalen Story: Schließ­lich werden Mul­ti­me­dia-Stories gerade durch die Kürze und Prägnanz des Schrift­tex­tes attraktiv. Der Text selbst ist for­ma­tier­bar – ein in­di­vi­du­el­les Er­schei­nungs­bild der Ge­schich­te ist also möglich.

Vorteile Nachteile
In­te­griert viele soziale Medien und Funk­tio­nen: Twitter, Facebook, Google+, App.net, YouTube, Flickr, Instagram, Chute, Sound­Cloud, Disqus, StockT­wits, Tumblr und RSS Bei kos­ten­pflich­ti­gen An­wen­dun­gen: Preis nur auf Anfrage
Module zum Live-Blogging sind besonders gut
Kos­ten­lo­se Ba­sis­ver­si­on

Besonders geeignet für:

  • Be­glei­tung von Events in Echtzeit
  • Blogger und Jour­na­lis­ten

Shorthand

Shorthand ist eine der meist­ge­nutz­ten Platt­for­men für das so­ge­nann­te Scrol­lytel­ling. Dieses Tool verleiht dem Content eine besondere visuelle Dramatik. Ein­ge­setzt wird es etwa bei hoch­wer­ti­gen Re­por­ta­gen wie denen der BBC oder bei emo­tio­na­len Kampagnen von NGOs. Ein Mar­ken­zei­chen dieses Sto­rytel­ling-Tools sind die ein­drück­li­chen Landing­pa­ges, mit denen jede einzelne Story versehen wird. An­schlie­ßend scrollt sich der Leser durch die Kapitel, die auf je in­di­vi­du­ell designten Pages prä­sen­tiert werden. Um die mul­ti­me­dia­len Inhalte an­zu­ord­nen, nutzt man die klas­si­sche Drag-and-Drop-Technik. Un­ter­schied­li­che Medien – Fotos, Slide­shows, Videos, Land­kar­ten, In­fo­gra­fi­ken – lassen sich dynamisch anordnen. Damit der spätere Leser dennoch die Kontrolle über das Nut­zer­er­leb­nis behält, befindet sich oberhalb ein Menü, mit dem man auch per Klick zu den einzelnen Kapiteln der digitalen Story gelangt.

Bei Shorthand kann man sich kostenlos anmelden und Projekte erstellen – die Ab­rech­nung erfolgt dann pro ver­öf­fent­lich­ter Story oder in einem Jahresabo. Shorthand verfolgt, wie viele andere Sto­rytel­ling-Tools auch, ein in­di­vi­dua­li­sier­tes Kos­ten­mo­dell: Auf Anfrage werden dem po­ten­zi­el­len Kunden Angebote gemacht. Solch flexible Kos­ten­mo­del­le können ge­le­gent­lich von Vorteil sein, sorgen aber auch für In­trans­pa­renz bei einem Sto­rytel­ling-Tool, das ohnehin als eines der kost­spie­li­ge­ren gilt.

Vorteile Nachteile
Hoch­wer­ti­ge und zeit­ge­mä­ße Optik der Story Ohne Rechte an gutem Bild­ma­te­ri­al kann man mit dem Tool nicht viel aus­rich­ten
Viel Module und Design-Optionen zur Auswahl Ver­gleichs­wei­se hohe, in­trans­pa­ren­te Preise

Geeignet für:

  • Stories mit ein­drück­li­chem Bild­ma­te­ri­al
  • Pro­fes­sio­nel­le Projekte mit höherem Budget

Keeeb

Keeeb ist ein kleines, aber feines Tool fürs digitale Sto­rytel­ling, das sich besonders für die Pla­nungs­pha­se eignet. Denn mit diesem Tool können sich Ge­schich­ten ganz organisch aus dem ge­sam­mel­ten Re­cher­che­ma­te­ri­al ent­wi­ckeln. Primär ist Keeeb dafür kon­zi­piert, Le­se­zei­chen im Browser besser zu or­ga­ni­sie­ren. Speziell daran sind zwei Dinge: Mit dem Tool speichert man nicht nur ganze Seiten ab, sondern verlinkt auch einzelne Text­pas­sa­gen, Bilder oder Headlines. Außerdem weist die Be­nut­zer­ober­flä­che des Tools eine Be­son­der­heit auf: Die Inhalte werden in einer visuellen Sammlung ge­spei­chert und können hier or­ga­ni­siert und be­ar­bei­tet werden.

