Wenn Sie externe Services in Ihr Web­pro­jekt einbinden, um dessen Erfolg oder den ge­star­te­ter Wer­be­kam­pa­gnen zu messen, müssen Sie nor­ma­ler­wei­se mit einer großen Zahl an Code-Snippets jon­glie­ren. Das erfordert – zu­sätz­lich zu einem gewissen Know-how in Sachen Pro­gram­mie­rung – ein hohes Maß an Übersicht. Fehlt die Mög­lich­keit, direkt auf die Code-Basis zu­zu­grei­fen, muss für die Im­ple­men­tie­rung neuer Analyse- und Tracking-Dienste gar jedes Mal der ver­ant­wort­li­che Pro­gram­mie­rer kon­tak­tiert werden. Um dem zu begegnen, hat Google vor einigen Jahren den Google Tag Manager ver­öf­fent­licht, der die Ein­bin­dung ver­schie­de­ner Codes erheblich ver­ein­facht.

Was ist der Google Tag Manager?

Mit Google Tag Manager (GTM) ver­öf­fent­lich­te Google im Oktober 2012 das haus­ei­ge­ne Ma­nage­ment-System zur Ein­bin­dung und Ver­wal­tung von Ja­va­Script- und HTML-Tags. Während die erste Version in erster Linie für die von Google ent­wi­ckel­ten Lösungen Analytics, AdWords und Dou­ble­Click kon­zi­piert war, un­ter­stützt der Tag-Manager seit Version 2 (2014) ins­be­son­de­re dank der Ver­öf­fent­li­chung der of­fi­zi­el­len API eine immer größer werdende Zahl an Tags von Dritt­an­bie­tern. Dabei ist Google Tag Manager nicht nur auf die Im­ple­men­tie­rung von Analyse- und Con­ver­si­on-Tools be­schränkt: Auch Re­mar­ke­ting- und Affiliate-Tags sowie die Snippets von Testing-Tools wie AB Tasty oder Mouseflow (Heatmap-Tool) lassen sich mithilfe der Google-Software in das ge­wünsch­te Web­pro­jekt (Websites und mobile Apps) einbinden.

Hinweis

Eine Auf­lis­tung offiziell un­ter­stütz­ter Tags finden Sie im Google-Support-Forum.

Wie funk­tio­niert der Tag-Manager von Google genau?

Auch bei der Nutzung von Google Tag Manager kommen Sie nicht gänzlich darum herum, direkt auf den Quellcode zu­zu­grei­fen. Im Gegensatz zur Snippet-Ein­bin­dung ohne Tag-Manager ist dieser Zugriff auf das HTML-Gerüst jedoch nur ein einziges Mal nötig: Gleich zu Beginn fügen Sie das so­ge­nann­te Container-Snippet in Form zweier kurzer Code-Ab­schnit­te in Head- und Bo­dy­be­reich ein – sämtliche weitere Im­ple­men­tie­run­gen erledigen Sie im Anschluss über das Web­in­ter­face von Google Tag Manager. Das Container-Snippet fungiert als zentraler Ort, von dem aus alle Tags, die Sie über die Brow­ser­ober­flä­che kon­fi­gu­rie­ren, gesammelt aus­ge­spielt werden. Auch spätere Än­de­run­gen an einem Snippet können direkt im Tag-Manager vor­ge­nom­men werden. Benötigen Sie ein Tag nicht mehr, löschen Sie dieses einfach aus dem Container.

Tags, Trigger und Variablen: Die Kern­kom­po­nen­ten von Google Tag Manager

Damit das Container-Snippet dafür sorgt, dass die ge­wünsch­ten Nutzer-In­ter­ak­tio­nen und In­for­ma­tio­nen erfasst und an die je­wei­li­gen Services wei­ter­ge­ge­ben werden, müssen Sie in Google Tag Manager die passenden Tags und Trigger erstellen. Mit Variablen lassen sich diese beiden Grund­ele­men­te des Google-Tools zudem spe­zi­fi­zie­ren. Für alle drei Kom­po­nen­ten gibt es ver­schie­de­ne vor­ge­fer­tig­te Muster – Sie können aber bei Bedarf auch eigene Ein­stel­lun­gen vornehmen. Welche Funktion Tags, Trigger und Variablen genau haben, zeigen die folgenden Kurz­por­traits.

