Daten sind die Rohstoffe des 21. Jahr­hun­derts. Dessen waren sich auch die Ver­ant­wort­li­chen des US-Dis­count­händ­lers Target bewusst, als Sie ein Pro­gno­se­mo­dell ent­wi­ckel­ten, das ge­sam­mel­te Kun­den­da­ten in nützliche In­for­ma­tio­nen zur Stei­ge­rung der eigenen Ver­kaufs­ef­fi­zi­enz und der Zu­frie­den­heit der Kunden umwandeln sollte. Aufsehen erregte die Han­dels­ket­te im Jahr 2012, als die New York Times aufdeckte, wie Target auf diese Weise die Schwan­ger­schaft einer Teen­age­rin vor­aus­sa­gen konnte, noch bevor deren Vater Bescheid wusste.

Kre­dit­kar­ten­in­for­ma­tio­nen und das Kauf­ver­hal­ten im Su­per­markt um die Ecke sind nur ein kleiner Teil der Da­ten­men­gen, die Firmen oder Shop-Be­trei­bern heut­zu­ta­ge zur Verfügung stehen. Vor allem im Internet hin­ter­las­sen Kunden Spuren, die von großer Bedeutung für Un­ter­neh­men sein können. Je um­fang­rei­cher das eigene Online-Angebot ist, desto größer ist die po­ten­zi­el­le Menge an Big Data, die über die eigene Homepage bzw. die Shop-Seite gewonnen werden. Die Sammlung der Daten funk­tio­niert dabei in der Regel über das so­ge­nann­te Web-Page-Tagging. Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff und wie funk­tio­niert diese Technik?

Page-Tagging: De­fi­ni­ti­on

Unter Page-Tagging versteht man die Im­ple­men­tie­rung von Tags bzw. Aus­zeich­nun­gen in den be­stehen­den HTML-Code einer Web­prä­senz. Diese Mar­kie­run­gen helfen dabei, das Verhalten des Besuchers zwischen zwei Sei­ten­auf­ru­fen zu ana­ly­sie­ren. Es stellt als cli­ent­sei­ti­ges Verfahren zur Da­ten­samm­lung eine Al­ter­na­ti­ve zur ser­ver­ba­sier­ten Log-Analyse dar und wird häufig mit dem Über­be­griff Web­ana­ly­se gleich­ge­setzt. Außerdem ist das Web-Page-Tagging von der ge­läu­fi­ge­ren Tagging-Bedeutung zu un­ter­schei­den, die die Ver­schlag­wor­tung von Inhalten in sozialen Netz­wer­ken, Blogs oder auf Websites zur The­men­struk­tu­rie­rung meint.

Es exis­tie­ren diverse Tools fürs Page-Tagging wie Google Analytics, die Website-Betreiber dabei un­ter­stüt­zen, die Tags ein­zu­bin­den und die ge­sam­mel­ten Daten im Anschluss aus­zu­wer­ten. Bei den ge­won­ne­nen In­for­ma­tio­nen handelt es sich bei­spiels­wei­se um die Anzahl an Besuchern, deren Ver­weil­dau­er auf der je­wei­li­gen Seite oder die Bild­schirm­grö­ße der ver­wen­de­ten Geräte.

Funk­ti­ons­wei­se von Page-Tagging

Den Grund­stein des Page-Taggings als – im Gegensatz zur klas­si­schen Log-Analyse – ser­ver­un­ab­hän­gi­ger Methode legten so­ge­nann­te web bugs („Web-Wanzen“), die auch als Zählpixel oder Pixel-Tags be­zeich­net werden. Seit den 1990er-Jahren lieferten diese 1-Pixel-Grafiken, die in den HTML-Code eingefügt wurden und zunächst noch für den Website-Besucher zu sehen waren, eine bequeme Lösung, um die Häu­fig­keit der Sei­ten­auf­ru­fe nach­zu­ver­fol­gen. Rief ein Nutzer die jeweilige Seite auf, wurde auch das Zählpixel, das sich auf einem externen Server befand, her­un­ter­ge­la­den. Auf diese Weise konnten auch Dienst­leis­ter mit der Sammlung, Spei­che­rung und Analyse der Daten be­auf­tragt werden.

Um die Jahr­tau­send­wen­de herum wurde die Page-Tagging-Web­ana­ly­se optimiert, indem die Pixel-Tags un­sicht­bar und zu­sätz­lich mit Ja­va­Script-Code verknüpft wurden. Diese modernen Tags werden weiterhin in die zu be­ob­ach­ten­den HTML-Dokumente ein­ge­bun­den und gewähren zu­sätz­li­che In­for­ma­tio­nen über den an­for­dern­den Client, also im Nor­mal­fall den Browser des Besuchers. So erfahren Sie als Website-Betreiber bei­spiels­wei­se auch, welches Be­triebs­sys­tem die User verwenden, wo sie herkommen oder durch welche Such­wör­ter sie zu Ihrer Web­prä­senz gelangt sind. Hat der auf­ru­fen­de Client Ja­va­Script de­ak­ti­viert, wird nur das Zählpixel her­un­ter­ge­la­den und zumindest der Sei­ten­auf­ruf re­gis­triert.