Diese beiden Ei­gen­schaf­ten machen es zum optimalen Re­cher­che­werk­zeug für die digitale Story – denn beim Re­cher­chie­ren entstehen bereits die ersten Entwürfe für ihre optische Umsetzung. Indem man das Re­cher­che­ma­te­ri­al visuell anordnet und be­ar­bei­tet, ent­wi­ckelt sich die digitale Story manchmal ganz von selbst. Der kreative Prozess, der durch dieses Tool frei­ge­setzt werden kann, ist besonders in der Pla­nungs­pha­se des Sto­rytel­lings wertvoll.

Vorteile Nachteile
Ein as­so­zia­ti­ves Tool, um Ideen für gute Stories und deren Vi­sua­li­sie­rung zu ent­wi­ckeln Aus­schließ­lich zur Planung ein­setz­bar
Nicht nur als Sto­rytel­ling-Tool geeignet, sondern auch für die Or­ga­ni­sa­ti­on der per­sön­li­chen Web­in­hal­te
Kostenlos

Geeignet für:

  • Früh­pha­sen von Projekten
  • Ideen­fin­dung und Vi­sua­li­sie­rungs­ent­wür­fe

Time­line­JS

Bei Time­line­JS werden Inhalte in digitalen Timelines dar­ge­stellt. Die Timeline befindet sich in der unteren Bild­schirm­hälf­te, darüber werden in großen In­for­ma­ti­ons­fens­tern weitere Details (Text-, Bild- und Vi­deo­ma­te­ri­al) zu den einzelnen Be­ge­ben­hei­ten prä­sen­tiert. Durch die Fenster zu den einzelnen Events klickt man sich – gleich einer Slideshow – hindurch. Dieses Sto­rytel­ling-Tool verfolgt also einen ganz spe­zi­el­len Ansatz der Da­ten­vi­sua­li­sie­rung: die Auf­be­rei­tung von Daten in Timelines. Damit sind die Optionen dieses Tools freilich begrenzt – dennoch bieten die Timelines mehr Vielfalt, als man zunächst denkt: Neben Bildern, Videos und Text lassen sich auch Au­dio­da­tei­en, Locations, Social-Media-Inhalte oder Links in die Stories in­te­grie­ren. Damit wird die chro­no­lo­gi­sche Dar­stel­lung von Er­eig­nis­sen zu einem ab­wechs­lungs­rei­chen Erlebnis – die Fir­men­ge­schich­te des eigenen Un­ter­neh­mens etwa bekommt mit Time­line­JS einen hohen Wie­der­erken­nungs­wert. Außerdem lassen sich Timelines ständig erweitern – so können Besucher einer Website an der Ent­wick­lung aktueller Projekte teilhaben. Dies ist mit ver­hält­nis­mä­ßig geringem Aufwand verbunden, denn durch die über­sicht­li­chen Optionen des Tools ist es auch leicht in der Hand­ha­bung. Mit diesem Tool gelingt das Sto­rytel­ling auch ohne lange Ein­ar­bei­tungs­pha­se.

Vorteile Nachteile
Hoher Wie­der­erken­nungs­wert der Story Begrenzte An­wen­dungs­mög­lich­kei­ten: nur ein einzige Form der Da­ten­vi­sua­li­sie­rung
Einfache Hand­ha­bung des Tools
Open Source

Geeignet für:

  • Chro­no­lo­gi­sche Auf­be­rei­tung von Er­eig­nis­sen
  • Für jour­na­lis­ti­sche Inhalte (Re­por­ta­gen, his­to­ri­sche Dar­stel­lun­gen) aber auch für Un­ter­neh­men (Fir­men­ge­schich­te, Ent­wick­lung von Projekten)