Tags

Tags sind die zentralen Steu­er­ein­hei­ten des Tag-Managers von Google. Sie legen fest, welche In­for­ma­tio­nen an welche Dienste gesendet werden und liegen in Code-Form vor. Im Prinzip sind Tags also nichts anderes als die Snippets, die Sie ei­gent­lich in den HTML-Code einbinden würden. Zu­sätz­lich zu den Standard-Tags gibt es spezielle Ja­va­Script-Tags, die nicht der Wei­ter­lei­tung von In­for­ma­tio­nen dienen, sondern weitere Tags auslösen. Google Tag Manager lädt aber generell alle in einem Container ent­hal­te­nen Tags un­ab­hän­gig von­ein­an­der und parallel zu anderen Elementen des Web­pro­jekts. Durch einen in­tel­li­gen­ten Caching-Me­cha­nis­mus wird die Anzahl an Requests, die der Webserver zu diesem Zweck be­ant­wor­ten muss, optimiert.

Tipp

Über die Tag-Blacklist können Sie Tags bzw. Tag-Typen de­fi­nie­ren, die auf keinen Fall zu Ihrer Website oder Ihrer App hin­zu­ge­fügt werden sollen.

Trigger

Durch Trigger de­fi­nie­ren Sie in Google Tag Manager, unter welchen Vor­aus­set­zun­gen ein be­stimm­ter Tag aus­ge­spielt werden soll. Konkret geht es dabei darum, welche Nut­zer­ak­tio­nen oder Er­eig­nis­se dazu führen, dass ein Code aus­ge­führt wird – diesen damit also „triggern“ (dt. „auslösen“). Dabei kann es sich bei­spiels­wei­se um einfache Sei­ten­auf­ru­fe, geladene Fenster oder das Auf­tau­chen von Feh­ler­mel­dun­gen, aber auch um aktive Klicks der Besucher auf eine bestimmte Schalt­flä­che handeln. Des Weiteren können Sie natürlich auch das Ausfüllen eines Formulars, die Anmeldung für den News­let­ter oder das Anschauen eines Videos als Trigger für Tags festlegen. Es ist möglich, denselben Trigger für mehrere Tags ein­zu­set­zen.

Variablen

Wenn Sie die Ein­stel­lun­gen für de­fi­nier­te Tags und Trigger noch ver­fei­nern wollen, können Sie von den Variablen des Tag-Managers Gebrauch machen. Für Tags bieten Variablen die Mög­lich­keit, dy­na­mi­sche Werte zu erfassen. Sollen also bei­spiels­wei­se in einem On­line­shop auch In­for­ma­tio­nen wie die Trans­ak­ti­ons­über­ga­be oder die Übergabe der gekauften Produkte getrackt werden, lässt sich mithilfe von Variablen regeln. Bei Triggern verhält es sich ganz ähnlich – Variablen dienen dazu, die Auslöser zu spe­zi­fi­zie­ren: Während Sie mit einem Trigger lediglich de­fi­nie­ren, dass ein Tag aus­ge­führt werden soll, sobald ein Sei­ten­auf­ruf geschieht, können Sie mithilfe einer Variablen festlegen, um welche Seite(n) bzw. URL(s) es sich dabei genau handeln soll.

Snippets mit dem Google Tag Manager einbinden – das sind die Vorteile

Der Google Tag Manager stellt aus diversen Gründen eine Be­rei­che­rung für jeden dar, der mit ver­schie­de­nen Tracking- und Ana­ly­se­tools arbeitet. Wir fassen die Vorzüge der Google-Software zusammen:

  • Zwi­schen­spei­che­rung von Tags minimiert Ser­ver­an­for­de­run­gen und verkürzt Ladezeit des Web­pro­jekts
  • All­ge­mei­ne Ver­schlan­kung des Quell­codes
  • Einfache, bequeme Ein­bin­dung und Ver­wal­tung aller Tags über ein einziges Web­in­ter­face nach einmalig not­wen­di­gem Zugriff auf den Quellcode
  • Dau­er­haf­te Blo­ckie­rung un­er­wünsch­ter Snippets bzw. Snippet-Typen erhöht den Si­cher­heits­stan­dard Ihrer Website/App
  • Diverse ein­satz­fer­ti­ge Vorlagen für Tags, Variablen und Trigger verfügbar
  • Au­to­ma­ti­sche Über­prü­fung ein­ge­setz­ter Tags im Vorschau- und Debugging-Modus
  • Pro­to­kol­lie­rung aller Tag-Ak­ti­vi­tä­ten sowie aller Än­de­run­gen an den Google-Tag-Manager-Kon­to­ein­stel­lun­gen

Tutorial: Google Tag Manager für das eigene Web­pro­jekt verwenden

Wie lässt sich der Tag-Manager von Google nun genau für die eigene Website bzw. App nutzen? Da der Tag-Manager web­ba­siert ist, ist keine In­stal­la­ti­on notwendig – Sie erreichen die Ober­flä­che über jeden gängigen Browser. Auch Kosten fallen für die Nutzung nicht an, sodass Sie im Prinzip sofort loslegen können. Einzige Vor­aus­set­zung ist ein gültiges Google-Konto. Nutzen Sie bereits Dienste wie AdWords, Gmail oder Google Drive, haben Sie bereits ein Konto – an­dern­falls müssen Sie im ersten Schritt die Account-Er­stel­lung aufrufen und ein solches erstellen, um Zugang zu Google Tag Manager zu haben.