Er­geb­nis­se der Page-Tagging-Web­ana­ly­se und ihr Nutzen

Page-Tagging ist für jeden relevant, der im World Wide Web aktiv und an einem Wachstum bzw. kon­ti­nu­ier­li­chen Bestand des betreuten Web­pro­jekts in­ter­es­siert ist. Zwei­fels­oh­ne besitzen die ge­sam­mel­ten Daten besonders für das ver­kaufs­ori­en­tier­te Marketing einen be­son­de­ren Wert, al­ler­dings ist der Nutzen für die Bindung von Kunden, Besuchern oder Lesern ebenfalls nicht zu un­ter­schät­zen. Hier ein paar Beispiele, welche Schlüsse sich aus be­stimm­ten Er­geb­nis­sen des Web-Page-Taggings ziehen lassen und wer davon besonders pro­fi­tiert:

  • Die ver­wen­de­ten Endgeräte: Immer mehr Nutzer greifen über mobile Geräte auf das Internet zu. Mobile Seiten bzw. Re­spon­si­ve Webdesign, also die Op­ti­mie­rung für alle Endgeräte, sollten für alle Website-Betreiber selbst­ver­ständ­lich sein. Mithilfe des Page-Taggings erfahren Sie Genaueres über die Ver­tei­lung der je­wei­li­gen Abrufe und können ent­spre­chend handeln. Behalten Sie dabei auch bran­chen­spe­zi­fi­sche Ent­wick­lun­gen im Auge, etwa die steigende Zahl an Kauf­ab­schlüs­sen auf portablen Geräten im E-Commerce.
  • Beliebte Themen, Inhalte und Such­wör­ter: Lässt sich eine besonders hohe Auf­ruf­ra­te be­stimm­ter Seiten sowie eine hohe Ver­weil­dau­er der User fest­stel­len, sind dies gute Hinweise auf Themen und Inhalte, die bei Ihren Besuchern besonders gut ankommen. Ins­be­son­de­re Betreiber von Blogs oder News- und Rat­ge­ber­por­ta­len erhalten auf diese Weise wert­vol­len Input für die künftige Content-Planung. Die Auskünfte über ver­wen­de­te Such­wör­ter sind vor allem für das Marketing von On­line­shops und anderen Web­ser­vices in­ter­es­sant.
  • Con­ver­si­on-Rate: Die Be­ob­ach­tung der Con­ver­si­on-Rate, also der Messzahl positiver Trans­ak­tio­nen im Ver­hält­nis zur Ge­samt­men­ge an Besuchern, ist im E-Commerce eine un­ver­zicht­ba­re Maßnahme. On­line­shop-Betreiber erfahren auf diese Weise zum Beispiel, wie viele Nutzer zu zahlenden Kunden geworden sind. Bei einer Con­ver­si­on kann es sich aber ebenso gut um die Anmeldung für einen News­let­ter, den Klick auf einen Link oder den Download einer Datei handeln, was ihren Wert über den E-Commerce hinaus ver­deut­licht.
  • Ab­sprungra­te und interne Suche: Der Zeitpunkt, an dem Besucher Ihre Website verlassen, lässt sich genauso bestimmen wie die von ihnen zuletzt auf­ge­ru­fe­ne Seite. Absprünge können ei­ner­seits Auskunft über schwachen Content liefern, an­de­rer­seits aber auch durch tech­ni­sche Mängel bedingt sein. Sie sollten daher bei­spiels­wei­se die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der einzelnen Elemente, die all­ge­mei­ne Ladezeit sowie die Me­nü­füh­rung genau unter die Lupe nehmen. Ein Hinweis darauf, dass letztere nicht wunsch­ge­mäß funk­tio­niert, ist die häufige Ver­wen­dung der internen Such­funk­ti­on durch Ihre Besucher.

Obwohl Page-Tagging gern mit der Web­ana­ly­se gleich­ge­setzt wird, umfasst letztere ein we­sent­lich größeres Spektrum an Maßnahmen zur Da­ten­er­he­bung. Dazu gehören z. B. auch die bereits erwähnte Log-Analyse, Cookies, die Erfassung von Klick-Wei­ter­lei­tun­gen oder das Tracking von AJAX-, Java- und Flash-Elementen. Alle diese Er­he­bungs­mit­tel liefern Ihnen wertvolle In­for­ma­tio­nen, die Sie ge­winn­brin­gend ana­ly­sie­ren können.

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