Linius

Linius ist ein deutsches Pendant zu Shorthand und wurde in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Baye­ri­schen Rundfunk für den digitalen Jour­na­lis­mus ent­wi­ckelt – so nutzten es bereits zahl­rei­che BR-Jour­na­lis­ten oder auch die Ta­ges­schau, um mul­ti­me­dia­le Ge­schich­te zu erzählen. Linius funk­tio­niert wie Shorthand nach dem Prinzip des Scrol­lytel­lings. Neben dem klas­si­schen ver­ti­ka­len Scrollen entfalten sich manche Kapitel der Medien-Ge­schich­te auch auf ho­ri­zon­ta­ler Ebene. Dadurch entsteht eine besondere Dynamik der Mul­ti­me­dia-Story. Das Besondere bei Linius: Es wurde als WordPress-Theme ent­wi­ckelt und er­mög­licht damit at­trak­ti­ves Sto­rytel­ling auch auf Basis von WordPress. Wie bei den meisten Sto­rytel­ling-Tools, die auf pro­fes­sio­nel­len Jour­na­lis­mus abzielen, erfährt man bei Linius jedoch den Preis nur auf Anfrage.

Fakt

Auch der WDR hat sein eigenes mul­ti­me­dia­les Sto­rytel­ling-Tool ent­wi­ckelt: Pageflow kom­bi­niert ebenfalls Bild-, Video- und Grafik-Material zu hoch­wer­ti­gem Scrol­lytel­ling. Es ist als Open Source verfügbar, wird auch gehostet und ist eine gute Al­ter­na­ti­ve zu Linius.

Vorteile Nachteile
Desktop- und Cloud-Version Seiten bauchen lange zum Laden
Viele sinnvolle Module, daher ab­wechs­lungs­rei­ches Story-Design Kosten bei kom­mer­zi­el­ler Nutzung

Geeignet für:

  • Stories mit starkem Bild­ma­te­ri­al

Thinglink

Thinglink bietet noch einmal eine etwas andere Variante des digitalen Ge­schich­ten­er­zäh­lens: Mit diesem Sto­rytel­ling-Tool wird ein „Klickbild“ erstellt – also eine einzige visuelle Ober­flä­che, auf der der User einzelne Bild­ele­men­te per Maus ansteuert und daraufhin gezielte In­for­ma­tio­nen zu diesen erhält. Die Infos öffnen sich in einem kleinen Fenster und enthalten weitere Daten wie Text, Bilder, Videos, Audios oder Links. Ähnlich einem Ad­vents­ka­len­der, dessen Türchen einzeln geöffnet werden, vermag ein solches Klickbild die Neugierde der Website-Besucher zu wecken. Ein großer Vorteil dieses Sto­rytel­ling-Tools ist seine intuitive Bedienung. Man fügt die Bild­ele­men­te durch Klicks an der ge­wünsch­ten Stelle ein und lädt dann die er­gän­zen­den Mul­ti­me­dia-Inhalte in das Fenster hoch. An­schlie­ßend kann man die Elemente weiterhin per Drag-and-Drop ver­schie­ben, bis alle an der ge­wünsch­ten Stelle des Klick­bil­des sitzen. Besonders an Thinglink ist außerdem, dass es einen Schritt in Richtung Virtual Reality un­ter­nimmt: Das Tool ist in der Lage, 360°-Bilder in die digitale Story zu in­te­grie­ren. Ein Klickbild gibt also de­tail­lier­te In­for­ma­tio­nen zu einem be­stimm­ten Bild. Als Beispiel: Die Fo­to­gra­fie einer Maschine wird mit beliebig vielen mul­ti­me­dia­len Bild­ele­men­ten versehen, die im Einzelnen Auskunft über ihre Funk­tio­nen geben. Ein anderes Beispiel: Ein Klickbild der Dresdener Frau­en­kir­che erlaubt u. a. zu hören, wie deren Glocken klingen. Damit eignet sich Thinglink besonders zur Be­schrei­bung von Orten und Objekten. Durch das in­ter­ak­ti­ve, non­linea­re Erzählen bietet das Tool eine in­ter­es­san­te Al­ter­na­ti­ve zum klas­si­schen Fließtext – oder auch zum linearen Scrol­lytel­ling von Shorthand oder Linius.