Schritt 1: Google-Tag-Manager-Konto ein­rich­ten

Rufen Sie die The­men­sei­te zum Tag-Manager von Google auf und melden sich mit Ihrem Google-Account an, um mit der Ein­rich­tung des Managers zu beginnen. Es öffnet sich au­to­ma­tisch ein neues Menü, über das Sie nun Ihr Tag-Manager-Konto hin­zu­fü­gen können. Zu diesem Zweck geben Sie den ge­wünsch­ten Kon­to­na­men und das Land an, in dem Sie ansässig sind. Klicken Sie auf die Schalt­flä­che „Weiter“, um die ein­ge­ge­be­nen Daten zu be­stä­ti­gen.

Schritt 2: Container ein­rich­ten

Als nächstes erstellen Sie den Container, in den Sie später die Snippets Ihrer Wahl einfügen. Dafür wählen Sie zunächst einen Namen – bei einer Website ist es sinnvoll, hier die URL zu verwenden, ins­be­son­de­re, wenn Sie planen, ver­schie­de­ne Projekte (die jeweils eigene Container erhalten) über das Tag-Manager-Konto zu verwalten. Grund­sätz­lich haben Sie bei der Na­mens­ge­bung aber freie Auswahl. Um die Container-Er­stel­lung ab­zu­schlie­ßen, geben Sie noch den Typ des Projekts an (Standard-Website, AMP oder App) und klicken auf „Erstellen“.

Schritt 3: Google-Tag-Manager-Container-Snippet einbinden

Es dauert einen kleinen Moment, bis das Google-Tool den Container generiert hat. War der Vorgang er­folg­reich, prä­sen­tiert Ihnen der Tag-Manager das zwei­ge­teil­te Container-Snippet. Ersteren Code können Sie nun per Copy-and-Paste in den Header Ihrer Seiten kopieren, letzteren ver­frach­ten Sie auf dieselbe Weise in den Body-Bereich der ge­wünsch­ten HTML-Dokumente (direkt nach dem öffnenden Body-Tag). So ist si­cher­ge­stellt, dass das Snippet möglichst früh geladen wird, um möglichst akkurate Messdaten liefern zu können.

Tipp

Der Google-Tag-Manager-Code lässt sich auch im Nach­hin­ein jederzeit aufrufen. Zu diesem Zweck wählen Sie einfach den Tab „Ver­wal­tung“ aus und klicken an­schlie­ßend auf „Google Tag Manager in­stal­lie­ren“.

Schritt 4: Tags hin­zu­fü­gen

Sobald Sie den Code des Tag-Managers ein­ge­bun­den haben, können Sie damit beginnen, den Container zu füllen. Hierfür erstellen Sie im ersten Schritt die Tags, um die ei­gent­li­chen Tracking- und Analyse-Codes in Ihre Website bzw. App zu im­ple­men­tie­ren. Ex­em­pla­risch binden wir an dieser Stelle das bestens bekannte Google Analytics ein. Rufen Sie einfach Ihren Ar­beits­be­reich über den gleich­na­mi­gen Tab auf und wählen Sie „Neues Tag“ oder „Neues Tag hin­zu­fü­gen“.

Klicken Sie nun auf das „Tag-Kon­fi­gu­ra­ti­on“-Feld und wählen Sie den Tag-Typ „Universal Analytics“ aus:

An­schlie­ßend legen Sie fest, was Analytics tracken soll (in diesem Tutorial: Sei­ten­auf­ruf), und setzen zunächst ein Häkchen bei „Ein­stel­lun­gen zum Über­schrei­ben in diesem Tag ak­ti­vie­ren“ (notwendig, wenn Sie an dieser Stelle keine Variable hin­zu­fü­gen). Nun können Sie die Analytics-Tracking-ID in die ent­spre­chen­de Zeile eintragen. Um Google Analytics auch da­ten­schutz­kon­form zu nutzen, fügen Sie zum Abschluss unter „Weitere Ein­stel­lun­gen“ -> „Fest­zu­le­gen­de Felder“ das Feld „an­ony­mi­zeIp“ hinzu und setzen den Wert „true“. In der Folge werden die von Ihrem Webserver auf­ge­zeich­ne­ten IP-Adressen an­ony­mi­siert an Google wei­ter­ge­lei­tet.

Speichern Sie das neu angelegte Google-Analytics-Tag über die gleich­na­mi­ge Schalt­flä­che und wählen Sie im auf­tau­chen­den Fenster „Tag speichern“. Den daraufhin vor­ge­schla­ge­nen Tag-Namen können Sie un­ver­än­dert über­neh­men.

Schritt 5: Trigger hin­zu­fü­gen

Bereits beim Speichern des Tags hat Google Tag Manager Sie darauf hin­ge­wie­sen, dass Sie noch einen Trigger hin­zu­fü­gen müssen, damit der Tracking-Code von Analytics bei der ge­wünsch­ten Nut­zer­ak­ti­on auch aus­ge­spielt wird. Um einen neuen Auslöser zu erstellen, wählen Sie in der Me­nü­leis­te des Ar­beits­be­reichs den Eintrag „Trigger“ und klicken danach auf „NEU“.

Klicken Sie auf das Feld „Trig­ger­kon­fi­gu­ra­ti­on“, um eine Übersicht über die ver­füg­ba­ren Aus­lö­ser­ty­pen zu erhalten. Suchen Sie nach dem ge­wünsch­ten Trigger und klicken Sie auf den ent­spre­chen­den Eintrag. Wenn Sie ein aus­lö­sen­des Ereignis benötigen, für das keine Vorlage existiert, wählen Sie „Be­nut­zer­de­fi­nier­tes Ereignis“. In diesem Google-Tag-Manager-Tutorial nehmen wir den Trigger „Sei­ten­auf­ruf“, der im vorigen Schritt bereits als Tracking-Ziel angegeben wurde. Für diesen Typ lässt sich außerdem festlegen, ob er für sämtliche oder nur für bestimmte Aufrufe gelten soll.

Drücken Sie auf „SPEICHERN“ und wählen Sie einen passenden Namen für den neuen Trigger.

Schritt 6: Trigger und Tag verbinden

Wechseln Sie zurück zu dem in Schritt 4 an­ge­leg­ten Tag (unter „Tags“ zu finden) und fügen Sie den Auslöser hinzu, indem Sie auf die „Trigger“-Schalt­flä­che drücken, aus der auf­pop­pen­den Liste einen auswählen und die Än­de­run­gen speichern.

Schritt 7: Funk­tio­na­li­tät der er­stell­ten Tags testen

Google Tag Manager gibt Ihnen die Mög­lich­keit, die Funk­tio­na­li­tät der ein­ge­bun­de­nen Tags und Trigger (und falls verwendet auch Variablen) zu testen, bevor Sie den Snippet-Container live­schal­ten. Dazu klicken Sie auf „IN VORSCHAU ANSEHEN“. Nach kurzer Wartezeit erscheint folgende Meldung, die Sie darüber in­for­miert, dass der Vor­schau­mo­dus des Tag-Managers aktiv ist:

Haben Sie den Vor­schau­mo­dus gestartet, rufen Sie in einem neuen Tab Ihr Web­pro­jekt auf. Am unteren Bild­schirm­rand öffnet sich nun die Konsole des Tag-Managers von Google, in der Sie unter „Summary“ sehen können, welche Tags aus­ge­führt wurden. Da wir in diesem Tutorial kon­fi­gu­riert haben, dass das Google-Analytics-Snippet direkt beim Sei­ten­auf­ruf aus­ge­spielt werden soll, listet die Konsole das Analytics-Tag in diesem Fall bereits unter „Tags Fired On This Page“ (dt. „Auf dieser Seite aus­ge­führ­te Tags“) auf:

Hinweis

Um Tags bzw. Trigger zu testen, die konkrete Nut­zer­inter­ak­tio­nen wie das Klicken eines Buttons vor­aus­set­zen, müssen Sie die ent­spre­chen­den Aktionen zunächst ausführen.

Schritt 8: Container ver­öf­fent­li­chen

Funk­tio­niert Ihr Container-Set-up wie gewünscht, ist es an der Zeit, dieses in die Live-Version Ihres Web­pro­jekts zu in­te­grie­ren. Hierfür heißt es, eine neue Version zu erstellen und diese zu ver­öf­fent­li­chen. Um das ent­spre­chen­de Menü zu öffnen, klicken Sie auf den „SENDEN“-Button, der rechts oben in der Me­nü­leis­te des Tag-Managers zu finden ist. Wählen Sie die Option „Version erstellen und ver­öf­fent­li­chen“ und kenn­zeich­nen die Container-Version mit einem passenden Namen und einer in­halt­li­chen Be­schrei­bung (optional), die ins­be­son­de­re bei um­fang­rei­chen Tag-Samm­lun­gen zu empfehlen ist.

Klicken Sie auf „VER­ÖF­FENT­LI­CHEN“, um die Live-Schaltung Ihrer ersten Tag-Container-Version ab­zu­schlie­ßen.

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