Vorteile Nachteile
Intuitive Bedienung Kos­ten­lo­se Ba­sis­ver­si­on nur für kurze Zeit verfügbar, danach kos­ten­pflich­tig
In­ter­ak­ti­ve, nicht­li­nea­re Auf­be­rei­tung von In­for­ma­tio­nen Klickbild kann starr und einseitig wirken
360°-Bilder möglich

Sto­ry­Map­JS

Viele Ge­schich­ten entfalten sich anhand von geo­gra­fi­schen Orten – dies ist der Aus­gangs­punkt des nächsten Sto­rytel­ling-Tools: Sto­ry­Map­JS setzt auf die geo­gra­fi­sche Erzählung von Ge­schich­ten und nutzt dafür die visuelle Vielfalt von Land­kar­ten, Stadt­kar­ten und his­to­ri­schen Karten. Einzelne Orte werden mit Weg­mar­kie­run­gen verbunden und De­tail­in­fos zu den einzelnen Stationen gegeben. Der Leser klickt sich durch die Bild­punk­te auf der Karte und erhält daraufhin die mul­ti­me­di­al auf­be­rei­te­ten In­for­ma­tio­nen. So kann bei­spiels­wei­se eine fik­tio­na­le Karte der Fern­seh­se­rie Game of Thrones zur un­ter­halt­sa­men Digital Story werden. Genau wie Time­line­JS ist auch Sto­ry­Map­JS ein Tool der Knight Lab Foun­da­ti­on der Nor­thwes­tern Uni­ver­si­ty und ebenfalls als Open Source verfügbar. Zur Ge­stal­tung einer Story existiert eine recht viel­fäl­ti­ge Auswahl an Kartenvorlagen. Darüber hinaus gibt es die Mög­lich­keit, eigene Bilder hoch­zu­la­den oder auch eigene Karten zu erstellen. Dies funk­tio­niert mit dem Gigapixel-Feature von Sto­ry­Map­JS, das die Optionen des Tools deutlich erweitert: Nicht nur Karten lassen sich mit Gigapixel be­ar­bei­ten, sondern auch Fo­to­gra­fien oder Gemälde. Ähnlich wie bei Thinglink wird eine Art Klickbild erstellt, dessen einzelne Bild­punk­te weitere In­for­ma­tio­nen enthalten.

Vorteile Nachteile
Viel­sei­ti­ge Vorlagen An­spruchs­vol­le Hand­ha­bung
Un­ter­schied­li­che Typen von Digital Stories möglich: geo­gra­fi­sche Er­zäh­lun­gen sowie „Klick­bil­der“ von Fo­to­gra­fien oder Gemälden Nur mit Google-Account nutzbar
Open Source

Geeignet für:

  • Digitale Ge­schich­ten, die an vielen un­ter­schied­li­chen Orten statt­fin­den
  • Digitale Ge­schich­ten, die für viel Zeit in Anspruch nehmen dürfen und eine hoch­wer­ti­ge Optik aufweisen sollen
  • Klick­bil­der

Sto­rytel­ling-Tools und ihre Features im ta­bel­la­ri­schen Vergleich

Kern­funk­ti­on Team­ar­beit Desktop- oder Cloud-Version Kos­ten­lo­se Version
Storify In­te­gra­ti­on vieler Social-Media-Dienste Desktop-Version & Cloud-Version Kos­ten­lo­se Ba­sis­ver­si­on
Shorthand Scrol­lytel­ling Cloud-Version Kosten bei ver­öf­fent­lich­ter Story
Keeeb Re­cher­che­ma­te­ri­al visuell sortieren Er­geb­nis­se können im Team geteilt werden Cloud-Version
Time­line­JS In­ter­ak­ti­ve Timelines erstellen Cloud-Version
Linius Scrol­lytel­ling Desktop-Version & Cloud-Version Kosten bei kom­mer­zi­el­ler Nutzung
Thinglink Klick­bil­der und in­ter­ak­ti­ve 360°-Ansichten Desktop-Version & Cloud-Version Kos­ten­lo­se Ba­sis­ver­si­on für kurze Zeit, danach kos­ten­pflich­tig
Sto­ry­Map­JS In­ter­ak­ti­ve geo­gra­fi­sche Stories Cloud-Version
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